Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1877 (24. Jahrgang),
gefunden im Preußischen Geheimarchiv Berlin-Dahlem



Mittwoch, den 3. Januar 1877 (No. 1), Titelseite, gekürzt

Einladung zum Abonnement auf das Niederbarnimer Kreisblatt

Mit der heutigen Nummer beginnt ein neues Abonnement auf das dreimal wöchentlich erscheinende Niederbarnimer Kreisblatt nebst Illustriertem Unterhaltungsblatt.
Wir bitten unsere geehrten auswärtigen Leser ergebenst, die Pränumeration gefälligst schleunigst bei den Kaiserlichen Post-Anstalten oder den Landbriefträgern oder unseren Agenten veranlassen zu wollen, damit die ersten Nummern gleich den folgenden prompt übermittelt werden können.
...
Das Niederbarnimer Kreisblatt erscheint ferner in besonderer Ausgabe unter dem Titel
Biesenthaler Wochenblatt, ...
Werneuchener Wochenblatt, ...
Zeitung für Weißensee, ...
Zeitung für Rüdersdorf und Herzfelde, ...
Wochenblatt für Alt-Landsberg und Umgegend,
Agentur: bei Herrn Buchbindermeister M. Windelband in Alt-Landsberg ...


Mittwoch, den 10. Januar 1877 (No. 4), Anzeigen

Ein großer starker schwarzgrauer, anscheinend Zieh- oder Fleischer-Hund hat sich angefunden und kann gegen Erstattung der Insertions- und Futterkosten abgeholt werden beim Kossäth Adler in Lindenberg.


Montag, den 15. Januar 1877 (No. 6a), Amtliches Extrablatt, gekürzt

Bekanntmachung.
Behufs Ermittelung des Ergebnisses der am 10. d. Mts. stattgehabten Wahl eines Abgeordneten des aus dem Kreise Nieder-Barnim bestehenden 6. Wahlkreises des Regierungsbezirkes Potsdam für den deutschen Reichstag sind heute ... die Unterzeichneten zusammengetreten und haben Folgendes festgestellt:
Von den abgegebenen ... Stimmzetteln waren von den Wahlvorständen 95 Stimmzettel für ungültig und 13,638 Stimmzettel für gültig erklärt. Die absolute Majorität beträgt also 6820 Stimmen.
Von den für gültig erklärten Stimmen sind gefallen auf:
1) Korvetten-Kapitain z. D. v. St. Paul zu Berlin: 6196
2) Dr. Mendel, Kreistagsabgeordneter, practicirender Arzt zu Pankow: 4533
3) Zimmerer Finn zu Berlin: 2855 ...
23) Landrath, Geheimer Rath Scharnweber: 1

Nach diesem Ergebniß hat keiner der Gewählten die absolute Majorität erhalten, und kommen in Gemäßheit des §. 30 des Wahl-Reglements vom 28. Mai 1870
1) der Korvetten-Kapitain z. D. von St. Paul zu Berlin und
2) der Dr. Mendel zu Pankow,
als diejenigen Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhalten haben, auf die engere Wahl, was wir hierdurch zu öffentlichen Kenntniß bringen.

Berlin, den 14. Januar 1877.
Der Wahl-Commissarius,
Königlicher Landrath, Geheimer Regierungs-Rath, Scharnweber.


Mittwoch, den 17. Januar 1877 (No. 7), Kreis-Nachrichten

Mehrow. Von den 61 hiesigen Wählern gaben 48 ihre Stimmen, und zwar sämtlich für Herrn von St. Paul ab.


Freitag, den 19. Januar 1877 (No. 8), Amtlicher Theil, gekürzt

Bekanntmachung.
Bernau, den 15. Januar 1877.
Da bei der am 10. d. Monats stattgefundenen Wahl zum Deutschen Reichstage eine absolute Stimmenmehrheit sich nicht herausgestellt hat, muß ... eine engere Wahl stattfinden. ...
Zur Vornahme der engeren Wahl ist seitens des Herrn Wahlcommissarius ein Termin auf Donnerstag, den 25. Januar d. J. angesetzt worden. ...
Der Magistrat [von Bernau]


