Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1924 (71. Jahrgang),
gefunden im Geheimen Staatsarchiv (Berlin-Dahlem)



Dienstag, den 1. Januar 1924 (Nr. 1), Aus dem Kreise Nieder-Barnim und Groß-Berlin

Niederbarnimer Kreisblatt / Bernauer Zeitung und Märkische Rundschau
Preis pro Woche:
... bei Abholung: 70 Goldpfennig / bei Zustellung: 75 Goldpfennig / Einzelpreis: 15 Goldpfennig
Seit 1923 extra Beilage: "Aus dem Kreise Niederbarnim"
Amtlicher Dollarkurs am 1. Januar: 4,2 Billionen


Dienstag, den 8. Januar 1924 (Nr. 6), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Blumberg. Der Landwirtschaftliche Verein Blumberg und Umgegend hält am Donnerstag, den 10. Januar 1924 nachmittags 5 Uhr im "Schwarzen Adler" hierselbst eine Vereinssitzung ab. ...


Sonntag, den 13. Januar 1924 (Nr. 11), Anzeigen

Ferkel 8 Wo alt, und Läuferschweine verkauft Eckelt. Lindenberg.
Telef. Weißensee 3295.


Sonntag, den 20. Januar 1924 (Nr. 17), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 19. Januar. Von seinem eigenen Gespann überfahren wurde hier am Donnerstag vormittag der Landwirt Wilhelm, als er Holz mit seinem Fuhrwerk aus der Heide holen wollte.


Sonnabend, den 26. Januar 1924 (Nr. 22), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 25. Januar. Eine Hochzeit mit Hindernissen fand dieser Tage hier statt. Zur festgesetzten Eheschließung war das auswärtige Aufgebot noch nicht eingetroffen, desto prompter war aber die Hochzeitsgesellschaft da. Da nun der Braten auch auf dem Tisch stand, wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, Telegramme losgelassen usw. In später Stunde abends nach 6 Uhr fand dann die standesamtliche Eheschließung statt, noch später die Trauung. Der verspätete Hochzeitsschmauß soll trotzdem geschmeckt haben.


Dienstag, den 29. Januar 1924 (Nr. 24), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 28. Januar. Ein Kellerbrand entstand in den frühen Morgenstunden in der Berliner Allee (Verlag des Niederbarnimer Anzeigers). Die sofort herbeigerufene Feuerwehr und einige zur Arbeit gehende Einwohner löschten den Brand in kurzer Zeit.


Donnerstag, den 31. Januar 1924 (Nr. 26), Aus dem Kreise Niederbarnim

Lindenberg. Zwei ungetreue Dienstboten, der Kutscher Otto B. und das Dienstmädchen Margarete A., entwendeten ihrer Dienstherrschaft in deren Abwesenheit am 26. Januar ein Herrenfahrrad und verschiedene andere Gegenstände. Die A., die von B. wohl als Mitfahrer auf dem Rade mitgenommen worden ist, besorgte zur allgemeinen Magenstärkung noch eine Speckseite von 12 Pfund und eine Bratwurst von 1 1/2 Pfund. Hoffentlich wird man des Diebespaares bald habhaft werden, damit sie sich dann hinter "schwedischen Gardinen" über Zunahme ihrer körperlichen Fülle infolge Vertilgen des Specks und der Wurst freuen können.


Mittwoch, den 6. Februar 1924 (Nr. 31), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg, 5. Februar. Gründung eines Gewerbebundes. ...


Donnerstag, den 7. Februar 1924 (Nr. 32), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 6. Februar. Ein schrecklicher Anblick bot sich am letzten Montag früh denjenigen hiesigen Einwohnern, die nach Berlin fuhren. Hinter Kaulsdorf warf sich dicht am Friedhof ein Lebensmüder auf die Schienen und ließ sich vom Vorortzug so unglücklich überfahren, daß, als der Zug vollständig über ihn hinweggefahren war, der Körper buchstäblich in zwei Teile gerädert war. Die Personalien wurden von der nächsten Blockstation festgestellt.


Freitag, den 8. Februar 1924 (Nr. 33), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 7. Februar. Unsere Heide reizt nicht nur Schönheitsbedürftige, die unseren Wald bewundern wollen, sondern auch Leute, denen das Holz so lieb und wert ist, daß sie es ohne Berechtigung in mehr oder weniger großen Posten mitnehmen müssen. So gelang es unserer rührigen Polizei mit den beiden Landjägern drei Leutchen festzustellen und ihnen soviel Holz abzunehmen, daß unsere Volksküche für die nächste Zeit ausreichend mit Brennstoff versorgt ist. Das Nachspiel dürfte für das Kleeblatt recht bitter sein.


Dienstag, den 12. Februar 1924 (Nr. 36), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg, 11. Februar. Schadenfeuer brach Sonnabend früh bei dem Landwirt Fritz Jürgen, Klosterstraße, in der letzten Morgenstunde aus. Der Brand konnte nach kurzer Zeit gelöscht werden.

Blumberg. Der Landwirtschaftliche Verein Blumberg und Umgegend hält am Donnerstag, den 14. Februar 1924 nachmittags 5 Uhr, im "Schwarzen Adler" hierselbst eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: ... 6. Wird durch Auseinanderwerfen der Maulwurfshügel das Wachstum der Gräser infolge der Bodendurchlüftung hervorgerufen, oder ist es ratsam, den Maulwurf zu vertilgen? Welches ist das geeignetste Mittel hierzu? Ref. Herr Herm. Hammann, ...


Dienstag, den 19. Februar 1924 (Nr. 42), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 18. Februar. Ein durchgehendes Krummenseer Gespann hätte in den späten Nachmittagsstunden des Freitag leicht größeres Unglück anrichten können. Durch ein nachfolgendes Fuhrwerk scheute der vorgespannte Schimmel und raste mit den zwei Insassen, die beide machtlos waren, die Berliner Straße entlang, alles vor ihm her flüchtend, und landete wenige Zentimeter vor der Schaufensterscheibe des Tischlermeisters Schmidt. Mit ganz geringem Schaden kam der Besitzer, Wagen und das Pferd davon.

Lindenberg. Eine recht amüsante Ueberraschung, die alle Lachmuskeln in Bewegung gebracht haben dürfte, wurde dem hiesigen Gesangsverein in der Uebungsstunde am vergangenen Donnerstag im Vereinslokal beschert. Beim eifrigen Gesang wird plötzlich die Tür des Uebungszimmers geöffnet und siehe da, stolz wie ein Spanier erscheint der Vorsitzende des Vereins, mit Holzpantoffeln angetan auf einem Pferde und reitet zu seinen Mitgliedern und Sangesbrüdern heran, um einen schönen guten Abend zu wünschen und den Gesang ausnahmsweise an diesem Abend aus höherer Position mitanzuhören.
Der fröhliche Vergnügungsritt im Vereinszimmer sollte aber für den Besitzer des Pferdes, einem Händler aus Berlin-Weißensee, noch einen üblen Abschluß nehmen. Das Pferd, das nachher noch zirka 2 Stunden im Zimmer blieb, wurde dann wieder aus der Stube herausgeschafft und an den Wagen gespannt, da der Besitzer nach Hause zu fahren beabsichtigte. Nach dem Anspannen begab sich der Besitzer, der sich bereits in sehr animierter Stimmung befand, nochmals in das Lokal und ließ sein Fuhrwerk unbeaufsichtigt stehen. Das Pferd, dem die nächtliche Kälte gegenüber der Zimmerwärme wohl kalte Füße verschafft hatte, machte sich ohne seinen Herrn auf den Weg und lief im schlanken Trabe davon. Der Besitzer machte sich nun auf eigene Füße, denen aber keine gute Standfestigkeit mehr zu eigen war, zur Wiedererlangung seines verlorenen Gespannes auf. Ob er es wiedergefunden hat ?


Sonntag, den 24. Februar 1924 (Nr. 47), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 23. Februar. Langfinger treiben seit einiger Zeit wieder in unserer Stadt ihr Unwesen. Sie haben in einem Falle vor einiger Zeit beim Ausräumen einer Bodenkammer die ganze Wäsche mitgenommen und bei der anderen Gelegenheit den Kohlenvorrat im Keller so erheblich erleichtert, daß fast der ganze Heizvorrat sich "verflüchtigt" hatte. Also müssen wir, wie es die Berliner seit Jahr und Tag gewohnt sind, auch mehr auf gut verschlossene Böden und Keller achten.

Einbrüche auf dem Eise kommen trotz aller Mahnungen zur Vorsicht immer wieder vor. So brach hinter dem Schützenhaus auf den überschwemmten Amtswiesen vor einigen Tagen der Schulknabe K. bis an den Hals ein und konnte nur mit großer Mühe von den hinzukommenden Neugierigen aus dem unfreiwilligen Bade herauskommen und mit triefenden Kleidern nach Hause pilgern. Deshalb sollten die Eltern ihre Kinder zur Vorsicht ermahnen!


Mittwoch, den 27. Februar 1924 (Nr. 49), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg, 26. Februar. Die Generalversammlung des hiesigen Vaterländischen Frauenvereins fand am Donnerstag nachmittags im Schützenhause statt und war sehr zahlreich besucht; es waren 260 Mitglieder anwesend. ... Gesangsvorträge wurden geboten von Fräulein Palm, Frau Dr. Mohr und Fräulein Köppen. Alle Damen boten ihr bestes, die mit tiefer Empfindung vorgetragenen Lieder erhöhten die festliche Stimmung in ganz besonderer Weise. Den Schluß machte ein heiteres Stück "3 Tanten auf einmal", bei welchem sich 4 junge Damen in den Dienst der Sache gestellt hatten und sehr reichlichen Beifall fanden.


Donnerstag, den 28. Februar 1924 (Nr. 50), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 27. Februar. Eine Zigeunerbande, welche unsere Stadt durchzog, beging in Wesendahl einen Hühnerdiebstahl. Unsere Polizei wurde benachrichtigt und eine gründliche Durchsuchung der Wagen brachte die gestohlenen Hühner zutage. Die Spitzbuben wurden hierauf dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis überliefert.


Freitag, den 29. Februar 1924 (Nr. 51), Aus dem Kreise Niederbarnim

[Lindenberg hier erstmals unter "Amtsbezirk Lindenberg", bisher unter "Amtsbezirk Malchow"]

Lindenberg. Die Freiwillige Feuerwehr feierte am Sonnabend voriger Woche im Lokal von Reiche ihr 11 jähriges Bestehen. Den ergangenen Einladungen war zahlreich entsprochen worden. Nach einer einleitenden Musik und einem gut gesprochenen Prolog durch Frl. K. Bader erfolgte die Begrüßung der Gäste durch den 1. Brandmeister Herrn T. Gathow im rechten kameradschaftlichen, der Feuerwehr entsprechenden Sinne. Die dann von den Kameraden der Wehr dargestellten lebenden Bilder, die darauffolgenden humoristischen Vorträge durch den Kameraden Haase ernteten gebührenden Beifall. Das Theaterstück "Papas Sommerreise", von den Mitwirkenden mit viel Talent gespielt, dürfte den Gästen, nach dem Beifall zu urteilen, gute Unterhaltung geboten haben. Darauf hielt der Tanz alles noch in fröhlicher Stimmung lange beisammen. Alles in allem, ein wohlgelungenes Fest, auf das alle Teilnehmer in rechter Freude zurückblicken können. Die Musik der Bucher Feuerwehrkapelle entsprach allerdings diesmal nicht ganz, im Konzert und auch in der Tanzmusik, den Erwartungen. Hoffen wir deshalb, daß sie beim nächsten Feuerwehrfest diese kleine Scharte wieder auswetzt.


Sonnabend, den 1. März 1924 (Nr. 52), Aus dem Kreise Niederbarnim

Mehrow. Die hiesige Schule beging, nachdem in unserm sonst so stillen Orte am 19. Januar d. Js. durch den neugegründeten Landwehrverein eine würdig und stimmungsvoll verlaufene Reichsgründungsfeier stattgefunden hatte, am letzten Sonnabend von 7 Uhr ab einen Elternabend. Da die Mehrower Schulfeste schon von früher her einen guten Klang haben, so war nicht nur die Bewohnerschaft des Ortes vollzählig zur Stelle, sondern auch viele auswärtige Gäste ehrten die Schule durch ihren Besuch. Der Meißnersche Saal konnte die Menge der Erwachsenen nicht fassen, sodaß viele mit dem Nebenraum zufrieden sein mußten. In seiner kernigen, zu Herzen gehenden Festrede zeigte Lehrer Weier die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens von Schule und Elternhaus zum Segen für die Jugend. Auf die allgemeine politische und wirtschaftliche Not des deutschen Volkes hinweisend, sagte der Redner, daß Deutschlands Jugend das einzige Mittel sei, um in der Zukunft aus dieser Not herauszukommen, und deshalb bat er die Eltern eindringlich, Schulter an Schulter mit der Schule für eine christliche und nationale Erziehung der Jugend zu sorgen. Die ernste Stimmung im Saal und der brausende Beifall am Schluß der Rede zeigten, daß die Worte richtig verstanden waren.
In der Festfolge wechselten im ersten Teil zeitgemäße Gedichte und Gesänge miteinander ab. Dann gingen die beiden Einakter "Wir sind Deutschlands Jugend" und "Der Trommeljunge von Dennewitz" über die Bühne. Der Glanzpunkt des Festes war ein lebendes Bild, die Germania als Sieges- und Friedensgöttin darstellend. Die Vorträge, wie auch die Vorführungen waren glücklich gewählt und fesselten durch ihre meisterhafte Ausführung bis zur letzten Minute. Alle Festteilnehmer waren von dem Gehörten und Gesehenen voll befriedigt, und oft hörte man die Bemerkung: warum wird das nicht überall so gemacht!


Dienstag, den 4. März 1924 (Nr. 54), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg, 3. März. Unser Männer-Turnverein 1860 (E.V.) beginnt voraussichtlich am Mittwoch, den 5. März, abends 8 Uhr, im Vereinslokal "Schützenhaus" mit seinen regelmäßigen Turnabenden ...

Die Diebstähle im hiesigen Stadtwalde haben jetzt einen Umfang angenommen, wie er bisher noch nicht dagewesen ist. Besonders günstig für die Langfinger ist der Umstand, daß z. Zt. die Abgabe des Haushaltsbrennholzes erfolgt und somit geschlagenes Holz in größeren Mengen vorhanden ist. Nicht wenig enttäuscht sind daher die Empfänger, die, nachdem sie ihre Holznummer eingelöst haben und ihr Holz aus dem Walde entnehmen wollen, feststellen müssen, daß ihnen die Arbeit des Abfahrens schon erleichtert oder sogar ganz abgenommen worden ist. Die Forstbeamten und Waldläufer, welche den Wald zu allen Tageszeiten durchstreifen, sind kaum in der Lage, diesem Treiben ein Ende zu bereiten, da die Größe des Reviers nicht alle Stellen gleichzeitig übersehen läßt. Hoffentlich gelingt es aber, die vielen unberechtigten Holzentnehmer unschädlich zu machen.


Dienstag, den 4. März 1924 (Nr. 54), Amtlicher Teil

Bekanntmachung.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Kreise erloschen ist, hebe ich meine viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 8. Oktober v. Js. - Tgb. Nr. I 10/2156 - auf.
Berlin, den 29. Februar 1924.
Der Landrat.


