Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1880 (27. Jahrgang),
gefunden im Preußischen Geheimarchiv Berlin-Dahlem



Freitag, den 9. Januar 1880 (No. 3), Kreis-Nachrichten

Blumenberg. [!] Bei den am 4. d. Mts. hier stattgehabten kirchlichen Wahlen ist in den Gemeinde-Kirchenrath wieder gewählt worden: der Bauergutsbesitzer Gottlieb Grün; neu gewählt ist: der Maurer und Büdner Friedrich Adler. Als Gemeinde-Vertreter sind wiedergewählt: der Bauergutsbesitzer Friedr. Grün, der Halbbauer Wilhelm Keisdorf, der Halbbauer Friedr. Keisdorf, der Bauergutsbesitzer Gottlieb Hecht, Forstaufseher Adler und Kossäth August Adler; neugewählt: Mühlenmeister Juert, der aus dem Gemeinde-Kirchenrath ausschied. - Der bei Gelegenheit der im vorigen Jahre stattgehabten Renovierung unserer Kirche durch einen neuen ersetzte Taufstein, dessen Alter sich auf wohl dreihundert Jahre belaufen mag und dessen oberer Rand mit einer werthvollen getriebenen Zinkarbeit geziert ist, wird auf Antrag des Gewerbemuseums zu Berlin diesem zur Conservirung und Aufstellung überwiesen werden.


Mittwoch, den 14. Januar 1880 (No. 5), Kreis-Nachrichten

Blumberg. In dem Referat in Nr. 3 ist unter den wiedergewählten Gemeindevertretern versehentlich der Forstaufseher Adler aufgeführt worden, welcher gar nicht ausgeloost war. Wiedergewählt ist vielmehr der Schlächter Hamman.


Sonntag, den 25. Januar 1880 (No. 10), Kreis-Nachrichten

Lindenberg. Freitag, den 16. d. M. veranstaltete der Gesangverein hier ein Musik- und Gesang-Concert zum Besten der Nothleidenden in Ober-Schlesien. Das Unternehmen fand bei dem hiesigen Publikum rege Betheiligung. Auch nach auswärts waren vom Vereine aus Einladungen ergangen, jedoch war von dorther Niemand erschienen. Allein Herr Rittergutsbesitzer und Amtsvorsteher Simon-Malchow hat 10 M. und dessen Stellvertreter, Herr Steinbrück, 3 M. eingesandt. Auch von hier sind von Nichterschienenen dem Verein kleine Spenden zugegangen. Herr Gerstenberg, dessen 21 Mann starke Capelle die in der That sehr schöne Musik zur Aufführung brachte, hat ebenfalls für die Nothleidenden etwas gethan, indem er seine Ansprüche für die Musik ermäßigte. Es ergab dieses Unternehmen einen Reinertrag von 60 M., welche an Se. Excellenz den Herrn Ober-Präsidenten der Provinz Schlesien abgeführt sind. G.


Mittwoch, den 11. Februar 1880 (No. 17), Kreis-Nachrichten

Blumberg. 9. Februar. Wie nach anderen Orten ist nunmehr auch die hiesige Schule von Seiten des Dr. G. Wenker zu Marburg in Hessen die Aufforderung ergangen, behufs Ausarbeitung von jeden Schulort berücksichtigenden Dialectkarten ganz Deutschlands, die auf einem Formular gestellten Fragen zu beantworten und zugleich eine Uebersetzung einiger bestimmter hochdeutscher Sätzchen in die ortsübliche Mundart anzufertigen. Herr Dr. Wenker hofft auf eine recht gewissenhafte Unterstützung durch die Herren Lehrer bei seinem schwierigen mühsamen Werke - er wird über 36,000 Uebersetzungen zu verarbeiten haben -, von welchem sowohl in sprachlicher wie in geschichtlicher Hinsicht gleich wichtige Ergebnisse für die deutsche Wirtschaft zu erwarten sind. In der Rheinprovinz, nördlich der Mosel, ist das mühevolle Unternehmen unter allseitiger Betheiligung der Herren Lehrer bereits mit bestem Erfolge durchgeführt worden.


Freitag, den 13. Februar 1880 (No. 18), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Die hiesige achte Lehrerstelle, mit welcher ein jährliches Einkommen von 900 Mark verbunden ist, wird durch Versetzung des bisherigen Inhabers der Stelle zum 1. April vacant.
Wir fordern qualificirte Bewerber auf, sich um diese Stelle binnen vier Wochen unter Vorlegung ihrer Zeugnisse bei uns zu melden.
Alt-Landsberg, den 31. Januar 1880.
Der Magistrat. Matz.


Sonntag, den 22. Februar 1880 (No. 22), Anzeigen

Ein zweispänniger Wagen ist zu verkaufen bei Wittwe Grothe in Blumberg


Mittwoch, den 25. Februar 1880 (No. 23), Anzeigen, gekürzt

Blumberg. Am Sonntag den 22. d. Mts. beging der hiesige Gesangverein "Hoffnung" unter Mitwirkung des Lindenberger Männer-Gesangvereins und der Liebisch’schen Kapelle aus Bernau in dem reichgeschmückten Saale des Hamman'schen Gasthofes durch Concert und Ball die Feier seines ersten Stiftungsfestes. Die Gesangaufführungen des Blumberger Vereins zeigten auf das Deutlichste, wie viel geleistet zu werden vermag, wenn Lust und Liebe zur Sache nicht fehlen. Bedenkt man, daß der Verein erst seit Jahresfrist besteht und ihm fast durchweg nur Mitglieder angehören, die Musik früher nicht geübt haben, so kann man nur seine vollste Anerkennung über die Exactheit des Vortrages und den Wohlklang der Stimmen aussprechen, welche Vorzüge zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen. ... Ein Ball, dessen Zwischenpausen noch einige Gesänge des Blumberger und Lindenberger Vereins ausfüllten, schloß sich an das Concert an.


Mittwoch, den 25. Februar 1880 (No. 23), Anzeigen

Alt-Landsberg.
Nothwendiger Verkauf.
Das der in Liquidation befindlichen Firma gehörige Gut- und Fabrik-Etablissement Bruch-Mühle bei Alt-Landsberg. enth. Strickgarn - Spinnerei, Mehl- und Schneide-Mühle, schönes neues Wohnhaus, 20 Pferde Wasserkraft, Areal ca. 300 Morgen, soll mit sämmtlichem todten und leb. Inventar, Maschinen etc. an den Meistbietenden verkauft werden. Besichtigung jederzeit gestattet, und werden Gebote bis zum 15. März durch den unterzeichneten Liquidator entgegen genommen.
John Voorgang.

