Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1906 (53. Jahrgang),
gefunden im Landesarchiv Berlin (Reinickendorf)
[1] Ergänzung anhand des Bandes „Amtliche Bekanntmachungen aus dem Niederbarnimer Kreisblatt. 1906.“, gefunden im Stadtarchiv Bernau (Juni 2015).


Mittwoch, den 3. Januar 1906 (Nr. 1), Amtliche Beilage, gekürzt

Bekanntmachung.
Nachweisung derjenigen Personen, welche im Jahre 1906 auf Grund des §18 des Gesetzes, betreffend Ausführung des Reichsgesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, vom 12. März 1881 zu Schiedsmännern behufs Abschätzung des Wertes der auf polizeiliche Anordnung zu tötenden Tiere zugezogen werden können.
Amtsbezirk Blumberg
  1. Bauergutsbesitzer August Ebel zu Blumberg
  2. Bauergutsbesitzer Wilhelm Grün zu Blumberg
  3. Bauergutsbesitzer August Noack zu Blumberg
  4. Bauergutsbesitzer Georg Juert zu Blumberg
Amtsbezirk Ahrensfelde
  1. Gutsvorsteher Eilers zu Hellersdorf
  2. Gutsbesitzer Haase zu Ahrensfelde
  3. Gutsbesitzer Lindemann zu Eiche
  4. Bauergutsbesitzer August Müller in Ahrensfelde


Freitag, den 5. Januar 1906 (Nr. 2), Amtlicher Teil

Bekanntmachung.
Auf dem Blumberger Gemeinde-Jagdrevier wird während der Monate Januar und Februar Gift zur Vertilgung von Raubzeug gelegt werden.
Blumberg, den 3. Januar 1906.
Der Amts-Vorsteher.


Freitag, den 12. Januar 1906 (Nr. 5), Amtliche Beilage, gekürzt

Verhandelt [Kreistagssitzung]
Berlin, den 18. Dezember 1905.
Anwesend:
Landrat Graf von Roedern, Vorsitzender.
Kreistagsabgeordnete [44]: ..., 35. Eigentümer Bothe - Weißensee, ...
5. Erbauung einer Kreis-Chaussee von Mühlenbeck nach Blumberg
[über Schönerlinde-Buch-Schwanebeck-Birkholz]


Mittwoch, den 17. Januar 1906 (Nr. 7), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. Wie notwendig die Haftpflicht ist, beweist folgender bedauerliche Unfall. Vor kurzem lies der Bauergutsbesitzer Hoppe hierselbst einen geliehenen Wagen zum Nachbarn schaffen und folgte dem Wagen nur, um dem Besitzer seinen Dank abzustatten. Kaum jedoch hatte er das fremde Gehöft betreten, so glitt der sehr korpulente Mann auf einer schlüpfrigen Wasser­rinne aus und schlug derartig mit dem Hinterkopfe auf das Steinpflaster, daß er besinnungslos nach Hause getragen werden mußte. Der hinzugezogene Arzt stellte Schädelbruch und Gehirn­erschütterung fest. Eine im Weißenseer Krankenhause vorgenommene Operation war auch erfolglos und so trat der Tod schon nach wenigen Tagen ein. An die Witwe und die vier unversorgten Kinder des H. hat die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft eine Entschädigungs­summe zu zahlen, die das Fortbestehen der Wirtschaft ermöglicht.

Ahrensfelde. (O.-B.) Die Diphteritis-Epidemie ist leider immer noch nicht im Erlöschen. Erst kürzlich mußte ein kleines taubstummes Mädchen vom hiesigen Arzte behufs Luftröhrenschnitts ins Krankenhaus nach Weißensee gesandt werden. Sogar der frühere Kutscher des hiesigen Arztes wurde ins Krankenhaus gesandt, da die Diphterie sehr heftig bei ihm auftrat und das Schlimmste zu befürchten war. Vom hiesigen Amte ist der staatlich geprüfte Desinfektor Herr Beerbaum - Blumberg engagiert, um die Wohnungen, in denen Diphterie herrschte, zu desinfizieren.


Sonntag, den 21. Januar 1906 (Nr. 9), Amtlicher Teil, gekürzt [1]

Personal-Chronik.
Bestätigt: Der Bauerngutsbesitzer Gustav Lange weiterhin als Gemeinde-Vorsteher, der Rentier Ernst Grunow und der Bauerngutsbesitzer Karl Otto als Schöffen der Gemeinde Mahlsdorf auf sechs Jahre.


Mittwoch, den 31. Januar 1906 (Nr. 13, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Mit seltener Hartnäckigkeit grassiert hier die Diphteritis. Fast schien es schon einmal, als wäre die Epidemie erloschen, doch tauchen von Zeit zu Zeit immer wieder neue Fälle auf. Jetzt ist von zwei Neuerkrankungen in verschiedenen Familien desselben Hauses zu berichten, wo die Krankheit ihren Ausgang nahm. Es ist dieser Fall umso wunderbarer, als dieses Haus von einem staatlich geprüften Desinfektor desinfiziert worden ist. Daß durch das Wiederauftreten des bösen Gastes die Gemüter der Eltern von neuem beunruhigt sind, ist leicht erklärlich, zumal unser Ort zurzeit ohne Arzt ist. Recht sehr leidet unter dieser Krankheit der Schulbesuch. Schon seit Anfang Dezember waren an keinem Tag alle Schüler zur Stelle.


Mittwoch, den 7. Februar 1906 (Nr. 16), Amtlicher Teil, gekürzt [1]

Personal-Chronik. ...
Neugewählt und verpflichtet sind: ...; der Kaufmann Reinhold Neander zu Kaulsdorf als Schiedsmann für den Schiedsmannsbezirk Nr. 5 Kaulsdorf; ...


Freitag, den 9. Februar 1906 (Nr. 17), Kreis-Nachrichten

Mehrow. (O.-B.) Unser Ort sollte 1696 haben: 8 Hüfner mit zusammen 43 Hufen, 3 Kossäten, 1 Hirt und 1 Laufschmied. Es fehlten jedoch damals 5 Bauern; die noch vorhandenen waren: der Schulze Hans Jürgen Zepernicke (6 Hufen), Jürgen Palm (auf Eichbaums Gut; 6 Hufen) und Andr. Staberow (5 Hufen). Von den 26 wüsten Hufen gehörten 4 zum Kruge und wurden „von der Obrigkeit genützet“, 6 zum ehemaligen Urban Brederek'schen Gute und wurden zu gleichen Teilen von den Kossäten Schneider und Meißner bestellt, sechs Hanckel'sche Hufen, von der Obrigkeit eingezogen, 5 zu dem wüsten Peter Brederek'schen Gute, von denen die Obrigkeit 3 und der dritte Kossät Joh. Rosch 2 beackerten, und 5 zu Peter Blankenburgs Gut, welches ebenfalls die Obrigkeit „brauchete“. Wann die genannten Güter ihre Besitzer verloren, wird in dem amtlichen Revisions­bericht nicht gesagt; lehrreich ist indessen die Bemerkung über das Kossätengehöft des Peter Rosch oder Rasch: „hat ein gering Häuschen mit lehmernem Schornstein, wenig gut, weil vorher viele darauf gewohnet haben.“ Wahrscheinlich wechselte die Bevölkerung überhaupt sehr und zwar deswegen, weil es damals äußerst schwierig war, auf einen grünen Zweig zu kommen. Besonders die schweren Kontributionen des Jahres 1675 haben manchen Wirt, der nichts mehr zu verlieren hatte, genötigt, den Wanderstab zu ergreifen. Doch es gab noch Ausnahmen: Andres Staberow wohnte in seinem Hause bereits 40 Jahre, obgleich er nicht die Mittel besaß, sein Gehöft zu reparieren. Der Scheune fehlte das Dach und die Schwellen waren verfault. Lobes Schneider, der Kossät, hatte „ein gar altes Haus“, welches nicht mehr stehen kann. Die Scheune ist zwar von den vorigen Wirten sehr eingewohnet; dieser aber hat sie wieder gelehmet. Auch Christian Meißner besaß „ein gar altväterliches Haus“ und es „seindt eine gefährliche Feuerstelle darin“. Der Schulze „stand in Freijahren“, die bis Dezember 1696 reichten, weil er ein neues Haus gebaut hatte. Die Laufschmiede scheint 1696 nicht mehr vorhanden gewesen zu sein.