Sonntag, den 28. Januar 1877 (No. 12), Amtlicher Theil

Niederbarnim.
Bekanntmachung.
Berlin, den 23. Januar 1877.
Auch in diesem Jahre ist höheren Orts ein Fonds zur Disposition gestellt, aus welchem Bau-Prämien zur Herstellung feuersicherer Bedachungen an Mitglieder der Kurmärkischen Land-Feuer-Societät gewährt werden sollen. Jedoch darf in keinem Falle über den Betrag von Einer Mark pro [Quadrat] Meter Grundfläche des umzudeckenden Gebäudes herausgegangen werden.
Diejenigen Gebäudebesitzer aus dem Verbande der Land-Feuer-Societät, welche auf eine solche Beihülfe reflectiren, wollen schleunigst, spätestens aber bis zum 10. Februar cr. ihre desfalligen Gesuche an mich einreichen. Jedem Gesuche ist eine von dem zuständigen Gemeinde- oder Guts-Vorstande ausgefertigte Bescheinigung beizufügen, aus welcher hervorgeht, zu welcher Zeit und in welcher Form das nach der Benutzungsart (ob Wohnhaus, Stall u. s. w.), Größe (Länge und Breite), Kataster-Nummer und Versicherungssumme genau zu bezeichnende Gebäude umgedeckt werden soll. Für bereits fertiggestellte feuersichere Bedachungen können Prämien nicht gewährt werden.
Der Kreis-Feuer-Societäts-Director.
Geheimer Regierungs- und Landrath, Scharnweber.


Sonntag, den 28. Januar 1877 (No. 12), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Bernau. Von der am 25. d. M. erfolgten engeren Wahl liegen Berichte vor, wonach Stimmen erhielten in:
St. Paul  Mendel
Pankow und Nieder-Schönhausen 104 605
Oranienburg 160 449
...
Ahrensfelde 58 8
Börnicke 69 -
Mehrow 50 7
Blumberg 88 37
Lindenberg 33 66
[Eiche nicht aufgeführt]
Summa 5098 6567


Mittwoch, den 31. Januar 1877 (No. 13), Amtlicher Theil, gekürzt

Bekanntmachung.
Berlin, den 29. Januar 1877.
... Ermittelung des Ergebnisses der ... am 15. huj. [!] stattgehabten engeren Wahl ... eines Abgeordneten des aus dem Kreise Nieder-Barnim bestehenden 6. Wahlkreises des Regierungsbezirkes Potsdam für den Deutschen Reichstag ...
...
Die Zahl der stimmberechtigten Wähler beträgt 25,107.
Von den abgegebenen 14,947 Stimmen waren von den Wahlvorständen
   79 Stimmen für ungültig und
   14,868 Stimmen für gültig
erklärt. Die absolute Majorität beträgt also 7,435 Stimmen.
Von den für gültig erklärten Stimmen sind gefallen auf:
   1. den Dr. Mendel, Kreistags-Abgeordneten, practicirenden Arzt zu Pankow 8,258 Stimmen,
   2. den Korvetten-Kapitain z. D. von St. Paul zu Berlin 6,610 Stimmen.
Nach diesem Ergebniß ist der practicirende Arzt Dr. Mendel zu Pankow mit absoluter Majorität gewählt ...
Der Wahl-Commissarius
Königlicher Landrath, Geheime Regierungs-Rath, Scharnweber.


Sonntag, den 4. Februar 1877 (No. 15), Anzeigen

Bekanntmachung.
Unser von der Chaussee, südlich nach dem Krummensee an der Blumberger Grenze führende Weg, ist jedem Unbefugten bei 15 Mark Strafe verboten.
Die Parzellen-Besitzer.


Sonntag, den 18. Februar 1877 (No. 21), Amtlicher Theil, gekürzt

Templin, den 24. Januar. 1877.
Polizei-Verordnung.
Auf Grund des §. 5 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 und des §. 78 der Kreisordnung vom 13. December 1872 verordne ich unter Zustimmung des Kreis-Ausschusses für den Umfang des Kreises was folgt:
§. 1 Alle Lastfuhrwerke, sie mögen beladen oder unbeladen sein, müssen, sobald sie auf öffentlichen Wegen außerhalb des Bezirks des Wohnortes ihres Besitzers fahren, am Hintertheile des Wagens in deutlich erkennbarer Weise den Namen und Wohnort des Besitzers oder den Namen des betreffenden Gutes mit Nummer tragen.
§. 2 Alle Fuhrwerke sind während der Nachtfahrten auf Chausseen am Vordertheile des Wagens mit einer hellbrennenden Laterne zu versehen, nur die mit Langholz beladenen Wagen müssen diese Laterne an einer der Rungen des Hinterwagens befestigt haben. ...
Der Landrath H. v. Arnim [in Templin]


Sonntag, den 25. Februar 1877 (No. 24), Anzeigen

Billige Pferde und Wagen stehen zum Verkauf auf dem Mühlengrundstück zu Lindenberg.