Ruleman Hientzsch.
Berlin N., Brunnenstraße 16,
offerirt aus seiner Special-Cultur: Krup-(Staude-) Bohnen in 18 der neuesten und bewährtesten Sorten, Sechswochenkartoffeln, lange, Schneeflocke billigst und garantirt rein bei meinem Gärtner Pollitz in Lindenberg zu haben.


Sonntag, den 29. Februar 1880 (No. 25), Kreis-Nachrichten

Blumberg. In dem Referat in voriger Nummer sind durch Schuld des Abschreibers leider einige Worte versehentlich fortgeblieben. Es muß daselbst, Zeile 24 von oben heißen: "Vor dem Schlußliede wandte sich der erste Herr Dirigent des Blumberger Vereins, unter dessen - sowie des heute nicht thätigen, zweiten Dirigenten trefflicher Leistung der Verein wohl lediglich seine schon jetzt so hübschen Erfolge verdankt ... u.s.w." Referent bedauert den Wegfall dieser Zeile auf das Lebhafteste, da ihm die verdienstvolle Thätigkeit des zweiten Herrn Dirigenten durchaus nicht unbekannt ist.


Freitag, den 12. März 1880 (No. 30), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Blumberg. Unter "Eingesandt" wird in der No. 28 d. Bl. versucht, den letzten Alt-Landsberger Vieh- und Pferdemarkt in einem anderen Lichte darzustellen als dies in einem Artikel in No. 24 d. Bl. geschehen ist. Die geehrten Leser werden aber gefunden haben, daß der letztere nur die Wahrheit von dem bestätigt, was die Besucher der Alt-Landsberger Märkte in den letzten 10-15 Jahren stets wahrnehmen mußten, nämlich: daß die Viehmärkte dieses Städtchens nur in dem Kalender verzeichnet standen. Mögen doch die Alt-Landsberger Hand an's Herz legen und sich fragen, ob es wirklich rathsam ist, noch ferner mit solchen Versuchen anzutreten und durch philosophische Stilistik bestehende Thatsachen einfach vergessen zu machen. ...


Freitag, den 12. März 1880 (No. 30), Anzeigen

Weiße Lupinen pr. Ctr. 7 Mark verkauft Lichtenberger in Ahrensfelde.


Sonntag, den 14. März 1880 (No. 31), Kreis-Nachrichten

Hönow. Se. Excellenz der Herr Generalpostmeister Dr. Stephan hat mittelst [!] hohen Rescripts vom 9. März cr. bestimmt, daß in hiesigen Orte eine Postagentur mit Fernsprechbetrieb ab Neuenhagen eingerichtet werde. Unsere Postanstalt erhält selbstredend Verbindung mit dem Kaiserl. Postamte in Neuenhagen; Das Dorf Mehrow, wie wir, scheiden somit von dem Bestellbezirk Alt-Landsberg aus.


Freitag, den 26. März 1880 (No. 36), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Blumberg. 22. März. Am Palm-Sonntage fand hierselbst die Confirmation von 29 Kindern von hier, Eiche und Hellersdorf statt, welcher sich die gemeinsame Feier des heiligen Abendmahles anschloß. - Die sonst übliche Feier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers von Seiten des hiesigen Landwehr-Vereins fiel in diesem Jahre aus, vornehmlich wohl in Rücksicht auf den in der Familie des Patrons vor Kurzem stattgehabten Trauerfalls. Am 12. d. M. ist bekanntlich die einzige Tochter des Herrn Grafen von Arnim-Zichow, die junge Gräfin zu Stollberg-Roßla, im 21. Lebensjahre in Roßla verschieden. Ueber die daselbst am 15. März stattgefundene Trauerfeierlichkeiten, denen als Vertreter des Kaisers und Kronprinzen der Vizekanzler, Graf Otto zu Stollberg-Wernigerode beiwohnte, bringt die in Halle erscheinende "Saale-Zeitung" aus Roßla folgenden Bericht: ...


Mittwoch, den 2. April 1880 (No. 38), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Der Klempnermeister Hermann Kranz hierselbst ist zum öffentlichen Fleischbeschauer für den Amtsbezirk Blumberg ernannt worden.
Blumberg, den 27. März 1880.
Der Amts-Vorsteher. Altenburg.


Mittwoch, den 2. April 1880 (No. 38), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Blumberg. Die Nummern 11 u. 12 der "Deutschen Lesehalle", Sonntagsbeilage zum "Berliner Tageblatt" enthalten einen interessanten Artikel von Johannes Bloch über "Platt Land bei Berlin", welcher einen wertvollen Beitrag zur Geschichte unseres Dorfes Blumberg bildet: ...

[langer Artikel, u.a. mit Personen-Beschreibung von Canitz]


Mittwoch, den 2. April 1880 (No. 38), Amtliche Beilage, gekürzt

Geschäftsplan zur Musterung der Militairpflichtigen ...

I.  Alt-Landsberg, Im Schützenhause
Am Freitag, den 16. April cr., früh 8 Uhr: ... Eiche mit Hellersdorf, ..., Mehrow, ...
II.  Lichtenberg-Friedrichsberg, im Spitzig'schen Restaurationslokal, Frankfurter Chaussee Nr. 8
III.  Liebenwalde a.H. im Rossow'schen Gasthofe
IV.  Oranienburg, im Kehl'schen Gasthofe zum "Deutschen Hof"
V.  Bernau, im Siech'schen Restaurationslokal
Am Dienstag, den 4. Mai cr., früh 8 Uhr: ... Lindenberg, ...
Am Freitag, den 7. Mai cr., früh 8 Uhr: Ahrensfelde, Blumberg, ...