Sonntag, den 11. Februar 1906 (Nr. 18, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Ergänzend zu den Berichten über die Diphteritis-Epidemie ist jetzt zu melden, daß auf Anordnung des Königlichen Landrats die Schule bis auf weiteres geschlossen worden ist, da auch einer der Lehrer erkrankt ist. Durchschnittlich fehlten seit langer Zeit 40 Prozent der Schüler, doch waren auch mehrere Erwachsene erkrankt. In ganzen sind drei Todesfälle an Diphterie zu verzeichnen. Mögen die jetzigen Krankheitsfälle einen gutartigen Verlauf nehmen, damit nicht neue Todesfälle die besorgten Eltern abermals beunruhigen. - Recht unangenehm wird es allgemein empfunden, daß wir noch immer ohne Arzt sind. Es ist dies um so weniger erklärlich, als mit einer erträglichen Kassenpraxis auch eine ausgedehnte Privatpraxis verbunden ist.


Sonntag, den 11. Februar 1906 (Nr. 18), 1. Amtliche Beilage, gekürzt [1]

Bekanntmachung.
Nebenstellen der Kreis-Sparkasse sind eingerichtet und werden verwaltet / sind dem Publikum werktäglich geöffnet
...; vom Herrn Gastwirt Gustav Ebel in Blumberg / von 9 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags und von 2 bis 6 Uhr nachmittags; ...


Sonntag, den 11. Februar 1906 (Nr. 18), Amtliche Beilage, gekürzt

Geschäfts-Plan
zur Musterung der Militärpflichtigen im Kreise Niederbarnim pro 1906.
A. Aushebungsbezirk Niederbarnim I (Pankow)
B. Aushebungsbezirk Niederbarnim II (Lichtenberg)
I. Bernau im Restaurant „Elysium“
II. Alt-Landsberg im Restaurant „Zum Deutschen Hause“
  1. Am Donnerstag, den 22. März 1906, Musterung der Gestellungspflichtigen aus den Ortschaften: Ahrensfelde, Bollensdorf Gemeinde und Gut, Eiche, Hönow, Alt-Landsberg Stadt mit Baufelde und Amt, Mehrow, Seeberg, Werder
  2. Am Freitag, den 23. März 1906, ... aus den Ortschaften: Eggersdorf, Fredersdorf Gemeinde und Gut, Lichtenow, Rehfelde, Tasdorf Gemeinde und Gut
  3. Am Sonnabend, den 24. März 1906, ... aus den Ortschaften: Herzfelde, Krummensee, Löhme Gemeinde und Gut, Petershagen, Seefeld, Vogelsdorf Gemeinde und Gut
  4. Am Montag, den 26. März 1906, ... aus den Ortschaften: Blumberg Gemeinde und Gut, Hellersdorf mit Wuhlgarten, Hennickendorf, Neuenhagen Gemeinde und Gut
III. Friedrichshagen im Restaurant „Gesellschaftshaus“
IV Friedrichsfelde im Schloßrestaurant
V. Lichtenberg im Schwar'schen Restaurant
Der Zivil-Vorsitzende
der Ersatzkommission der Aushebungsbezirke Niederbarnim I und II.
Graf von Roedern, Königlicher Landrat.


Mittwoch, den 14. Februar 1906 (Nr. 19), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Ueber den baulichen Zustand der hiesigen Gehöfte entnehmen wir aus einem amtlichen Bericht vom Jahre 1696 folgende Angaben: Das Haus des Krügers Andr. Wegener „ist sehr baufällig, vorne hat der verstorbene Amtmann vom Müllerhofe Andreas Wilcke eine Stube und einen Flur angebauet. Wenn aber das alte hinten niederfällt, kann das vordere nicht vor ein Haus bestehen. Die Scheune hat der Amtmann auch gebaut.“ „Jürgen Müllers Witwe hat ein Haus, ist eins von den ältesten, ohne Schornstein; es scheint, daß dieser Mann ein guter Wirt gewesen, sonst hätte es schwerlich so lange gestanden.“ „Michel Klueß Pauerhaus hat noch der Herr Hauptmann Britzke vor ein 20 Jahren gebauet, hat einen Schornstein ohne Haube; hinten ist das Haus sehr gesunken und das Dach firstlos, scheinet, daß der Wirt nicht Lust zu bauen hat.“ „Peter Henckels Kossätenhaus und Scheune sind aneinander, haben 16 Jahre wüst gestanden, werden auch bald zugrunde gehen.“ Hans Giese hat Rademachers Hof „vor 16 Jahren angenommen; es seindt aber vorher viele üble Wirte darauf gewesen. Haus und Scheune sind sehr ruiniert; dieser scheinet auch nicht der beste Wirt zu sein“. Die übrigen Häuser scheinen sich in einem verhältnismäßig befriedigenden Zustande befunden zu haben; sie waren auch ziemlich neu und stammten größtenteils aus den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts. Die Zahl der Bauerstellen betrug 1696 13, ebenso groß war die der Bauern; doch werden noch 4 wüste Bauernhufen („zu Michel Jürgens Gut“) genannt, welche 4 Wirten zugelegt worden waren. Von den 67 im Schoßbuch genannten Hufen besaßen: der Schulze Hoppe 7, M. Dahne 5, Andr. Brederecke 5, Chr. Haase 6, Ch. Lehmann 6, Witwe Müller 5, Wegener 6, Freyberg 6, Kraatz 6, M. Klueß 4, Phil. Henckel 3 und Lobes Schlaue und Christoph Klueß je 2. Von den ehemaligen 6 Kossäten waren 1696 noch 4 „bewohnt“: Christoph Klueß, Daniel Peull, Jacob Schlaue, und H. Giese. Wüst waren die Gehöfte der Kossäten Jacob Hermann und Phil. Henckel. Der letztere besaß 1696 ein Bauerngut.


Mittwoch, den 21. Februar 1906 (Nr. 22, Beilage) Kreis-Nachrichten

Blumberg. Ein Unglücksfall ereignete sich vor einigen Tagen durch die eigene Schuld der Betroffenen. Die Dienstmagd eines Gutsbesitzers wurde von einem Dungwagen überfahren: der hinzugezogene Arzt stellte zwei Rippenbrüche fest.


Sonntag, den 25. Februar 1906 (Nr. 24, Beilage) Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Die Diphteritis-Epidemie ist als erloschen zu betrachten. Der Herr Kreisarzt war selbst hier, um sich persönlich von dem Stand der Krankheit zu überzeugen und die erforderlichen Anordnungen zu treffen. Nachdem nun in der vorigen Woche die Klassenzimmer desinfiziert und gründlich gereinigt wurden, konnte am Montag der Unterricht wieder aufgenommen werden. Ausgeschlossen vom vorläufigen Besuch der Schule sind ca. 15 Prozent Rekonvaleszenten.


