Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1875 (22. Jahrgang)
gefunden im Geheimen Staatsarchiv Berlin-Dahlem



Sonnabend, den 16. Januar 1875 (No. 5), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Der Bauergutsbesitzer Carl Parnemann zu Cladow kaufte am 1. December 1874 auf dem hiesigen Pferdemarkte eine dänische Rappstute ohne Abzeichen, 6-7 Jahre alt, mit sehr lang gelockter Mähne und lang gelocktem Schweif, ungefähr 5 Fuß groß, besonders breiter Lage und flachem Kreuz.
Der Verkäufer, angebliche Bauer August Schiele aus Ahrensfelde bei Berlin, von untersetzter Statur und einige 20 Jahre alt, ist wegen Krankheit des Pferdes zur Zurücknahme desselben aufgefordert, jedoch in dem von ihm angegebenen Wohnorte nicht ermittelt worden.
Ein Jeder, welcher über die Person des Verkäufers nähere Auskunft zu geben vermag, wird zur unverzüglichen Anzeige davon hiermit aufgefordert und ist für die Ermittelung desselben eine Belohnung von 50 Thalern ausgesetzt.
Das Pferd befindet sich bei der Direction der Königlichen Thierarztschule zu Berlin in Behandlung und kann dort zur etwaigen Recherche besichtigt werden.
Spandau, den 4. Januar 1875.
Der Staats-Anwalt.


Sonnabend, den 16. Januar 1875 (No. 5), Aus dem Kreise

Die Gräberschändung, welche kürzlich auf dem Kirchhofe zu Lichtenberg in so bestialischer Weise verübt worden ist, hat bisher zu weitläufigen Recherchen Veranlassung gegeben, die jedoch leider zu keinem Resultat geführt haben. Zwei verdächtige Personen sind verhaftet und zur Untersuchung gezogen, jedoch bereits wieder aus der Haft entlassen worden. Der eine ist, wie sich herausgestellt, ein Idiot, der andere, ein Strolch, der sich auf dem Kirchhofe herumgetrieben hatte; gegen beide hat indeß ein Beweis nicht erbracht werden können.


Sonnabend, den 23. Januar 1875 (No. 7), Aus dem Kreise, gekürzt

Weißensee. In vorgestriger Nacht wurde die hiesige Kirche bestohlen. Die Diebe waren durch ein Fenster, das sie zerbrochen, eingestiegen und hatten sich eines Grabkreuzes als Leiter bedient, um zu demselben zu gelangen. Gestohlen haben sie nur die Altardecke. ... Unmittelbar an derselben [Kirche] und zwar sich an diese anschließend ist ein Gewölbe, ein Erbbegräbniß. Doch führt keine Thür von der Kirche aus in dasselbe, sondern es hat einen, natürlich allezeit fest verschlossenen Zugang von außen. Auch dieses Gewölbe war von den Dieben erbrochen und die darin befindlichen Särge waren gewaltsamerweise geöffnet und nach Kostbarkeiten durchsucht. Auch hier waren ihre Bemühungen ohne Erfolg gewesen, ...


Sonnabend, den 23. Januar 1875 (No. 7), Anzeigen

Eine Wohnung von Stube, Kammer und Küche ist zum 1. April zu vermiethen bei Müller auf den Weinbergen. [Bernau]


Mittwoch, den 27. Januar 1875 (No. 8), Anzeigen

Einen Spuler auf halben oder ganzen Tag verlangt Grieben, Brüderstraße 292. [Bernau]

Arbeiter auf Satin und halbwollenen Double werden verlangt. Zu erfragen bei A. Eger. [Bernau]


Mittwoch, den 10. Februar 1875 (No. 12), Amtlicher Theil

Berlin, den 5. Februar 1875.
Bekanntmachung.
Die Gemeinde Lindenberg hat auf Grund des §. 8 des Gesetzes vom 14. April 1856 die Bildung einer gewählten Gemeinde-Vertretung in Stelle der Gemeinde-Versammlung beschlossen und ist das darüber beschlossene Statut heute von uns bestätigt. Dies wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Der Kreis-Ausschuß. I.V. v. Knobelsdorf


Mittwoch, den 10. März 1875 (No. 20), Amtlicher Theil, gekürzt

Nachweisung
des vollen und berichtigten Klassensteuer-Jahres-Solls des Kreises Niederbarnim pro 1875.