Sonntag, den 4. April 1880 (No. 39), Amtliche Beilage

Marzahn. (Ein Raubanfall) In der Nacht vom 27. zum 28. d. Mts. ist gegen den Schlächtermeister Oppermann hierselbst auf dem Wege von Mehrow nach der Berlin-Prötzeler Chaussee ein Raubanfall verübt worden. Oppermann wurde etwa 400 Schritte hinter Mehrow von 2 Männern angegriffen, von denen ihn einer sofort zu Boden schlug. Der Aufforderung derselben, sein Geld herzugeben, mußte O. schließlich nachkommen. Dasselbe bestand etwa in 2 Mark, womit die Räuber aber nicht zufrieden gestellt werden konnten. Obgleich O. versicherte, nicht mehr Geld bei sich zu haben, schenkten dieselben diesen Worten jedoch keinen Glauben, warfen ihn von Neuem zu Boden und bemächtigten sich nun seiner Uhr mit Kette und Medaillon, welche sie ihm mit Gewalt entrissen. O. wurde so auf dem Wege bis kurz vor der Berlin-Prötzeler Chaussee unter fortwährenden Mißhandlungen von den Räubern verfolgt. Erst hier verließen sie ihn und fast bewußtlos schleppte sich O. nach Hause. Derselbe liegt krank darnieder. Einen ziehmlich handfesten Rohrstock, welchen O. bei sich führte, haben die Räuber auf ihr Opfer buchstäblich in Fasern zerschlagen. Daß O. mit dem Leben davon gekommen, ist zu bewundern. Dem durch seine Umsicht bekannten Gendarm Münter aus Alt-Landsberg haben wir es zu danken, daß die Räuber bereits am dritten Tage ermittelt wurden und zur Haft gebracht werden konnten. Es sind dies die Knechte Liepmann und Buchwaldt zu Mehrow. Bei der vorgenommenen Haussuchung wurde bei einem derselben Uhr, Kette und Medaillon des O. vorgefunden. Gegenüber diesen Beweismitteln gelang es dem Gensdarm [!] Münter, Beide zu einem offenen Geständnis zu bringen. Dieselben befinden sich bereits im Untersuchungsgefängniß des Königl. Amtsgerichts zu Alt-Landsberg.


Sonntag, den 4. April 1880 (No. 39), Anzeigen

Samen-Handlung in Lindenberg.
Gemüse- und Rübensamen ist in bester keimfähiger Waare zu haben. In einigen Wochen auch Gemüsepflanzen.
Ruleman Hientzsch.


Mittwoch, den 7. April 1880 (No. 40), Amtliche Beilage, gekürzt

Verzeichniß
der Steuerbezirke des Kreises Niederbarnim und deren Vertheilung auf die Kataster-Aemter
Berlin III. und Berlin IV.

I. Katasteramt Berlin III.
a. zum Amtsgerichtsbezirk Cöpenick gehörig [insgesamt 7 (No. 1...7)]
b. zum Amtsgerichtsbezirk Alt-Landsberg gehörig [insgesamt 43 (No. 8...52)]
9. Blumberg, Gemeinde
10. Blumberg, Gut
16. Eiche, Gemeinde
32. Mehrow, Gemeinde
33. Mehrow, Gut

II. Katasteramt Berlin IV.
a. zum Amtsgerichtsbezirk Berlin gehörig [insgesamt 49 (No. 1...49)]
1. Ahrensfelde, Gemeinde
23. Lindenberg, Gemeinde
b. zum Amtsgerichtsbezirk Bernau gehörig [insgesamt 10 (No. 50...69)]
c. zum Amtsgerichtsbezirk Liebenwalde gehörig [insgesamt 22 (No. 91...90)]
d. zum Amtsgerichtsbezirk Oranienburg gehörig [insgesamt 47 (No. 92...138)]


Sonntag, den 11. April 1880 (No. 42), Anzeigen, gekürzt

Berliner Hagel-Assecuranz-Gesellschaft von 1832
...
Zur Vermittelung von Versicherungen empfehlen sich: ..., Ernst Hindenberg, Eiche. ...


Freitag, den 16. April 1880 (No. 44), Anzeigen

Alt-Landsberg.
Abschied!! Allen Freunden in Alt-Landsberg und Umgegend, bei denen persönl. Abschied mir nicht vergönnt war, empfehle ich mich hierdurch bestens.
Dr. Friedewald, pr. Arzt.
Berlin W., Blumenthalstr. 9.


Sonntag, den 18. April 1880 (No. 45), Kreis-Nachrichten

Bernau. In Bezug auf den in Nr. 39 d. Bl. erwähnten Raubanfall gehen uns aus Mehrow folgende Berichtigungen zu: "Zeit der That war nicht die Nacht vom 27. zum 28. März cr., sondern die Nacht vom 21. zum 22. März d. J. Verübt ist dieselbe nicht bei Mehrow, sondern von hier aus hinter Eiche, zwischen diesem Orte und Marzahn. Thäter waren nicht Knechte aus Mehrow, sondern aus Eiche, Menschen, die nicht aus Mehrow stammen, auch nie hier gedient haben, wie auch Eiche nicht ihre Heimath ist. Buchwald ist schon oft wegen Uebertretungen und Vergehen durch Polizei-Behörden mit Geld- und Haftstrafen bedacht worden und war am Tage nach dem Verbrechen, ehe er als Thäter bekannt worden war, wegen verübten nächtlichen Unfugs zur Instrafnahme angezeigt, während der andere, der übrigens nicht Liepmann, sondern Liebner heißen soll, einen bisher unbescholtenen Lebenswandel geführt hat, und jedenfalls Opfer der Verführung geworden ist.


Freitag, den 23. April 1880 (No. 47), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Der Weg von Mehrow nach Ahrensfelde ist bis zur Beendigung der angefangenen Neu-Chaussierung gesperrt.
Mehrow, den 19. April 1880.
Der Amts-Vorsteher. Heyse


Freitag, den 23. April 1880 (No. 47), Amtlicher Theil, gekürzt

Bekanntmachung.
Berlin, den 17. April 1880.
Auf Grund der Bekanntmachung des Herrn Finanz-Ministers vom 25. März cr. (Gesetz-Sammlung Seite 213), betreffend das Ergebniß der Klassensteuer-Veranlagung für das Rechnungsjahr 1. April 1880|81, wird von letzterer Steuer ebenfalls wie für das verflossenen Jahr 1879|80 nur 2 Mark 88 Pfg. auf je 3 Mark der veranlagten Jahressteuer erhoben.
Das berichtigte Jahres-Soll für den Kreis Nieder-Barnim ist demnach auf 208451 Mark 52 Pfg. festgestellt worden und ergibt die nachstehende Zusammenstellung den Jahresbetrag jedes einzelnen Steuerbezirks. ...
Der Kreis-Landrath, Geheime Regierungs-Rath. Scharnweber.

Nachweisung
des vollen und berichtigten Klassensteuer-Jahres-Solls des Kreises Niederbarnim pro 1880|81.