Mittwoch, den 28. Februar 1877 (No. 25), Kreis-Nachrichten

Blumberg. (Leichenfund) Am 17. d. Mts. Nachmittags ist bei einer in der hiesigen Gräfllich von Arnim'schen Forst abgehaltenen Fuchsjagd in einem ganz abgelegenen Theile am Fuße eines Baumes ein halbverwester und dadurch zur Unkenntlichkeit entstellter Leichnam aufgefunden worden. Nach der Kleidung war der Verstorbene männlichen Geschlechts. Die Fleischtheile des Körpers, sowie die inneren Theile waren bereits von den Würmern total zerfressen, der Schädel völlig kahl. Ueber die Person des Unglücklichen, der jedenfalls durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht hat, läßt sich somit nichts feststellen. Die vorgefundenen Kleidungsstücke bestanden in einer schwarz-seidenen Mütze, einem Jaquet und einer Weste von braungestreiftem baumwollenen Stoffe, einem Paar ledern Stiefeln und einem Paar Beinkleidern, deren Farbe und Stoff nicht mehr zu erkennen war. Außerdem fand man bei der Leiche ein weiß-leinenes Taschentuch, roth gezeichnet mit S. W. 11. - Für die Wahrscheinlichkeit eines Selbstmordes durch Erhängen spricht vor Allem der Umstand, daß um den Hals der Leiche noch eine Schlinge von einer starken Uhrschnur sich befand, deren übrigerer Theil von einem Baumaste ungefähr 10 Fuß über der Stelle, wo der Leichnam lag, herabhing. Es ist anzunehmen, daß die Last des Körpers und der Einfluß der Witterung die Schnur mürbe gemacht haben und diese in Folge dessen gerissen ist, so daß der Leichnam zur Erde fallen mußte. Wie lange er hier gelegen, wird wohl unaufgeklärt bleiben. Viele Monate sind es jedenfalls.


Sonntag, den 11. März 1877 (No. 30), Amtlicher Theil

Aufgefundener Leichnam.
Am 17. Februar cr. ist in der Gräflich von Arnim'schen Forst, im sogenannten Rohahn [!] unweit Blumberg ein unbekannter männlicher Leichnam, dessen Fleischtheile und das Innere des Körpers bereits von Würmern verzehrt und um dessen Hals eine Schlinge von einer starken hanfenen Uhrschnur befindlich, am Stamm einer Birke liegend gefunden worden. Der Leichnam, 187 Ctmtr. lang war bekleidet mit Jacket und Weste von brauner Farbe, schwarz-seidener Mütze, rindsledernen Stiefeln, wogegen Stoff und Farbe der Beinkleider nicht mehr erkenntlich waren. Ein weißbaumwollenes Taschentuch, anscheinend "S.W." roth gezeichnet, ward noch bei der Leiche vorgefunden.
Alle, welche über die Person des Entleibten Auskunft zu geben vermögen, werden ersucht, darüber gef. hierher Mittheilung zu machen.
Blumberg, den 8. März 1877.
Der Amtsvorstand.


Sonntag, den 18. März 1877 (No. 33, Beilage), Anzeigen, gekürzt

Der R. F. Daubitz'sche Magenbitter, zubereitet von dem Apotheker R. F. Daubitz, Berlin, Neuenburgerstr. 28, á Fl. 1 Mk., hat seine große Bedeutung und außerordentliche Verbreitung als unentbehrliches Hausmittel nicht öffentlichen Anpreisungen, sondern seinem inneren Werth, konstatirt durch zahlreiche wissenschaftlich begründete Gutachten Sachverständiger, und Anerkennungsschreiben vieler Tausender, denen er ausgezeichnete Dienste leistete, zu verdanken. ...
F. J. Daubitz'scher Magenbitter ist echt zu haben bei: Herrn C.F.W. Düring in Bernau, Herrn H. Barnmann in Oranienburg, Herrn L. Böhm in Alt-Landsberg, Herrn A. Ströhmann in Lindenberg.


Mittwoch, den 21. März 1877 (No. 34), Amtliche Beilage, gekürzt
...
Geschäftsplan zur Musterung der Militairpflichtigen im Kreise Niederbarnim pro 1877
...
I. zu Alt-Landsberg im Schützenhause
Am Montag, den 9. April cr. früh 8 Uhr ... Eiche und Hellersdorf, ... Mehrow, ...
II. zu Friedrichsberg, im Beck'schen Restaurations-Lokal, Frankfurter Chaussee No. 8 ...
III. Zu Oranienburg im Bredereck'schen Gasthofe
IV. Zu Bernau im Siech'schen Restaurations-Locale
Am Freitag, den 27. April cr. früh 8 Uhr: ... Elisenau ...
Am Montag, den 30. April cr.: Ahrensfelde, Birkholz, Blumberg, Lindenberg


