Neben Verdun im Osten Frankreichs ist Ypern in Belgien ein Synonym für den ersten Weltkrieg. Hier kam erstmals Giftgas zum Einsatz - eingesetzt von der deutschen Seite, um den schon Monate dauernden Stellungskrieg zu beenden. Aber statt dauerhafter Gebietseroberungen hat das nur eine Eskalation der Gewalt bewirkt und vielen tausenden Soldaten Leben oder Gesundheit gekostet. Rings um Ypern gibt es vier große deutsche Soldatenfriedhöfe, die man unbedingt mal besuchen sollte, zumal auf mindestens zweien dieser Friedhöfe Gefallene aus unserer Gegend liegen - zum Beispiel in Vladslo.
Wenn man mit einem Navi unterwegs ist, das nur die großen Straßen kennt, wird man von Gent aus in einem großen Bogen, dicht an Brügge vorbei nach Vladslo, einem Ortsteil von Diksmuide geführt. Für die letzten Kilometer braucht man dann kein Navi mehr, denn schon weit vor dem Friedhof trifft man auf Wegweiser, die einen zum Ziel führen.
Wir sind in Flandern, weshalb „Duits Militair Kerkhof“ statt des vertrauten französischen Hinweises auf den Schildern steht. Oder „Duitse Begraafplaats“ direkt am Eingang.
Die kleine Ortsverbindungsstraße von Vladslo nach Leke, die am Friedhof vorbei führt, ist gerade neu hergerichtet worden - mit Parkplätzen und gepflasterten Wegen.
Vor dem Friedhof ist eine Installation im Bau, die vermutlich Hinweistafeln aufnehmen soll. Am oberen Rand steht schon „Deutscher Soldatenfriedhof“ geschrieben.
Am schlichten fensterlosen Torgebäude aus rotem Backstein, das nur eine kleine, aber in riesige Natursteine gefasste Eingangstür hat, findet sich eine Bronzetafel mit der Aufschrift
Deutscher Soldatenfriedhof Vladslo 1914-1918
Wie die Tafel am Eingang verrät, wurde dieser Friedhof bereits im Jahre 1914 für die Gefallenen der Yser-Schlacht angelegt. Nach der Übernahme der Kriegsgräberstätte durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurden zahlreiche Gefallene aus der Umgebeung hierher umgebettet. Heute ist der Friedhof letzte Ruhestätte für 25.644 Gefallene. Auf der Tafel heißt es abschließend:
„Die Toten dieses Friedhofs mahnen zum Frieden.“
Gegenüber dem Eingangsgebäude, am anderen Ende des Friedhofs steht die Plastik „Trauerndes Elternpaar“ von Käthe Kollwitz, deren Sohn auch auf diesem Friedhof ruht. Er hatte sich gegen alles Flehen der Mutter (die mangels Volljährigkeit zustimmen musste) freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet und das grausame Morgen nur ein paar Wochen überlebt.
Trauer und Sprachlosigkeit ob der vielen Opfer kann man kaum besser in Stein meißeln.
Nicht weit entfernt von dieser Plastik, ein paar Reihen davor auf der linken Seite (Block 2 Grab 945) finden wir, was wir suchen:
Das Grab, in dem Otto Grummisch aus Eiche zusammen mit 19 Kameraden liegt
Aus dem Sterberegister des Standesamtes „Mehrow in Ahrensfelde“ wissen wir, dass der Matrose der Seewehr I, I. Matrosen Division in Kiel, Otto Grummisch, geboren am 6.10.1885 zu Groß-Nossin (Kreis Stolp in Pommern) und wohnhaft zu Eiche am 8.12.1915 in einem Ort, der Schuddeburze oder ähnlich heißt, gefallen ist. Und in der Online-Datenbank des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge konnten wir seine letzte Ruhestätte ermitteln.
Viele Besucher sind an diesem kalten, regnerischen Wochenende im April 2014 nicht auf diesem Friedhof unterwegs, aber neben Touristen, die nur „einen Blick werfen“ wollen, sieht man doch auch welche, die gezielt nach einer Grabstelle suchen - hundert Jahre nach dem Krieg.
Und vereinzelt findet man einen Kranz oder Blumen an einem Grabstein oder ein „In Remembrance“-Kreuz, das britische Besucher auch bei uns auf Kriegsgräbern hinterlassen.
Im Eingangsgebäude findet sich zwar der der obligatorische Schrein in der Wand, hier mit den Kriegsdaten „1914“ und „1918“, aber leider ohne das übliche Namenbuch.
Schade für jene, die nur den Namen eines Gefallenen, aber nicht die Grablage wissen ... Dafür findet sich auf dem Tisch ein Gästebuch mit Eintragungen von Besuchern nicht nur aus Belgien und Deutschland, sondern aus allen möglichen Ländern.
Vor der Weiterfahrt machen wir noch einen Abstecher in das Dorf Vladslo selbst - da zeigt sich im Vorbeifahren aber nichts, was einem bei diesem Wetter zum Aussteigen bewegen könnte. Vielleicht die ziemlich gewaltige Kirche, aber die ist sicher verschlossen.
Wir kommen bestimmt noch mal wieder, auch um uns die Kriegsschauplätze von damals anzusehen. Heute steht dafür noch ein zweiter Friedhof auf dem Plan: Langemark.