Sonntag, den 25. Februar 1906 (Nr. 24), gekürzt

Zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares [26. Februar] und zur Vermählung des Prinzen Eitel Friedrich [mit Herzogin Sophie Charlotte / Oldenburg]


Mittwoch, den 28. Februar 1906 (Nr. 25), Amtlicher Teil, gekürzt [1]

Bekanntmachung.
Die Kreiskommissare des Neuen Brandenburgischen Kredit-Instituts vermitteln die Beleihung von Grundstücken, welche dem Betriebe der Landwirtschaft gewidmet sind.
Die Namen der Kreiskommissare im Kreise Niederbarim sowie deren Geschäftsbereiche bringen wir nachfolgend zur öffentlichen Kenntnis.
1. Distrikt. Kreiskommissar Rabe zu Lübars bei Hermsdorf (Mark). ...
2. Distrikt. Kreiskommissar Wernicke zu Liebenwalde. ...
3. Distrikt. Kreiskommissar Fielitz zu Stolzenhagen bei Klosterfelde. ...
4. Distrikt. Kreiskommissar Grün zu Blumberg (Mark). ...
5. Distrikt. Kreiskommissar Lange zu Mahlsdorf (Ostbahn). ...
6. Distrikt. Kreiskommissar Schrock zu Werder bei Rehfelde. ...
Berlin, den 23. Februar 1906.
Direktion des Neuen Brandenburgischen Kredit-Instituts.
Im Auftrage: von Bredow.


Sonntag, den 4. März 1906 (Nr. 27, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Die Doppelhochzeit unseres erhabenen Kaiserhauses wurde hier überaus glänzend gefeiert. Morgens um 9 Uhr fand eine gemeinsame Schulfeier statt. Die Kinder erhielten Festschriften als Geschenke. Trotz strömenden Regens begab sich vormittags 11 Uhr der Militärverein zum Schießstande, zwecks Pflanzung einer Eiche. Der im vorigen Jahre erbaute Schießstand ist jetzt mit Anlagen versehen und haben dieselben durch die letzte Pflanzung einen würdigen Abschluß gefunden. In markigen Worten weihte Herr Amtsvorsteher Hase die Eiche als „Hohenzollern-Eiche“. Er schloß mit einem Kaiser-Hoch. Auf den Inhalt der versenkten Urkunde ging Herr Kamerad Lehrer Grohmann ein und wies nach, warum man gerade eine „Hohenzollern-Eiche“ gepflanzt habe. Sein Hoch galt den Hohenzollern. Damit hatte die kurze, erhebende Feier am Schießstande ihren Abschluß gefunden. Um 2¼ Uhr versammelten sich sämtliche Vereine im Gasthof Kahlow und begaben sich, nachdem sie ihre Vereinsfahnen abgeholt hatten, zum Festgottesdienst nach der Kirche. Nach beendigtem Gottesdienst marschierten der Militär- und Gesangsverein zum Kommers nach dem Haseschen Gasthofe, wohin sich auch der Reiterverein zu Pferde unter Anführung seines Rittmeisters Herrn Bäckermeister Junghanß begab. Hier hatten bereits die übrigen Vereine nebst Schule Aufstellung genommen. Herr Amtsvorsteher Hase wies auf die hohe Bedeutung des Tages hin. Mit einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch schloß er seine Rede. Sodann fand unter Vorantritt der Liebisch'chen Kapelle aus Bernau ein Festzug durch das Dorf statt. Nach dem Umzug führten der Militär- und der Reiterverein einen vorzüglichen Parademarsch aus. Abends erfolgte eine allgemeine Illumination. Später fanden in beiden Lokalen Aufführungen und Ball statt. Bei den Festveranstaltungen hielt Herr Pastor Hinz die Festrede. Während bei Kahlow der Männer-Gesangsverein mehrere dem Tage angepaßte Lieder vortrug, versammelten sich die Krieger und Reiter zur gemeinsamen Feier bei Hase. Es gelangte das Festspiel von Edmund Braune: „Dem Kaiserpaar im Silberreis“ zur Aufführung. Darauf folgte ein Ball, der in schönster Harmonie verlief. Auch auf Ahrensfelde paßt das Wort des Invaliden aus dem Festspiel:
„Des deutschen Volkes Liebe, sie ist echt!
In jedem Stand, ob niedrig oder hoch, Zu ihrem Kaiserpaare hält sie doch!“


Mittwoch, den 14. März 1906 (Nr. 31, Beilage), Kreis-Nachrichten

Mehrow. Eine Deputation von einigen 20 Herren besichtigte vor einigen Tagen das hiesige Gut. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Gemeinde Weißensee, das Gut oder einen Teil desselben zu Rieselzwecken aufzukaufen.


Mittwoch, den 21. März 1906 (Nr. 34), Amtlicher Teil, gekürzt

Bekanntmachung.
Die Frühjahrs-Kontroll-Versammlungen 1906 werden ... wie folgt abgehalten:
Kontroll-Versammlungsort: Alt-Landsberg (Schützenhaus)
Waffengattung: Reservisten und Wehrleute der Garde- und Provinzial-Truppen und der Marine:
Jahresklasse 1905-1897: 3. April 9 vormittags, 1896-1893 3. April 2 nachmittags
Ersatz-Reservisten, 1905-1893: 3. April, 2 nachmittags
Aus den Ortschaften: Alt-Landsberg Stadt mit Forsthaus Alt-Landsberg, Baufelde, Paulshof, Berliner Mühlen, Bruchmühle, Neues Vorwerk, Neu-Hönow, Walkmühle und Radebrück, Bollensdorf mit Elisenhof, Eggersdorf mit Hohefließ, Neue Mühle, Bahnhof Strausberg, Neuenhagen mit Fürstenberg, Niederheide, Hönow, Krummensee, Mehrow mit Trappenfelde, Seeberg, Wilhelminenhof bei Seeberg, Wolfshagen, Alt-Landsberg Domänenamt und Amtsfreiheit.