Mittwoch, den 18. April 1877 (No. 45), Amtliche Beilage, gekürzt

Bekanntmachung.
Berlin, den 21. März 1877.
In Gemäßheit des §. 5 meiner Amtsblatt-Bekanntmachung vom 25. Februar 1876, betreffend die Vorschriften zur Ausführung des §. 60 des Viehseuchen-Gesetzes vom 25. Juni 1875, und unter Bezugnahme auf meine Amtsblatt-Bekanntmachung vom heutigen Tage benachrichtige ich Euer ec. ergebenst, daß die am 1. November v. J. ausgeführte Zählung der abgabepflichtigen Pferde und Rinder für den diesseitigen Provinzial-Verband eine Summe von 225,322 resp. 615,058 ergeben hat und daß für das Jahr 1876 Entschädigung zu leisten war für auf polizeiliche Anordnung getödtete 195 rotzkranke Pferde und 323 mit der Lungenseuche behaftete Stück Rindvieh ...
Summa 46,044 M. 82 Pf. resp. 64,608 M. 38 Pf.

Zur Deckung dieser Beträge sind aufzubringen
   pro Pferd 21 Pf.
   und pro Stück Rindvieh 11 Pf.,
überhaupt also 47,329 M 16 Pf. resp. 67,683 M. 37 Pf.
Der Mehrbetrag gegen obige Bedarfssumme ... wird bei dem Ausschreiben für das Jahr 1877 vorweg in Anrechnung gebracht werden.

Euer Wohlgeboren ersuche ich nun, unter Anschluß der hier ausgefertigten Repartition für den dortigen Kreis, wegen möglichst schleuniger Einziehung der Abgabe und Abführung derselben an die Landes-Haupt-Kasse nunmehr das Weitere gefälligst veranlassen zu wollen.
Der Landes-Director, von Lewetzow.

Nachweis
der im Kreis Nieder-Barnim am 1. November 1876 vorhanden gewesenen Pferde- und Rindviehbestände und Repartition der für das Jahr 1876 ausgeschriebenen Abgabe zur Deckung der Entschädigungen für Pferde und Rindvieh, sowie der Verwaltungskosten.
 Stückzahl  Abgabe [in M. Pf.]
No.  Namen der Ortschaften    der Pferde    des Rindviehs   für Pferde   für Rindvieh
1.  Ahrensfelde  113  116  23,73  18,26
16.  Blumberg  154  270  32,34  29,70
17.  Blumberg (Gutsbezirk)  67  200  14,7  22
35.  Eiche  65  131  13,65  14,41
85.  Lindenberg  176  201  36,96  22,11
96.  Mehrow  22  39  4,62  4,29
97.  Mehrow (Gutsbezirk)  50  89  10,50  9,79
[insgesamt 179 Ortschaften]


Sonntag, den 22. April 1877 (No. 57), Anzeigen, gekürzt

Berliner Hagel-Assecuranz-Gesellschaft
...
Die Unterzeichneten empfehlen sich zur Vermittelung von Versicherungen und stehen mit Antrags-Formularen, sowie mit jeder beliebigen näheren Auskunft stets zu Diensten.
Kreis Niederbarnim: ... Eiche, Ernst Hindenberg, Mühlenbesitzer ...


Mittwoch, den 25. April 1877 (No. 48), Anzeigen

Am 19. d. M. ist hier ein Sack mit Mais gefunden worden. Der Eigenthümer kann gegen Erstattung der Kosten solchen hier in Empfang nehmen.
Ahrensfelde, den 20. April 1877.
Der Gemeinde-Vorstand. Wegener.


Freitag, den 4. Mai 1877 (No. 51), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Auf dem Wege von hier nach Krummensee ist ein >> Milchfaß << gefunden worden. Dasselbe kann von dem sich legitimierenden Eigenthümer gegen Erstattung der Kosten bei dem Arbeitsmann Wiese in Empfang genommen werden.
Mehrow, den 29. April 1877.
Gemeinde-Vorsteher. Meissner.


Mittwoch, den 9. Mai 1877 (No. 53), Kreis-Nachrichten

Lindenberg (versuchte Brandstiftung). Am 27. v. M., Abends gegen 9 Uhr wurde auf dem Wirthschaftsgehöft des Kossäthen Hager hierselbst unter dem Strohdache eines alten Pferdestalles, welcher mit dem Wohnhause in Verbindung steht, Feuer entdeckt. Dasselbe ist offenbar dort angelegt worden, denn der Stall ist nur niedrig und das Dach mit der Hand zu erreichen. Zum Glück ist durch die rechtzeitige Entdeckung die schändliche Absicht des Thäters ermittelt worden. Auf seine Entdeckung hat Herr Hager eine Belohnung von 100 Mark gesetzt, doch ist es bis jetzt, trotz allseitiger Bemühungen, nicht gelungen, auch nur die leiseste Spur des Schurken zu ermitteln.