Mittwoch, den 5. März 1924 (Nr. 55), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 4. März. Die hiesige Ortsgruppe des Gewerbebundes Brandenburg hält nächsten Freitag abend im Saale des Herrn Lindenberg eine Versammlung ab, in welcher der Syndikus des Bundes, Herr Zimmermann, einen Vortrag über "Aktuelle Steuerfragen" halten wird.

Ahrensfelde. Der hiesige Turnverein feierte kürzlich sein diesjähriges Wintervergnügen in einer recht würdigen und deutschen Weise. Es war eine Veranstaltung, die in sich abgeschlossenen Festfolge und Vorführung, wie sie bisher nach einhelligem Urteil im Orte und der Umgebung nicht dargeboten wurde. Die turnerischen Vorführungen der jugendlichen Turner unter Herrn Willi Jauert, der reizende Reigen der kleinen Turnerinnen unter Frl. Grete Kahlow zeigten, was in der Ahrensfelder Jugend nunmehr steckt. Als durchaus künstlerisch und geradezu erhebend waren die von Herrn Lehrer M. zusammengestellten lebenden Bilder mit Gedicht- und Gesangbegleitung zu bezeichnen. Es sprudelte aus den lebenden Bildern "Brüder reicht die Hand zum Bunde" und "Barbarossas Gefangenschaft und Befreiung durch Siegfried und Gudrun" eine Sprache, die jeder verstand und anerkannte. In der bekannten und bewährten volkstümlichen Art und Weise begrüßte in herziger Weise der Vorsitzende Oberst d. R. a. D. Marquard die überaus zahlreich erschienenen Gäste und hatte zum Grundton seiner wiederum markigen und anziehenden, ehrlichen Rede den Gedanken: "Brüder reicht die Hand zum Bunde und alle deutschen Brüder werden frei!". Brausender Beifall zeigte, daß sowohl Rede wie Darbietungen was "Rechtens und was uns not tut" waren. Hoffentlich findet der Abend in seinen Darbietungen, die dem Wohle des Vaterlandes und des gesamten deutschen Volkes dienen, Nachahmer.

Ahrensfelde. Mitglieder von der Zunft der Langfinger statteten in der Nacht vom 28. zum 29. Februar unserm Orte einen Besuch ab, wobei sie durch die Aufmerksamkeit der Ortswache nicht ganz auf ihre Rechnung kamen. Der Wächter Döberitz bemerkte nämlich, wie um 2 Uhr nachts 3 unheimliche Gesellen den Ort passierten. Ihre Spur verlor sich am Schulgrundstück. Nachdem D. seine beiden Kameraden von der freiwilligen Ortswache "herausgepfiffen" hatte, wurde das Schulgehöft abgesucht und man überraschte zwei der Einbrecher im Keller des Herrn Hauptlehrers Lehmann beim Abschlachten der Hühner. Drei derselben waren bereits geköpft und wenige Minuten später wäre der ganze Hühnerbestand erledigt gewesen. Daß man es mit Spezialisten auf diesem Gebiet zu tun hatte, zeigten die Innenwände der Rucksäcke, die schon Blutspuren und Federnreste aus früheren Transporten aufwiesen. Schade nur, daß der dritte Genosse, der sicherlich Schmiere gestanden hat, entkommen ist. Die beiden Gefaßten werden sicherlich noch oft an den unsanften Empfang vor dem Keller im Schulhause zurückdenken. Zur weiteren Versorgung ohne Hühnerbrühe hat man die beiden "Unschuldigen" dem Gerichtsgefängnis in Weißensee übergeben.


Donnerstag, den 6. März 1924 (Nr. 56), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 5. März. Beim Holzfällen verunglückt ist am Sonnabend, den 1. März der Arbeiter Paul Schlutt aus der Klosterstraße in der Stadtforst dadurch, daß ein schwerer Ast ihm auf das rechte Knie fiel. Er wurde sofort von der Arbeit in seine Wohnung transportiert, wo ein Kniegelenkerguß festgestellt wurde.

Alt-Landsberg. Der Radfahrerverein "Normannia" veranstaltete im Schützenhause hierselbst am Sonnabend ein Bockbierfest. Der mit Wacholder geschmückte Saal wies zwei Lauben auf, in denen Bockwürste und Getränke verabfolgt wurden. Höchst amüsant wirkte ein Langohrgespann, welches durch den Saal kutschierte. Etwa um die Mitternachtsstunde bot sich noch dadurch eine Überraschung, daß aus dem benachbarten "Hotel Friedrichslust", woselbst der Männergesangsverein einen Maskenball feierte, kostümiert ein Bärenführer mit seinem zottigen Begleiter eintraf. Durch einige nette Vorträge wurde für gute Unterhaltung gesorgt.

Alt-Landsberg. Recht durstige Gemüter hat der lange Winter und die herrschende Grippe herangebildet. Die üblichen Folgen machten sich in der Nacht vom 2. zum 3. d. Mts. wiederholt bemerkbar und störten manchen Einwohner im friedlichen Schlaf. Den Nachtwachtbeamten erst konnte es gelingen, die Ruhe wieder herzustellen. Leider sind im "Café zur Stadt Alt-Landsberg" auch Sachbeschädigungen im Verlaufe friedlicher Unterhaltungen entstanden.


Freitag, den 7. März 1924 (Nr. 57), Amtlicher Teil, gekürzt

Bekanntmachungen.
Viehseuchenpolizeiliche Anordnung.
Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird hierdurch auf Grund der §§ ... folgendes bestimmt:
Infolge Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Ahrensfelde wird aus der Gemeinde Ahrensfelde ein Sperrbezirk gebildet. Im Bereich dieses Sperrbezirkes gelten die in §§§ 162 und 164 der Viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 aufgeführten Schutzmaßregeln.
Zuwiderhandlungen gegen die angeordneten Schutzmaßregeln unterliegen den Strafvorschriften der §§ 74-76 des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909.
Berlin, den 4. März 1924.
Der Landrat des Kreises Niederbarnim, Schlemminger.


Freitag, den 7. März 1924 (Nr. 57), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg, 6. März. Unser Ortsteil Amtsfreiheit gleicht bei dem jetzt eingetretenen Tauwetter einem geradezu undurchdringlichem Moraste. Da bisher jegliche feste Gehbahn fehlt, sinkt der Fuß desjenigen, der notwendigerweise seinen Weg über die Amtsfreiheit nehmen muß, bis fast an die Knöchel im weichen Boden ein. ...

Lindenberg. Ohnmächtig zusammengebrochen ist am Dienstag vormittag in der Wartenberger Straße der Chauffeur Otto Krüger aus Magdeburg. Nach längerem Bemühen gelang es, ihn wieder ins Bewußtsein zurückzurufen. Krüger, der vollständig ohne Geldmittel war und in seine Heimat zurückzukehren gedachte, konnte durch eine schnell veranstaltete Sammlung bei den Umstehenden ein kleiner Reisebetrag eingehändigt werden.


Sonntag, den 9. März 1924 (Nr. 59), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg, 8. März. Der Naturmensch Gustav Nagel aus Arendsee i.d. Altmark hielt am 6. März im Saale des Gasthofes Unterlauf vor gut gefülltem Hause einen Vortrag. Nagel ist 1874 geboren und führt wie er sagt, seit nunmehr 30 Jahren ein naturgemäßes Leben. Er trägt nur die allernotwendigste Kleidung, lebt von Obst, Früchten, Gemüse und Fett, vermeidet aber Fleisch, Alkohol und Nikotin. ...


Mittwoch, den 12. März 1924 (Nr. 61), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Ahrensfelde. In der Form eines Volksliederabends beging nunmehr auch die hiesige Schule ihren seit langer Zeit vorgesehenen Familienabend am 8. März. Und das war einmal ein genußreicher Abend! Der große Dubicksche Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und mit "Stehplätzle" bis in die nächsten Zimmer hinein mußten sich viele Gäste begnügen. Das Wort vom "stürmischen Beifall" von Anfang bis Ende des Abends kann auch von diesem Ahrensfelder Abend wiederum ehrlich ausgesprochen werden. Es war ein Abend wie solche ganz Deutschland allewege zur sittlichen Erneuerung und Ertüchtigung gebraucht. Nachdem Herr Hauptlehrer Lehmann durch seine Schüler mit dem Gesang "Aus der Jugendzeit" den Abend eröffnet hatte, begrüßte derselbe als Leiter der Schule die Gäste und sprach über "Das Volkslied". Ja, mögen die Worte des Redners: "Das deutsche Volkslied muß das sogen Tingeltangellied, das leider auch aus deutschem Munde erklingt, verdrängen", allseitig fruchtbaren Boden finden. ... Lasset uns sorgen, daß die schulentlassene Jugend nicht ihre eigenen Wege geht, sondern sich der Obhut und Pflege erfahrener, gutdenkender, ernster, deutscher Erzieher unterstellt. Auch Ihr, die ihr keine Kinder zur Dorfschule schickt, habt ein Herz und offene Beutel für diese Schule! Nebenbei bemerkt, es ist sehr erwünscht, wenn derartige Veranstaltungen nicht durch das Geräusch der im Nebenraum zechenden Gäste gestört werden.


Donnerstag, den 13. März 1924 (Nr. 62), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg, 12. März. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (A.D.A.C.), Gruppe Berlin, veranstaltete am letzten Sonntag sein diesjähriges Anfahren, und zwar ging die Fahrt nach Buckow in der Märkischen Schweiz. Zahlreiche Gefährte und Motorräder kamen durch unsere Stadt. Man sah unter den Wagen alle führenden Marken; an Motorrädern waren neben bekannten Modellen auch eine bedeutende Anzahl neuerer, noch wenig bekannter Typen zu beobachten. Auf der Rückkehr wurde im hiesigen Schützenhause eine kurze Rast gemacht.

Lindenberg. Feueralarm brachte Dienstag morgen gegen 7 1/2 Uhr die Einwohner in Aufregung. Die Windmühle des Mühlenbesitzers Pach stand in Flammen, und diese fanden bis zum Eintreffen der Feuerwehr genügend Nahrung in den in der Mühle befindlichen Mehl- und Kornvorräten. Das Feuer entstand durch unvorsichtiges Hantieren des Müllerlehrlings beim Anwärmen des in der Mühle befindlichen Motors mit der Lötlampe. Die hiesige Feuerwehr war ebensowenig wie die noch inzwischen von Weißensee, Malchow, Wartenberg und Blankenburg erschienenen Wehren in der Lage, noch irgend etwas zu retten, da die Bekämpfung des Brandes durch vollständigen Wassermangel fast unmöglich gemacht wurde. Die Mühle ist deshalb bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Gegen 11 Uhr konnten die auswärtigen Wehren wieder abrücken, da eine Gefahr für die umliegenden Gebäude nicht mehr bestand. Die Aufräumungsarbeiten, die von der hiesigen Wehr ausgeführt wurden, dauerten bis in den späten Nachmittag hinein, Menschenleben sind nicht zu beklagen.

Lindenberg. Einen bedauerlichen Unglücksfall erlitt die 8jährige Schülerin Elli Koch auf dem Wege zur Schule. An der Ecke Dorf- und Schulstraße lief sie vor das Fahrrad der Frau Malermeister Koch und der rechte Fuß wurde ihr überfahren. Der sofort herbeigerufenen Arzt stellte einen komplizierten Knochenbruch fest.

Lindenberg. Sein 46jähriges Stiftungsfest feierte am Sonnabend der hiesige Gesangverein "Lyra" bei Schumann. Die gütige Mitwirkung des Komponisten Herrn Willy Rosenthal - Berlin, der sich mit einem gut besetzten Orchester freundlichst zur Verfügung gestellt hatte, verhalf dem Fest zu einem vollen Erfolg. Das Programm bot einen rechten Kunstgenuß, sodaß Herrn Rosenthal ein gebührender Beifall von den zahlreichen Gästen für seine Darbietungen gezollt wurde. Der Gesangverein, der nach Begrüßung der Festteilnehmer durch den 1. Vorsitzenden, Herrn R. Gahtow 2, seine Weisen gut zu Gehör brachte, erntete ebenfalls reichen Beifall. Weitere Orchesterstücke, gesangliche Vorträge und das gut gespielte Theaterstück "Aureliens Jugendliebe", das den Darstellern allerseits Anerkennung brachte und den Gästen des öfteren herzhaftes Lachen abzwang, bildeten den Schluß des Programms.
Ein vollbesetztes Orchester forderte dann zum Tanz, der alles noch lange in friede- und harmonievoller Stimmung zusammenhielt. Ein wohlgelungenes Fest in allen Einzelheiten, das den Teilnehmern noch in recht langer Erinnerung bleiben wird.

Hönow. Den Abschluß der Wintervergnügen der hiesigen Ortsvereine bildete der Ball des Radfahrervereins Germania, der am Sonnabend bei Scharny stattfand. ...


Sonnabend, den 15. März 1924 (Nr. 64), Aus dem Kreise Niederbarnim

Hönow. Die Räucherkammer des Maurerpoliers Kasper, die in dem zur Wirtschaft des Landwirts H. Henze gehörigen Nebengebäude liegt, brannte am Dienstag vollständig aus. Die hiesige Feuerspritze und die sehr schnell aus Mahlsdorf herbeigeeilte Feuerwehr traten nicht mehr in Tätigkeit.


Sonntag, den 16. März 1924 (Nr. 65), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 15. März. Ueber die Unsitte, unsere Anlagen zu ruinieren, wurde in der Stadtverordnetenversammlung vom Magistratstische aus lebhafte Klage geführt. Es gehe nicht, daß unsere Anlagen als Fahrwege für schwer beladene Handwagen, Fahr- und Motorräder usw., sowie im Winter als Rodelbahnen benutzt werden. Durch die vielseitig beladenen Handwagen, welche Holz, Dung, Jauche usw. mit sich führen, wird der aufgeweichte Boden unpassierbar, durch das Rodeln im Winter und das Umhertreiben unserer Jugend werden Bäume und Sträucher derart beschädigt, daß es viel Zeit und Geld kostet, zum Frühjahr alles wieder schön zu machen und es wurde mit Recht darauf hingeweisen, daß Schule und Haus, Vereine und Behörden immer wieder darauf achten sollen, daß unsere Anlagen das bleiben, wofür sie bestimmt sind: Ein Ruheplatz für Alte, Gebrechliche und Schönheitsdurstige.

Lindenberg. Zwei Schweine wurden dem Gutsbesitzer R. Gahtow 1 in der Nacht zum 13. März gestohlen. Die Tiere sind direkt an Ort und Stelle abgeschlachtet worden. Sofort eingeleitete Nachforschungen haben bisher noch nicht zur Ermittlung der Täter geführt.


Mittwoch, den 19. März 1924 (Nr. 67), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg, 18. März. Der Landwehrverein Alt-Landsberg (gegr. 1862) beschloß in seinen beiden letzten Sitzungen, die infolge der Geldentwertungen leider wertlos gewordene Sterbekasse aufzuheben. Um den Angehörigen von Vereinskameraden beim Ableben eines Mitgliedes aber eine entsprechende Beihilfe gewähren zu können, wurde eine Begräbniskasse gegründet, an der jedes Mitglied des Landwehrvereins teilnehmen kann, das einen einmaligen Beitrag von einer Mark entrichtet und sich verpflichtet, beim Ableben eines Kameraden eine Umlage von 50 Pfennig zu zahlen. Das auszuzahlende Begräbnisgeld wurde vom Vorstand, der diese Wohlfahrtseinrichtung verwaltet, auf 50 Mark festgesetzt. Die einzuzahlenden Summen sind wertbeständig anzulegen und sollen ebenfalls wertbeständig in Goldmark ausgezahlt werden. -
Am Mittwoch, den 19. März 1924 , wird im Vereinslokal Lindenberg eine Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen Vereinskameraden eingeweiht werden. Gleichzeitig findet die Aufnahme neuer Mitglieder und eine musikalische Abendunterhaltung statt.


