Am Sonnabend, den 14. Juni 2014 wurde in Mehrow wieder ganz zünftig Dorffest gefeiert und zugleich der Gründung unserer Freiwilligen Feuerwehr von 80 Jahren gedacht.
Punkt 10 Uhr ging es mit einem ordentlichen Kanonenschlag los - der Schützenverein Ahrensfelde hat es sich nicht nehmen lassen, mit „Lucie“, einer 6-Pfünder-Kanone von 1813, das Fest einzuläuten. Voriges Jahr war „Lucie“ bei der Völker­schlacht in Leipzig, nächstes Jahr ist Waterloo dran.
Am Vormittag stand das Feuerwehrjubiläum im Mittelpunkt und wie es sich gehört, gab es zunächst ein lautstarkes Feuerwehr-Korso.
Es ging mit Sirenen­geheul entlang der Dorfstraße und hinterm Dorfteich zurück.
Neben den Feuerwehren aller Ahrensfelder Ortsteile waren weitere befreundete Wehren erschienen, zum Beispiel aus Hönow, Bernau und Prötzel, mit denen seit Jahren gute Kontakte gepflegt werden.
Da konnte man bestaunen, was andere noch so in ihren Garagen zu stehen haben, zum Beispiel den herrlichen W50 aus Eiche, auf dem zwei passend gekleidete Kameraden wie eifrige Flak-Schützen an der Spritze standen.
Vorbei ging es am frisch sanierten, aber noch unter Wassermangel leidenden Dorfteich, der gerade von der „Entengrütze“ befreit wurde.
Und auch die Baustelle für unseren künftigen Festplatz gab es bei der Tour zu sehen.
Um den Feuerwehrfreunden im Ort eine Freude zu machen, haben die Fahrzeuge in einer langen Reihe am Krummen­seer Weg Aufstellung genommen. Beim Absitzen fielen natürlich sofort die Kameraden aus Eiche ins Auge, die aussahen, als hätten sie schon unter Ulbricht gelöscht.
Da ein Feuerwehrjubiläum immer einen Appell beinhaltet (wann sollten sonst die Orden und Trinkgelder verabreicht werden?), wurde zunächst ganz brav Aufstellung genommen.
Unser Feuerwehr-Chef Steven Rahlf, der Brandmeister der Gemeinde, Herr Domes, unser Bürgermeister, Herr Gehrke (oben) und der frisch gewählte Ortsvorsteher, Herr Woller­mann (unten), haben in ihren Ansprachen die Kameraden unserer Feuerwehr für ihr Engagement gelobt und deren Partnern für das gezeigte Verständnis gedankt. Die häufigen Einsätze sind ja dem Familienleben nicht gerade zuträglich.
Seit Jahrhunderten ist es Pflicht der Gemeinden, die Bewohner zu Feuerlöschdiensten zu mobilisieren - finden sich keine Freiwilligen, dann können alle herangezogen werden. Schön, dass hier Freiwillige für alle diesen Dienst ausführen!
Unser Ortsvorsteher Bernhard Wollermann hat zu diesem Anlass ein sehr originelles Geschenk heranschleppen lassen:
Den Pumpenbalken einer alten Feuerspritze, die einst in einem Tümpel am Ortsrand versenkt wurde und deren Reste vor Jahren in einem besonders trockenen Sommer zum Vorschein kamen.
Vermutlich handelte es sich dabei um jene Handdruckspritze, mit der 1934 unsere Freiwillige Feuerwehr ihren Dienst aufgenommen hat. Das Teil, das nun wieder in einen ansehnlichen Zustand gebracht werden soll, passte also ganz prima zu diesem Jubiläum.
Der Vize-Chef des Kreisfeuerwehrverbandes Barnim, Herr Falkenthal (oben), überbrachte die Glückwünsche des Verbands und nutzte die Gelegenheit, zwei Mehrower Kameraden für treue Dienste auszuzeichnen:
Klaus Effenberger und Alfred Jenner, der die Auszeichnung leider nicht selbst in Empfang nehmen konnte.
Die Kameraden der befreundeten Wehren schlossen sich mit ihren Glückwünschen und kleinen Geschenken an.
Die Jugendfeuerwehren aus Mehrow und Prötzel, die schon einige Zeit gute Kontakte pflegen, haben sich gegenseitig ein schönes Geschenk gemacht: Eine Urkunde, mit der die Freundschaft besiegelt werden soll.
Die beiden Leiter der Prötzeler Jugendfeuerwehr waren mit einer stattlichen Abordnung nach Mehrow gekommen.
Für alle großen und kleinen Mitglieder gab es ein
(auch als Stirnband oder Latz benutzbares) Halstuch mit:
„Jugendfeuerwehren
Prötzel und Mehrow“.
Die Jungs und Mädels unserer Jugendfeuerwehr konnten sich darüber hinaus noch über Kapuzenjacken mit dem Aufdruck „Jugendfeuerwehr Mehrow“ freuen, die ihre Chefs, Tobias und Beatrice, besorgt haben und nun stolz verteilten.
Dass die Freiwillige Feuerwehr aus unserem Nachbardorf Hönow ihren „Leiterwagen“ mitgebracht hat, freute viele der Festbesucher ganz besonders.
Kaum war das Fahrzeug in Stellung gebracht, ging es auch schon los mit den Fahrten in luftige Höhe. Bis zum Mittag wollte der Strom der Interessenten nicht abreißen.
Je zwei Mutige fanden zusammen mit einem Hönower Feuerwehrmann Platz in der „Gondel“ und wurden in ein paar Sekunden auf 30 Meter Höhe gehievt. Von da oben hat man schon einen schönen Blick über unser Dorf sowie rüber nach Eiche und bis zu den Marzahner Hochhäusern.