Mittwoch, den 16. Mai 1877 (No. 55), Kreis-Nachrichten

Blumberg. Der Lehrer Weitling, welcher fast ein halbes Menschenleben die hiesige Cantor- und erste Lehrerstelle verwaltete, ist jetzt in den wohlverdienten Ruhestand getreten und wird in Zukunft seinen Wohnsitz in Cremmen nehmen, wo sein Sohn Cantor ist und wohin ihn noch andere verwandtschaftliche Verhältnisse ziehen. Wir wollen hierbei bemerken, daß die erste Lehrerstelle durch die Emeritirung des Herrn W. in ihrem Einkommen nicht geschmälert wird, denn nach einer vor Kurzem erlassenen Regierungsverfügung muß in Zukunft die dem Emeriten zukommende Pension von der Schulgemeinde aufgebracht werden.


Sonntag, den 20. Mai 1877 (No. 57), Anzeigen

Alt-Landsberg.
Unterzeichneter zeigt hierdurch höflichst an, daß er sein Domicil von Neu-Trebbin nach
Alt-Landsberg verlegt und seine Thätigkeit als Arzt, Wundarzt & Accoucheur daselbst am 19. Mai eröffnet hat.
Dr. med. G. Friedewald, pr. Arzt,
Alt-Landsberg, bei Herrn Schmiedemeister J. Boehne.


Sonntag, den 3. Juni 1877 (No. 62), Amtlicher Theil, gekürzt

Niederbarnim.
Bekanntmachung.
Berlin, den 23. Mai 1877.
Unter Bezugnahme auf §. 17 der Controll-Ordnung vom 28. September 1875, betreffend die Klassification der Reserve- und Landwehrmannschaften, rücksichtlich ihrer häuslichen und gewerblichen Verhältnisse, wird hierdurch veröffentlicht, daß die Gesuche der nachstehend verzeichneten Mannschaften aus dem Niederbarnimer Kreise um einstweilige Zurückstellung für den Fall einer Mobilmachung in der Sitzung am 2. d. M. als begründet erachtet und die Berücksichtigten, wie unten näher ersichtlich gemacht, hinter den letzten Jahrgang der Reserve oder der Landwehr zurückgestellt worden sind. ...
A. Hinter den letzten Jahrgang der Reserve zurückgestellt: [10]
...
B. Hinter den letzten Jahrgang der Landwehr zurückgestellt: [112]
27. Gustav Albrecht, Ahrensfelde, Landwehr-Cavallerist.
50. Carl Schley, Lindenberg, Reserve-Infanterist.
51. Carl Hagert, do., do.
52. Ludwig Baurath, Lindenberg, Landwehr-Infanterist.


Sonntag, den 3. Juni 1877 (No. 62), Kreis-Nachrichten

Mehrow. Der am Sonntag, den 27. cr. in der Hasenheide bei Berlin aufgestiegene Luftballon des Herrn Securius "Deutsches Reich" ist um 1/2 8 Uhr Abends in der Nähe unseres Dorfes, hart an der Grenze der herrschaftlichen Feldmark auf einem Blumberger Kleeacker gelandet. Die Landung ging glücklich von Statten.


Freitag, den 15. Juni 1877 (No. 67), Anzeigen

Alt-Landsberg.
Aerztliche Bekanntmachung.
Unterzeichneter zeigt hierdurch ergebenst an, daß er vom 16. d. Mts. bis Ende September, an jedem Sonnabend, Nachmittags 3-5 Uhr in seiner Wohnung (Kirchstr. 94 bei Herrn Wittkopp) impfen werde.
Dr. med. Friedewald, pract. Arzt. etc. in Alt-Landsberg.
Sprechstunden Morgens bis 1/2 9, Nachm. 3-4 Uhr


Sonntag, den 24. Juni 1877 (No. 71), Anzeigen

Ich wohne jetzt bei Herrn Grosskreuz, in der Wohnung des Herrn Dr. Rudolphi. Alt-Landsberg.
Dr. Massmann, Arzt.


Freitag, den 27. Juli 1877 (No. 85), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Unter den Schafen des Rittergutes Blumberg und des Vorwerkes Elisenau sind die natürlichen Pocken ausgebrochen.
Der Amts-Vorsteher. Altenburg.