Donnerstag, den 20. März 1924 (Nr. 68), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Ahrensfelde. Unsere tüchtige und stramme freiwillige Feuerwehr hatte am 15. März Freunde und Gönner ihrer Sache zu ihrem 13. Stiftungsfest eingeladen. Zahlreich war die Anzahl der Erschienenen. Nach Begrüßung der Gäste durch den stets rührigen und vorbildlichen Brandmeister der Wehr, Herrn Langmann, wurde ein Prolog zu Gehör gebracht, dessen Worte wohl nicht allein hinzunehmen, sondern zu beherzigen wären. Großer Beifall gebührt der "Theatergesellschaft", die wahrlich in nicht besserer Art, sei es in der Auswahl des Theaterstückes, noch in der Ausführung desselben, für fröhliche Stimmung hätte sorgen können und den Zuschauern in der über zwei Stunden dauernden Aufführung: "Die neuen Reichen" den "Höhenrekordhimmel" dieser Menschen sehr geschickt und naturgetreu zu schildern wußte. ... - Unterhaltungsmusik und ein Tänzchen hielten die Teilnehmer bis 2 Uhr zusammen. Es ist sehr zu begrüßen und anzuerkennen, daß die Feuerwehr auch bei dieser Veranstaltung nach dem Wahlspruch "dem Nächsten zur Wehr" das Vergnügen nicht über die Polizeistunde hinaus verlängerte mit Rücksicht auf den augenblicklichen Notstand und der deutschen Brüder im Osten, Westen und in der Pfalz. Dieses sollte bei allen Vereinsvergnügungen Selbstverständlichkeit sein.


Freitag, den 21. März 1924 (Nr. 69), Aus dem Kreise Niederbarnim

Lindenberg. Vermißt wird seit dem 11. März 1924 der in Neu-Buch wohnhaft gewesene Mechaniker Paul Oppel, geboren am 5.3.1893 in Berlin. Oppel ist zuletzt am 12.3. in Berlin-Buch in völlig verstörtem Zustande gesehen worden. Es wird deshalb angenommen, daß er sich ein Leid zugefügt hat. Oppel ist ca. 1,55 bis 1,60 Meter groß, Gesicht länglich. Bekleidet war er mit braunem Winterpaletot, blauer Tuchmütze und schwarzen Schnürstiefeln. Zweckdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Amtsverwaltung entgegen.


Sonnabend, den 22. März 1924 (Nr. 70), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg. Der Athletenklub "Hellas", welcher hier im vorigen Jahre ins Leben gerufen wurde und erst seit kurzem in die Öffentlichkeit getreten ist, hat am Sonntag gegen den Sportverein "Eiche", Herzfelde, einen Ringkampf ausgetragen. ...


Sonntag, den 23. März 1924 (Nr. 71), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Lindenberg. Den Abschluß der Stiftungs- und Winterfeste bildete die Feier des 10jährigen Bestehens der hiesigen Frauenhilfe am Sonntag den 16. März im Lokal des Herrn Reiche. An sechs langen Kaffeetafeln wurde den Gästen Platz geboten. Die Zahl der Erschienenen war groß: Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Feier eröffnete Herr Pfarrer Schacht durch eine Ansprache. Danach begrüßte Frau Schacht als Vorsitzende der Frauenhilfe die auswärtigen und hiesigen Gäste. Herr Pfarrer Dr. Kraetschel, der Mitbegründer der hiesigen Frauenhilfe, ergriff dann das Wort und entbot zugleich im Namen des Kreisverbandes seine Glückwünsche. In seinen Schlußworten forderte er auf, weiter zu arbeiten und zu werben für die Frauenhilfe. Einige anschließende Musikstücke, Gedicht und Theaterstücke boten ein abwechslungsreiches Programm. Die sich anschließende Kaffeetafel, während welcher Lose zu einer Lotterie verkauft wurden, gestaltete das Fest zu einem gemütlichen Familienabend. ...


Dienstag, den 25. März 1924 (Nr. 72), Aus dem Kreise Niederbarnim

Blumberg. Der Landbund-Reiterverein Blumberg hielt am 18. März eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, am 6. Juli ein großes Reit- und Fahrturnier abzuhalten. Nach Zusage der bereits eingeladenen gleichberechtigten Vereine verspricht die Veranstaltung, zu der seitens der hiesigen Vereine vollständig neuartige Darbietungen in der Reit- und Fahrschule gebracht werden, einen guten Erfolg.


Mittwoch, den 26. März 1924 (Nr. 73), Aus dem Kreise Niederbarnim

Lindenberg. Die Theatertruppe des "Direktors Bäntsch", auch unter dem anziehenden Namen "Artistenloge Berlin", brachte hier am Sonntag im Lokale von Reiche die dreiaktige Operette "Das Prachtmädel" zur Aufführung. Besuch der Vorstellung schwach; niemand hat etwas versäumt, der nicht dagewesen ist. Die Versprechungen in einer vor längerem erfolgten Unterredung mit Direktor Bäntsch, "wir reden nicht viel, wir arbeiten", brachte das Gegenteil. Gesprochen wurde genug, bald viel zu viel, sodaß man sich aus dem Stück, auch beim dritten Akt, noch nicht in die ganze Aufführung hineinversetzen konnte. Bereits nach dem ersten Akt konnte man gelangweilte und genügend enttäuschte Gesichter beobachten. Die schauspielerische Leistung ließ ebenfalls zu wünschen übrig. Spielte ein Darsteller noch ganz gut, so leistete sich der nächste um so mehr! Die gesamte Aufführung - ein glänzender Mißerfolg. Hätte der angesagte, der Aufführung folgende Tanz nicht noch alles gehalten, so hätten die Schauspieler schon beim zweiten Akt vor leeren Stühlen ihr "Prachtmädel" weiter mimen müssen.


Freitag, den 28. März 1924 (Nr. 75), Amtlicher Teil

Bekanntmachung.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Ahrensfelde erloschen ist, hebe ich meine viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 4. d. M. - Tgb.Nr. I 10/430 - auf.
Berlin, den 25. März 1924.
Der Landrat.


Freitag, den 28. März 1924 (Nr. 75), Aus dem Kreise Niederbarnim

Lindenberg. Die hiesige Ortsgruppe der deutschnationalen Volkspartei veranstaltet am nächsten Sonntag eine öffentliche Volksversammlung, die zu den kommenden Wahlen Stellung nehmen wird. Wir verweisen auf das heutige Inserat.


Freitag, den 28. März 1924 (Nr. 75), Vermischtes, gekürzt

Werneuchen. Eine vielbesprochene Diebstahl- und Hehlersache kam in der letzten Sitzung des Amtsgerichts Alt-Landsberg zur Erledigung, die weite Kreise in Werneuchen und Umgegend seit längerer Zeit beschäftigt hat. Seit Jahr und Tag hatten die Angeklagten Pardeick, Schüttler, Müller, Mahlitz gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war und zum Teil beim Gastwirt Strache verkauft, sodaß das Gericht den letzteren als Hehler ansah. ...


Freitag, den 28. März 1924 (Nr. 75), Anzeigen

Deutschnat. Volkspartei, Ortsgruppe Lindenberg.
Sonntag den 30. März, nachmittags 3 1/2 Uhr:
Oeffentliche Volksversammlung im Saale des Herrn Reiche.
Es ladet alle Wähler ein
Der Ortsausschuß.


Mittwoch, den 2. April 1924 (Nr. 79), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg, 1. April. Wegen der schon wiederholt berichteten Kindesunterschiebung fand am 29. März auf Veranlassung des Polizei-Präsidiums Berlin eine Haussuchung in der Wohnung der Frau Bandelow statt, die aber keine wesentlichen Einzelheiten zu Tage förderte. Ausweise, die auf die Identität des hier geborenen Kindes schließen lassen konnten, wurden nicht vorgefunden. Der vermeintliche Vater des Kindes war ebenfalls zugegen. Er will z. Zt. des ganzen Vorganges in der Tat lange Zeit auf Reisen gewesen sein, sodaß die B. dadurch eine Geburt vortäuschen konnte. Immerhin ein sehr naiver Fall, denn der Leichtgläubige bekam erst jetzt die genügende Aufklärung, daß es sich unmöglich um sein Kind handeln kann, welches auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee zur letzten Ruhe gebettet wurde ...


Donnerstag, den 3. April 1924 (Nr. 80), Aus dem Kreise Niederbarnim

Lindenberg. Durch die Aufmerksamkeit des hiesigen Oberlandjägers gelang es, wie wir erst jetzt erfahren, am 25. März vormittags in Malchow im Beisein des zuständigen Schupobeamten zwei verdächtige Radfahrer zu stellen. Die genauere Durchsuchung der Rucksäcke förderte zwei neue Kutschgeschirre hervor. Nach längerem Bemühen konnte der Oberlandjäger Pöschel von hier die beiden Festgenommenen, die als Arbeiter Wilhelm R. und Schlosser Otto G. aus Neuhütte bei Eberswalde festgestellt wurden, zu einem Geständnis bewegen. Sie gaben an, die Geschirre der Firma Jakobi & Henning, Weilaer Mühle bei Eberswalde, entwendet zu haben.

Lindenberg. Die von der Deutschnationalen Volkspartei am letzten Sonntag einberufene Volksversammlung konnte nicht abgehalten werden, da der Referent, Reichstagsabgeordneter Krüger-Hoppenrade, wegen Krankheit am Erscheinen gehindert war.


Freitag, den 4. April 1924 (Nr. 81), Aus dem Kreise Niederbarnim

Blumberg. Der Landwirtschaftliche Verein Blumberg und Umgegend hält am Donnerstag den 10. April 1924, nachmittags 6 Uhr im "Schwarzen Adler", hierselbst, eine Vereinssitzung ab. Auf der Tagesordnung befinden sich folgende Punkte: 1. Verlesung des letzten Sitzungsberichtes. - 2. Schriftsachen, Mitteilungen usw. - 3. Nach welchen Gesichtspunkten soll die diesjährige Frühjahrsbestellung erfolgen? Ref. Herr Herm. Hammann. - 4. Die Pferdezucht unter Berücksichtigung der hiesigen Verhältnisse. Ref. Landwirtschaftskammer, Pferdezuchtabteilung. - 5. Die Bekämpfung der im Acker ruhenden Vogelwicke. Ref. Herr Arthur Wegener. - 6. Ist es angebracht, einen Kartoffelbearbeitungspflug "System Schurig" hier einzuführen? Ref. Herr Aug. Ebel. - 7. Verschiedenes. - 8. Einziehung rückständiger Beiträge. - 9. Fragekasten.


Sonntag, den 6. April 1924 (Nr. 83), Aus dem Kreise Niederbarnim

Mehrow. Einen Aufklärungsvortrag über wirtschaftliche und politische Zeitfragen hielt am Donnerstag abend Herr Schulrat Hoppe-Charlottenburg auf Wunsch aus der Gemeinde im Meißnerschen Saale, hierselbst, in einer fast zweistündigen Rede. Da Herr Schulrat Hoppe uns schon von früher her als gediegener Volksredner bekannt war, so hatte die Einladung zu der Versammlung auch einen recht zahlreichen Zuhörerkreis zusammengebracht. Sogar aus den Nachbarorten Ahrensfelde-Eiche und Hönow waren viele Herren zu der Versammlung erschienen. In seinem Vortrag "Unser Geld" ging der Redner von der Entstehung des Geldes als Zahlungsmittel unter den Kulturvölkern aus, sprach vom Grund und der Bedeutung unseres hochwertigen Geldes in der Vorkriegszeit und leitete dann über zu den Ursachen und den verheerenden Wirkungen des Verfalls unserer alten Währung für das gesamte Wirtschaftsleben unseres Volkes.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen sprach der Vortragende dann über die Stabilisierung unserer Währung durch die Einrichtung und Fundierung der Rentenbank, welche das neue Geld, die Rentenmark, herausgibt und wodurch dem bisherigen Inflationsschwindel endlich Halt geboten wurde. Die von der bisherigen Reichsregierung in Aussicht genommene Einrichtung einer Geldnotenbank bedeutet nach Ansicht des Vortragenden den Uebergang des deutschen Volkes aus den Ketten des Schanddokuments von Versailles in die Klauen des internationalen Großkapitals. Mit wenig hoffnungsvollen Ausblicken in die Zukunft unseres Volkes, wenn dieses sich nicht bald auf sich selbst besinne und diese seine Umstellung am 4. Mai bei der Reichstagswahl zum Ausdruck bringe, schloß der Redner seine überaus wirkungsvollen, von echt deutschem Geiste getragenen Ausführungen unter allseitigen kräftigen Beifallskundgebungen der Zuhörer. Aus Mangel an Zeit und um den tiefen Eindruck des Gehörten nicht abzuschwächen, wurde von einer Debatte abgesehen. Nach dem Gesange der Strophen "Deutschland, Deutschland über alles" und "Einigkeit und Recht und Frei" usw. schloß der Versammlungsleiter, Herr Lehrer Weier, um 10 Uhr die Versammlung.
Wie bekannt wird, hat sich nach Schluß der Versammlung noch eine überaus rege Debatte zwischen deutschnational und deutschvölkisch gerichteten Herren der Versammlung entwickelt. Von den Anhängern der republikanischen Auffassung und ihren benachbarten Freunden hat sich niemand gemeldet. Wünschenswert wäre es, wenn auch in andern Ortschaften statt der unfruchtbaren parteipolitischen Haarspaltereien und Zankereien derartige Aufklärungsvorträge wie hier dem Volke geboten würden. Die Masse sehnt sich nach Licht und Wahrheit und darum getrost der Zukunft entgegen. Es muß doch Frühling werden!


Mittwoch, den 9. April 1924 (Nr. 85), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Alt-Landsberg, 8. April. Der vom Landwehrverein veranstaltete Werbeabend zwecks Errichtung einer Gedenktafel für die im Kriege gefallenen in der Stadtkirche hatte einen vollen Erfolg. ...


Donnerstag, den 10. April 1924 (Nr. 86), Aus dem Kreise Niederbarnim

Lindenberg. Ihrem Leben durch Ertränken ein Ende zu machen versuchte Sonntag vormittag eine Patientin der 3. Irrenanstalt Berlin-Buch in dem auf den Ländereien des Landwirts Lehmann gelegenen Pfuhl nahe der Kolonie Neu-Buch. Einwohner von Neu-Buch, die den Vorgang beobachtet hatten, eilten sofort herbei, und es gelang, die Lebensmüde dem nassen Element wieder zu entreißen. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg. Das Motiv zur Tat ist nicht bekannt.


Mittwoch, den 16. April 1924 (Nr. 91), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

Blumberg. Die deutschnationale Volkspartei hielt hier eine von Freunden und Gegnern der Partei gut besuchte öffentliche Wahlversammlung ab. Der Referent, Herr Studienrat Färber aus Karlshorst, sprach über das Thema "Die Reichstagswahl 1924, Eine Schicksalswende!" ... Die sich anschließende Aussprache wurde in der Hauptsache von zwei auswärtigen Herren bestritten, die Vertreter der U.S.P.D. und K.P.D. waren, denen man aber zugestehen muß, daß sie ihre Ausführungen in ruhiger und gemäßigter Weise brachten.