Laufende  
Nr.
Namen der Ortschaften.   Volles
...Soll
  Berichtigtes
...Soll
A. Städte
Bernau, Alt-Landsberg, Liebenwalde, Oranienburg
Summa A   38070  36547,20

B. Plattes Land [insgesamt 157]
2  Ahrensfelde   1239   1189,44
14  Blumberg   1389   1333,44
15  Blumberg, Gut   234   224,64
29  Eiche   687   659,52
74  Lindenberg   1236   1186,56
85  Mehrow   453   434,88
Summa B   179067   171904,32
Hierzu Summa A   38070   26547,20
Ueberhaupt   217137   208451,52


Sonntag, den 25. April 1880 (No. 48), Kreis-Nachrichten

Blumberg. Am Sonntag, den 18. April, dem Jahrestag der Erstürmung der Düppeler Schanzen, fand hierselbst die Fahnenweihe des neu gebildeten Krieger-Vereins statt. Von den Jungfrauen des Ortes, welche als Ehrendamen hierzu eingeladen waren, hatten sich etwa 20 eingefunden. Um 2 Uhr wurden diese von ihrem Versammlungsorte aus von einem Mitgliede des Vereins mit Musik zum Hauptmann geführt, um die Fahne abzuholen und begaben sich alsdann, die Fahne in ihrer Mitte, unter Führung des Hauptmanns nach dem Festplatze, wo der Verein bereits Aufstellung genommen hatte. Die Feier nahm ihren Anfang mit Absingung des ersten Verses aus dem Choral: "Ein feste Burg ist unser Gott"; hierauf nahm von einer mit Fahnen umsteckten Tribüne Herr Pastor Blasche das Wort, um in warmen Worten die Bedeutung des Tages und den Zweck des Vereins zu schildern, und hat wohl Jeder der Anwesenden den Eindruck bekommen, daß die Worte des Redners vortrefflich geeignet waren, die Liebe zu Kaiser und Vaterland zu fördern. In dem Augenblick der eigentlichen Weihe wurde die Fahne ihrer Umhüllung entledigt, damit sie sich entfalten konnte, und unter dem Salutieren des Vereins von den Ehrenjungfrauen dem Verein mit folgendem Spruch überreicht:
   "Ihr Männer nehmt aus unsrer Hand
   "Das Banner edlen Friedens;
   "Mit Gott für Fürst und Vaterland,
   "Geleit es Euch hinieden!"
Zum Schluß wurde ein Vers aus dem Choral "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" gesungen. Hierauf hielt der Commandirende des Vereins eine Ansprache an die Kameraden und brachte ein Hoch auf Se. Maj. den Kaiser aus, worauf die Nationalhymne gesungen wurde. - Eine zahlreiche, aus unserem Dorfe und aus der Nachbarschaft zusammengeströmte Menge wohnte der Feier bei, und insbesondere hatte der Kriegerverein in Ahrensfelde dem hiesigen durch eine zahlreiche Deputation zu Fuß und zu Pferde seine kameradschaftlichen Grüße überbracht. Auch der Herr Amtsvorsteher war als Vertreter des Herrn Grafen von Arnim zugegen. Nunmehr hielt der Verein unter Vorantritt der Ehrendamen einen Umzug durch das Dorf, nach dessen Beendigung von der Liebisch'schen Musikkapelle aus Bernau im Vereinslokal ein sehr wohl gelungenes Konzert gegeben wurde. Den Schluß des Tages bildete um 9 Uhr Abends ein Zapfenstreich, wobei der Verein mit den Ehrendamen vor der Wohnung des Herrn Pastors Aufstellung nahm, um seinen Dank für die liebevolle Mitwirkung auszusprechen. Nach Beendigung des Zapfenstreiches marschierte der Verein nach dem schön decorirten Saale zurück, woselbst alsdann ein Ball den Verein und die übrigen Festtheilnehmer bis tief in die Nacht zusammenhielt.


Sonntag, den 25. April 1880 (No. 48, Beilage), Anzeigen

In Blumberg sind zwei gute Wohnungen zu vermiethen. Näheres beim Gastwirth Herrn Hecht.


Freitag, den 30. April 1880 (No. 50), Anzeigen

Einen Gesellen auf Plüsch und einen Lehrling verlangt
Otto Hopfe, Seidenwirkermeister, Weinbergstraße bei Knöschke. [in Bernau]


Sonntag, den 2. Mai 1880 (No. 51), Anzeigen

Ein Webergeselle auf Tritt-Kammstoff wird verlangt bei Bannert. [in Bernau]

Einen Arbeiter auf Velpel oder Glatt verlangt H. Grothe, Berlinerstraße 143. [in Bernau]


Freitag, den 7. Mai 1880 (No. 52), Anzeigen

Einen Arbeiter auf Velpel oder Maschinen-Plüsch
verlangt C. Schulze, Hohesteinstraße 39. [in Bernau]


Sonntag, den 16. Mai 1880 (No. 56), Anzeigen

Zum bevorstehenden Pfingstfeste
empfehle ich mein reichhaltiges Lager in Sonnen- und Regenschirmen.
A. Pfau. [in Bernau]


Freitag, den 21. Mai 1880 (No. 57), Kreis-Nachrichten

Weißensee. Eins der verabscheuungswürdigsten Verbrechen, bei dem wahrscheinlich der Aberglaube eine Rolle spielt, nämlich Leichenschändung in zwei Fällen, ist in der Nacht zum Dienstag auf dem neuen Kirchhof bei Weißensee verübt worden. In jener Nacht sind dort zwei Gräber, das eines Erwachsenen und das eines Kindes, aufgegraben, die Särge herausgehoben, geöffnet und die Leichen herausgenommen worden. Beide Leichen wurden neben den Särgen und mit geöffneten Brusthöhlen gefunden. Aus der des Kindes fehlten das Herz und einige andere Organe, die von dem abergläubigen Volke als "sympathetische" Mittel" bezeichnet werden. Von den Leichenräubern ist bis jetzt leider noch keine Spur ermittelt worden. (Ztg. f. N.-B.)


Sonntag, den 23. Mai 1880 (No. 58), Amtliche Beilage, gekürzt

Tableau
der [insgesamt 20] Impfbezirke und der Bezirks-Impfärzte des Niederbarnimer Kreises.