Mittwoch, den 21. März 1906 (Nr. 34, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Wer die Karte von Groß-Berlin mit seinen vielen Ansiedlungen und Villenkolonien betrachtet, wird entdecken, daß gerade der Nordosten von diesen Spekulationen verschont blieb. Den Grund dafür findet man zum großen Teil darin, daß diese Gegend nicht mit den Reizen der Spree- und Havellandschaften ausgestattet ist, zum anderen aber auch die ausgedehnten Rieselfelder jede Bebauung zur Unmöglichkeit machen. Mit Recht kann man daher jeden Ort beglückwünschen, der seine Aecker nicht zum Zwecke der Berieselung verkaufte, sondern geduldig ausharrte, bis der geeignete Käufer erschien. Zu diesen Gemeinden zählt auch Ahrensfelde. Zum wiederholten Male traten Agenten an die Besitzer heran, doch kam es nie zu einem Verkauf, da man sich einig war, nie zu Rieselzwecken zu verkaufen. Da tauchten andere Projekte auf, und in gemeinschaftlichen Versammlungen wurden die Bedingungen beraten. Jedoch auch diese führten zu keinem Ziele. Vor einem Vierteljahre unternahmen es zwei Berliner Herren von neuem, mit den hiesigen Besitzern in Verhandlungen zu treten. Was früher nicht möglich war, gelang jetzt - und nur dadurch, daß man nicht (wie bei früheren Versuchen) gemeinschaftlich verhandelte, sondern mit jedem Besitzer den Vertrag abschloß. Auf diese Weise wurden ca. 1400 Morgen Acker zum größten Teil jenseits der Bahn, an der Lindenberg-Blumberger Grenze gelegen, zum Verkauf gestellt. Mit sämtlichen Besitzern ist ein notarieller Vertrag geschlossen, dahingehend, daß die Parteien bis zum 1. Juli cr. gebunden sind. Nach Unterzeichnung der Verträge tauchten nun die verschiedensten Gerüchte auf, zu welchem Zwecke man die Ländereien verwerten wolle. Man sprach von einer Villenkolonie usw. Wochenlang war man in Spannung und Erwartung „der Dinge die da kommen sollen“ und für unseren Ort einen gewaltigen Umschwung bedeuten werden. Endlich, als man an den verschiedensten Stellen Bohrungen vorgenommen hatte, und wiederholt Deputationen das Terrain besichtigt hatten, hielt man mit der Wahrheit nicht zurück - „Zentralfriedhof“! Wohl die ganze Gemeinde ist mit diesem Projekt einverstanden, zeigte doch die Gemeinde-Vertretung den von der Stadt-Synode gestellten Forderungen das weitgehendste Entgegenkommen. Der Vorsteher Oehmke der Stadt-Synode Berlin war selbst in der Versammlung und erstattete ausführlichen Bericht. Nach demselben fordert die Synode von der Gemeinde: 1. Pflasterung der Hauptzufuhrstraße, des Lindenberger Weges; 2. Regulierung der Wuhle; 3. Beibehaltung der ortsüblichen Umsatzsteuern. Wie schon gesagt, willigte man ein. Am 29. März wird nun die Synode endgültig über dieses Projekt zu beschließen haben. Wenn sich auch unter den 100 Synodalen einige Gegner finden werden, so ist doch berechtigte Hoffnung vorhanden, daß das Projekt verwirklicht wird, da es die denkbar günstigste Lage zu Berlin hat. Bahnverbindung ist bereits da und würde doch auch in kürzester Zeit Vorortverkehr eingerichtet werden. Außerdem ist bereits die Vor-Konzession zum Bau einer elektrischen Straßenbahn von Berlin nach hier und event. Friedhof für die Continental-Gesellschaft eingerichtet worden. Als Nachteil könnte nur der diesjährig hohe Wasserstand in die Waagschale geworfen werden. Diese Klippe läßt sich jedoch auch leicht umschiffen, da das Wasser erstens durch die Regulierung der Wuhle bedeutend fällt und zweitens der Kirchhof nach Hamburger Art angelegt werden soll. Außerdem wäre genügend Boden vorhanden, um jede Senkung auszugleichen. Von all den Nachteilen, welche sich nach Erwerb des Stahnsdorfer Friedhofs herausgestellt haben, wäre hier keiner zu befürchten. Die Verträge sind klipp und klar abgeschlossen und erhoffen wir Ahrensfelder vom 29. März nur ein einmütiges „Ja“.


Sonntag, den 22. April 1906 (Nr. 48), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
Bestätigt: ...; der bisherige Gemeindevorsteher August Klus als solcher der Gemeinde Eiche auf weitere 6 Jahre.


Mittwoch, den 25. April 1906 (Nr. 49, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Der Konservative Volksverein des Kreises Niederbarnim (Geschäftsstelle Berlin O. 112, Mainzerstraße 25) erläßt eine Einladung zur Teilnahme an einer Versammlung, welche am Freitag, 27. April d. Js. abends 8 Uhr im Gasthofe von Haase hierselbst stattfindet. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Herrn Düsing: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.


Mittwoch, den 25. April 1906 (Nr. 49, Beilage), Vermischte Nachrichten

Werneuchen. In plötzliche Trauer wurde am Sonnabend die Familie des Tischlermeisters Karl Hölß versetzt. Herr Hölß hatte sich nach dem Polizeibureau begeben, um eine kleine Angelegenheit zu regeln. Als er darauf einige Worte mit dem Bürgermeister sprach, fiel Hölß um und war sofort tot. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes und frühes Ende gemacht.


Sonntag, den 6. Mai 1906 (Nr. 54, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Auf dem Gelände des neuen Zentralfriedhofes Ahrensfelde sind jetzt Ingenieure und Feldmesser rastlos tätig, um das 1100 Morgen große Gelände zu vermessen und zu kartieren, denn schon im nächsten Jahr sollen Bestattungen hierselbst stattfinden. Eine Unsumme von Arbeit muß in der verhältnismäßig kurzen Zeit gemeistert werden, wenn man bedenkt, daß der Gottesacker eine Musteranlage im Deutschen Reich werden soll, eine ähnliche, aber bedeutend kleinere existiert bisher nur in Ohlsdorf bei Hamburg. Dieser neue Kirchhof wird nicht nur allein Begräbnisstätte werden, sondern auch die zu schaffenden Parkanlagen, zu welchen die vorhandenen herrlichen etwa 150 Morgen großen Waldungen eine prächtige Grundlage bilden, sollen den Leidtragenden Raum für Erholung bieten. Nach einem Beschluß der Gemeinde-Interessenten wird auch demnächst mit der Pflasterung der Straße von der Dorfkirche bis zum neuen Bahnhof am Zentralfriedhof begonnen werden, welche auch die neue Villenkolonie in ihrer ganzen Länge durchschneidet. Die Preise für das an der Bahn gelegene Gelände, welche dem neuen Kirchhofe gegenüberliegen und wo demnächst die Ansiedlungen stattfinden werden, sind natürlich in der letzten Zeit um das zwei- und dreifache gestiegen, was auch berechtigt erscheint, wenn man bedenkt, daß eine große Anzahl von Beamten, Friedhofsarbeitern und sonstigen Geschäftsleuten sich hier niederlassen werden. Auch der Vorortsverkehr wird nunmehr in absehbarer Zeit über Ahrensfelde hinaus bis nach Werneuchen eingerichtet und die elektrische Bahn Waßmannstraße-Hohenschönhausen nach hier weitergeführt werden. Durch die Schaffung des Zentralfriedhofes wird aus dem bisher stillen Ackerdorfe Ahrensfelde mit einem Schlage eine der lebhaftesten Vorortgemeinden entstehen, welche infolge seiner durchaus günstigen hygienischen Lage zur Ansiedlung äußerst geschaffen ist.


Sonntag, den 20. Mai 1906 (Nr. 60, Beilage), Kreis-Nachrichten

Krummensee. Am Freitag früh um 4 Uhr brannte auf dem zur Domäne Krummensee gehörigen Vorwerk Wilhelminenhof ein mit Stroh bedeckter Schafstall nieder. Löschversuche erwiesen sich als erfolglos. In dem Feuer kamen ca. 300 Schafe und mehrere, den auf Wilhelminenhof wohnenden Arbeitern gehörigen Ziegen und Schweine, sowie Federvieh um.


Mittwoch, den 20. Mai 1906 (Nr. 61), Amtlicher teil, gekürzt [1]

Polizei-Verordnung.
Auf Grund des § 5 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 und des § 62 der Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 / 19. März 1881 wird hierdurch unter Zustimmung des Amts-Ausschusses für den Amtsbezirk Biesdorf folgende Polizei-Verordnung erlassen:
A. Erhaltung der Reinlichkeit auf Straßen und Plätzen ec. ...
B. Sicherheit und Bequemlichkeit auf den Straßen. ...
Kaulsdorf, den 11. Mai 1906.
Der Amts-Vorsteher Voigt.


Sonntag, den 27. Mai 1906 (Nr. 63, Beilage), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Hönow. (O.-B.) Am vergangenen Sonntag feierte unser Landwehrverein das Fest der Fahnenweihe. ... Die Fahne lieferte die Firma Ritter - Berlin zum Preise von 600 Mark.


Mittwoch, den 30. Mai 1906 (Nr. 64), Kreis-Nachrichten

Blumberg. (O.-B.) Am Sonntag feierte der hiesige Turnverein „Germania“ sein Sommerfest, zu welchem auch Turngenossen des Lindenberger Vereins sowie des „Armin“-Berlin erschienen waren. Nach dem Umzug durchs Dorf wurde den ganzen Nachmittag flott geturnt, und klappten die vorgeführten Uebungen vorzüglich. Abends fand im Vereinslokal Keisdorf Ball statt.