Blumberg. Am Palmsonntag hielt die kommunistische Partei im Lokale des Herrn Ganzow eine öffentliche Versammlung ab.

Blumberg. Die Osterferien haben in der hiesigen Gemeinde am heut Dienstag begonnen. Unterrichtsbeginn ist am 28. April morgens 7 Uhr.


Mittwoch, den 23. April 1924 (Nr. 95), Aus dem Kreise Niederbarnim

Mehrow. Zur Gemeindevertreterwahl wurde hier als einziger Wahlvorschlag eine Einheitsliste eingebracht, in welcher sämtliche am Orte vorhandenen Berufsstände vertreten sind.

Mehrow. Sonnenwendfeier und Fahnenweihe. Der hiesige, vor einem Jahr gegründete Turnverein "Hindenburg" hat sich in seiner außerordentlichen Versammlung am 12. d. M. entschlossen, die diesjährige Sonnenwendfeier für den diesseitigen Bezirk des Deutschen Turnerbundes am Abend des 5. Juli zu veranstalten. Anschließend an diese altdeutsche Sitte soll dann in derselben Nacht die turnerische Uebung "Kampf um den Stab" durchgeführt werden. Hoffentlich wird, da man trotz Falb und Gen. immer noch nicht Herr des Wetters geworden ist, der Jupiter pluvius utonaus Einsehen haben und nicht die Feier und das Feuer in Wasser und Wohlgefallen auflösen.

Blumberg. Zur Gemeindevertreterwahl sind drei Wahlvorschläge eingegangen. Zu den beiden Parteien, die sich bisher die Sitze in der Gemeindevertretung teilen, ist noch in letzter Stunde die Deutschvölkische Freiheitspartei getreten. Die einzelnen Listen und ihre Kandidaten lauten: I. Deutschnationale Volkspartei: 1. Bauerngutsbesitzer Franz Kieckebusch sen., 2. Bauerngutsbesitzer Wilh. Grün, 3. Maurer- und Zimmermeister Albert Weidelt, 4. Bauerngutsbesitzer Gustav Adler, 10. Gastwirt Gustav Ebel, 11. Bauerngutsbesitzer Gustav Ebel, 12. Bauerngutsbesitzer Willi Grün, 13. Landwirt Friedrich Gathow. II. Vereinigte Sozialdemokratische Partei: 1. Adolf Flöricke, Zimmerer, 2. Hermann Baak, Schmied, 3. Hermann Halpape, Arbeiter, 4. Fritz Vetter, Zimmerer, 5. Gustav Flöricke, Zimmerer, 6. Adolf Lehmann, Bäcker, 7. August Ryback, Zimmerer, 8. Gust. Beerbaum, Maurer, 9. Adolf Jänicke, Schrankenwärter, 10. Leo Schröder, Arbeiter, 11. Ernst Lehmann, Maurer, 12. Albert Bugdahn, Landarbeiter, III. Deutschvölkische Freiheitspartei: 1. Fritz Töpffer [ff], Landwirt, 2. Rudolf Meyer, Schuhmachermeister, 3. Willi Kahlow, Landwirt, 4. Willi Schöne, Stellmachermeister, 5. Richard Gathow I, Landwirt, 6. Fritz Gröpler, Schuhmachermeister, 7., Adolf Bade, Landwirt, 8. Adolf Ebel, Kaufmann.


Sonnabend, den 26. April 1924 (Nr. 98), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg. Infolge eines Hufschlages mußte am Dienstag nachmittag der Landarbeiter Barer ins hiesige Krankenhaus eingeliefert werden. B. hatte zur Mittagszeit seine Pferde auf den zur Gemeinde gehörigen Teile Neuvorwerk ausgespannt. In dem fremden Stall aber waren die Pferde unruhig und schlugen gegeneinander aus. Ein unglücklicher Schlag traf B. gegen den Unterleib, so daß Krankenhausaufnahme notwendig wurde. Das Befinden des Verletzten ist, wie wir hören, zufriedenstellend.

Blumberg. In drei Lager geteilt hat man sich in unserer Gemeinde für die Gemeindevertreterwahl. Die deutschnationale Volkspartei stellt als Spitzenkandidaten den Bauerngutsbesitzer Franz Kieckebusch sen. auf. Führer der Vereinigten S.P.D. ist der Zimmerer Adolf Flöricke und als Erster der Deutschvölkischen Freiheitspartei ist der Landwirt Fritz Töpffer genannt.


Sonntag, den 27. April 1924 (Nr. 99), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg. Im Kreise Niederbarnim besteht ein Revisionsverband für Blitzableiter, der s. Zt. im Interesse von Besitzern von Blitzschutzanlagen gegründet worden ist. Interessenten wird auf Erfordern nähere Auskunft im Magistratsgeschäftszimmer erteilt.


Dienstag, den 29. April 1924 (Nr. 100), Aus dem Kreise Niederbarnim

Alt-Landsberg. Ein eigenartiges Verkehrsbild in unseren Straßen bieten zur Zeit die Transporte der großen schweren Masten für die elektrische Leitung von der Ueberlandzentrale, die in ihrer Linie Blumberg-Strausberg auch unsere Feldmark schneidet. Seit längerer Zeit schon lagerten diese Masten in kleineren Stücken am Kleinbahnhof und einigen anderen Stellen. Jetzt sollen sie an ihre endgültigen Bestimmungsorte geschafft werden. Der Transport eines 21 Meter langen, 90 Zentner schweren eisernen Trägers durch die Straßen der Stadt wurde fast zu einem Verkehrshindernis, weil es nur mit Hilfe eines Umweges und unter Benutzung eines Teiles des Bürgersteiges in der Klosterstraße gelang, den eisernen Riesen seinem Bestimmungsorte zuzuführen. Der Bürgersteig hat dabei unter der schweren Last sichtbar gelitten.

Mehrow. Fahnenweihe. Den Bemühungen des sehr eifrigen Vorsitzenden des hiesigen Turnvereins "Hindenburg", Turnbruder Schwarz, ist es gelungen, trotz der finanziellen Schwäche seiner Vereinsmitglieder und seiner Vereinskasse, schon nach einem Jahr eine Fahnenweihe im Verein vornehmen zu können, welche im Anschluß an die schon erwähnte Sonnenwendfeier am Sonntag, den 6. Juli d. Js., hier im Orte vollzogen werden soll. Hoffentlich erlebt unser Ort auch bald die Freude, daß der hiesige Landwehrverein, der mit dem Turnverein zu gleicher Zeit das Licht der Welt erblickte, eine rechte deutsche Fahne als sein Eigentum weihen kann, die dann an allen Schicksalstagen des Vereins diesem als heeres Wahrzeichen voranflattern soll.


Mittwoch, den 30. April 1924 (Nr. 101), Amtlicher Teil, gekürzt

Bekanntmachung, betr. Wahlen zum Reichstag
Abgrenzung und Zusammensetzung der Stimmbezirke für die am 4. Mai 1924 stattfindende Reichstagswahl.

lfd. Nr. des Stimmbezirkes, Bestandteile des Stimmbezirkes
  • Wahllokal und in zusammengesetzten Gebieten zugleich Ort desselben
  • Name des Abstimmungsvorstehers
  • Name des Stellvertreters
    222, Ahrensfelde
  • Lokal v. Wilh. Hase, Ahrensfelde, Dorfstraße 24
  • Amts- und Gemeindevorsteher Krüger, Ahrensfelde
  • Landwirt Richard Müller, Ahrensfelde
    230, Blumberg, Gemeinde und Gut
  • Gemeindedienstzimmer in Blumberg
  • Gem.-Vorst. Georg Juert, Blumberg
  • Schöffe August Ebel
    239, Eiche
  • Gasthaus Seelisch
  • Gem.-Vorst. Möser
  • Lehrer Hilscher
    262, Lindenberg mit den Ausbauten Clarahöh und Mühle
  • Lokal von Schumann
  • Gem.-Vorst. Kirschbaum
  • Schöffe Gathow [th]
    266, Mehrow, Gemeinde und Gut mit Vorwerk Trappenfelde
  • Gasthof von Herm. Meißner
  • Gem.-Vorst. Meißner, Mehrow
  • Schöffe Gustav Wegener


  • Dienstag, den 6. Mai 1924 (Nr.106), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Wahlergebnisse aus dem Kreise. Reichstagswahl.
    1. Deutschnationale Volkspartei 19003
    2. Deutsch-Demokratische Partei 3857
    3. U.S.P.D. 13705
    4. Kommunisten 11911
    5. deutsch-soziale Partei 1863
    6. deutsche Volkspartei 5360
    7. deutschvölkische Freiheitspartei 3985
    8. Wirtschaftspartei d. deutsch. Mittelst. 2521
    9. Häußer-Bund 121
    10. Deutsche Zentrumspartei 1190
    11. Sozialistischer Bund 337
    12. Unabhängige Sozialdem. Partei 2172
    13. Polnische Volkspartei 63
    14. Republikanische Partei Deutschlands 258
    15. deutsche Arbeitnehmer-Partei 312
    16. Nationalliberale Vereinigung 830
    17. Nationale Freiheitspartei 99
    ungültig 1090

    Ahrensfelde. Dn. 82, Dem. 9, Soz. 59, Kom. 23, D. Soz. 10, D. Vp. 69, D. Völk. 63, Wirtsch. 14, Zentr. 2, Soz. Bd. 1, Unabh. 8, Arbeitn. 2, Nationall. 3

    Mehrow. Dn. 76, Dem. 3, Soz. 5, Kom. 6, D. Soz. 1, D. Vp. 5, D. Völk. 64, Wirtsch. 1, Zentr. 1, Unabh. 1, N. Freih. 2, ungültig 4


    Mittwoch, den 7. Mai 1924 (Nr. 107), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Blumberg. Ein Großfeuer ist in der heutigen Nacht um 3/4 2 Uhr im Sägewerk des Maurer- und Zimmermeisters Albert Weidelt ausgebrochen. Der Brand kam im Sägewerk aus, woraus man schließt, daß Brandstiftung vorliegt. Das Feuer breitete sich mit großer Geschwindigkeit aus, und alle der Holzbearbeitung dienenden Maschinen fielen ihm zum Opfer. Die im Freien lagernden Holzvorräte konnten in der Hauptsache geschützt werden. Die sofort herbeigeeilte Freiwillige Feuerwehr unseres Ortes hatte bei der Ausbreitung des Feuers einen sehr schweren Stand. Sie wurde jedoch in den Löscharbeiten durch zahlreiche andere Wehren, darunter die Wehren aus Ahrensfelde, Eiche, Seefeld, Falkenberg und Bernau unterstützt, die z.T. durch die amtliche Telephonleitung der Bahn von dem Brande benachrichtigt worden waren. Die Hohenschönhausener Motorspritze wurde auch erwartet, traf jedoch nichtmehr ein. Den vereinigten Bemühungen der Feuerwehren gelang es, die in der Nähe liegenden Stallgebäude und Wohnhäuser zu schützen. Ein Teil der Wehren konnte dann gegen Morgen, als die Hauptgefahr beseitigt war, wieder abrücken. Unsere eigene Wehr, war in den Vormittagsstunden noch mit den Lösch- und Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Als ein besonderer Glücksumstand ist es zu bezeichnen, daß es gestern verhältnismäßig stark geregnet hatte, denn bei trockener Witterung hätte der gefährliche Brand möglicherweise viel weiter um sich gegriffen und auch die Gebäude in der Nachbarschaft vernichtet.


    Donnerstag, den 8. Mai 1924 (Nr. 108), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Blumberg. In Ergänzung unseres Berichtes über den Brand bei Herrn Maurer- und Zimmermeister Albert Weidelt erfahren wir noch, daß, als gegen 2 Uhr der Feueralarm ertönte, schon ein großer Schuppen, in dem Bauholz, Kohlen und Zement lagerten, in hellen Flammen stand. Obwohl die Wehr bald zur Stelle war, war vom Schuppen und den in ihm lagernden Vorräten nichts mehr zu retten. Auch der Maschinenraum brannte vollständig aus.


    Sonntag, den 11. Mai 1924 (Nr. 111), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Alt-Landsberg. Zwei japanische Geschäftsreisende besuchen heute unsere Stadt, um Tassen, Armbänder, Vasen und andere echt japanischen Artikel zu verkaufen.


    Dienstag, den 13. Mai 1924 (Nr. 112), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Lindenberg. Die Wahl zur Gemeindevertretung ergab für die bürgerliche Vereinigung 7 Sitze, für die Arbeitervereinigung 4 Sitze und für die Kolonie 1 Sitz. Nach der Reihenfolge der Benennungen auf den Wahlvorschlägen sind hiernach als gewählt zu betrachten: Vom Wahlvorschlag 1: Fritz Gahtow [ht], Landwirt, Richard Dünnbier, Bäckermeister, Rudolf Gahtow 1, Landwirt, Friedrich Baurath, Landwirt, Georg Kirschbaum, Landwirt, Ernst Koch, Landwirt, Wilhelm Albrecht, Zimmerpolier. Von Wahlvorschlag 2: Wilhelm Weigelt, Arbeiter, Albert Puttin, Arbeiter, Ottro Agurzky, Arbeiter, Otto Günther, Zimmermann. Vom Wahlvorschlag 3: Alfred Garbuzinski, Kaufmann.

    Lindenberg. Von einem Ansturm auf Zuweisung einer Wohnung im Gemeindehause, die durch den Tod der bisherigen Inhaberin frei wird, dürfte der hiesige Gemeindevorstand ein Lied singen können. Ist die Leiche noch nicht mal der Erde übergeben, da setzt schon von den verschiedensten Stellen Nachfrage ein, wer wohl nun sich glücklich als Besitzer dieser Wohnung preisen kann. Soweit bekannt, dürften alle diejenigen, die den erbitterten Kampf um die Wohnung führen, wenig Aussicht haben, diese zugewiesen zu erhalten, da die Gemeinde, wie bisher üblich, die Wohnung ihrem derzeitigen Hüter der Nachtruhe bereitstellen wird.

    Lindenberg. In völlig geisteskrankem Zustand wurde am Freitag voriger Woche der Schlächter Alban Engel hier aufgegriffen. Ueber Herkunft und Geburt war von Engel keine Angabe zu erlangen. Da er auch keine Ausweispapiere besaß, schwebt über seine Person bisher völliges Dunkel. Der angebliche Engel ist vorläufig der 3. Irrenanstalt in Berlin-Buch zugeführt. Entsprechende Mitteilungen, die über Engel Aufschluß geben, nimmt die hiesige Amtsverwaltung entgegen.


    Mittwoch, den 14. Mai 1924 (Nr. 113), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Blumberg. Der Landwirtschaftliche Verein Blumberg und Umgegend hält am Donnerstag, den 22. Mai 1924, nachmittags 7 Uhr, im "Schwarzen Adler" hierselbst eine Vereinssitzung ab. ...