Impfbezirk Nr. 1: Kreis-Physikus pract. Arzt Dr. Fuhrmann zu Berlin
a. Amtsbezirk Falkenberg Nr. XXII, bestehend aus: Falkenberg, Wartenberg
b. Amtsbezirk Malchow Nr. XXIII, bestehend aus: Malchow, Karow, Lindenberg
c. von dem Amtsbezirk Frz. Buch Nr. XXVI: Heinersdorf, Blankenburg

Impfbezirk Nr. 9: Pract. Arzt Dr. Heimann zu Alt-Landsberg.
a. Stadtbezirk Alt-Landsberg
b. Amtsbezirk Alt-Landsberg-Amt Nr. XVI, bestehend aus: Amt Alt-Landsberg ...
c. Amtsbezirk Ahrensfelde Nr. XX, bestehend aus: Mehrow, Ahrensfelde, Eiche u. Hellersdorf
d. Amtsbezirk Neuenhagen Nr. XV, bestehend aus Neuenhagen, Seeberg, Hönow
e. Amtsbezirk Löhme XVII, bestehend aus Löhme, Seefeld, Krummensee
f. Amtsbezirk Fredersdorf XIV, bestehend aus Bollensdorf, Fredersdorf, Vogelsdorf, Petershagen und Eggersdorf

Impfbezirk Nr. 11: Pract. Arzt Dr. Bekel zu Bernau.
a. Amtsbezirk Buch XXVII, bestehend aus Buch, Schwanebeck, Birkholz, Zepernick, Schönow, Schmetzdorf
b. Amtsbezirk Blumberg XIX, bestehend aus Blumberg

Aufgestellt auf Grund des § 6 des Reichsgesetzes vom 8. April 1874 und § 7 des Preußischen Gesetzes vom 12. April 1875.
Berlin, den 20. Mai 1880.
Der Kreis-Ausschuß des Kreises Nieder-Barnim. Scharnweber.


Freitag, den 4. Juni 1880 (No. 63), Anzeigen

Die Chaussee von Seefeld bis Alt-Landsberg über Krummensee ist vom Montag, den 31. Mai bis auf weiteres gesperrt, da die Dorfstraße in Krummensee gepflastert werden soll.
Krummensee, den 28. Mai 1880.
Der Bau-Inspector. I.A. Banduhn.


Sonntag, den 6. Juni 1880 (No. 64), Anzeigen

Lindenberg.
Im Saale des Gastwirths Herrn Gathow.
Sonntag, den 6. Juni: Grosses Concert von der Kapelle des Stadtmusikus C. Gerstenberg.
Nach dem Concert: Tanz-Kränzchen. Anfang 8. Uhr. C. Gathow.

Einen Webergesellen auf Maschine verlangt C. Bader, Roßstraße 280. [in Bernau]

Ein ordentliches Mädchen, welches die Putzarbeit erlernen will, kann sich melden bei
Alt-Landsberg. Th. Kindler.


Freitag, den 18. Juni 1880 (No. 69), Anzeigen

Die von uns unter dem 24. März cr. gegen den Arbeiter Hermann Köppen aus Lindenberg, zuletzt in Pankow erlassene offene Strafvollstreckungs-Requisition ist erledigt.
Alt-Landsberg, den 3. Juni 1880.
Königliches Amtsgericht.


Sonntag, den 20. Juni 1880 (No. 70), Anzeigen

Weber auf Satin und 12 schäft. Double werden bei hohem Lohn verlangt. Näheres bei
Gräser, Berlinerstraße 135. [in Bernau]


Mittwoch, den 23. Juni 1880 (No. 71), Amtliche Beilage, gekürzt

Namentliche Liste
der im Jahre 1880 classificirten Reserve- und Landwehr-Mannschaften

C. Hinter den letzten Jahrgang der Landwehr zurückgestellt [insgesamt 100]
34.  Gathow, Aug. Friedrich Wilhelm  Blumberg  Landwehr-Infanterist
35.  Grün, Wilhelm  do.  do.-Gefreiter
47.  Wilke, Karl August  Lindenberg  Landwehr-Infanterist
48.  Hagert, Karl  do.  do.-Infanterist
49.  Wilke, Albert Heinrich  do.  do.-Gefreiter


Freitag, den 25. Juni 1880 (No. 72), Kreis-Nachrichten

Eiche. In diesem Blatte wurde seiner Zeit von dem Straßenraub berichtet, den die Knechte Julius Liebner und Julius Buchwald von hier gegen den Schlächtermeister Oppermann zu Marzahn verübt haben. Diese Untersuchung hat nunmehr vor dem Königlichen Schwurgericht des Landgerichts II zu Berlin ihren Abschluß gefunden. Jeder der beiden Angeklagten wurde in der Sitzung am 22. d. M. mit 5 Jahren Zuchthaus bestraft, auch der Verlust der Ehrenrechte auf gleiche Dauer ausgesprochen. Als Belastungszeugen waren zu der Sitzung geladen der Gendarm Münter, welchem seiner Zeit die Ermittelung der Räuber gelang, der Schlächtermeister Oppermann aus Marzahn und der hiesige Nachtwächter. - Möge Mancher aus diesem Fall eine Warnung vor solchen gemeingefährlichen Unternehmungen schöpfen.

Lindenberg. Am 21. d. M. wurde durch den Arbeiter H. zur Anzeige gebracht, daß auf der Behr'schen Ziegelei sich eine Leiche befinde, und zwar sei es der Arbeiter Pomrenke. Bei näherer Besichtigung ergab es sich, daß der Tod des P. durch Anwendung eines stumpfen Instrumentes am Hinterkopfe herbeigeführt worden ist. Der That verdächtig ist merkwürdigerweise der Anzeigende selbst; Dieser, sowie der Erschlagene sollen dem Trunke ergeben gewesen sein und vermuthet man, daß sich in Folge dessen zwischen Beiden ein Streit entsponnen habe. H. ist verhaftet und die Untersuchung gegen ihn eingeleitet.


Mittwoch, den 30. Juni 1880 (No. 74), Amtlicher Theil

Bekanntmachung.
Berlin, den 25. Mai 1880.
Auf Grund des § 57 der Kreisordnung hat der Kreis-Ausschuß beschlossen, an Stelle des aus dem Bezirke verziehenden Oeconomie-Raths Jungck und des Oeconomen Jungck die Stellvertretung für den Amts-Vorsteher des Amtsbezirks Falkenberg einstweilen dem Amts-Vorsteher Feldtmann zu Weißensee zu übertragen.
Der Kreis-Ausschuß des Kreises Nieder-Barnim. Scharnweber.