Sonntag, den 17. Juni 1906 (Nr. 71), Amtlicher Teil, gekürzt

Bekanntmachung.
Im Monat Mai 1906 sind von mir nachbezeichnete Jagdscheine erteilt worden.
Berlin, den 7. Juni 1906.
Der Landrat, I.A. Graf zu Dohna, Regierungs-Assessor.
No. 51 ab 16.5. Meißner, Ernst; Gem.=Vorsteher; Mehrow
No. 88 ab 23.5. Müller, Hans; --; Gut Mehrow


Mittwoch, den 20. Juni 1906 (Nr. 72), Amtlicher Teil, gekürzt

Veranlagung ... zu den Kosten der Handwerkskammer zu Berlin für das Rechnungsjahr 1906/07.
Die ... aufzubringenden Beiträge berechnen sich demnach wie folgt:
Gemeinde  Handwerksbetriebe  Gesellen  Lehrlinge
Ahrensfelde 16 11 11 242,50 * 5% 12,12
Blumberg 23 34 19 447,5 * 5% 22,37
Eiche 5 3 1 67,50 * 5% 3,37
Lindenberg 15 15 8 245,- * 5% 12,25
Mehrow 4 1 - 45,- * 5% 2,25


Freitag, den 22. Juni 1906 (Nr. 73), Amtlicher Teil [1]

Bekanntmachung.
Die Dorfstraße in Eiche am Ausgang nach Marzahn ist wegen Umpflasterung für einige Zeit für den Wagenverkehr gesperrt.
Ahrensfelde, den 20. Juni 1906.
Der Amts-Vorsteher.

Verzeichnis der Bezirks-Versicherungs-Kommissare und Bauschätzer der Landfeuersozietät der Provinz Brandenburg im Kreis Niederbarnim.
A. Bezirks-Versicherungs-Kommissare.
  1. Harnisch, Amtssekretär, Kaulsdorf-->
  2. Weidelt, Maurer- und Zimmermeister, Blumberg
B. Bauschätzer.
  1. Weidelt, Maurer- und Zimmermeister, Blumberg



Sonntag, den 1. Juli 1906 (Nr. 77), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Nach einer fast tropischen Hitze der letzten Tage ging am Freitag vormittag gegen 8 Uhr ein kurzes aber recht kräftiges Gewitter nieder. Ein Blitzstrahl traf das Wohnhaus des Gärtnereibesitzers H. Adler, ohne jedoch großen Schaden anzurichten. Der Strahl fuhr an der Giebelwand herunter und setzte im Wohnzimmer ein Sofa in Brand, der jedoch schnell gelöscht war. Eine Tochter war kurze Zeit vorher noch in dem Zimmer gewesen und entging nur dadurch dem Schicksal, daß sie an eine andere Arbeit ins Nebenzimmer gerufen wurde.


Mittwoch, den 4. Juli 1906 (Nr. 78), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Einen guten Fang machte der Falkenberger Gendarmerie-Wachtmeister im hiesigen Walde, indem es ihm gelang, in der Person des Anstreichers Herm. Petzold aus Weißensee einen Vogelfänger und Jagdfrevler schlimmster Sorte zu fassen. Nicht weniger denn 9 Singvögel, 2 Kaninchen und 1 Junghasen hatte P. bereits lebend in seinen Netzen, als ihm das gerechte Schicksal ereilte. Nachdem auf telephonischem Wege die Personalien bestätigt wurden, sah man von einer Inhaftierung des P. ab, doch er hat eine längere Freiheitsstrafe zu gewärtigen, die sich noch dadurch erhöhen müßte, daß er seinen Sohn bei sich hatte, den er zu dem „sauberen Handwerk“ anlernen wollte.


Freitag, den 6. Juli 1906 (Nr. 79), Kreis-Nachrichten

Blumberg. (O.-B.) Noch rechtzeitig gefaßt wurde der 17 Jahre alte Knecht Paul Tochmann, gebürtig aus Oberschlesien, welcher bei dem hiesigen Bauerngutsbesitzer Bredereck im Dienst stand und sich, nachdem er den Mitknecht Gorn aus Ahrensfelde bestohlen hatte, heimlich entfernte. Bald wurde er vermißt und mit ihm ein Paar neue Stiefeln im Werte von 12 Mk. nebst einem Portemonnaie mit 7,60 Mk., welche dem anderen Knecht G. gehörten. Der benachrichtigte hiesige Gendarm nahm sofort die Verfolgung auf. Kurz vor Ahrensfelde gelang es ihm schon, den Ausreißer in dem Augenblick zu fassen, als er sich von dem zufällig vom Felde kommenden Gemeindevorsteher Müller den nächsten Weg nach Berlin angeben ließ. Ohne Leugnen gestand er auch sogleich seine Vergehen ein, war auch gern bereit, sich durch seinen alten Anzug, den er in eine, Gehölz an der Chaussee zurückgelassen hatte, noch „mehr zu belasten“, um sodann nach Blumberg zurückzuwandern, wo er wegen Fluchtverdachts sogleich in Haft behalten wurde.


Sonntag, den 8. Juli 1906 (Nr. 80, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Am Donnerstag mittag hatten wir wiederum ein sehr schweres Gewitter. Ein Blitzstrahl traf das Gestänge der Telephonleitung auf dem Rob. Wolff'schen Hause ohne Schaden anzurichten. Nur wurden die in der Nähe weilenden Personen durch den starken Luftdruck zurück­geworfen. Das Gewitter war von einem starken Regen begleitet, der mit wenig Hagel untermischt war.

Ahrensfelde. (O.-B.) Daß die Grundstückspreise infolge der durch die Errichtung des Zentral­friedhofes einsetzenden Landspekulationen hierselbst erheblich steigen, beweist folgender Verkauf, der vor einiger Zeit abgeschlossen wurde. Im vorigen Jahre erstand der Rentier Johst das Roderjahn'sche Grundstück für 22000 M., welches er kürzlich für 30000 M. an den Gutsbesitzer Aug. Haase hierselbst veräußerte. Noch krasser wird das Verhältnis, wenn wir eine Baustelle mit hinzurechnen, die ein Kaufmann Ehrlich - Berlin besaß und ursprünglich auch zu der Wirtschaft gehörte, jedoch s. Zt. von J. nicht gekauft wurde, denn danach beträgt der heutige Preis 38000 M. gegenüber 25000 M. im Vorjahre. Wie verlautet will H. auf dem Grundstück eine Gärtnerei errichten.


Freitag, den 13. Juli 1906 (Nr. 82, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Seit etwa acht Tagen herrschen die Masern hier in bedeutendem Umfange. An einigen Tagen fehlten in der Schule bis zu 50 Prozent. In der ersten Klasse waren sogar an einem Tage von 51 nur 19 zur Stelle. Die Krankheit tritt glücklicherweise sehr leicht auf, so daß die meisten Kinder nach einigen Tagen immer wieder auf dem Posten sind.

Krummensee. Eine schwere Oxydvergiftung zogen sich hierselbst die beiden bei dem Lehngutbesitzer Noack bediensteten Mädchen Selma Sperling und Hulda Mai zu. Dieselben hatten abends nach beendeter Arbeit noch längere Zeit in ihrer Kammer Wäsche geplättet und begaben sich dann, ohne die Spiritusplätte aus dem Zimmer zu entfernen und ohne vorher gelüftet zu haben, zur Ruhe. Als die Mädchen am Morgen geweckt werden sollten, fand man sie betäubt in ihren Betten liegen. Der schnell herbeigerufene Arzt stellte eine schwere Spiritusgasvergiftung fest und ordnete die sofortige Ueberführung der Erkrankten ins Alt-Landsberger Krankenhaus an. Das Befinden der beiden Patientinnen ist den Umständen nach zufriedenstellend; der Fall selbst mahnt aber zu größter Vorsicht.