Nur unser Nachbardorf Hönow war nicht zu sehen ...
Wer es nicht ganz so aufregend haben wollte wie die „Gondelfahrer“, der hat sich derweil das Gesicht bemalen lassen, sich im Festzelt mit Kaffee und Kuchen eingedeckt oder Fleisch, Wurst, Bouletten und Pommes „erstanden“.
Wie z. B. die Ahrensfelder Kanoniere, die offenbar Mehrower Fourage genau so lieben, wie ihre „Lucie“.
Am Schießstand war schon den ganzen Vormittag Betrieb. Nicht jeder hat auf Anhieb alle Kugeln durch das gleiche Loch in der Scheiben-Mitte jagen können - da mussten viele erst üben.
Ruhiger ging's beim Ritter zu.
Der Ritter/Kettensprenger/Feuerschlucker (der ohnehin gerade auf „Gondelfahrt“ war), war noch den ganzen Tag auf dem Platz und hatte am Nachmittag auch noch seinen Auftritt. Darum hat sich das Publikum erstmal auf das gestürzt, was nur am Vormittag zu sehen und zu erleben war. So zum Beispiel die Vorführungen der Lindenberger Feuerwehr.
Die Lindenberger Kameraden haben unermüdlich den Besuchern die Ausstattung ihres Feuerwehrfahrzeuges gezeigt und erklärt und keine Frage der meist jungen Interessenten unbeantwortet gelassen.
Da es sich bei den Feuerwehreinsätzen oft um technische Hilfeleistungen handelt, sind die Fahrzeuge entsprechend ausgerüstet, z. B. mit hydraulischen Spreizern und Zangen, um Verunglückte aus Autos befreien zu können.
Wie schnell und einfach sich mit dieser Technik ein Auto zerlegen lässt, haben die Lindernberger in ihrer „The Making Of Cabrio“-Show eindrucksvoll gezeigt. Und man hat dabei auch gelernt, warum der Verletzte bei der Rettung einen „Frisierumhang“ bekommt und für was die während der Rettung aufs Lenkrad gespannte "Frisbie-Scheibe" gut ist.
Als alle abgerückt und die Technik schon verpackt war, erschien der Lindenberger „Vollstrecker“ auf der Bildfläche und begann mit einem überdimensionierten Büchsenöffner die heil gebliebene Motorhaube des Autos zu traktieren.
Wenn schon Versicherungsschaden, dann aber richtig!
Vielleicht hat er aber auch nur für den Fall trainiert, dass er mal wieder ohne Schlüssel auf dem Parkplatz steht.
Quasi als Anerkennung für das kunstvolle Auto-Zerlegen haben sich die inzwischen gut gestärkten Kanoniere zum erneuten Salutschießen aufgemacht.
Jetzt waren Sponsoren gefragt, die mal ein paar Euro locker machen, um es ordentlich rumsen zu lassen - z. B. wie vorigen August in Großbeeren (200 Jahre Napoleon-Feldzug).
Unser neuer Ortsvorsteher hat als erster die Gelegenheit genutzt, es mal ordentlich krachen zu lassen - der Bürger­meister hat sich da nicht lumpen lassen und mitgehalten.
Beim Bauern Rahlf war etwas Überredung nötig, denn der hatte angeblich seinen letzten Schuss schon hinter sich.
Aber ruck-zuck war die Munitionskiste leer.
Aus Rücksicht auf unsere direkt im Schussfeld liegende Dorfkirche hat man allerdings ausnahmsweise auf die Kugel im Lauf verzichtet. Das ging auch mal!
Danach folgten weitere Vorführungen der Freiwilligen Feuerwehren. Da konnte man z. B. erfahren, warum man sein Bier nicht in die brennende Fritteuse gießen sollte, oder warum ein frisch gelöschter Monitor nur verschwommene Bilder und verwaschene Farben liefert.
An einem „Rauchdemohaus“, einer Art Puppenstube für große Jungs, konnte man eindrucksvoll nachvollziehen, wie der Rauch seinen Weg durchs Haus nimmt, wenn Mutter das Bügeleisen auf Papas neuem Oberhemd abstellt.
Den Großen sei gesagt: Die Bierkästen nie im Treppenhaus abstellen! Erstens stören sie da und zweitens kommt man an die nicht mehr ran, wenn das Treppenhaus verqualmt ist!
Ohne dass jemand eingeschritten ist, haben dann zwei namentlich bekannte Brandstifter einen Palettenstapel in Brand gesetzt. Erst wollten die Paletten nicht zünden, aber ein Brandbeschleuniger, der sonst nur am 1. Mai in Kreuzberg Verwendung findet, hat dann die erwünschte Flamme geliefert.
Als wäre das abgesprochen gewesen: Die Eichener „Ledernacken“ mit ihren historischen Uniformen waren als erste am Brandort und haben das Feuer erfolgreich bekämpft.
Ganz sicher sind sich die Experten nicht, ob das Wasser aus dem Schlauch, oder der Regen von oben das Feuer gelöscht hat.
Gegebenenfalls soll Petrus das Lob für das geglückte Löschen entgegen nehmen.
Die Wolke, die mittags hier in Mehrow vorbeischaute, war etwas größer als ihre Vorgänger - da lohnte es schon, sich ins Festzelt zu verziehen. Die Mädels, die dort ihre Verzierungs­künste anboten, bekamen dadurch plötzlich viel zu tun.
Leider waren die Kapazitäten unzureichend, um neben den Kindern auch alle Erwachsenen zu bemalen ...
Der Regen, die abgezogene Kanone und die eingezogene Drehleiter waren dem Reporter ein Anlass, mal eine Pause einzulegen.
Er wird sich am Nachmittag wieder zur Fortsetzung der Berichterstattung einfinden.