No. Namen der Gemeinden  Volles ...Soll, Mark   Berichtigtes ...Soll, Mark, Pf.
A. Städte
1.  Bernau
2.  Alt-Landsberg
3.  Liebenwalde
4.  Oranienburg
Summa A:  37224  34742,40
B. Plattes Land
1.  Arendsee
2.  Ahrensfelde  1485  1386,00
14,  Blumberg  1731  1615,60
26.  Eiche  804  750,40
71.  Lindenberg  1464  1366,40
81.  Mehrow  375  350,00
151.  Zinndorf
Summa B:  162381  151555,60
Summa:  199605  186298,00


Sonnabend, den 13. März 1875 (No. 21), Anzeigen

Einen Sohn rechtlicher Eltern, welcher Lust hat die Wind= & Wassermüllerei zu erlernen, verlangt
Mühlenbesitzer Braedikow, Alt-Landsberg.


Mittwoch, den 17. März 1875 (No. 22), Anzeigen

Bekanntmachung.
Am Dienstag, den 23. d. Mts. Vormittags 9 Uhr sollen an hiesiger Gerichtsstelle verschiedene Kleidungsstücke, ein vollständiges Bett mit Bezügen und andere Geräthschaften öffentlich an den Meistbietenden gegen gleich baare Bezahlung verkauft werden.
Alt-Landsberg, den 9. März 1875.
Königl. Kreisgerichts-Deputation.


Sonnabend, den 20. März 1875 (No. 23), Anzeigen

Für die Königl. Domäne Löhme mit Krummensee wird ein tüchtiger Kammerjäger zu engagieren gesucht, und wollen Reflectanten sich ebendaselbst beim Amtmann Schmidt melden.


Mittwoch, den 31. März 1875 (No. 26), Amtlicher Theil, gekürzt

... Geschäftsplan zur Musterung der Militairpflichtigen im Niederbarnimer Kreise pro 1875 ...

I. zu Alt-Landsberg im Schützenhause
am Freitag, den 16. April cr: ..., Eiche und Hellersdorf, ..., Hönow, Mehrow, ...

IV. zu Bernau im Britzkow'schen Gasthofe
am Mittwoch, den 5. Mai cr.: Ahrensfelde, ..., Blumberg, ... Lindenberg, ...


Sonnabend, den 3. April 1875 (No. 27), Aus dem Kreise, gekürzt

Die Gräberschändung auf dem Kirchhofe zu Lichtenberg, die im Sommer vorigen Jahres so großes Aufsehen erregte und die deshalb eingeleitete gerichtliche Untersuchung hat leider nur dahingeführt, daß der Thäter zwar ermittelt ist, indessen eine Bestrafung desselben nicht hat erfolgen können. Derselbe ist ein junger geistesschwacher Mensch, der das Verbrechen auch eingestanden hat. ...


Sonnabend, den 17. April 1875 (No. 31), Aus dem Kreise, gekürzt

Marzahn. Am Freitag den 2. d. M. wurde unser Dorf von einem schweren Brandunglücke heimgesucht. Nachts zwischen 1 und 2 Uhr erscholl plötzlich der Feuerruf des Wächters, und im Nu loderten auch schon aus einer ganzen Reihe von Gehöften die Flammen empor. 7 Scheunen, 2 Ställe und 1 Remise waren binnen 1 1/2 Stunden niedergebrannt. Die beschädigten Besitzer, darunter der Ortsschulze Dubick, dem 1 Scheune und eine Remise zerstört wurde, sind sämmtlichst versichert. ... - Aus den Nachbarorten waren, von dem weithin sichtbaren Feuerscheine aufgeschreckt, ebenfalls zahlreiche Mannschaften mit Spritzen und Wasserwagen erschienen; nur der Feuerlösch-Commissarius fehlte und sein Stellvertreter ließ sich nicht blicken, was allgemeinen Unwillen hervorrief.