Mittwoch, den 18. Juli 1906 (Nr. 84), Amtlicher Teil, gekürzt

Bekanntmachung.
Im Monat Juni 1906 sind von mir nachbezeichnete Jagdscheine erteilt worden.
Berlin, den 9. Juli 1906.
Der Landrat, I.A. Graf zu Dohna-Lauck, Regierungs-Assessor.
No. 120 ab 14.6. Hase, Wilhelm; Gastwirt; Ahrensfelde

Personal-Chronik.
Ernannt: der Amtssekretär Bode zu Blumberg zum zweiten Standesbeamten-Stellvertreter für den 25. Bezirk Blumberg.


Freitag, den 20. Juli 1906 (Nr. 85), Kreis-Nachrichten

Blumberg. Wenig Lust zum Arbeiten - desto mehr aber zum Stehlen - bekundete ein von dem Gutsbesitzer Juert engagierter Knecht, welcher nach einigen Tagen mangelhaft geleiteten Dienstes seinen Herr Herrn um Auslieferung der Papiere zur Anmeldung bat. Er ging weg, kam aber nicht wieder; mit ihm gegangen war das Portemonnaie seines Kollegen Jach mit 8 Mk. Inhalt. Von dem Diebe ist noch nichts ermittelt.


Sonntag, den 22. Juli 1906 (Nr. 86, Beilage), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Eiche. (O.-B.) Unser Ort hatte 1696 statt der 9 Bauern mit 34 Hufen nur 7, und statt der 5 Kossäten nur 3, die 4 Brose'schen und 2 Ostwald'schen Hufen werden als wüst bezeichnet, waren aber verpachtet. ...

Hönow. (O.-B.) Hönow gehört zu den Niederbarnimer Ortschaften, in denen das Ziegeldach am frühesten auftritt. Nach einem Bericht vom Jahre 1696 besaß der Siebenhüfner H. Haberkorn (der Schulze) ein bereits 1644 erbautes Haus, welches zwar ganz schwellenlos war, aber einen guten Schornstein und ein Ziegeldach hatte. ...


Sonntag, den 5. August 1906 (Nr. 92, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. Wie aus dem Anzeigenteil der heutigen Nummer unseres Blattes zu ersehen ist, findet am Sonntag, den 12. August das so beliebte Bauernwettreiten hierselbst statt. Es sollen 9 Rennen stattfinden (5 geschlossene, 1 Hindernis-, 2 offene und 1 Jagd-Rennen). Die Rennen beginnen nachmittags 3½ Uhr.


Sonntag, den 5. August 1906 (Nr. 92, Beilage), Anzeigen

Ahrensfelde. Sonntag, den 12. August:
Gr. Bauern=Wettreiten. 9 Rennen (5 geschlossene, 1 Hindernis-, 2 offene und 1 Jagd-Rennen).
Anfang nachmittags 3½ Uhr.
Hierzu ladet freundlichst ein Der Reiter-Verein.


Mittwoch, den 8. August 1906 (Nr. 93), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Lindenberg. Diebe brachen in der Nacht vom Sonntag zum Montag in die August Lehmannsche Gastwirtschaft hierselbst ein. ...


Freitag, den 10. August 1906 (Nr. 94), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. Wir wollen nicht verfehlen, nochmals auf das am Sonntag, den 12. August hierselbst stattfindende Bauern-Wettreiten hinzuweisen. Hoffentlich ist das Wetter günstig, so daß wie immer zahlreiche Besucher aus der Umgebung sich zu dem Rennen einfinden.


Freitag, den 17. August 1906 (Nr. 97, Beilage), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Ahrensfelde. Das am vergangenen Sonntag hierselbst abgehaltene Bauern-Wettreiten erfreute sich eines guten Besuchs. Das Reiten verlief ohne jeden Unfall und hatte folgende Resultate: ... In dem offenen Rennen siegte Krug; es waren nur zwei Pferde am Start erschienen, von denen eins ausbrach. Beim Schlußrennen, „Ahrensfelder Jagdrennen“ liefen 16 Pferde. erster wurde Ehrhardt auf Kalows Fuchs, Zweiter Krönert, Dritter Hoffmann auf Haases Stute. - Hierauf fand ein Parademarsch statt und es erfolgte dann der Einmarsch ins Dorf.


Sonntag, den 19. August 1906 (Nr. 98), Amtliche Beilage, gekürzt

Verzeichnis I
der zum Wahlverbande gehörenden Grundbesitzer, Gewerbetreibenden und Bergwerksbesitzer im Kreise Niederbarnim
Abteilung A. Grundbesitzer
(Zur Grund- und Gebäudesteuer mit dem Betrage von mindestens 225 Mk. und davon mit wenigstens 112,50 Mk. Grundsteuer, von dem gesamten, auf dem platten Lande innerhalb des Kreises belegenen Grundeigentum veranlagt.)
Lfd. Nr., Zuname, Vorname, Stand oder Gewerbe, Wohnort
Nr. 2, Graf von Arnim, Traugott Hermann, Kaiserl. Legationsrat a. D. und Rittergutsb., Muskau
Nr. 10, Dotti, Friedrich Anton, Rittergutsbesitzer, Hönow
Nr. 19, Lehmann, Julius Karl Ludwig, Bauergutsbesitzer, Ahrensfelde
Nr. 31, Stock, Robert, Rittergutsbesitzer, Berlin

Verzeichnis II
der zum Wahlverbande der Landgemeinden gehörenden Landgemeinden im Kreise Niederbarnim
Zivil-Einwohnerzahl nach der Zählung am 1. Dezember 1905 /
Zahl der von jeder Gemeinde zu wählenden Wahlmänner
1.  Ober-Schöneweide   14104  / 17
16.  Mahlsdorf 2106  / 5
27.  Kaulsdorf 1238  / 4
31.  Biesdorf 1145  / 3
35.  Blumberg 972  / 3
40.  Lindenberg 836  / 3
47.  Marzahn 707  / 2
48.  Ahrensfelde 701  / 2
61.  Hönow 559  / 2
91.  Eiche 262  / 1
105.  Mehrow 101  / 1
106.  Bollensdorf 58  / 1


Freitag, den 31. August 1906 (Nr. 103), Altlicher Teil [1]

Personal-Chronik.
Der Schmiedemeister Hermann Achilles in Karow ist als Schiedsmann und der Bauer Gustav Gebert in Malchow als Stellvertreter für den 55. Schiedsmannbezirk (Malchow und Karow) auf eine fernere dreijährige Amtszeit verpflichtet worden.


Mittwoch, den 12. September 1906 (Nr. 108), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Eine Diebesfalle, welche sich scheinbar gut bewährt, darf der Gutsbesitzer L. hierselbst sein eigen nennen. Vor einiger Zeit mußten verschiedene Einwohner die unliebsame Entdeckung machen, daß ungebetene Gäste ihren Gehöften einen Besuch abgestattet hatten. Während man auf der einen Stelle das Federvieh abgeschlachtet und gestohlen hatte, hieß man auf der anderen einige Zentner Aepfel mitgehen usw. Jetzt hatte man Herrn L., einen Besuch zugedacht, doch in diesem Fall die „Rechnung ohne den Wirt gemacht“. Der Dieb war auf die 2 Meter hohe Hofmauer gestiegen und von hier aus abgesprungen. Daß er dabei in die 1,20 Meter tiefe und mit frisch gelöschtem Kalk gefüllte Grube stürzte, war sein persönliches Pech. Wohl oder übel mußte er jetzt mit verbrühten Gliedern einen kläglichen Rückzug antreten, denselben Schritt für Schritt über eine gegenüberliegende Wiese, durch mehrere Gärten bis zu einem Pfuhl in der Nähe des Bahnübergangs deutlich markierend. Hier scheint er eine gründliche Reinigung vorgenommen zu haben. Bis jetzt ist es nicht gelungen, den Dieb zu ermitteln.