Mittwoch, den 1. August 1877 (No. 87), Amtlicher Theil, gekürzt

Bekanntmachung.
Berlin, den 27. Juli 1877.
Für die normalspurigen Eisenbahnen von untergeordneter Bedeutung, zu welchen auch die den Kreis durchschneidende Berliner Nordbahn gehört, findet eine neue, von den bisher allgemein giltigen [!] Grundsätzen des Bahnpolizei-Reglements vom 4. Januar 1875 sehr erheblich abweichende Sicherheitsverordnung Anwendung. Es ist danach nothwendig, daß nur mit äußerster Vorsicht in der Nähe verkehrt, und eine ganz besondere Aufmerksamkeit beim Ueberschreiten der Bahn beobachtet wird. Denn
1) gilt als Regel, daß die Uebergänge der in gleicher Ebene über die Bahn führenden Wege gänzlich ohne Verschluß und ohne Bewachung bleiben. ...
2) Sobald sich ein Zug (oder eine Locomotive) nähert, müssen Fuhrwerke, Reiter, Treiber von Viehherden und Führer von Lastthieren an den Warnungstafeln, die in angemessener Entfernung an den Bahnübergängen aufgestellt sind, halten.
3) Die größte zulässige Fahrgeschwindigkeit für Züge, sowohl wie für leerfahrende Locomotiven beträgt 30 Kilometer pro Stunde; ...
...
Der Kreis-Landrath, Geheime Regierungs-Rath, Scharnweber.


Mittwoch, den 1. August 1877 (No. 87), Amtliche Beilage, gekürzt

Todes- und Erkrankungs-Statistik
des Kreises Niederbarnim pro 2. Quartal 1877.
Nach Mittheilungen der 59 Standesämter und von 21 Ärzten des Kreises zusammengestellt durch Sanitätsrath Dr. Boehr, Kreisphysikus des Kreises Niederbarnim.

Präsumptive Einwohnerzahl des Kreises: 125,681 auf 31 [Quadrat-] Meilen.
Zahl der Todesfälle: 883 inkl. Todtgeburten
Zahl der Todtgeburten: 64. Zahl der Lebendgeborenen: 1267. -
Sterbeziffer 28,10 inkl. Todtgeburten, 26,06 ohne Todtgeburten -
Zahl der Erkrankt-Gemeldeten: 2636
Bez. der Bezirke   Von den
Ärzten
gemeldete
  Erkrankungen
Zahl der
Todesfälle
ohne
  Todtgeburten
Zahl der
Todt-
  geborenen
Zahl der
Lebend-
  geborenen
Liebenwalde und Umgegend   141 93 7 137
Oranienburg und Umgegend   400 95 5 139
Bernau und Umgegend   299 104 12 164
Alt-Landsberg und Umgegend (*)   176 46 4 77
Rüdersdorf und Umgegend   454 78 9 142
Friedrichshagen und Umgegend   71 33 3 51
VII Umgegend von Berlin (Nordwestl. Theil) 285 55 2 51
... (Nördlicher Theil)   384 116 5 177
... (Oestlicher Theil)   426 199 17 329

gestorben: 819, 64 (todtgeboren) 1267 Lebendgeboren

Altersklassen der Gestorbenen:
0-1 371
1-5 116
5 bis 20 55
20 bis 40 Jahre 85
40 bis 60 Jahre 78
60 bis 80 Jahre 87
über 80 Jahre 25
Alter unbekannt 2
Summa: 532 Kinder = 64,95 pCt. / 287 Erwachsene = 35,5 pCt.

Infektionskrankheiten  Todesfälle  Erkrankungen  
Pocken - -
Masern 7 171
Scharlach 1666
Croup und Diphtheritis 40170
Typhus u. gastr. Fieber 1069
Flecktyphus --
Cholera --
Ruhr 326
Rose 123
Keuchhusten 2125
Kindbettfieber 59
Andere Infections-Krankh. 125
Summa: 104

andere vorherrschende Krankheiten  Todesfälle  Erkrankungen  
Lungenschwindsucht 92115
Entzündungen der Atmungsorgane 57308
Schlagfluß 3924
Acuter Gelenk-Rheumat. 347
Darmkatarrh u. Durchfall 39258
Brechdurchfall 40124
Krämpfe und Zahnkrämpfe 157-
Lebensschwäche und Abzehrung 109-
Scropheln u. englische Krankheit 4-
Wechselfieber -524
Magenkatarrh 4178
Bronchialkatarrh -238
Angina tonsillaris -11
Alle anderen Erkrankungen 144225
Summa: 523 688

[andere Todesursachen]  Todesfälle  
Gewaltsamer Tod
Unglücksfälle 14
Selbstmord 13
Mord und Todtschlag -
Summa: 27

(*) Scharlach-Epidemie im Mai und Juni in Alt-Landsberg, Diphteritis in Alt-Landsberg. Große Masern-Epidemie im Mai in Mehrow (35 Fälle), Typhus in Alt-Landsberg.
[Von den 171 Masern-Erkrankungen 33 Alt-Landsberg und Umg., 83 Rüdersdorf und Umg.]
[Von den 66 Scharlach-Erkrankungen 10 Alt-Landsberg und Umg., 18 Rüdersdorf und Umg.]