Mittwoch, den 21. April 1875 (No. 32), Anzeigen, gekürzt

Seidenbau
Die günstigen Verhältnisse für den Seidenbau, welche sich in den letzten beiden Jahren vielfach gezeigt haben, lassen die Hoffnung nicht unbegründet erscheinen, daß die Gefahren und Schäden, unter welchen der Seidenbau so lange gelitten, künftig nicht wieder hervortreten werden und daß daher wieder die Zeit eines lohnenden Betriebes für diesen Industriezweig anbrechen wird. ...
Potsdam, den 6. April 1875
Der Vorstand des Vereins zur Beförderung des Seidenbaues in der Provinz Brandenburg.


Sonnabend, den 1. Mai 1875 (No. 35), Amtliche Beilage, gekürzt

Bekanntmachung.
Berlin, den 20. April 1875.
Nach dem Reichsgesetze vom 8. April 1874 soll jedes Kind vor dem Ablaufe des auf sein Geburtsjahr folgenden Kalenderjahres und jeder Zögling einer öffentlichen Lehranstalt oder Privatschule mit Ausnahme der Sonntags- und Abendschulen innerhalb eines Jahres, in welchem der Zögling das zwölfte Lebensjahr zurücklegt, der Impfung mit Schutzpocken unterzogen werden.
Diese Impfung wird von dem Bezirks-Impfarzte unentgeltlich vorgenommen. ...
Der Kreis-Landrath. I.V. v. Knobelsdorff.

Tableau
der [insgesamt 16] Impfbezirke und der Bezirks-Impfärzte des Kreises Nieder-Barnim

Impfbezirk No. 1
Kreisphysicus und Medicinal-Rath Dr. Wolff zu Berlin
a) Amtsbezirk Falkenberg Nr. XXII, bestehend aus: Falkenberg, Wartenberg
b) Amtsbezirk Malchow Nr. XXIII, bestehend aus: Malchow, Karow, Lindenberg
...
Impfbezirk Nr. 4
Pract. Arzt Dr. Bekel zu Bernau
a) Amtsbezirk Buch Nr. XXVII, ...
b) Amtsbezirk Blumberg Nr. XIX, bestehend aus: Blumberg

Impfbezirk Nr. 12
Pract. Arzt Dr. Rudolphi zu Alt-Landsberg
a) Stadtbezirk Alt-Landsberg
b) Amtsbezirk Alt-Landsberg Nr. XVI, ...
c) Amtsbezirk Ahrensfelde Nr. XX, bestehend aus: Mehrow, Ahrensfelde, Eiche und Hellersdorf
...

Mittwoch, den 5. Mai 1875 (No. 36), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Berlin, den 3. Mai 1875.
Der Unteroffizier Otto Karl Gustav Rose von der 7. Compagnie des Holsteinschen Infanterie-Regiments Nr. 85, 2. Bataillon zu Neumünster, welcher aus Blumberg gebürtig ist, hat sich am 25. v. M., Vormittags 11 Uhr von seinem Truppentheil entfernt und ist noch nicht wieder zurückgekehrt.
Die Polizei- und Ortsbehörden, sowie die Gendarmen des Kreises werden hierdurch angewiesen, auf den c. Rose zu achten, ihn im Betretungsfalle festzunehmen und mir von dem Geschehen sofort Anzeige zu machen.
Das Signalement erfolgt nachstehend.
Der Kreis-Landrath. I.V. v. Knobelsdorff