Ahrensfelde. (O.-B.) Ein Geisteskranker wurde am Sonnabend hier festgenommen. Als der Mühlenbesitzer Juert am Morgen seinen Hof betrat, gewahrte er in seinem Garten einen Mann, der eifrig damit beschäftigt war, das Erdreich mit seinen Händen zu lockern, nachdem er vorher einen Heuhaufen verstreut und die Wurzeln eines Weinstocks vollständig freigelegt hatte. Die Unkräuter pflanzte er bedächtig nebenbei wieder ein und ließ sich auch nicht davon abbringen, als bereits mehrere Leute sein Treiben beobachteten und sich mit diesbezüglichen Fragen an ihn wandten, die er aber unbeantwortet ließ. Der bedauernswerte Kranke wurde zunächst nach dem hiesigen Amte gebracht und dort wurde festgestellt, daß er Weiland hieß, 31 Jahre alt und aus Berlin ist. Vor 2 Jahren wurde er aus einer Heilanstalt als geheilt entlassen. Seine jetzige Wohnung konnte nicht ermittelt werden und wurde er daher durch den hiesigen Polizeidiener dem Berliner Polizei­präsidium zugeführt.

Lindenberg. (O,-B.) Am 6. September starb an Altersschwäche der treue Mieter des Herrn Louis Bolle, der Arbeiter Johann Geiseler, welcher 48 Jahre in ein und derselben Wohnung wohnte. Er arbeitete 33 Jahre auf der Niederbarnimer Kreis-Chaussee. In den letzten 5 Jahren war er arbeitsunfähig und wurde von seinem einzigen Sohn unterstützt.

Lindenberg. Als am Sonntag morgen der Sohn des Bauern Koch aufs Feld fuhr, um Kartoffeln einzufahren, bemerkte er in einem Graben zwei Männer. In der Meinung, daß es Lindenberger seien, ging Koch auf dieselben zu. Als er näher herankam, erhoben die im Graben sitzenden plötzlich Gewehre und drohten, K. sofort zu erschießen, wenn er nicht mache, daß er fortkäme. Der Bedrohte eilte schleunigst ins Dorf zurück und benachrichtigte den dort stationierten Gendarm. Diesem gelang es, unbemerkt an die Personen heranzukommen und in dem Augenblick zu überraschen, als dieselben einen Rehbock in einen Sack steckten. Die Ertappten wurden natürlich sofort festgenommen. Es waren zwei Berliner, welche unberechtigt die Jagd ausgeübt hatten.


Sonntag, den 23. September 1906 (Nr. 113, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Reges Leben entfaltet sich jetzt auf dem Gelände des Zentralfriedhofes der Stadt Berlin bei Ahrensfelde. Mit allen Kräften werden die Arbeiten beschleunigt, da schon am 1. Juli n. Js. die ersten Bestattungen stattfinden sollen. Und welche riesigen Arbeiten sind bis dahin noch zu bewältigen ? Zunächst sind es die Gärtner, welche vor einigen Tagen mit den Erdarbeiten begonnen haben. Die Einfriedung muß auch bis zu dem genannten Termin fertiggestellt sein. Es sollen vorläufig ca. 200 Arbeiter Beschäftigung finden. Wiederholt haben Lokaltermine stattgefunden, um an Ort und Stelle über die Anlage des Bahnhofes, der Leichenhallen, Administrationsgebäude ec. zu verhandeln. Die Namen der benachbarten Baugeschäfte sind eingefordert worden, um mit ihnen betreffs der Bauten in Verhandlung zu treten. Der Grundriß der Straßen und Wege des 1200 Morgen großen Terrains ist jetzt bereits festgestellt. Auch in Ahrensfelde entwickelt sich ein lebhaftes Treiben, da hier Grundstücksspekulanten, Bildhauer, Restaurateure, Gärtner usw. sich um Parzellen bemühen. Im nächsten Jahr wird hier eine große Bautätigkeit beginnen.


Mittwoch, den 3. Oktober 1906 (Nr. 117, Beilage), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Lindenberg. (Eingesandt.) Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich der am 30. September im Bolle'schen Lokale veranstaltete Abschiedsabend für unsern Lehrer Herrn Schulz. ...


Freitag, den 5. Oktober 1906 (Nr. 118, Beilage), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Lindenberg. Im Anschluß an den Bericht über die Abschiedsfeier des nach 42 jähriger Amtstätigkeit scheidenden Herrn Lehrer Schulze in Nr. 117 unseres Blattes wird uns noch folgendes mitgeteilt: In tief empfundener Rede brachte Pastor Schacht Herrn Schulze für die Gewissenhaftigkeit und Treue, die er stets in seinem Beruf bewiesen, die Anerkennung der Behörde und den Dank der Gemeinde dar. ...


Freitag, den 12. Oktober 1906 (Nr. 121), Amtliche Beilage, gekürzt

Polizei-Verordnung
über das Meldewesen für die Vororte Berlins.
...

Mittwoch, den 17. Oktober 1906 (Nr. 123), Amtliche Beilage, gekürzt

Polizei-Verordnung
über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen.
...

Sonntag, den 21. Oktober 1906 (Nr. 125, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Auf Anordnung der Königlichen Regierung ist mit dem Beginn des Wintersemesters hierselbst das zweiklassige Schulsystem aufgehoben, und an seiner Stelle eine dreiklassige Schule eingerichtet worden. Die Gesamtschülerzahl beträgt z. Zt. 104.

Ahrensfelde. (O.-B.) Alexanderplatz-Ahrensfelde soll die nächste Automobil-Omnibuslinie heißen, welche zur Einführung gelangt. und hatte in dieser Angelegenheit eine Berliner Aktiengesellschaft zu einer Vorbesprechung eingeladen, welche im Hase'schen Gasthof stattfand. Wenn auch niemand etwas dagegen einwenden würde, wenn sich der „Autobus“ zu uns herabläßt, so ist doch zu bezweifeln, daß die Gemeinde einen namhaften Beitrag leistet, da uns doch Vorortverkehr und Elektrische winken. Vielleicht haben aber die übrigen Gemeinden (Falkenberg, Malchow, Wartenberg und Birkholz) offene Taschen und Hände, da sie ja den größeren Vorteil haben, und sichern somit das Unternehmen, welches jeder nur mit Freuden begrüßen würde.


Sonntag, den 4. November 1906 (Nr. 131), Amtlicher Teil, gekürzt [1]

Personal-Chronik.
Bestätigt: ...; der Landwirt Hermann Schmidt als Schöffe der Gemeinde Kaulsdorf; ...;
der ehemalige Sergeant Fritz Knoke als Gemeinddiener und Vollziehungsbeamter der Gemeinde Krummensee; ...


Mittwoch, den 21. November 1906 (Nr. 138, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) In der Nacht zum Sonntag wurde das hiesige Pfarrgehöft zum zweiten Male in diesem Jahre von Dieben heimgesucht. Die Einbrecher sprengten diesmal die Kellertür, welche nach dem Garten zu gelegen ist, und gelangten von hier in die oberen Räume. Sie stahlen dort u.a,. drei Herrenpaletots, zwei Damenmäntel, zwei Spazierstöcke mit Silbergriffen ec. Die gestohlenen Gegenstände repräsentieren einen Wert von einigen 100 Mark. Jedenfalls sind die Diebe durch irgendein Geräusch bei ihrer Arbeit gestört worden, denn in der Eile vergaßen sie ein Beil, was darauf schließen läßt, daß sie noch mehr im Schilde führten und event. auch auf einen tätlichen Angriff gefaßt waren. In derselben Weise versuchte man in das Schulhaus zu gelangen. Da in beiden Schulhäusern jedoch keine Verbindung zwischen Ober- und Untergeschoß besteht, mußte man sich mit einigen Flaschen Wein begnügen. Daß man es in beiden Fällen mit denselben Spitzbuben zu tun hat, bestätigt die Tatsache, daß von den im Schulhause gestohlenen Aepfeln einige im Keller des Pfarrhauses gefunden wurden. Die Ermittlungen sind sofort aufgenommen worden, doch hat man noch keine Fährte entdecken können.