Sonntag, den 2. September 1877 1877 (No. 101), Kreis-Nachrichten

Lindenberg, den 26. August (Feuer). Gestern Abend 11 1/2 Uhr brach auf dem Mühlengrundstücke des Herrn Rulemann Hientzsch hierselbst Feuer aus, wodurch Scheune und Stall in Asche gelegt wurden. Der Schaden trifft die Preußische Versicherungs-Gesellschaft. Der Besitzer wohnt in Berlin, Brunnenstraße Nr. 16. Ueber die Entstehungsart des Brandes ist noch nichts ermittelt. Spritzen und Wasserwagen hatten die Gemeinden Wartenberg, Schwanebeck, Carow, Malchow, Ahrensfelde, Falkenberg und Buch zur Hilfeleistung hierher gesandt.


Freitag, den 7. September 1877 (No. 103), Kreis-Nachrichten

Hönow. Der Bauergutsbesitzer und Schöffe Ferdinand Gathow hier ist am 2. d. M., Nachmittags 4 Uhr in seinem Kuhstalle erhängt aufgefunden [worden]. Es soll festgestellt sein, das c. Gathow in einem Anfall von Geistesstörung, die bei ihm schon vorher verspürt worden ist, sich selbst entleibt hat. Gathow zählte zu den angesehensten Einwohnern, er lebte durchaus sorgenfrei und die Kunde von seinem Selbstmord erregte die Gemüther allgemein.

Weißensee. Heute, 4. September, hat Sr. Königl. Hoheit, Prinz Wilhelm, der älteste Sohn des Kronprinzen, im Hause des Herrn Director Feldtmann, als Offizier das erste Quartier genommen.


Freitag, den 7. September 1877 (No. 103, Beilage), Anzeigen

Dom. Blumberg
verkauft zur Saat Propsteier und Pirnaer Roggen, sowie gelben Blumberger Weizen.


Freitag, den 14. September 1877 (No. 106), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Zwei, dem Bauer Lehmann zu Ahrensfelde gehörige Pferde sind wegen Rotzkrankheit getödtet worden. Die übrigen Pferde stehen unter polizeilicher Observation und ist über das eine die Stallsperre, über die übrigen die Feldmarksperre verhängt.
Mehrow, den 8. September 1877.
Der Amtsvorsteher, Heyse.


Mittwoch, den 3. October 1877 (No. 114), Kreis-Nachrichten

Weißensee. Die Männer im feurigen Ofen producirten sich am Donnerstag Abend vor einem geladenen Publikum im Schloßrestaurant Weißensee und beabsichtigen heute ihre Kopie des alttestamentlichen Wunders öffentlich zu wiederholen. Nahe dem See war ein Ofen aufgestellt und derartig geheizt, daß sämmtliche 4 Wände in feuriger Röthe erglühten. - Niemand vermochte es vor Hitze im Umkreise von 20 Schritt auszuhalten. Mit dem Glockenschlag Sieben erschienen, à la Prinz von Arkadien gekleidet, drei Herren aus Weißensee, öffneten vor den Augen des Publikums das gluthspeiende Ungeheuer und begaben sich kecken Muthes durch die Flammen in das Innere. Länger als 5 Minuten brachten sie inmitten der Gluth zu und präsentirten sich dann den erstaunten Zuschauern noch in völlig ungeröstetem Zustande. (Berl. Brg.-Ztg.)


Freitag, den 5. October 1877 (No. 115), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Der Knecht Johann Ernst Jänick, geboren am 19. November 1847 zu Beitsch, Kreis Guben, hat seinen Dienst bei dem Bauerngutsbesitzer Julius Heese in Biesdorf am 9. Juli d. J. ohne gesetzlichen Grund heimlich verlassen. Es wird gebeten, den Aufenthalt des c. Jänick hierher schleunigst mitzutheilen.
Der letzte Aufenthaltsort des c. Jänick war in Ahrensfelde.
Biesdorf, den 2. October 1877.
Der Amts-Vorsteher, Baron von Rüxleben.