Personenbeschreibung des c. Rose: Familienname: Rose. Vorname: Otto Karl Gustav. Geburtsort: Blumberg. Aufenthaltsort: Neumünster. Religion: evangelisch. Alter: 25 Jahre 11 Monate. Größe: 1,68 m. Augen: blau. Stirn: frei. Mund: gewöhnlich. Bart: Schnurbart. Zähne: gesund. Kinn: rund. Gesichtsbildung: rund. Gesichtsfarbe: blaß. Gestalt: schlank. Sprache: hoch und plattdeutsch. Besondere Kennzeichen: keine.
Bekleidung: Tuchhose, Waffenrock, Extramütze mit Schirm, Halsbinde, Extra-Leibriemen mit Extra-Seitengewehr.


Mittwoch, den 12. Mai 1875 (No. 38), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
An der hiesigen Stadtschule wird am 1. Juli cr. die achte Lehrerstelle mit einem Einkommen von 750 Mark jährlich vacant. Bewerber wollen sich binnen vier Wochen unter Vorlegung ihrer Atteste bei uns melden.
Alt-Landsberg, den 1. Mai 1875.
Der Magistrat.

Personal-Chronik.
Der Amts-Vorsteher Simon zu Malchow ist auf unbestimmte Zeit verreist und wird während seiner Abwesenheit durch den Herrn Amts-Vorsteher-Stellvertreter Dickmann vertreten sein.


Mittwoch, den 19. Mai 1875 (No. 40), Amtlicher Theil, gekürzt

Auf dem Kreistage des Niederbarnimer Kreises am 14. Mai cr. waren 33 Kreistags-Abgeordnete anwesend, nämlich:
1) Der Vorsitzende, zugleich Kreistags-Abgeordnete Geheime Regierungs- und Landrath Scharnweber,
5) Der Major Graf von Arnim-Zichow auf Blumberg,
9) der Rittergutsbesitzer Heyse auf Mehrow,
...

Mittwoch, den 19. Mai 1875 (No. 40), Aus dem Kreise

Ist es erlaubt, daß hiesige Kirchenbesucher, deren Stühle nicht die letzten sind, während des ganzen Gottesdienstes, also auch während der Predigt stehen und so allen hinter ihnen Sitzenden die Aussicht auf den Prediger versperren? Wollen die Herren stehen, so mögen sie hinter die letzte Stuhlreihe treten, nicht aber Anderen zumuthen, daß sie den Rücken des Vordermannes bewundern sollen. Es bedarf wohl nur dieses Hinweises, um die Rücksicht, die man seinen Mitchristen schuldig ist, geltend zu lassen.


Sonnabend, den 22. Mai 1875 (No. 41), Anzeigen

Auction.
Am 28. Mai d. J., Nachmittags 2 Uhr soll hier eine alte Feuerspritze öffentlich versteigert werden.
Mehrow bei Alt-Landsberg.
Der Gemeindevorstand.


Sonnabend, den 29. Mai 1875 (No. 43), Anzeigen

National-Dampfschiff-Compagnie.
Von Stettin nach New York jeden Mittwoch 30 Thlr.
C. Messing. Stettin.


Mittwoch, den 7. Juli 1875 (No. 54) , Anzeigen

Auf dem Gute Hönow wird zum 2. October 1875 ein verheiratheter Kuhmeier
bei gutem Lohn und Deputat gesucht. Näheres beim Herrn selbst.


Sonnabend, den 21. August 1875 (No. 67), Amtlicher Theil

Personal-Chronik.
Dem Herrn Bürgermeister Matz zu Alt-Landsberg wird für die Zeit der gleichzeitigen Behinderung des Amtsvorstehers Heyse und des Stellvertreters Muhr die Verwaltung der Amtsvorsteher-Geschäfte für den Amtsbezirk Ahrensfelde übertragen.