Mittwoch, den 7. Juli 1880 (No. 77), Kreis-Nachrichten

Bernau. Für den telegraphischen Verkehr mit Orten des platten Landes ist vom 1. Juli die Bestimmung in Kraft getreten, daß die Bestellung der Telegramme mittels der expressen Boten ohne Unterschied der Entfernung gegen Entrichtung einer festen Gebühr von 80 Pf. bewirkt wird, wenn der Aufgeber die Gebühr vorausbezahlt. Es läßt sich erwarten, daß die bisherigen Klagen über die Erschwernisse des telegraphischen Verkehres mit den Landorten sich hiernach nicht mehr wiederholen werden.


Sonntag, den 11. Juli 1880 (No. 79), Kreis-Nachrichten

Hönow. Am Sonntag, den 4. d. M. ist der Klemnpnergeselle Friedrich Wilhelm Becker aus Berlin beim Kahnfahren auf hiesiger [!] See ertrunken. Er fiel, wie die polizeilichen Feststellungen ergeben haben, durch leichtfertige Manipulation, die er auf dem Kahn ausführen wollte, aus dem Letzteren heraus und den übrigen beiden Insassen, welche des Kahnfahrens unkundig waren, gelang es nicht, den im Ertrinken Begriffenen trotz seiner Hülferufe zu retten. Die Beerdigung ist im Beisein mehrerer Brüder und einer großen Anzahl Verwandte am 7. d. M. auf dem hiesigen Kirchhofe erfolgt.


Sonntag, den 11. Juli 1880 (No. 79), Anzeigen

Lindenberg.
Wir wünschen unserm Freund Albert Kieselack zu seinem 28. Wiegenfeste ein donnerndes Lebehoch, daß das ganze Schlachthaus wackelt.
Mehrere Freunde. L. A. F.


Mittwoch, den 14. Juli 1880 (No. 80), Kreis-Nachrichten

Blumberg, 12. Juli. Welche Fortschritte in letzterer Zeit unser hiesiger Gesang-Verein "Hoffnung" unter der tüchtigen Leitung seiner Dirigenten gemacht hat, zeigte sich am gestrigen Sonntag, wo derselbe unter Mitwirkung der Liebisch'schen Kapelle aus Bernau im hiesigen Haamann'schen Gasthof ein Concert gab. Der Vortrag der gewählten Lieder war zum größten Theile ein recht befriedigender. Die Liebisch'sche Kapelle bewährte auch dies Mal ihren guten Ruf. Ein Tanzvergnügen schloß sich dem Konzert an.


Freitag, den 23. Juli 1880 (No. 84), Titelseite, gekürzt

Bekanntmachung.
Berlin, den 15. Juli 1880
Auf eine weitere sechsjährige Amtsperiode sind von dem Herrn Ober-Präsidenten für nachstehende Amtsbezirke die daneben verzeichneten Amtsvorsteher und Stellvertreter ernannt worden.

Des Amtsbezirks   
No. / Name
Des Amts-Vorstehers
Name / Wohnort
Des Stell-Vertreters
Name / Wohnort
20 Ahrensfelde  Heyse, Rittergutsbesitzer / Mehrow   - / -
23 Malchow  Simon, Rittergutsbesitzer / Malchow   - / -

Der Kreis-Landrath, Geheime Regierungs-Rath. Scharnweber.


Freitag, den 23. Juli 1880 (No. 84), Kreis-Nachrichten

Bernau. Zur Nachachtung. Der § 44 des Feld- und Forstpolizeigesetzes vom 1. April 1880 lautet: "Wer in der Haide oder im Walde brennende oder glimmende Gegenstände, als Cigarren, Streichhölzer oder dergl. fortwirft, wird mit Geldstrafe bis zu fünfzig Mark oder Haft bis zu 14 Tagen bestraft. ...


Sonntag, den 15. August 1880 (No. 94), Kreis-Nachrichten

Eiche. Wir haben wiederum einmal Gelegenheit gehabt, die in der That bewundernswerthe Umsicht und Energie des Gendarm Münter zu bewundern. Am 17. Juli cr. wurden dem Gastwirth G. hierselbst in seiner Abwesenheit von seinem Dienstmädchen Auguste Jahn verschiedene Sachen, darunter ein werthvolles Kleid entwendet. Der Verdacht des Diebstahls lenkte sich insofern sogleich auf die Jahn, als sie sich aus dem Dienst heimlich entfernt hatte und nicht zurückkehrte. Es wurde ermittelt, daß sie nach Berlin gegangen und dort Fruchtstraße 20 in Dienst getreten sei. Münter begab sich nach Berlin und zu dem Polizeirevier 45, wo ihm jedoch der Herr Polizeilieutenant erklärte, daß die Haussuchung und die Verhaftung der Jahn nur auf dem bestehenden Instanzenwege geschehen könne. Münter beruhigte sich jedoch hierbei nicht. Er begab sich zu einem Criminalbeamten, der ihm auch seine Hilfe zusagte. Während Münter in einer, Fruchtstraße 20 vis-á-vis gelegenen Restauration mit dem Bestohlenen die Ankunft des Criminalbeamten erwarteten, bemerkten sie die Jahn, die schon eine der gestohlenen Jacken trug, aus dem qu. Hause herauskommen. Man kann sich die zuversichtliche Freude des Münter und des Bestohlenen ob diesen seltsamen Glückes denken. Inzwischen war denn auch der Criminalbeamte angelangt, dieser faßte Posto auf der Straße und erwartete die Ankunft der Jahn, die wie bestimmt ermittelt worden, in dem bezeichneten Hause in Dienst stand. Endlich nach mehreren Stunden kommt die Jahn an, bei sich eine Last Sachen tragend. Und worin bestanden die letzteren? Es waren die sämmtlichen gestohlenen Sachen, die sie bei einer Freundin in der Seidelstraße untergebracht hatte. Nicht wenig war die Jahn erstaunt, als sie den durch seine Herkulesgestalt ihr wohlbekannten Gendarm Münter und ihren Dienstherrn vor sich sah. Nunmehr wurde sie zum nicht geringen Erstaunen des Herrn Polizeilieutenants zur Haft gebracht.


Sonntag, den 22. August 1880 (No. 97), Anzeigen

Lindenberg.
Sonntag, den 22. August: Grosses Tanz-Kränzchen, wozu einladet A. Bolle, Restaurateur.
Anfang 5 Uhr.