Mittwoch, den 28. November 1906 (Nr. 141), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Ein dreister Straßenraub wurde am Sonnabend zwischen 6 und 7 Uhr abends auf der Chaussee von Falkenberg nach hier ausgeführt. Der Handelsmann Giese aus Blumberg befand sich um diese Zeit auf der Heimfahrt mit seinem mit Kaufmannswaren beladenen Verdeckwagen. Als er bei dem Mühlenbesitzer Juert hierselbst noch Mehl dazu laden wollte, gewahrte er zu seinem Schrecken, daß ein Zentnerfaß Schmalz fehlte. G. vermutete sogleich, das dasselbe nur gestohlen sein könne, und kehrte wieder um, da in F. die Ladung noch vollständig war. Von einer jungen Dame erfuhr er unterwegs schon, daß er von F. aus von einem Manne verfolgt worden, der später in der Nähe der Kriens'schen Mühle verschwunden sei. Sofort begab er sich zum Gendarmerie-Wachtmeister, dem er den Tatbestand mitteilte. Dieser nahm sofort die Untersuchung auf und begab sich geraden Wegs nach dem Kriens'schen Gehöft. Hier fand er bei einem polnischen Arbeiter die Tür verriegelt, erhielt aber auf sein Verlangen Einlaß. Mann und Frau waren eifrig damit beschäftigt, alle möglichen Gefäße mit Schmalz zu füllen. Ein kräftiges Feuer war auch bereits angelegt, um das Schmalz umzuschmelzen. Der Dieb wurde sogleich in Haft genommen. Das Faß hatte einen Wert von ca. 58 M.


Freitag, den 30. November 1906 (Nr. 142, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Oft wird vor auswärtigen Schwindelfirmen gewarnt, aber immer wieder gibt es leichtgläubige Menschen, die auf die verlockenden Inserate hereinfallen. Ein erst vor kurzer Zeit aus Danzig hier bei dem Gastwirt Hase zugezogener Kutscher Loschinski mußte auch die traurige Erfahrung machen, daß man im Auslande nicht billiger kauft. In einer Danziger Zeitung wurden von der Pariser Firma „Envoi de la Maison Sanden, 14 Rue Taibout, Paris“ Zigaretten angepriesen. L. machte Bestellung, scheinbar ohne zu wissen, was er eigentlich für eine Torheit begangen; denn nicht gering war sein Entsetzen, als die Sendung eintraf. Groß war sie nicht, denn es fehlten einige Gramm an einem Pfund, aber immerhin waren die 150 Zigaretten inhaltsschwer genug, betrug doch die Nachnahme nicht weniger denn 44,77 Mark, d.h. pro Stück über 30 Pfennig, wenn man die Zollgebühren von Köln und Berlin hinzurechnet. Die „schweren“ Zigaretten sollen aber den hiesigen an Geschmack nicht gleichkommen.

Ahrensfelde. (O.-B.) Ein volles Jahr herrschen jetzt hier die gefährlichen Kinderkrankheiten Diphteritis und Scharlach, und immer wieder tauchen neue Fälle auf. Im Laufe der letzten Woche sind nicht weniger denn sechs Neuerkrankungen gemeldet worden. Es sind nur noch wenige Kinder, die im letzten Jahre die Schule nicht wegen Krankheit versäumen brauchten, denn wer von den oben genannten Krankheiten verschont blieb, der hatte im Sommer die Masern, an denen auch die Hälfte der Kinder darniederlag. Leider haben die Krankheiten auch ihre Opfer gefordert; sieben Kinder sind denselben erlegen. Aber nicht nur unter den Kindern war der Gesundheitszustand im letzten Jahre ein schlechter, auch zahlreiche Erwachsene erkrankten an Diphteritis, einige sogar recht schwer. Bei allen rechtzeitig angewandten Serum-Einspritzungen war ein sichtbarer Erfolg zu verzeichnen. Eigentümlich aber blieb es, daß es trotz aller Vorsichtsmaßregeln nicht gelingen will, die unliebsamen Gäste, welche fortgesetzt Kinder und Eltern beunruhigen, aus unserem Ort zu verscheuchen.


Sonntag, den 9. Dezember 1906 (Nr. 146), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
Bestätigt: ..., der Arbeiter Franz Masur als Nachtwächter und Gemeindediener der Gemeinde Schwanebeck.


Sonntag, den 16. Dezember 1906 (Nr. 149, Beilage), Kreis-Nachrichten

Mehrow. (O.-B.) Beim Verscheuchen von Wild einen Rehbock mit einem Revolver zu erlegen, dies unglaublich klingende Jagdglück passierte einem hiesigen Besitzer. Weil Rehe allnächtlich seine Kohlköpfe auf dem Landhof besuchten, schaffte er sich einen Revolver an und schoß in stockdunkler Nacht denselben aufs Geratewohl ab. Die Jagdpächter glaubten, daß Wilddiebe ihr Revier unsicher gemacht hätten und suchten das Land genau ab, wobei sie den verendeten Rehbock entdeckten. Der glückliche Schütze wollte, als ihm der Gemeindevorsteher am anderen Tage hiervon Mitteilung machte, die Geschichte durchaus nicht glauben und überzeugte sich erst davon, als er das Gescheide an Ort und Stelle fand.


Mittwoch, den 19. Dezember 1906 (Nr. 150, Beilage), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. (O.-B.) Noch sind die Einbrecher, welche vor ca. 3 Wochen in unser Pfarr- und Schulhaus eindrangen, nicht ermittelt, und schon hat sich ein neuer Einbruch eingereiht: Ein frecher Einbruch in unsere Kirche in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag der vorigen Woche! Vermutlich wollte der Einbrecher mit roher Gewalt durch die Turmtür in die Kirche dringen, denn an derselben ist der äußere sehr starke Drücker abgeschlagen. Nach dem vergeblichen Versuch an der Turmtür erwählte sich der Einbrecher sogleich das erste Fenster der Ostseite, welches also der Dorfstraße entgegengesetzt liegt. Nach dem Befund muß er hier eine Scheibe zertrümmert haben und sodann einen Flügel nach außen gerissen haben, denn die zerschellten Teile lagen auf dem Friedhof.
Er stieg sodann ein und erbrach die an der Turmtür befindlichen Kollektenbüchsen, welche aber leer waren. Zu seinem eigenen Pech übersah er die an der Kirchentür befestigten Behälter, in denen sich kleinere Beträge befanden. Nun ging der Einbrecher in die Sakristei, deren Tür nicht verschlossen war, sich aber schwer öffnen läßt. Er schlug die untere Türfüllung heraus und kroch hindurch. Allem Anschein nach hat er hier die silbernen Abendmahlsgeräte gesucht, denn der Schrank war vollständig durchwühlt. Er fand sie aber nicht und konnte sich nur durch eine Flasche Wein, welche vom Abendmahl des letzten Sonntags zurückgeblieben war, bereichern. Teppiche, Altarbekleidung, Kronleuchter, Gemälde ec. blieben unbeschädigt. Es ist sogleich Anzeige erstattet worden, doch fehlt von dem Täter leider jede Spur. - Dies ist bereits der 4. Einbruch, der in unser Gotteshaus versucht worden ist.


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