Mittwoch, den 25. August 1875 (No. 68), Kreis Nieder- und Ober-Barnim, gekürzt

Nachweisung der den Amtsbezirken des Kreises Niederbarnim pro 1875 aus Kreisfonds gewährten Dotationen (in Mark):
..., Blumberg: 90, Ahrensfelde: 240, ..., Malchow: 180, ...


Mittwoch, den 8. September 1875 (No. 72), Amtliche Beilage, gekürzt

Verhandelt Berlin, den 1. September 1875.
Zu dem heutigen Kreistage des Niederbarnimer Kreises sind die sämmtlichen Kreistags-Mitglieder ... eingeladen. ...
Erschienen waren folgende [insgesamt 28] Mitglieder:
1) ... Scharnweber,
6) Der Rittergutsbesitzer Simon auf Malchow,
8) Der Rittergutsbesitzer Heyse auf Mehrow,

Durch Acclamation ohne Widerspruch wurden gewählt
in die Einkommensteuer-Einschätzungs-Commission: ...
und zu Stellvertretern: ..., Der Rittergutsbesitzer Heyse auf Mehrow, ...


Sonnabend, den 11. September 1875 (No. 73), Anzeigen

Ein junger Mensch, der mit Pferden gut Bescheid weiß und die Beackerung versteht, wird sofort verlangt bei C. Rodolph in Lindenberg bei Berlin.


Mittwoch, den 13. October 1875 (No. 82), Amtlicher Theil

Personal-Chronik.
Der Rittergutsbesitzer Heyse zu Mehrow hat nach Beendigung seines Urlaubs die Verwaltung des Amtsbezirkes Ahrensfelde wieder übernommen.


Sonnabend, den 16. October 1875 (No. 83), Anzeigen

Bekanntmachung.
Dienstag, den 28. September ist ein Paar ganz neue Stiefel auf der Chaussee zwischen Falkenberg und Ahrensfelde gefunden worden. Der Eigenthümer kann solche gegen Erstattung des Finderlohnes und der Insertionskosten in Empfang nehmen.
Falkenberg, den 9. October 1875.
Der Amtsvorsteher. Jungk.


Sonnabend, den 6. November 1875 (No. 89), Anzeigen

Ein dunkelblauer Winterüberzieher (Flocconè), mit Sammetkragen und rothen Taschen, ist am Sonntag Nacht zwischen Lindenberg und Malchow verloren worden. Der Finder wird ersucht, denselben gegen Belohnung beim Gastwirth Herrn Flörecke [!] in Lindenberg abzugeben.


Sonnabend, den 6. November 1875 (No. 89), Amtliche Beilage, gekürzt

Wesen und Bedeutung der Volks- und Gewerbezählung am 1. December d. J.
...
Es lebten in Preußen
Ende 1810 4,708,410 Bewohner
Ende 1820 11,272,482 "
Ende 1830 12,988,172 "
Ende 1840 14,928,501 "
Ende 1850 16,608,039 "
Ende 1860 18,262,623 "
Ende 1870 24,497,086 "
Ende 1871 24,643,623 "


Sonnabend, den 13. November 1875 (No. 91), Kreis Nieder- und Ober-Barnim

Hoenow. Dieses in der Verkehrs-Entwicklung immer mehr zunehmende Dorf hat seither beklagen müssen, nicht einmal eine Thurmuhr zu besitzen. Die früher vorhanden gewesene Uhr, von der das Ziffernblatt in einem höchst verwetterten Zustande noch am Thurm befindlich ist, mag bereits seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr gangbar sein. Diese Calamität konnte die Gemeinde nun nicht mehr über's Herz bringen und hat deshalb nach vorher in Anspruch genommener Vermittelung des Herrn Amtsvorstehers zu Neuenhagen in ihrer Gemeinde-Versammlung am 1. d. M. einstimmig beschlossen, eine Thurmuhr mit 3 Ziffernblätter[n], nach allen Richtungen hin sichtbar, anzuschaffen. Wir wollen diesen Gemeinsinn der Gemeinde nun lobend anerkennen und zur Nachahmung empfehlen, und wünschen, daß dieselbe sich auch den sonstigen communalen Neuerungen auf dem Gebiete der Gegenwart anschließen möge. - In dieser Versammlung ist auch der Gemeinde-Vorsteher Hoernicke als Ortssteuererheber wieder gewählt worden.

Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß am 11. bis 14. d. M. die bekannten Sternschnuppennächte eintreten.


Sonnabend, den 13. November 1875 (No. 91), Anzeigen

Die Lieferung des etatsmäßigen Meßkorns an die geistlichen Institute für das Jahr 1875 soll Sonnabend, den 20. und Sonnabend, den 27. November d. J. jedesmal von 2 bis 4 Uhr Nachmittags im hiesigen Rathause stattfinden.
Die lieferungspflichtigen Grundbesitzer werden aufgefordert, die Ablieferung in guter Waare an den bezeichneten Tagen zu bewirken. Restanten haben das zu liefernde Quantum nach dem höchsten Martini-Marktpreise zu bezahlen.
Bernau, den 5. November 1875.
Der Gemeinde-Kirchenrath.


Mittwoch, den 17. November 1875 (No. 92), Anzeigen

Der Lahrer hinkende Bote pro 1876 ist erschienen und vorräthig in Bernau bei C. F. Pilger.


Mittwoch, den 24. November 1875 (No. 94), Aus dem Kreise

Blumberg. Der hiesige Ort ist von zwei Feuersbrünsten heimgesucht, die weniger durch ihren Umfang, als die begleitenden eigenthümlichen Umstände bemerkenswert sind.
Am Abend des 17. d. M. um 7 Uhr brannte die noch in Folge Einfahrens einer Miethe bis unter das Dach mit Getreide gefüllte Scheune eines hiesigen Bauernhofes. Glücklicher Weise kam der Wind sehr günstig, so daß für Nachbargebäude kaum eine Gefahr vorhanden war. - Nachdem die Löschmannschaften die Nacht hindurch thätig gewesen, und die auswärtigen Spritzen zum größten Theil entlassen, bricht am Morgen des 18. d. M. gegen 8 Uhr plötzlich die Flamme mit voller Gewalt aus dem zu demselben Gehöft gehörigen alten Wohnhause mit daran gebauten Stallungen. Trotzdem Spritzen und Mannschaften in Menge zur Stelle waren, konnte an Löschen nicht mehr gedacht werden; ja es war nicht einmal möglich, die drei Pferde eines Handelsmannes, der das Haus bewohnte, zu retten.
Das Beklagenswerte ist, daß diesem letzten Brande auch ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der Knecht Carl Wille, aus Beiersdorf gebürtig, ging etwa 3/4 Stunden vor Ausbruch des Feuers in das Gebäude, wie man vermuthete, um zu schlafen. Da niemand ihn während des Brandes bemerkt hatte, so blieben nur zwei Möglichkeiten, entweder er war der Brandstifter und hatte sich heimlich entfernt; oder er war in den Flammen umgekommen. Der arme Mensch hat seine Rechtfertigung von dem auf ihn ruhenden Verdacht theuer bezahlen müssen. Beim Aufräumen fand man seinen schrecklich verstümmelten Leichnam an der Stelle, wo sein Bett gestanden. Die Annahme, er sei vielleicht mit Pfeife oder Cigarre unvorsichtig umgegangen, widerlegt sich dadurch, daß er kein Raucher war. Die Entstehungsursache der beiden so kurz aufeinander folgenden Brände insonderheit des letzten, ist mithin in vollständiges Dunkel gehüllt.


Mittwoch, den 24. November 1875 (No. 94), Anzeigen

Sicherste Abhülfe der Trunksucht
gewährt trotz aller Concurrenz und Anfeindung, mein unfehlbares Mittel, welches auch ohne Wissen des Trinkers angewandt werden kann. Tausende von Anerkennungsschreiben liegen vor. Man wende sich vertrauensvoll an W. Schmidt, Berlin, Dresdener S 30, II Tr. r.