Mittwoch, den 25. August 1880 (No. 98), Kreis-Nachrichten

Bernau. Nach einer Verfügung des landwirthsch. Ministers an die Provinzial-Regierungen ist auch nach dem neuen Feld- und Forstpolizeigesetz das Sammeln von Kräutern, Beeren und Pilzen in den Staatsforsten unentgeltlich und ohne Lösung eines Erlaubnißscheines wie bisher bis auf Weiteres gestattet.


Freitag, den 27. August 1880 (No. 99), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Hönow. Der erst vor Kurzem hierselbst gegründete Gesangverein, beging am 21. d. M. seine erste Festlichkeit. Er hat es unter der tüchtigen Leitung seines Dirigenten, Herrn Stadtmusikus Terbeck zu Alt-Landsberg bereits zu recht erstaunenswerthen Leistungen gebracht. Die vorgetragenen Gesangspiecen fanden den ungetheilten Beifall der Besucher. Durch Beschluß des Vereins wurde dem letzteren der Name "Eintracht" beigelegt und hatte der Herr Inspector Neumann hierselbst die bezügliche Proclamation übernommen. ...


Mittwoch, den 1. September 1880 (No. 101), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Blumberg, 30. August. Am gestrigen Sonntage fand hierselbst die diesjährige Feier des Sedantages statt. Nachdem sich um 2 Uhr Nachmittags die Schulkinder und die Mitglieder des Landwehr-Vereins auf dem Platze vor den beiden Schulgebäuden versammelt hatten, setzte sich der Zug unter Vorantritt des Musikkorps und im Schmuck zahlreicher Fahnen und bekränzter Flaggen nach dem Festplatz am Ausgang des Dorfes "unter den Eichen" in Bewegung, wo sich die Kinderwelt zunächst mit allerlei Spielen vergnügte. Hierauf fand der eigentliche Festakt statt, welcher mit einem Choral eröffnet wurde, worauf der Herr Lehrer und Vorsitzende des Landwehr-Vereins den Versammelten in einer Ansprache die Bedeutung des Sedanfestes vor Augen führte. ... Fröhliches Spielen und Plaudern hielt die Festgesellschaft sodann bis gegen Abend zusammen, wo der feierliche Rückmarsch ins Dorf erfolgte. Nach 8 Uhr fand hierauf Zapfenstreich und Umzug der Kinder mit Stocklaternen und Lampions statt, was einen allerliebsten Anblick bot. Den Beschluß des wohlgelungenen und von dem schönsten Wetter begünstigten Festes machte für die Kinder ein von kundiger Hand abgebranntes Feuerwerk, während die Mitglieder des Landwehr-Vereins und ihre Angehörigen ein Ball im Saale des Hamannschen Gasthofes noch bis zum frühen Morgen zusammen hielt.


Freitag, den 10. September 1880 (No. 105), Anzeigen

Gustav Ewald, Cüstrin,
Fabrik für Feuerlöschgeräthschaften,
liefert Saug- und Druckspritzen nach den neuesten und bewährtesten Constructionen; vorzugsweise empfehle ich meine Saug- und Druckspritzen mit liegenden Cylindern und Kegelventilen: dieselben besitzen eine sehr hohe Leistungsfähigkeit und sind unempfindlich gegen Frost und schlammiges Wasser. Garantie 5 Jahre.
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Sonntag, den 12. September 1880 (No. 106), Kreis-Nachrichten

Weißensee. Der Bär, welchen die Amtsverwaltung in Obhut hat und der kürzlich erst den Beamten des Landgerichts II. gefährlich zu werden drohte, so daß der verhaftete Eigenthümer desselben wieder entlassen werden mußte, fällt jener jetzt sehr zur Last. Der entlassene Bärenführer, an dem Meister Braun mit so treuer Liebe hing, daß er wegen der unfreiwilligen Trennung von demselben in Wuthausbrüche verfiel, scheint weniger Liebe zu seinem Begleiter zu empfinden, denn er hat es vorgezogen, sich heimlich aus Weißensee zu entfernen und nicht erst die bevorstehende Gerichtsverhandlung und das ihm drohende Gefängniß abzuwarten. Petz hat sich inzwischen an seine neue Umgebung gewöhnt und erträgt nun auch seinerseits mit stoischer Ruhe die Trennung. Da die Gemeinde sich bisher nicht im Besitze eines Thierparks befindet, so fragt es sich, welches Schicksal dem Bären bevorsteht; es ist endlich beschlossen worden, ihn öffentlich meistbietend zu verkaufen. Die Bärenauction wird nächstens anberaumt werden.


Mittwoch, den 15. September 1880 (No. 107), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. Am 5. d. M. fand die Feier des Sedantages durch den hiesigen Kriegerverein statt, nachdem schon am 2. die Schule denselben festlich begangen hatte. Es hatten sich dazu Mitglieder der Krieger-Vereine von Blumberg und Marzahn eingefunden, um an der Feier Theil zu nehmen. Nach dem durch den Herrn Pastor Uhlemann [!] in einer am Nachmittage abgehaltenen Predigt auf die Bedeutung des Tages hingewiesen und zur Treue gegen Kaiser und Reich ermahnt war, fanden vor dem Orte Manöver derartig statt, daß die Kavalleristen zu Pferde und die Infanteristen zu Fuß solche ausführten. Obwohl die Hitze eine tropische war, hatten sich doch viele Zuschauer von fern und nah eingefunden, die mit großem Interesse den Uebungen folgten, die erst spät ihr Ende fanden. - Durch Versehen eines Kriegers, der den Ladestock in den Gewehrlauf gesteckt hatte, wurde ein Krieger, zum Glück nur leicht, verwundet. Bei dem sich hieran schließenden Festessen nebst Ball ging es im Allgemeinen recht gemüthlich zu. Zu beklagen war, daß in Folge einer Differenz zwischen einem Nichtmitgliede von außerhalb und dem Hauptmann des Vereins, auch der Rittmeister das kameradschaftliche Verhältniß zum Vorgesetzten vergaß, so daß der Hauptmann denselben handgreiflich über seine Pflichten belehren mußte und ihm die Seite des Waffenrockes, woran sich die Orden befanden, herabriß. Es sollte doch Jeder, selbst in animirter Stimmung, immer dessen eingedenk sein, daß nur Einigkeit stark macht, und daß nur gegenseitige Achtung die Freude erhöht.


Mittwoch, den 29. September 1880 (No. 113), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. Zur Berichtigung des Artikels in Nr. 107 d. Bl., betreffend die hiesige Sedanfeier, diene Folgendes: Der Kriegerverein Ahrensfelde besitzt keinen Rittmeister, sondern die Mitglieder stehen sich im Range alle gleich. Was das Herabreißen der Orden seitens des Vorgesetzten betrifft, so ist dieses nicht ganz richtig. Der Vorsitzende wurde von einem Mitgliede von hinten angegriffen, und es ist möglich, daß hierbei der Angreifende seine Orden verloren hat.