    Donnerstag, den 22. Mai 1924 (Nr. 120), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Lindenberg. Eine merkwürdige Straßenneupflasterung wird augenblicklich unweit unseres Dorfes auf der von Malchow nach hier führenden Chaussee betrieben. Dort hat die Stadt Berlin einen Teil des Pflasters aufgerissen und fast die ganze Straßenbreite einschl. des Sommerweges mit neuem Steinmaterial beschüttet, so daß es selbst einem Fußgänger schwer wird, die Straße zu benutzen. Für Wagen ist es ganz unmöglich. Sonst ist man gewohnt, daß bei solchen Arbeiten wenigstens der Sommerweg freigelassen wird. Die Stadt Berlin braucht diese Rücksicht anscheinend nicht zu nehmen.


    Sonntag, den 1. Juni 1924 (Nr. 128), Amtlicher Teil

    Bekanntmachung.
    Die Provinzialchaussee Berlin-Schwedt zwischen Ahrensfelde und Blumberg und zwischen Blumberg und Seefeld ist nach Beendigung der Neuschüttungsarbeiten für den Verkehr wieder in vollem Umfange freigegeben.
    Berlin, den 28. Mai 1924.
    Der Landrat.


    Mittwoch, den 4. Juni 1924 (Nr. 130), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. Eine erhebende, eindrucksvolle Feier war das 1. Stiftungsfest des Landwehr-Vereins, verbunden mit der Übergabe einer Fahne an den vor Jahresfrist gegründeten Verein. Nachdem schon vormittags an geweihter Stätte des Tages und der gefallenen Heimatsöhne in würdiger Weise gedacht war, versammelte sich nachmittags bei herrlichstem Wetter im schön geschmückten Festsaale bei Zielisch der Verein zum Abholen der verhüllten Fahne, die im Festzuge zum Festplatze gebracht wurde, unterwegs vom Turnerverein stramm begrüßt.
    Mit dem Deutschenliede "Wir treten ..." ward der Festakt eröffnet. Der Vorsitzende, Herr Weier, begrüßte herzlich die Festteilnehmer und widmete den Paten seines Vereins, den aus Hönow erschienenen Kameraden Meyer und R. Schmidt-Ziethen, sowie der teilnehmenden Jugend besondere Worte. Herr Meyer-Hönow erwiderte in überzeugungstreuer, aus deutscher Brust klingender Rede. Die Fest- und Übergaberede hielt dann Herr Weier. Er leitete seine schöne, deutsche, aus dem Herzen kommende und zu Herzen gehende Ansprache mit einem Gedenken der deutschen Not ein. Er führte dann die Zuhörer im Geiste mit der ruhmvollen Armee über die Großschlachtfelder und endete mit heißen Wünschen für unser bedrängtes Volk und Vaterland. "Deutschland über alles, und im Unglück nun erst recht"!
    Denselben guten Eindruck hinterließ auch die Uebergabe der Fahne vom aufgelösten V.R.S. an den Landwehr-Verein. Der Kameradenmarsch in Trauerweise ward das "Vergiß-mein-nicht" für die gefallenen Dorfkämpfer. Gute, stimmungsvolle Kinderchöre, Vorführungen des Turnvereins Hindenburg, die von Schwung und gutem Geist im Verein zeugten, Konzertstücke, umrahmten und verschönten die Feier. Dann zeigte der Verein die enthüllte Fahne im Festzuge seinen Dorfeingesessenen.
    Das Abbringen der Fahne und ein strammer Gruppenvorbeimarsch beendeten die Nachmittagsfeier, an die sich am Abend der übliche Ball anschloß. Es war eine wohlgelungene, abgeschlossenen Feier, durchglüht von echt deutschem Geiste, an die die Festteilnehmer noch lange denken werden und für die man Herrn Weier und seinen Mitarbeitern ganz besonderen Dank zollen muß.
    Aber etwas fiel den Außenstehenden doch auf. Waren denn alle deutschen Männer und Frauen aus Mehrow beteiligt? Man vermißte wenigstens solche, deren Besuch sicher erwartet werden durfte. Oder war ihnen diese erhabene Feier zu gering?


    Freitag, den 6. Juni 1924 (Nr. 132), Amtlicher Teil

    Bekanntmachung.
    Die Kreisstraße von Lindenberg nach Schwanebeck wird vom 4. bis 30. Juni d. J. wegen Neuschüttens der Steinbahn für Fuhrwerke gesperrt.
    Berlin, den 31. Mai 1924.
    Der Landrat.


    Freitag, den 6. Juni 1924 (Nr. 132), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Ahrensfelde. Der hiesige Reiterverein hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, am Sonntag, den 17. August sein diesjähriges Rennen abzuhalten. Erfreulicherweise hat sich in den letzten Sitzungen eine Anzahl neue Mitglieder zur Aufnahme gemeldet, welche dem Verein mit gutem Pferdematerial zur Verfügung stehen. Auf vielseitigen Wunsch wird auch in diesem Jahre wieder hauptsächlich Wert auf Galopprennen gelegt werden.

    Lindenberg. Die neugewählten Gemeindevertreter traten am 3. Juni zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Die Sitzung eröffnete Herr Gemeindevorsteher Kirschbaum mit herzlichen Begrüßungsworten und sprach dabei die Hoffnung aus, daß die Vertretung zum Allgemeinwohl wirken und bei den Beratungen sich von sachlichen, unserer Gemeinde zum Segen gereichenden Motiven leiten lassen möge. ...


    Mittwoch, den 11. Juni 1924 (Nr. 135), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Lindenberg. Eine Gemeindevertretersitzung findet am Donnerstag, den 12. Juni 1924, abends 8 Uhr, im Gasthof von Schumann statt. Tagesordnung (Oeffentliche Sitzung): 1. Wahl der Schöffen, 2. Wahl des Gemeindevorstehers, 3. Verschiedenes. Anschließend erfolgt eine nichtöffentliche Sitzung.


    Donnerstag, den 12. Juni 1924 (Nr. 136), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. "Das Unglück schreitet schnell." Diese harte Wahrheit bestätigte sich auch wieder in der Nacht zum ersten Pfingstfeiertag in der Familie des hiesigen Brennermeisters Ziersch, in der letzterer fast ein Opfer seines Berufes geworden wäre. Um auch einen freien Feiertag zu haben, arbeitete Z. mit seinen Leuten die Nacht hindurch in seinem Brennereibetriebe. Er hatte die Henze mit Mais füllen lassen. Nach ordnungsmäßigem Verschließen dieses starken eisernen Behälters setzte Z. die mehrere Zentner fassende Maismenge unter starken Wasserdampf, um sie zum Kochen zu bringen. Kaum hatte er sich jedoch wenige Schritte von dem Apparat entfernt, als eine fürchterliche Detonation entstand. Der Verschlußdeckel der Henze war abgesprengt und mit einem kanonenschußartigen Knall schoß der Dampf und die kochende Maismasse von innen gegen das Dach des Brennereigebäudes, warf in einem Umfange von 1 1/2-2 m die Dachsteine in hohem Bogen auf den Gutshof und stürzte dann selbst als glühende Lavamasse nach. Ein Teil dieser kochenden Maische stürzte nach der Seite und begrub Z. unter sich. An Kopf, Armen und Oberkörper entsetzlich verbrüht, trafen ihn seine Arbeiter, die auf seine Hilferufe herbeieilten, auf der Treppe an. Wäre er im Moment der Explosion dem Apparat näher gewesen, so wäre er sicherlich sofort eine Leiche gewesen. Da bei dem Unglück Herrn Ziersch ein Selbstverschulden nicht trifft und der unglückliche Vorgang nur auf einen alten Materialfehler in der Verschlußvorrichtung der Henze zu suchen ist, so findet der Verunglückte auf seinem Schmerzenslager allgemein aufrichtige Teilnahme. Alle Bekannten und Freunde wünschen ihm eine baldige und gute Heilung.

    Hönow. Der Lehrer Lübke scheidet mit dem 1.7.1924 infolge des Abbaugesetzes nach mehr als 35jähriger segensreicher Tätigkeit am hiesigen Orte aus seiner Amtstätigkeit aus. Wir wünschen ihm den wohlverdienten langen Lebensabend.


    Sonntag, den 15. Juni 1924 (Nr. 139), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Blumberg. Unsere neugewählte Gemeindevertretung trat am vergangenen Donnerstag zum ersten Male zusammen. Sie befaßte sich mit der Wahl des Gemeindevorstehers und der Schöffen. Gemeindevorsteher wurde der bisherige Gemeindesekretär Richard Noack. Gemeindeschöffen wurden die Herren: Töpffer, August Ebel und Vetter.


    Sonnabend, den 21. Juni 1924 (Nr. 144), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Alt-Landsberg. Die Arbeiten an der Ueberlandzentrale schreiten in schnellem Tempo vorwärts. Von Neuhönow bis zur Blumberger Grenze sind auf der Altlandsberger Feldmark die großen Masten aufgerichtet. Sie passen sich gut in das Landschaftsbild ein und wirken nirgends störend.

    Mehrow. Der "Stahlhelm" (Bund der Frontkämpfer), der hier im Kreise sich mächtig ausbreitet und immer mehr vaterländisch gesinnte Leute um sich schart, hat auch hier im Orte Fuß gefaßt. Es wurde in dieser Woche hier eine Ortsgruppe gebildet.


    Mittwoch, den 25. Juni 1924 (Nr. 147), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Ahrensfelde. Feststimmung herrschte am letzten Sonntag in unserm festlich geschmückten Ort. Der hiesige Männergesangsverein "Frohsinn" hatte die Freude und Ehre, den Gesangverein des "Sängerbundes an der Wriezener Bahn", zu dem er auch gehört, zum diesjährigen Bundesfest die gastliche Stätte zu bereiten. - Nach dem Empfang auf dem Bahnhof und der Geleitung der erschienenen Vereine in das Vereinslokal des Sangesbruders Dubitz [tz!, vermutlich Dubick] fand die Probe der Massenchöre unter Leitung des Dirigenten des Ortsvereins statt. Im Anschluß daran reihte sich die stattliche Sängerschar mit ihren Bannern zum fröhlichen Festzug durch den Ort, um dann den friedlichen Sängerwettstreit im schattigen Garten des genannten Gasthofes zu beginnen. Leider war der kalte, starke Wind den Sängern nicht günstig, sodaß von manchem Lied die zarteren Stellen zum großen Teil verloren gingen. ... Jeder der 7 Vereine, die sich am Gesange beteiligten, leistete, was in seinen Kräften stand. ...


    Freitag, den 27. Juni 1924 (Nr. 149), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Lindenberg. Eine Gemeindevertretersitzung fand am 24. Juni statt. Sämtliche Gemeindevertreter waren anwesend, ein Zuhörer hatte sich eingefunden. ...


    Mittwoch, den 9. Juli 1924 (Nr. 159), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Hönow. Infolge des Abbaugesetzes trat am 1. Juli nach 35jähriger Amtstätigkeit am hiesigen Orte und mehr als 40jähriger Amtstätigkeit der Lehrer Herr Otto Lübke in den wohlverdienten Ruhestand. Der letzte Schultag war ein Ehrentag für ihn. ...


    Donnerstag, den 10. Juli 1924 (Nr. 160), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. Sonnenwendferier und Fahnenweihe! Zu einer großartigen, eindrucksvollen Kundgebung für den völkischen Gedanken gestaltete sich die Sonnenwendfeier, die am letzten Sonnabend abend für den 1. Bezirk des Turngaues Brandenburg am hiesigen Wendsee [d] abgehalten wurde. Nach Tausenden zählte die Menge der Teilnehmer, die aus allen umliegenden Ortschaften zusammengeströmt war. Hell loderte nicht nur die Flamme des mächtigen Holzstoßes zum nächtlichen sternenklaren Himmel empor, sondern viel höher und heller noch stieg die Flamme des Begeisterung vom Feuer der Liebe und Treue zum deutschen Volk und Vaterland in Wort und Lied zu Walhalla auf, als der Gauobmann Turnbruder Dombrowsky-Charlottenburg seine Feuerrede gehalten hatte. Nachdem noch mehrere Gebräuche unserer Altvordern bei ihrer Sonnenwendfeier nachgeahmt und sogar die alten Besen, die auch im letzten Jahr im deutschen Volk wieder schlechten Dienst verrichtet und die Strohpuppe, das Bild des leeren, strohernen Zeitgeistes, der Vernichtung durch das Feuer übergeben worden waren, kehrten alle deutschfühlenden Teilnehmer mit dem Wunsche heim: "Heilige Flamme, glüh, glüh und verlösche nie fürs Vaterland". -
    Eine würdige Fortsetzung der völkischen Sonnenwendfeier war die Fahnenweihe des jungen Turnervereins Hindenburg am Sonntag, den 6. d. Mts. Das ganze Dorf prangte im Schmuck der alten deutschen Farben und mancher hat sich unbewußt und gegen seinen Willen von diesen Zeichen deutscher Macht und Größe bücken müssen. Als Festplatz war von der Gutsherrschaft der neue Park in hochherziger Weise zur Verfügung gestellt worden. Da unser Ort durch die Sonnenwendfeier eine starke Einquartierung bekommen hatte, so fand am Sonntag früh 6 Uhr das "große Wecken" statt.
    Um 9 Uhr traten die Turner und Turnerinnen zu Wettkämpfen an, wobei sich zeigte, daß unser junger Ortsverein schon gute Fortschritte gemacht hat. Nachmittags um 3 Uhr marschierte der imposante Festzug, bei dem 8 fremde Turnervereine und unser Landwehrverein mit Fahnen antraten, unter fliegendem Spiel zum Festplatz. Nach dem gemeinsamen Gesang "Wir treten an zum Beten" sprach Frl. Anna Stemmler laut und ausdrucksvoll den Festvorspruch. Hierauf begrüßte der Vereinsditwart [i], Turnbruder Weier, die Festversammlung. Er dankte der anwesenden Gutsherrschaft, Herrn und Frau Bothe, für die dem Verein gestiftete Fahne.
    Mit einer Mahnung an die Turner, ihren Vereinsbestrebungen treuzubleiben, schloß der Redner mit einem dreifachen "Gut Heil!" auf die deutschvölkischen Turner. Hierauf hielt der Gauobmann, Turnbruder Dombrowsky, die Fest- und Weiherede, die in ihrer ruhigen, schlichten und eindrucksvollen Art die Feststimmung auf die Höhe brachte. Nachdem auch noch der Bez.-Ditwart, Turnbruder Marquardt-Ahrensfelde über die Ziele der völkische Turnervereine: Rassenreinheit, Volksreinheit und Geistesfreiheit, gesprochen hatte, wurde von Frl. Minna Maute-Mehrow für die Jungfrauen des Ortes mit einem recht sinnigen Spruch ein Fahnenband überreicht. Hierauf erfolgte die Uebergabe dere Fahnennägel an den Täufling.
    Nach dem üblichen Festumzug zeigten die Heimischen, wie auch die fremden Turner ihre Leistungen in Freiübungen, am Reck und am Barren. Um 7 Uhr hatte der Festakt sein Ende erreicht und die Fahnen wurden abgebracht, worauf dann der übliche Tanz in beiden Festlokalen einsetzte. Auch diese Feier kann als wohlgelungen und recht stimmungsvoll bezeichnet werden, wofür dem Vereinsleiter, Turnbruder Schwarz, und seinen treuen Mitarbeitern der Dank des Vereins und des ganzen Dorfes gehört.