Sonnabend, den 27. November 1875 (No. 95), Aus dem Kreise

Mehrow. Von den sich mehrenden Diebstählen der Umgebung ein Beispiel. Während die Familienmitglieder und das Gesinde des hiesigen Gemeindevorstehers am 12. d. M. Nachmittags im Hauskeller beschäftigt waren, um Kartoffeln einzusacken und nur mehrere kleinere Kinder im Hinterzimmer sich spielend beschäftigten, steigt ein Dieb durch's Fenster des nach der Straße zu gelegenen Vorderzimmers, entwendet aus einem Koffer, in welchem zufällig der Schlüssel steckt, eine Summe Geldes von ca. 30 Thlr. und verläßt auf demselben Wege das Haus, ohne gesehen zu werden. - Wenn man erwägt, daß die That gegen 4 Uhr Nachmittags verrichtet worden, in welcher Zeit die Nachbarhöfe und auch die Dorfstraße belebt waren, wenn man ferner erwägt, daß die spielenden Kinder, welche sogar ein Klappern im Wohnzimmer gehört haben, dicht neben dem Orte der That sich befanden, so muß man über die Frechheit des Diebes staunen. Zwar ist ein verdächtiger Bettler, der Nachmittags dort angesprochen hatte, eingebracht worden; doch fand man bei ihm kein Geld. Hierbei sei auf einen Menschen aufmerksam gemacht, der gelegentlich Diebstähle ausführt, während er Heiraths-Anträge macht. Nachdem er dies in den Nachbardörfern theils mit, theils ohne Erfolg ausgeführt hatte, wendete er sich auch hier an einen Arbeiter, hielt um dessen in Berlin dienende Tochter, die er zu kennen vorgab an, während er sich für einen Maurerpolier ausgab, der in Weißensee ein eigenes Haus habe und nur eine tüchtige Frau suche. Sein Antrag wurde zurückgewiesen, und weil er nicht allein im Zimmer gelassen worden ist, so ging er auch ohne Diebstahl ab. Leider ist er aber auch entkommen. Es soll dieser Mensch ziemlich anständig gekleidet und mit einer runden Pelzmütze bedeckt gewesen sein. Gewiß ist es eine und dieselbe Persönlichkeit, die hier und anderen Ortes dieses Geschäft betrieb, darum sei hiermit vor derselben gewarnt.


Sonnabend, den 27. November 1875 (No. 95), Anzeigen

Bekanntmachung.
In der General-Versammlung der Actionaire der Berlin-Prötzeler Chaussee-Actien-Gesellschaft vom 22. d. M., worin über die Auflösung der Gesellschaft Beschluß gefaßt werden sollte, waren nicht, wie dies der §. 22 des Statuts vom 11. August 1852 vorschreibt, 2/3 der sämmtlichen Actien vertreten. Es wird deshalb eine neue General-Versammlung auf den 16. December d. J., Vormittags 11 Uhr im Gasthause zum Deutschen Hause hierselbst anberaumt, in welcher über die Auflösung der Gesellschaft zum 1. April 1876 unbedingt und definitiv von der Stimmenmehrheit der Anwesenden entschieden werden soll. Die Herren Actionaire werden hierdurch eingeladen.
Alt-Landsberg, den 23. November 1875.
Das Directorium der Berlin-Prötzeler-Chaussee-Actien-Gesellschaft.