Freitag, den 12. October 1877 (No. 118), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Die Pockenseuche unter den Schafen des Rittergutes Blumberg und des Vorwerkes Elisenau ist erloschen.
Blumberg, den 9. October 1877.
Der Amtsvorsteher.


Mittwoch, den 14. November 1877 (No. 132), Anzeigen

Montag, den 19. November cr., Vormittags von 9 1/2 Uhr ab soll in Blumberg bei Bernau eine vollständige Gasthofs-Einrichtung, bestehend aus:
2 Billards mit Marmorplatte, Tische, hochlehnige Rohrstühle, Repositorium, 2 Pasch Kegeln, 12 Bockholz-Kugeln, 1300 gebrauchte, große und kleine Bierkruken, 4 Stand neue Betten, 1 Mahagonie-Sopha, Spiegel, Tische und sonst dazugehörige Utensilien
öffentlich meistbietend gegen gleich baare Bezahlung aus freier Hand verkauft werden.
F. Hennig.


Sonntag, den 2. December 1877 (No. 140), Kreis-Nachrichten

Blumberg. In der hiesigen Gräflich v. Arnimschen Forst, und zwar in dem sogenannten Gürgenbusch, wurde am 24. November der Leichnam eines unbekannten, anscheinend in den dreißiger Jahren stehenden Mannes aufgefunden. Die ganz durchnäßte Kleidung des Unbekannten war äußerst ärmlich und sehr unsauber. Mord oder Selbstmord scheint nicht vorzuliegen, vielmehr läßt sich annehmen, daß der Tod in Folge von Erschöpfung eingetreten ist.


Sonntag, den 2. December 1877 (No. 140), Amtliche Beilage, gekürzt

Todes- und Erkrankungs-Statistik
des Kreises Niederbarnim pro III. Quartal 1877.
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Einwohnerzahl des Kreises: 126948 auf 31 [Quadrat] Meilen
Zahl der Todesfälle 1183 incl. Todtgeburten. Zahl der Todtgeburten 49. Zahl der Lebendgeborenen 1368.
Sterbeziffer 37,27 pro Mille incl. Todtgeborene, 35,73 ohne Todtgeborene.
Zahl der Erkrankt-Gemeldeten: 2915
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Resümirende Bemerkungen:
Ich mache auf die excessiv hohe Kindersterblichkeit aufmerksam, die der des III. Quartals nur wenig nachsteht.
Schwer wiegt die Thatsache, daß fast der 3. Theil der hohen Gesamtleichenzahl (29,40 %) auf die ganz unbestimmten Todesangaben "Krämpfe und Zahnkrämpfe" (192 Kinder) und "Lebensschwäche und Abzehrung" (141 Kinder) kommt. Die meisten dieser Kinder scheinen ohne jede ärztliche Behandlung zu sterben.
An specifischen Sommer-Erkrankungen zeigt das III. Quartal:
182 Todesfälle / 405 Erkrankungen an Brechdurchfall
94 Todesfälle / 526 Erkrankungen an Darmkatarrh und Durchfall
40 Todesfälle / 168 Erkrankungen an Ruhr
zus. 316 specifische Sommertodesfälle / 1099 " Sommer-Erkrankungen


Sonntag, den 16. December 1877 (No. 146), Amtliche Beilage, gekürzt

Verhandelt.
Berlin, den 24. November 1877. [Kreistag des Niederbarnimer Kreises]
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Anwesend waren [insgesamt 40]:
1. Königl. Oberst-Lieutenant und Flügel-Adjutant, Rittergutsbesitzer von Arnim-Zichow auf Blumberg
7. Rittergutsbesitzer Heyse zu Mehrow
13. Rittergutsbesitzer und Kreis-Deputirter, Baron von Knobelsdorff zu Schöneiche
14. Gutsbesitzer Lorenz zu Hönow


Freitag, den 21. December 1877 (No. 148), Amtlicher Theil

Mehrow, den 15. December 1877.
Die Rotzkrankheit unter den Pferden des Bauern Lehmann zu Ahrensfelde ist erloschen.
Der Amts-Vorsteher, gez.: Heyse.


Freitag, den 28. December 1877 (No. 150), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. An Stelle des im Juli d. Js. plötzlich verstorbenen Predigers Harmuth wurde nach der Verordnung vom Jahre 1874 von den wahlberechtigten Gemeindeorganen der Gemeinden zu Ahrensfelde und Hönow unter Leitung des Herrn Superintendenten Siegel zu Biesdorf am 19. d. Mts. mit 2/3 der Stimmen der Prediger Uhlmann zu Reichenwalde bei Storkow von den einige 50 betragenden Bewerbern zum Prediger hierselbst erwählt.


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