Will man sich die Peinlichkeit einer völlig falschen Aussprache („Sankt Kwentin“) ersparen, sollte man als Sprachunkundiger lieber nicht nach dem Soldatenfriedhof von St. Quentin fragen, sondern sich auf das „Navi“ und die Landkarte verlassen. Das klappt zwar nicht auf Anhieb, aber wenn man den Kreis um den vermeintlichen Standort immer enger zieht, steht man irgendwann mal vor dem Friedhofstor.
Wenn dann allerdings auf der dicht befahrenen Straße, an der sich der Friedhof befindet, gerade der Gegenverkehr nicht abreißen will, hat man es ziemlich schwer, wohl­be­halten auf den winzigen Parkplatz vor der Einfahrt zu gelangen.
Der Friedhof, auf den die schon vertrauten schwarzen Eisenkreuze in langen Reihen stehen, hat gleich zwei Überraschungen zu bieten:
  1. Die Rasenfläche ist nicht gerade erst geschnitten worden - auf einem Teil des Friedhofs steht der Rasen noch abenteuerliche 5 cm hoch und ist mit Klee und Gänseblümchen gespickt.
  2. Gleich links vom Eingang steht ein Denkmal mit Tempel-Fassade und zwei antiken Kriegern, das den französischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet ist.
Das Rasen„problem“ wird in ein, zwei Stunden gelöst sein, denn die Gärtner sind schon fleißig dabei, den Rasen auf die Länge von (geschätzt) 2...3 Zentimeter zu bringen, wie man das von den meisten deutschen Kriegsgräberstätten in Frankreich gewohnt ist.
Es bleibt aber die Frage nach dem französichen Denkmal in der Ecke dieses deutschen Soldatenfriedhofes, auf dem 8229 deutsche Gefallene des ersten Weltkrieges liegen. Tafeln zu Füßen der beiden Krieger verraten zumindest die jüngste Geschichte dieses Denkmals, eine davon sogar auf Deutsch:
Zum 90. Jahrestag der Beendigung des Ersten Weltkrieges wurde das in der Zusatzliste "Monuments Historiques" eingetragene Denkmal mit seinen zwei Bronze-Statuen restauriert. Unter Teilnahme französischer und deutscher Persönlichkeiten wurde das Denkmal am 23. November 2008 der Öffentlichkeit übergeben.
Darunter stehen das Logo und der Name des Friedhofbetreibers „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.“. Auf dessen Webseite (www.volksbund.de) erfahren wir, dass der Friedhof bereits 1914 angelegt wurde, und dass das Denkmal, auf dem der gefallenen Franzosen und Deutschen gedacht wird, im Oktober 1916 durch Kaiser Wilhelm II. persönlich eingeweiht wurde. Er hatte auch einen wesentlichen finanziellen Beitrag geleistet, weil einige der dort bestatteten Toten seinem preußischen Gardekorps angehörten.
Nach dem Kriegsende ist der Friedhof durch Umbettung deutscher Gefallener von kleinen Friedhöfen der Umgebung erheblich ausgedehnt worden. Im Gegenzug sind die auf diesem Friedhof ruhenden Franzosen und Briten auf nationale Friedhöfe in der Nähe verlegt worden.
Auf diesem Friedhof suchen wir nach Hermann Rademann aus Lindenberg. Er steht zwar nicht auf dem Lindenberger Kriegerdenkmal, aber in der Preußischen Verlustliste wird am 7.7.1916 der Tod eines Friedrich Rademann aus Lindenberg (am 24.11.1916 korrigiert in „Hermann“ Rademann) gemeldet:
Etappen-Fuhrparkkolonne 19 der 2. Armee / tödlich verunglückt
Und da beim erstgenannten Eintrag explizit „Lindenberg, Niederbarnim“ steht und die Verlustmeldung auch im Niederbarnimer Kreisblatt erschien, können wir wohl davon ausgehen, dass es sich um ein Soldaten aus „unserem“ Lindenberg handelt.
In der Datenbank des Volksbundes haben wir dann einen dazu passenden Eintrag gefunden:
Trainfahrer Hermann Rademann, gestorben am 7.6.1916,
Kriegsgräberstätte St. Quentin, Block 3 Grab 292.
Mit diesen Angaben ist die Grabstelle auf dem vergleichsweise kleinen Friedhof schnell gefunden.
Eine Unsicherheit bleibt immer, da in den ausgewerteten Listen verschiedene Daten (Todestag, Verlustmeldungs-Datum usw.) ausgewiesen sind und sich (wie am korrigierten Vornamen sichtbar) dort auch Fehler eingeschlichen haben. Wir können uns aber einigermaßen sicher sein, dass es sich hier um einen Gefallenen aus unserem Nachbarort handelt, auch wenn er nicht auf dem Lindenberger Kriegerdenkmal erwähnt ist.