    Sonnabend, den 12. Juli 1924 (Nr. 162), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. Zur Sonnenwendfeier wäre noch zu ergänzen, daß zu dem Gelingen dieser Feier vorallem der Bezirksdietwart Trbdr. Marquardt "D. Tv. Felsing" Ahrensfelde, der die ganze Feier gestaltet und geleitet hatte, beigetragen hat. Er gedachte auch in kernigen Worten der gefallenen Helden und huldigte denselben durch Hineinwerfen eines Eichenkranzes in die heilige Glut. Seine völkische Begrüßung und Ermahnung zum Festhalten am deu Vaterlande im reinen uneigennützigen Gebaren, brachte manches Herz in Wallung. Auch hatten die Jugendabteilungen des Turnvereins "Felsing" Ahrensfelde durch ihre Darbietungen von Naturliedern (Abendliedern) und die Jungmannen dieses Vereins durch Aufsagen trefflicher Sprüche für deutsche Stimmung gesorgt. Die Milde und die Kraft hatten sich hier gepaart.


    Sonnabend, den 19. Juli 1924 (Nr. 168), Amtlicher Teil

    Personalnachweisung.
    Bestätigt: Der Lehrer Max Hilscher als Schöffe, der Landwirt Fritz Klus, der Landwirt Julius Bredereck als Schöffenstellvertreter der Landgemeinde Eiche.


    Sonnabend, den 19. Juli 1924 (Nr. 168), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Blumberg. Der hiesige Landbund-Reiterverein hielt auch in diesem Jahr wieder sein Reit- und Fahrturnier ab. Durch die freundliche Mitwirkung der benachbarten Reitervereine in Alt-Landsberg, Schwanebeck, Lindenberg und Bernau gelang es, das Fest ganz besonders auszugestalten. Nach um 2 Uhr ritten die Vereine unter Führung der Musikkapelle zum Festplatz hinaus. Die großen Erwartungen, mit denen man den einzelnen Wettkämpfen entgegensah, hatten eine große Schar Schaulustiger herausgelockt. Den Glanzpunkt des Tages bildete die Fridericus-Quadrille des Blumberger Reitervereins. Erinnerte sie uns doch an die einstige Größe und Macht unseres Vaterlandes. ...


    Donnerstag, den 31. Juli 1924 (Nr. 178), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Lindenberg. Eine Gedenkfeier für die im Weltkrieg gefallenen findet am kommenden Sonntag, vormittags 10 3/4 Uhr in der hiesigen Kirche statt. Nach dem Gottesdienst folgt noch eine kurze Feier am Kriegerdenkmal, die durch einige darzubringende Lieder des Gesangsvereins "Lyra" verschönt wird. Von seiten des Gemeindevorstandes erfolgt sodann eine Kranzniederlegung. Anschließend eine stille Andacht von 2 Minuten und allgemeiner Schlußgesang. Die gesamten Einwohner sind zu der Feier herzlichst eingeladen.


    Freitag, den 1. August 1924 (Nr. 179), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. Eine echte Heldengedächtnisfeier veranstaltet am kommenden Sonntag der "Stahlhelm" der gesamten Mark Brandenburg in unserm Orte, eine Feier, die sicher einen Riesenbesuch aufweisen wird. Viele Privatpersonen, meistens alte Frontoffiziere, sind gleichfalls eingeladen. Anschließend an die Feier findet ein kameradschaftliches Beisammensein statt. -
    Die Kontrolle ist sehr streng, und zur Teilnahme am Fest sind nur die mit schriftlicher Einladung versehenen Personen berechtigt. Wir werden über die Veranstaltung berichten.


    Sonnabend, den 2. August 1924 (Nr. 180), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Hönow. Daß man auch in unserm Ort sein Rad nicht unbeobachtet vor der Tür stehen lassen darf, beweist der Fahrraddiebstahl am letzten Mittwoch vor dem Gemeindebüro.


    Mittwoch, den 6. August 1924 (Nr. 183), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. Eine große nationale Kundgebung ist vorüber! Die Leitung des „Stahlhelm“ hatte auf Einladung des Rittergutsbesitzers v. [!] Bothe hin am Sonntag ihre Mannen nach dem idyllisch gelegenen Mehrow hinberufen. Hunderte und Aberhunderte von Frontkämpfern und Jungstahlhelmleuten waren dem Aufruf gefolgt. Der größte Teil der Mannschaften kam bereits Sonnabend abends an und bezog Scheunenquartier in Hönow und Trappenfelde.
    Am nächsten Morgen wurde in aller Frühe geweckt und nach Empfang von Kaffee und Verpflegung (Brot und Wurst) fand eine große Geländeübung zwischen Alt-Landsberg und Mehrow statt. Nach mehrstündigem Kampfe sammelten sich beide Parteien friedlich im Vorwerk Trappenfelde, und nun gings mit Musik nach Mehrow zurück, wo in einer großen, festlich hergerichteten Feldscheune Mittagessen eingenommen wurde. Es gab ein richtiges Soldatenfutter aus der Feldküche: Erbsen mit Fleisch. Während der Mahlzeit und hernach sorgte die 10 Mann starke Stahlhelmkapelle für unterhaltende Musik. Allmählich hatten sich noch viele eingeladene Gäste eingefunden, so daß die Feldscheune und der umliegende Park von Menschen überfüllt war.
    Um 3 1/2 Uhr etwa fand der Kernpunkt der Veranstaltung, der Feldgottesdienst, statt. Herr Pastor Ließ aus Tasdorf hielt die Predigt und legte seinen Worten den Bibelspruch aus Joh. 15, 13 zugrunde: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde.“ Mit dem gemeinsamen Gesange „Wir treten zum Beten“ und einem Gebet schloß die kurze ergreifende Feier. – Nun folgten ein paar Stunden geselligen Beisammenseins. Musik, Gesang und Spiele im Freien sorgten für die nötige Unterhaltung. Die Stimmung wurde immer lustiger, da auch für kühlenden Trank gesorgt war. Dabei wurde aber nicht vergessen, auf den Gastgeber Both[e] ein dreifaches „Front-Heil“ auszurufen. –
    Da platzte in all den fröhlichen Trubel plötzlich die Nachricht, daß die Kommunisten in Ahrensfelde mehrere Stahlhelmleute überfallen hätten. In einigen Minuten stand ein Lastauto mit etwa 20 [?] Frontkämpfern zur Abfahrt bereit, um den bedrängten Kameraden zu Hilfe zu eilen. In schneller Fahrt ging es nach Ahrensfelde; jedoch erwies sich ein Eingreifen nicht mehr als notwendig, da die Polizei bereits Ruhe gestiftet hatte. Also fuhr man wieder zu den anderen Kameraden zurück. – Gegen 7 Uhr begann der Abmarsch. Mit einem kräftigen „Front-Heil“ trennten sich die einzelnen Gruppen und fuhren oder marschierten ihrem Heimatorte zu.


    Donnerstag, den 7. August 1924 (Nr. 184), Amtlicher Teil, gekürzt

    Bekanntmachung.
    Auf Grund des §4 der von dem Herrn Regierungspräsidenten in Potsdam unterm 29. Juni 1921 erlassenen Polizeiverordnung, betr. die Körung der Ziegenböcke (Körordnung) , ..., setze ich hiermit für meinen Kreis folgende Körtermine fest:
    ...
    3. Körtag, Freitag, den 22. August 1924
    10. Körung: 11 Uhr vormittags in Hönow vor dem Gemeindebüro für die Gemeinde Hönow
    11. Körung: 12 Uhr mittags in Mehrow (Lokal Zielisch) für die Ortschaften Mehrow, Eiche und Blumberg
    12. Körung: 12.30 Uhr nachmittags in Ahrensfelde (vor dem Gemeindebüro) für die Gemeinde Ahrensfelde
    ...

    Donnerstag, den 7. August 1924 (Nr. 184), Amtlicher Teil

    Ahrensfelde. Von einem schweren Unfall wurde am Dienstag früh gegen 7 Uhr der 54jährige Landwirt Gruber aus unserer Gemeinde betroffen. Er wollte auf seinem mit Schafen beladenen Wagen zwischen den Stationen Ahrensfelde und Blumberg einen Uebergang kreuzen, wurde aber dabei von einem herannahenden Personenzug, dessen Warnungssignal der schwerhörige Mann wahrscheinlich nicht wahrgenommen hatte, angefahren. Der Wagen wurde eine Strecke weit mitgeschleift und umgerissen. Gruber wurde bei dem Anprall herausgeschleudert; er erlitt eine erhebliche Kopfwunde und eine schwere Beinverletzung. Nach Anlegung von Notverbänden wurde er nach seiner Wohnung gebracht. Die auf dem Wagen befindlichen Schafe, etwa sechs bis acht Stück, sind sämtlich getötet worden. Der Bahnübergang, auf dem der Unfall passierte, wird als sehr gefährlich und unübersichtliche Stelle geschildert, an der schon öfters Unfälle sich ereignet haben.


    Freitag, den 8. August 1924 (Nr. 185), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Ahrensfelde. Zu dem schweren Unfall des hiesigen Landwirts Gruber, über den wir gestern schon berichteten, wird uns von dem Sohn des Verunglückten mitgeteilt, daß sein Vater nicht schwerhörig ist und daß er auch nicht schlecht sehen kann. Der Verunglückte habe sich im Gegenteil vorher noch bemüht, eine Uebersicht über das Bahngleis zu gewinnen, woran aber die hohen Bäume hinderten. Der schwer zu Schaden gekommene Mann ist übrigens gleich nach Anlegung des Notverbandes in das Krankenhaus Bernau übergeführt worden, wo ihm infolge doppelten Schienenbein- und Wadenbruchs der Fuß abgenommen werden mußte. Dieser entsetzliche Unglücksfall hat wieder einmal gezeigt, wie dringend notwendig es ist, daß die Eisenbahn sämtliche Ueberführungen mit mehr Sicherheitsvorrichtungen ausstattet. Gerade an dieser Stelle sind nun, wie wir bereits erwähnten, nachgerade genug schwere Unfälle passiert.


    Dienstag, den 12. August 1924 (Nr. 188), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Hönow. Der hiesige Landwehrverein hielt am vergangenen Freitag abend auf der Dorfaue eine außerordentliche Versammlung ab, um zur Platzfrage für die Aufstellung des Denkmals an Ort und Stelle Stellung zu nehmen. Gegen 30 Kameraden hatten sich eingefunden ...


    Donnerstag, den 21. August 1924 (Nr. 196), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Ahrensfelde. Der hiesige Reiterverein hielt am vergangenen Sonntag sein allbekanntes und beliebtes Bauernrennen ab. Nicht nur der ganze Ort war auf den Beinen, sondern auch von nah und fern waren Schaulustige und Sportliebende in großer Zahl herbeigeeilt. So herrschte, wie immer an diesem Festtage, ein sehr reges Leben und Treiben im Ort wie auch auf der Rennbahn. Nicht ohne Befriedigung brauchten die Besucher die Rennbahn zu verlassen, gab es doch in den einzelnen Rennen recht heiße Kämpfe um den Siegerkranz zu schauen und wurden doch gute Zeiten erzielt. Das ist umso anerkennenswerter, als es sich um Pferde handelt, die nicht für den Rennsport, sondern für schwere Ackerarbeit gehalten werden. Imposant zu schauen war der übliche Festzug durch den Ort nach Beendigung der Rennen. Flotte Musikweisen begleiteten die stattliche Reiterschar, stolz voran die sieghaften Reiter und Pferde. Letztere mit dem Siegerkranz geschmückt. Des Festes zweiter Teil war der Gemütlichkeit gewidmet, und die ist, wie immer, zu ihrem vollen Recht gekommen, so daß auch die Mitglieder des Reitervereins mit Befriedigung auf das Fest zurückblicken können.


    Freitag, den 22. August 1924 (Nr. 197), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Alt-Landsberg, den 21. August. Die Kleinbahn-Erneuerungen sind jetzt fast völlig durchgeführt worden. Nachdem anfänglich nur das Dienstgebäude einen neuen Anstrich bekommen hatte, ist nunmehr auch der Lokomotiv-Schuppen auf gleiche Art erneuert worden und auch der Lagerschuppen geht seiner Vollendung entgegen ...

    Ein Typhusfall wird aus Buchholz, Kreis Oberbarnim, bekannt. Der Kranke wurde zwecks Weiterbehandlung dem hiesigen Kreiskrankenhause zugeführt.


    Sonntag, den 31. August 1924 (Nr. 205), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Lindenberg. Tödlich verunglückt ist am Freitag nachmittag der Bäckermeister Steeger von hier. St. war mit einer Kohlenladung zu einem anderen Besitzer unterwegs. Kurz vor der Schmiede scheute das Pferd plötzlich aus unaufgeklärter Ursache und ging mit dem Wagen durch. Dabei wurde Steeger heruntergeschleudert und zur Seite gedrückt, so daß der Wagen über ihn hinwegging. Dadurch wurden ihm beide Oberschenkel gebrochen; außerdem machten sich schwere innere Verletzungen bemerkbar. Schnell herbeigerufene ärztliche Hilfe war aber leider schon vergebens. Nach wenigen Stunden starb der Bedauernswerte an seinen schweren Verletzungen.


    Sonntag, den 31. August 1924 (Nr. 205), Beilage, gekürzt

    1. Beilage: Karte "Der Paket-Schnelldienst des Niederbarnimer Kreisblattes"
    [u.a. Blumberg-Mehrow-Hönow, nicht Ahrensfelde-Mehrow!]

    Stadtring
    Sachsenhausen - Friedrichsthal - Oranienburg-Eden - Germendorf - Borgsdorf - Birkenwerder - Bergfelde - Schönfließ - Schildow - Mühlenbeck - Summt - Zühlsdorf - Wensickendorf

    Nordring
    Sachsenhausen - Nassenheide - Teschendorf - Löwenberg - Liebenberg - Falkenthal - Neuholland - Liebenwalde - Hammer - Groß-Schönebeck - Klandorf - Zerpenschleuse - Marienwerder - Ruhlsdorf - Prenden - Lanke - Uetzdorf

    Mittelring
    Schmachtenhagen - Zehlendorf - Stolzenhagen - Klosterfelde - Basdorf - Schönwalde - Schönow - Bernau - Zepernick - Birkholz - Blumberg - Ahrensfelde - Falkenberg - Wartenberg - Malchow - Lindenberg - Schwanebeck - Buch - Schönerlinde
    Annahmestellen des Paket-Schnelldienstes:
  • Blumberg: Gustav Ebel, Gastwirt, Berliner Platz
  • Ahrensfelde: Theodor Jauert, Kaufmann, Dorfstr. 58
  • Lindenberg: Karl Korkow, Gastwirt, Dorfstr 29

    Südring
    Wandlitz - Bernau - Börnicke - Willmersdorf - Weesow - Werneuchen - Löhme - Seefeld - Krummensee - Alt-Landsberg - Bruchmühle - Eggersdorf - Petershagen - Fredersdorf - Tasdorf - Neu-Vogelsdorf - Alt-Vogelsdorf - Neuenhagen - Hönow - Mehrow
    Annahmestellen des Paket-Schnelldienstes:
  • Hönow: W. Schmidt, Kaufmann, Dorfstr. 16
  • Mehrow: Reinhold Roth, Filialleiter des Rittergutes Mehrow


  • Donnerstag, den 4. September 1924 (Nr. 208), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Ahrensfelde. Sportliche Wettkämpfe fanden am 2. September, einst dem deutschen Volke ein so wichtiger und bedeutungsvoller Tag, im Walde von Ahrensfelde statt. Die Schulen von Ahrensfelde, Eiche, Mehrow, Blumberg, Lindenberg, Schwanebeck, Birkholz, Seefeld, Löhme und Krummensee, zehn an der Zahl, hatten sich hier zum fröhlichen Wettkampf in Sprung, Lauf und Wurf zusammengefunden. Die Knaben, eingeteilt in Schüler über und unter 12 Jahre, taten mit großem Eifer ihr Bestes, so daß die Kampfrichter verschiedentlich erst nach wiederholter Uebung der Auserlesenen das Urteil fällen konnten. Die Mädchen konnten leider, der vorgerückten Zeit wegen, ihre Kräfte nur noch im Lauf messen. Ein stolzes Schmunzeln konnte man bei der Bekanntgabe der Sieger auf den Gesichtern derselben beobachten. Der Siegerpreis besteht in von der Regierung gestifteten Diplomen.
    Zur Unterhaltung sang die erste Klasse der Ahrensfelder Schule vier dreistimmige Lieder und die Mädchen derselben Klasse führten zum Schluß einen Reigen auf. Als ältester Lehrer der anwesenden Schulen hielt der Hauptlehrer Lehmann von Ahrensfelde eine kurze Ansprache, die mit einem Hoch auf das geknechtete, aber desto mehr geliebte Deutschland schloß, worauf das Deutschlandlied begeistert von allen gesungen wurde. Der anwesende Kreisschulinspektor, Herr Schulrat Hoppe, stattete den Dank ab an alle Mitwirkenden.
    Für das Gelingen dieser Veranstaltung hat sich besonders Herr Lehrer Marquardt von hier verdient gemacht, der auch die Leitung hatte. Die jungen Herzen, die einst Deutschlands Zukunft formen helfen sollen, traten zwar ermüdet, aber doch mit zufriedenem, fröhlichen Sinn um 2 Uhr den Heimweg an, die meisten sicher sich freuend auf das Zusammentreffen im nächsten Jahr.