Mittwoch, den 8. December 1875 (No. 98), Aus dem Kreise

Hönow. Der am 27. November hierselbst verübte Diebstahl ist ebenso von einem wunderbaren Märchen umgeben, wie fast alle in letzter Zeit vorgekommenen Diebstähle. In dem Wohnhause des Schmiedemeisters Rudolph hierselbst befindet sich eine Dachkammer, in welcher die beiden Gesellen und der Lehrbursche schlafen. Der Treppenaufgang zu der Letzteren befindet sich im Hausflur unmittelbar dicht neben der Küche und wird der Eingang nur vom Haus aus genommen. Der Dieb, welcher auch seinen Eingang von hier aus hat nehmen müssen, scheint sich weniger um die Unsicherheit und den Gedanken, er könne wohl durch Angehörige des Rudolph und dessen Personal, welches aus- und eingeht, überrascht werden, gekümmert zu haben, wenigstens ist dies anzunehmen, da er mit aller Seelentruhe die an der Wand gehangenen Kleidungsstücke der Gesellen von denen des Lehrjungen gesondert und mitgenommen, dagegen dem Letzteren, um jedenfalls seine Humanität und sein Menschlichkeitsgefühl zu beweisen, die Sachen belassen hat. Seinen Ausgang hat er jedenfalls wieder von dort nehmen müssen, wo er hereingekommen ist, wobei ihm der beträchtliche Theil der gestohlenen Sachen, welche er doch offen auf dem Arm hat tragen müssen, sowie auch ein mit solchen gefüllter Koffer durchaus nicht hinderlich erschienen ist. Den Letzteren hat man des Tages darauf in einem Walde beim Dorfe leer gefunden. Dem Thäter will man bereits auf der Spur sein.


Sonnabend, den 18. December 1875 (No. 101), Anzeigen

>>>Aechte Biere, <<< als: Erlanger, Culmbacher, Kitzinger und Wiener Märzen-Lagerbier empfiehlt Carl Barth. [Bernau]


Mittwoch, den 22. Dectember 1875 (No. 102), Aus dem Kreise

Blumberg. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch wurden 150 Tannenzöpfe in der Blumberger Forst gestohlen, womit die Diebe glücklich entkamen und es wagten, vom Freitag zum Sonnabend nochmal einen Besuch abzustatten; dieselben wurden aber abgefaßt und ist der angerichtete Schaden auf 600 Thlr. taxiert.


Mittwoch, den 22. December 1875 (No. 102), Anzeigen

Männer-Gesang-Vereins- Theater.
Britzkow's Salon.
Am 1. Weihnachtsfeiertag kommen zur Aufführung:
  • Ein Toiletten-Geheimniß, oder Du bist blaß, Louise? Lustspiel in 1 Akt von T.A. Sauer
  • Vernachlässigt die Frauen nicht. Lustspiel in 1 Akt von G. Moser.
  • Ein Federfuchser. Posse mit Gesang in 1 Akt nach Anton Langer.
    Billets á 5 Sgr. (nummeriert) sind von heute ab bei Herrn C. Hochmuth, zu 2 1/2 Sgr. bei den Herren F. Buhle sowie beim Unterzeichneten und Abends von 7 Uhr ab an der Kasse zu haben.
    Anfang 8 Uhr.
    W. Kraft

    Auf der Chaussee von Berlin nach Bernau ist einem Lehrling ein Hundertmarkschein verloren gegangen. Der ehrliche Finder erhält eine Belohnung von 15 Mark
    beim Seilermeister Behrendt in Bernau.

    Meinen Freunden und Kunden empfehle ich zum Feste eine reelle, gute und dabei billige Cigarre.
    E. Seidel

    Blumberg.
    Wagen-Verkauf. Eine recht gut erhaltene, solide gebaute, bequeme, ganz geschlossene Chaise steht zu zeitgemäßem Preise bei dem Administrator Lehmann in Blumberg, event. vom 5. Januar ab beim Sattlermeister Herrn Melhorn, Markgrafenstraße 15 in Berlin zum Verkauf.


  • Sonnabend, den 25. December 1875 (No. 103), Anzeigen

    Zum Weihnachtsfest:
    >>>Aechte Biere, <<< Culmbacher, Erlanger, Wiener Märzen, Kitzinger, Weizenbier
    bei Carl Barth. [Bernau]


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