Sonntag, den 14. November 1880 (No. 133), Amtliche Beilage, gekürzt

Berlin, den 5. November 1880.
Bekanntmachung,
die diesjährige Volkszählung betreffend.
Nach den Beschlüssen des Bundesraths des Deutschen Reiches wird am 1. December d. Js. eine allgemeine Volkszählung im ganzen Deutschen Reiche stattfinden.
...
Von jeder Person ist, soweit als zutreffend, zu ermitteln und zu verzeichnen:
1. Vor- und Familienname.
2. Das Geschlecht.
3. Das Alter.
4. Der Geburtsort.
5. Der Wohnort.
6. Der Aufenthalt.
7. Die Staatsangehörigkeit.
8. Das Religions-Bekenntniß.
9. Der Familienstand.
10. Die Stellung zum Haushaltungs-Vorstande.
11. Etwaige die Bildungs- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigende Körper- und Geistesmängel.
12. Der Erwerbs- oder Berufszweig.
13. u. 14. Die sociale Stellung im Beruf oder Gewerbe.
15. Das Militair-Verhältniß.
...

Freitag, den 10. November 1880 (No. 135), Kreis-Nachrichten

Bernau. Nach Artikel 48 der Reichsverfassung soll das Telegraphenwesen für den ganzen Umfang des deutschen Bundes als einheitliche Staatsverkehrsanstalt eingerichtet werden. Unter den Begriff der Telegraphen im Sinne jener Bestimmung fallen auch die Fernsprech-(Telefon-)Anlagen. Es kann daher nach einem Circularrescript des Ministers des Innern vom 27. d. M. der Einrichtung und dem Betriebe von Fernsprech-(Telefon-)Verbindungen durch Andere als die Reichs-Telegraphen-Verwaltungen oder Diejenigen, welchen das Anlegen und der Betrieb von Telegraphenlinien für bestimmte Strecken gestattet ist, im polizeilichen Wege entgegen getreten werden.


Mittwoch, den 24. November 1880 (No. 137), Anzeigen

Dr. med Prenzel, pract. Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer Alt-Landsberg. Wohnung: Apotheke.


Freitag, den 3. December 1880 (No. 141), Kreis-Nachrichten

Bernau. In einem Erlaß des Eisenbahn-Ministers Maybach vom 1. No d. J. wird angeordnet, daß thunlichst für die durchgehenden Personenzüge auf längeren Routen Frauen-Coupés 4. Classe in zweckmäßiger Weise hergestellt und äußerlich als solche kenntlich gemacht werden, da sich dort, wo solche bereits bestehen, diese Einrichtung im Allgemeinen wohl bewährt und den Interessen des Publikums dienlich gezeigt hat.


Freitag, den 10. December 1880 (No. 144), Kreis-Nachrichten

Eiche. In der Schöffengerichtssitzung zu Alt-Landsberg am 1. December gelangte auch die Anklage gegen den Bauergutsbesitzer B. und die Kossäthensöhne G. und O. und W. L. hierselbst wegen körperlicher Mißhandlung der Bauerssöhne G. und W. K. zu Hönow zur Verhandlung. Die ganze Affaire, sie sich s. Z. im G.'schen Gasthofe hierselbst zugetragen, hatte allgemeine Entrüstung hervorgerufen. Die letztere theilte dann auch der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer, indem er gegen jeden der Angeklagten eine Gefängnißstrafe von 3 Monaten beantragte. Die Angeklagten vertheidigte der Justizrath D. aus Berlin. Derselbe suchte die ganze Affaire als eine harmlose darzustellen, indem er davon ausging, daß die Angeklagten durch den Genuß von Getränken angeregt gewesen seien und die That daher als keine geplante, sondern als eine zufällige angesehen werden müsse. Das Schöffengericht erkannte denn auch gegen jeden der Angeklagten auf eine Geldbuße von 100 Mark und gemeinschaftliche Tragung der Kosten. - Hoffentlich wird dieses Beispiel Manchen, die sich bei ähnlichen Gelegenheiten durch ihre Rauflust zu Vergehen verleiten lassen, eine Warnung sein.


Sonntag, den 12. December 1880 (No. 145), Amtliche Beilage, gekürzt

Verhandelt [Kreistag]
Berlin, den 31. März 1880 [!]
...
Nach Schluß der Discussion beschloß der Kreistag mit 34 gegen 4 Stimmen, den Protest des Directors Riese gegen die Wahl des Grafen von Arnim-Ziechow auf Blumberg zurückzuweisen und die Wahl für gültig zu erklären. Dasselbe geschah hinsichtlich der Wahl
des Gutsbesitzers Buchholz zu Neuenhagen
"   Rittergutbesitzers Heyse zu Mehrow
"   "   Hosemann zu Börnicke
"   "   Simon zu Malchow
"   "   Grafen Voß auf Buch
"   Gutsbesitzers Oppenheim zu Rüdersdorf
"   "   Lorenz zu Hönow
"   "   d'Heureuse zu Schmetzdorf
Die Abgeordneten, deren Wahl angefochten, hatten sich bei der sie betreffenden Abstimmung enthalten. Einstimmig wurden die Wahlen im Verbande der Städte ... [und] der Landgemeinden ... für gültig erklärt.
...

Sonntag, den 19. December 1880 (No. 148), Anzeigen

Papier-Düten, Schreibmaterialien etc. empfiehlt Otto Arendt, Erberswalde.


Freitag, den 24. December 1880 (No. 150), Nichtamtlicher Theil

Beschluß.
Gegen den Dienstknecht Wilhelm Binder, früher zu Blumberg, sodann in Ahrensfelde im Dienst, - jetzt ohne Domicil - wird die Untersuchungshaft wegen vorsätzlicher Körperverletzung beschlossen.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Amtsgerichts-Gefängniß zu Alt-Landsberg abzuliefern.
Alt-Landsberg, den 24. November 1880
Königliches Amtsgericht.


Mittwoch, den 29. December 1880 (No. 152), Anzeigen

Alt-Landsberg.
Unterzeichneter wohnt jetzt im Hause des Hrn. Schlossermeisters Vierkorn, Bernauer Straße.
Dr. med. Prengel, pract. Arzt.


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