    Sonntag, den 14. September 1924 (Nr. 217), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Blumberg. Die Gemeindevertretersitzung am 10. d. Mts. befaßte sich mit der Neuwahl des Gemeinde-Vorstehers. Von den 12 anwesenden Gemeindevertretern stimmten 6 für Herrn Gemeindesekretär Noack, 4 für Herrn Amtsvorsteher Weidelt, 2 gaben leere Zettel ab. Herr Noack ist somit zum Gemeinde-Vorsteher gewählt.


    Freitag, den 19. September 1924 (Nr. 221), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Lindenberg. Die Gemeindevertretung wählte in der Sitzung am 16. September Herrn Kirschbaum zum Gemeinde-Vertreter einstimmig wieder.


    Dienstag, den 23. September 1924 (Nr. 224), Amtlicher Teil, gekürzt

    Personalnachweisung.
    Bestätigt: ..., der Lehrer Gustav Weier als Schöffe der Landgemeinde Mehrow.


    Freitag, den 26. September 1924 (Nr. 227), Anzeigen, gekürzt

    Es hat Gott dem Herrn gefallen, heute morgen 3 1/2 Uhr nach langem, schweren, in Geduld ertragenen Leiden unsere herzensgute Mutter, Groß- und Urgroßmutter, die Altsitzerin Frau Auguste Lehmann geb. Seeger im 79. Lebensjahre zu sich zu rufen. ...
    Lindenberg, Schönow, Berlin-Weißensee, den 25. September 1924 ...


    Dienstag, den 30. September 1924 (Nr. 230), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Blumberg. Das Fest der goldenen Hochzeit begeht am morgigen Dienstag der Kossäte und jetzige Altsitzer Wilhelm Gatow [t] hierselbst mit seiner Ehefrau Johanna. Der Jubilar ist 75 Jahre, seine Jubelbraut 76 Jahre alt; beide sind gesund und munter. Herzliche Glückwünsche!


    Freitag, den 3. Oktober 1924 (Nr. 233), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Ahrensfelde. In der Gemeindevertretersitzung am 26. September 1924 waren alle Mitglieder bis auf G. Wegener und Köppe erschienen. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte der erste Schöffe den neu gewählten Gemeindevorsteher Herrn Landwirt Paul Hase. Es erfolgte dann die Verpflichtung des zweiten Schöffen Herrn P. Dornwirth (Soz.) durch den Gemeindevorsteher. Als nächster Punkt der Tagesordnung wurde die Mietung von Büroräumen für den neuen Herrn Gemeindevorsteher verhandelt. Dieser wurde ermächtigt, zu diesem Zwecke bei Herrn Gastwirt Dubick zwei Zimmer zu mieten.
    Im Verlauf der sich daran anschließenden Aussprache bezeichnete es Herr Dornwith (Soz.) als unverantwortlich, daß der bisherige Gemeindevorsteher Krüger die durch die Zusammenlegung des Gemeinde- und Amtsbüros freigewordenen Räume im Hause Dorfstr 49 s. Zt. dem Herrn Dr. Ebeling zur Verfügung gestellt hat. Herr Alfred Krüger als Mitglied der Wohnungskommission wies diesen Vorwurf als völlig grundlos ganz entschieden zurück. Er bemerkte, daß die Räume nach Verlegung des Gemeindebüros leer standen. Als selbständige Wohnung kamen sie nicht in Frage. Der einzige Reflektant außer Herrn Dr. E. war Herr Köppe, welcher damals gern die in seinem Hause wohnende Wittwe H. lossein wollte. Diesem Wunsche konnte natürlich nicht stattgegeben werden. Herr Dr. Ebeling aber, dessen Wohnung für einen Arzt völlig unzulänglich ist, hatte ein moralisches Recht auf Zuweisung der beiden Räume. Schließlich ist ja doch die ganze Gemeinde daran interessiert, einen tüchtigen Arzt im Dorfe zu haben und zu halten. ...


    Dienstag, den 7. Oktober 1924 (Nr. 236), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. Die Wahl eines Vorstehers für die hiesige Gemeinde fand am Freitag, den 3. Oktober d. J. durch die Schöffen und Gemeindevertreter, welche vollzählig zur Stelle waren, statt. Gewählt wurde einstimmig der bisherige Gemeindevorsteher, Herr Landwirt Ernst Meißner. Mit Rücksicht auf seinen vierwöchigen Kuraufenthalt in Bad Salzbrunn fand diese Wahl, die sonst im hiesigen Kreise bereits bis zum 10. September erledigt sein sollen, erst jetzt statt. Herr Meißner hat schon vor dem Kriege eine 9jährige Amtsperiode als Gemeindevorsteher hinter sich, mußte dann aber eines schweren und langwierigen Leidens wegen dieses Amt für einige Jahre niederlegen. 1920 wurde Herr Meißner wieder gewählt und er hat das Gemeindeschiff durch die gewaltige Papier- und Geldflut der Inflationszeit glücklich hindurchgeführt, so daß er das Vertrauen der Gemeinde in unbeschränktem Maße besitzt. Wir gratulieren ihm zu seiner Wiederwahl und wünschen ihm für sein Leiden schnelle und gründliche Besserung! Das Dorfparlament setzt sich nunmehr aus folgenden Herren zusammen: Gemeindevorsteher Herr E. Meißner, 1. Schöffe Herr Lehrer Weier, 2. Schöffe Herr Landwirt Wegener, dazu als Gemeindevertreter die Herren Thürlings [!], Brederecke, Zinn, Schwarz, Raetz, Lindemann, Glase, Mante. Allen ein herzliches Glückauf! für ihre Arbeit zum Wohle der Gemeinde!

    Mehrow. Die hiesigen Gutsarbeiter und Schnitter feierten am vergangenen Sonnabend, den 4. Oktober, nach der schweren und glücklich beendeten Erntearbeit im Gasthause Zielisch ein Erntefest unter sich. - Mit dem alten Brauch ist hier gebrochen.

    Mehrow. Ein Unglücksfall von unabsehbaren Folgen ereignete sich am letzten Mittwoch früh auf dem hiesigen Rittergut. Als die Gutsleute, meist Frauen, junge Leute und Schulkinder auf einem offenen Leiterwagen nach dem Vorwerk Trappenfelde zum Kartoffelroden gefahren wurden, brach an einer abschüssigen Stelle der Chaussee plötzlich der eine Leiterbaum und ziemlich die ganze Besatzung des Wagens stürzte rücklings und kopfüber zwischen die Räder des Wagens, wobei es nicht nur Nervenerschütterungen, Druck- und Stoßwunden am Körper, sondern auch tiefe Fleischwunden, Sehnenzerrungen und einen Beinbruch gab. Wenn es dem Kutscher nicht gelungen wäre, die Pferde so schnell zum Stehen zu bringen und die Räder vollends über den Menschenknäuel hinweg gegangen wären, dann hätte der Unfall unheilbare Folgen nach sich gezogen. Dieser Vorfall zeigt einmal wieder, daß es sehr unvorsichtig ist, eine größere Menschenmenge, besonders Kinder, auf einem Wagen mit Sprossenleitern zu transportieren, zumal dann, wenn letztere schon altersschwach und morsch sind.


    Donnerstag, den 9. Oktober 1924 (Nr. 238), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. Eine eindrucksvolle Hindenburgfeier beging am 1. Oktober der hiesige Turnverein, der den Namen dieses großen Deutschen trägt, im Anschluß an seine Oktoberversammlung im Lokal des Turnbruders Meißner. An einer mit Laubgewinden festlich geschmückten Staffelei war das Bild des 77jährigen Geburtstagskindes angebracht. Der Vereinsvorsitzende, Turnbruder Schwarz, eröffnete um 1/2 9 Uhr die Versammlung, begrüßte die Anwesenden und wies in kurzen, treffenden Worten auf die hohe Bedeutung der diesmaligen Monatsversammlung hin.
    Nach dem gemeinsamen Gesang eines Turnerliedes erteilte der Vorsitzende dem Vereinsditwart [i] das Wort zum Festvortrag. Derselbe knüpfte seine Ausführungen an das Wort an "Große Zeiten, große Männer" und entwickelte seinen Zuhörern ein Lebensbild des Nationalhelden Hindenburg. Im Augenblick, als die Glückwünsche für den Gefeierten in ein Hoch ausklangen, erstrahlte dessen Bild in farbenprächtiger Beleuchtung. Der Schriftwart, Turnb. Berndt, verlas nun ein Glückwunschschreiben an den großen Paten unseres Vereins, welches mit Begeisterung aufgenommen wurde.
    Nachdem noch mehrere geschäftliche Sachen erledigt und der Vorsitzende ernste, eindringliche Worte an die Vereinsmitglieder gerichtet hatte, blieb die Versammlung noch bis 11 Uhr in gemütlicher Fidelitas zusammen.

    Mehrow. Der hiesige Landwehrverein hält am kommenden Sonnabend, den 11. d. M, von abends 8 Uhr ab, seine Oktober-Versammlung bei Kamerad Raetz ab, auf welcher Kamerad Knauth seine Beobachtungen als Krieger in Mazedonien über dieses Land und sein Volk in einem Vortrage zu Gehör bringen wird. Es werden schon heute alle Kameraden auf diesen interessanten Abend hingewiesen, und sollten sich die Damen der Kameraden auch für diesen belehrenden Vortrag interessieren, so sind sie herzlichen willkommen. Allen Kameraden aber gilt der Weckruf: "Beginnt bei der jetzt einsetzenden kalten Jahreszeit nicht den Winterschlaf des Vereinslebens, sondern seid stets pünktlich und vollzählig zur Stelle!"

    Hönow. Aus Schweidnitz ist von der 2. Batterie 3. (Preuß.) Artl.-Regt. an die Gemeindeverwaltung folgendes Dankschreiben eingegangen: "Die Batterie erlaubt sich, der Gemeindeverwaltung den herzlichsten Dank für die in Hönow bei allen Teilen der Bevölkerung gefundene Gastfreundschaft auszusprechen. Die Batterie hofft, daß auch die Gemeinde stets gern an die Einquartierung 1924 zurückdenken wird."

    Hönow. Das letzte Fahrrad ist dem Ingenieur Neumann in der Nacht vom 5. zum 6. Oktober aus seinem verschlossenen Wohnhause entwendet worden. Vor nicht allzu langer Zeit sind ihm erst drei Fahrräder gestohlen. Die Diebe müssen mit den Örtlichkeiten genau Bescheid wissen.


    Freitag, den 10. Oktober 1924 (Nr. 239), Amtlicher Teil, gekürzt

    Personalnachweisung.
    Bestätigt: ..., der Landwirt Friedrich Kirschbaum als Gemeindevertreter der Gemeinde Hönow, ...


    Freitag, den 10. Oktober 1924 (Nr. 239), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Ahrensfelde. Diebstahl und Einbruchdiebstahl. Nachdem unser Ort längere Zeit hindurch von Dieben und Einbrechern, diesen unliebsamen Gästen, verschont blieb, sind jetzt in Kürze doch wieder zwei dieser unangenehmen Besuche vorgekommen. Einem Schulknaben vom hiesigen Bahnhof wurde sein Fahrrad entwendet, während er einen Augenblick in den Laden des Kaufmanns Jauert trat, um einige Besorgungen zu machen und das Rad währenddessen an der belebten Straße unbeachtet stehen ließ. Da durch die Polizei alle im Frage kommenden Straßen, auf denen der Dieb etwa nach Berlin zu entschlüpfen versuchen könnte, sofort unter Beobachtung genommen wurden, gelang es auch einem Bahnbediensteten an einem Bahnübergang zwischen Ahrensfelde und Marzahn den Dieb festzunehmen. In dem Augenblick, als sie beide einem in voller Fahrt heranbrausenden Auto ausweichen mußten, wich aber der Verhaftete gleich so stark nach der Seite, daß er nachher im Dunkel des Abends nicht mehr zu sehen war. Man hatte nun wohl das Rad wieder aber der Dieb - na, "es wäre so schön gewesen". - In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch besuchten Einbrecher das Wohnhaus des Landwirtes und Gemüsebauers R. Schmidt von hier. Die Gesellen stiegen in den Hauskeller und verschafften sich von hier aus auf ganz raffinierte Weise den Eingang in das gute Zimmer, von wo aus sie ein nagelneues Zweirad und einen neuen Herrenanzug, in welchem eine Brieftasche mit Inhalt und Militärpapiere steckte, mitgehen ließen. Nach Zurücklassung der diesen Besuchern eigenen Visitenkarten entfernten sie sich unbemerkt und werden wahrscheinlich auch dem Auge des Gesetzes durch die Lappen gehen, weil sie, wie festgestellt, auf Lappen gegangen sind. Die Einbrecher konnten so unbemerkt arbeiten, weil Herr Schmidt gerade in dieser Woche nach Berlin zur Halle gefahren ist und seine übrigen Familienangehörigen in einem Zimmer nach der Hofseite schliefen. Da mit Eintritt der langen und dunklen Winternächte eine Wiederholung derartiger Besuche zu befürchten ist, so wäre eine Wiederaufnahme der freiwilligen Ortswache durch die Ortsbewohner sehr angebracht.


    Dienstag, 14. Oktober 1924 (Nr. 242), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Blumberg. Die hiesige große Schneidemühle des Herrn Maurer- und Zimmermeisters Albert Weidelt, die im Frühjahr einem großen Brand zum Opfer fiel, ist jetzt wieder vollständig aufgebaut und neu in Betrieb genommen. Ein neuer Beweis deutscher Tatkraft! Wir verweisen auf das Inserat in der heutigen Nummer.


    Dienstag, 14. Oktober 1924 (Nr. 242), Anzeigen

    Der geehrten Kundschaft zur Nachricht, daß meine im Frühjahr abgebrannte Schneidemühle nebst Holzbearbeitungsfabrik vollständig wieder aufgebaut und in Betrieb ist.
    Albert Weidelt, Maurer- und Zimmermeister. Blumberg.


    Dienstag, den 28. Oktober 1924 (Nr. 254), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Alt-Landsberg, den 27. Oktober.
    ... Die hiesige Freiwillige Sanitätskolonne vom "Roten Kreuz" begeht, wie auch schon bereits mitgeteilt, am kommenden Sonnabend die Feier ihres 20jährigen Stiftungsfestes im Hotel Friedrichslust. ...

    ... Der Autounfall, der sich am Donnerstag abend ereignete, hat nun leider auch ein Todesopfer gefordert. Seinen inneren Verletzungen erlag am Sonnabend im hiesigen Kreiskrankenhause der in Berlin wohnhafte 30 Jahre alte Autoreparaturwerkmeister Richard Bauhof.

    Blumberg. Einer gerissenen Schwindlerin wurde von der hiesigen Landjägerei das Handwerk gelegt. Die Arbeiterin Gertrud Lubowski aus Berlin-Schöneberg ging hier von Haus zu Haus, um Spenden für die Waisen gefallener Krieger zu sammeln. Sie fügte einer amtlich zugelassenen Liste Einlagen bei, welche sorgfältig eingeklebt, dieser den Anschein eines zusammenhängenden Ganzen gab. Nach beendeter Tour wurden die Einlagen entfernt und erneuert, während die eingesammelten alten Beträge in ihre eigene Tasche wanderten. Sogar Behörden hatten sich täuschen lassen und der L. in der gefälschten Liste ihr Siegel beigedrückt. Es ist nur der Aufmerksamkeit eines Streif[en]beamten zu danken, daß diesem schändlichen Treiben endlich Einhalt geboten wurde. Um wieviel die armen Waisenkinder geschädigt sein mögen erhellt daraus, daß der Gaunerin bei ihrer Festnahme 63 R.-M. abgenommen werden konnten, was wahrscheinlich eine Tageseinnahme darstellt. Die Landjäger Abteilung in Blumberg bittet um Nachricht, falls die L. auch an anderen Orten aufgetreten ist. Die Gaunerin ist 37 Jahre alt und war besonders an einem hellblauen Tuchmantel mit breitem grauen Krimmebesatz erkenntlich. -
    Ein zweiter Schwindler entkam leider. Er trommelte die Leute des Dorfes in einer Gastwirtschaft zusammen, um sie zum Beitritt zu einem Verein aufzufordern, dessen Ziel es sei, dem alten Papiergeld wieder zu seinem ursprünglichen Werte zu verhelfen. Nachdem dieser tüchtige Geschäftsmann die Aufnahmebeträge von 10 Mark pro Person kassiert hatte, verschwand er und dürfte die ganze Angelegenheit für ihn hiermit erledigt sein. Die Bevölkerung sei auch vor diesem Manne gewarnt und veranlasse seine Festnahme.


    Freitag, den 31. Oktober 1924 (Nr. 257), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Blumberg. Ein tragisches Geschick ereilte den Lehrer Giesecke, der am 1. Oktober von hier nach Fichtenau bei Klein-Schönebeck versetzt worden war. Er hat aber dort seinen Dienst nur zwei Tage versehen können. Bald nach Dienstantritt meldete er sich krank und es machte sich seine Ueberführung nach dem Krankenhause notwendig. Dort mußte eine Operation vorgenommen werden. Jetzt ist die Nachricht eingetroffen, daß der Patient verstorben ist. Die Beerdigung fand auf dem Alten Jakobikirchhofe in Neukölln statt. Der Verstorbene stand im 46. Lebensjahre.


    Sonntag, den 2. November 1924 (Nr. 259), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Blumberg. Der Landwirtschaftliche Verein Blumberg und Umgegend hält am Donnerstag, den 13. November 1924, nachmittags 5 1/2 Uhr im Schwarzen Adler, hierselbst, seine Vereinssitzung ab. ...


    Mittwoch, den 5. November 1924 (Nr. 261), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Lindenberg.
    Die Scheune des Schwiegersohnes angezündet.
    Selbstmord des Brandstifters.
    Brandstiftung und Selbstmord verübte gestern nachmittag in einem Anfall geistiger Umnachtung der hier ansässige Karl Heinicke, der bei seinem Schwiegersohne in der Dorfstraße 77 wohnt. H., der als sehr leicht erregbarer Mensch bekannt war und der mit seiner Frau und mit seinen Kindern oft in Unfrieden lebte, hatte sich in unbewußten Anwandlungen schon verschiedentlich an seinen Angehörigen vergriffen, so daß er vor Jahresfrist in die Landesirrenanstalt Eberswalde eingeliefert werden mußte. Auf seine besonderen Bitten hin sahen sich die Angehörigen dann veranlaßt, ihn von dort wieder nach Hause zu holen.
    Der alte Zustand stellte sich jedoch bald wieder ein und man mußte im Kreise der Familie erneut eine Ueberführung in eine Anstalt erwägen. H. hatte nun gestern wieder seine Frau und seine Kinder mit dem Revolver bedroht, den er sich auf unerklärliche Art und Weise zu verschaffen gewußt hatte.
    Als dann die Frau um 2 Uhr nachmittags nach ihrem Manne sehen wollte, fand sie die Scheune des Schwiegersohnes in hellen Flammen stehend vor. Mit lauten Hilferufen stürzte sie in das Haus zurück, wurde aber, bevor sie dieses erreichen konnte, von dem Manne, der die Scheune in Brand gesetzt hatte, mit dem Revolver beschossen, ohne glücklicherweise getroffen zu werden [!]. Während sich die Leute, darunter auch die Angehörigen, mit dem Feuer beschäftigten, begab sich H. in seine Wohnung, schloß sich in sein Zimmer ein und richtete die Waffe gegen sich selbst. Als man nach dem lauten Knall des Schusses die Tür des Zimmers gewaltsam öffnete, fand man den Bedauernswerten in seinem Blute liegend tot vor. Er hatte sich eine Kugel durch den Kopf geschossen, die sofort den Tod herbeiführte. Die Scheune des Schwiegersohnes des H., des Kossäten Georg Hagert, brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder.
    Die hiesige Wehr war sofort nach der Meldung des Brandes zur Stelle, konnte jedoch zur Rettung der brennenden Scheune nichts mehr tun, sondern mußte sich darauf beschränken, die Nachbargebäude zu schützen. Auch die Nachbarwehren aus Wartenberg, Malchow, Karow und Falkenberg waren bald zur Stelle und konnten tatkräftig in die Abwehrarbeit mit eingreifen. Nach etwa einstündiger angestrengter Arbeit war man des verheerenden Elementes Herr geworden.

    Lindenberg. Ein noch glücklich verlaufenes Autounglück ereignete sich gestern vormittag vor dem Grundstück Dorfstraße 48. Ein Auto fuhr in den Chausseegraben und riß die Brücke, die das Gehöft mit der Chaussee verbindet, auf. Ein Mitfahrer flog aus dem Wagen heraus, aber ohne ernstlich Schaden zu nehmen. Das Auto wurde dann mit eigener Kraft aus dem Chausseegraben geholt und konnte seine Fahrt fortsetzen.


    Donnerstag, den 6. November 1924 (Nr. 262), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. Die hiesige freiwillige Ortswache, die über ein Jahr wirkungsvoll ausgeübt wurde, schlief im Sommer infolge von Interessenlosigkeit ein. Die raffinierten Einbruchsdiebstähle, die in mehreren der umliegenden Ortschaften in letzter Zeit vorgekommen sind, haben die Hausväter der hiesigen Gemeinde wieder auf den Damm gefordert und haben die alte freiwillige Ortswache wieder aufleben lassen. Leider muß noch bei mehreren Interessenten in dieser Sache ein sehr bedauerlicher Mangel an Gemeingeist festgestellt werden, da sie sich ohne Grund von der Wache ausgeschlossen haben, trotzdem sie auch Haus und Hof, Hab und Gut gegen Raub und Diebstahl zu schützen haben. Es sind nicht etwa Leute, die wegen hohen Alters den warmen Bettzipfel der weniger angenehmen Nachtwache vorziehen, sondern es sind junge, gesunde Männer, die aus reiner Bequemlichkeit sich von der allgemein als notwendig anerkannten Einrichtung ausgeschlossen haben. Lieb Vaterland, kannst ruhig sein! - Es mag ja auch der eine oder andere dieser Außenseiter das Bibelwort für sich als Entschuldigung gelten lassen: "Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen!" Wir wünschen diesen Schläfern angenehme Nachtruhe. Hoffentlich werden sie nicht durch diejenigen, deren nächtliche Besuche im Orte durchaus nicht angenehm sind, belehrt, daß es bei dem gemeinnützigen Unternehmen auch auf ihre Mitarbeit ankommt!


    Freitag, den 7. November 1924 (Nr. 263), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Ahrensfelde. Der Deutsche Turn-Verein "Felsing" hält am Donnerstag, den 15. November, abends 8 Uhr, im Vereinsheim W. Dubick ein Winterfest ab. ...

    Mehrow. Der hiesige Landwehrverein hielt am letzten Sonnabend bei Kamerad Meißner seine November-Versammlung ab. Der für diesen Abend angesetzte Vortrag "Das Verfassungswesen im deutschen Reiche" wurde von der Tagesordnung abgesetzt, weil der Landbund, Ortsgruppe Mehrow, zu der die meisten Landwehrkameraden gehören, an demselben Abend auch eine Besprechung abhielt. Die Vorbesprechungen über ein in Aussicht genommenes Wintervergnügen kamen dahin zusammen, daß dasselbe am 17. Januar n. Js. bei Kamerad Meißner stattfinden solle. Ferner wurde beschlossen, daß die säumigen Vereinsmitglieder fortan den Grund ihres Fernbleibens von der Versammlung dem Vorstand mitteilen sollen, andernfalls sie einen Monatsbeitrag als Strafe in die Vereinskasse zahlen.

    Blumberg. Eine durchaus ungewöhnliche Jagdbeute machten hier am gestrigen Mittwoch zwei Jägersleute. Sie hatten sich einen vor ihnen aufgehenden Hasen als Ziel ausgesucht, legten an, gaben Feuer und - o Graus -, anstatt Meister Lampe zu treffen, schossen sie einem Pferd, das gerade auf dem Felde einen Pflug zog, in die Beine. Das Tier stürzte natürlich sofort zu Boden und mußte abgestochen werden. Den "freudigen" Schreck, den die Jäger bekamen, als sie statt der kleinen Beute in Gestalt des Hasen ein Pferd zur Strecke brachten, kann man sich denken. Sie werden an dem Schadenersatz ziemlich lange zu knabbern haben. ...


    Mittwoch, den 12. November 1924 (Nr. 267), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Blumberg. Der Jagdunfall, von dem wir in Nr. 263 uns Blattes berichteten, hat sich nach eingehender Erkundigung doch wesentlich anders abgespielt, als wir ursprünglich mitteilten. Zunächst hat es sich nicht auf der hiesigen Feldmark, sondern bei Ahrensfelde zugetragen. Der bewußte Hase lief auch nicht in Richtung auf das pflügende Gespann. Vielmehr scheute das Pferd bei dem Knall und geriet dabei in den Pflug. Hierbei schnitt es sich die Sehnen an den Beinen durch und mußte infolgedessen getötet werden. Die Sache entbehrt also durchaus des humoristischen Beigeschmacks, den man ihr nach der ersten Schilderung abgewinnen konnte.


    Sonnabend, den 15. November 1924 (Nr. 270), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Blumberg. Die Einweihung des Denkmals soll nunmehr am kommenden Sonntag vor sich gehen, nachdem bereits im September d. Js. die Grundsteinlegung stattgefunden hat. An der Aufbringung der Kosten beteiligten sich sämtliche kreise der Bevölkerung, ohne Unterschied des Standes oder der politischen Parteistellung. Ein Zeichen, daß der Gemeinschaftssinn und der innere Kontakt in unserer Gemeinde durchaus vorhanden sind. Ein ganz besonderes Verdienst gebührt dem Vorstande des Kriegervereins, Herrn Aug. Keisdorf, welcher sich seit Jahren in vorbildlicher Weise um das Zustandekommen dieser guten Sache bemühte. ...


    Mittwoch, den 19. November 1924 (Nr. 273), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Blumberg. Die Einweihung des Kriegerdenkmals fand am Sonntag unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung und der am Orte bestehenden Vereine statt. Selbst Graf v. Arnim hatte es sich nicht nehmen lassen, eigens zu diesem Zwecke nach Blumberg zu kommen. Nachdem die Vereine in geschlossenem Zuge mit Musik angerückt waren und am Denkmal Aufstellung genommen hatten, eröffnete ein gut geführter mehrstimmiger Kinderchor die würdevolle Feier.
    Zwei Prologe wurden von Frl. Frieda Ebel und Lieschen Keisdorf gesprochen. Die Gesangvereine "Sangeslust" und "Hoffnung" gaben ihr Bestes, um den durch Herrn Pfarrer Ramin geleiteten Festgottesdienst zu unterstützen. Der Gemeindevorsteher Herr Richard Noack hielt die Weiherede, während das Denkmal von den umhüllenden Plänen [!] frei wurde. Auf mächtigem Unterbau, der mit Findlingen umgeben ist, erhebt sich eine von grauen Granitblöcken eingefaßte Pyramide.
    Zwei Granittafeln bewahren die Namen von 54 Helden, während das eiserne Kreuz aus gleichem Stein auf einem aus Tafeln und Blöcken bestehenden Kopfstück dem Ganzen einen ernsten Abschluß gibt. Nachdem Herr August Keisdorf als Sprecher des Denkmalsausschusses das Denkmal der Gemeinde übergeben hatte, wurden zahlreiche Kränze, u. a. auch von Herrn Grafen v. Arnim, an dem Ehrenmal niedergelegt. Mit dem gemeinschaftlich gesungenen Niederländischen Dankgebet schloß die Feier, die eine erhabene Ehrung für unsere Gefallenen darstellte. Graf v. Arnim richtete einige markante Worte an den Kriegerverein und ließ diesen auf Wunsch auch noch vorbeidefilieren.
    Der reizend gewählte Platz des Denkmals auf dem Friedhofe neben der 700 Jahre alten Kirche war liebevoll geschmückt. Besonderer Dank hierfür gebührt den Herren Gärtnern Fischer und Steinfurt. - "Fridericus Rex", den der Kriegerverein um 6 Uhr abends im Film vorführte, sah, wie immer, ein ausverkauftes Haus.

    Lindenberg. Ein frecher Einbruchsdiebstahl ist hier in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in der Wartenberger Straße 4 bei dem Rohrleger Hermann Habermann verübt worden. Die Familie, Herr Habermann, Frau, Sohn und eine Schwester weilten auf einem Ball, welchen der hiesige Arbeiterverein veranstaltet hatte. Als das Konzert um 11 Uhr beendet war, begaben sich der Sohn und die Schwester nach Hause. Eine zerschlagene Fensterscheibe deutete auf einen Einbruch hin. Der Sohn holte seinen Vater und einige handfeste Männer aus dem Lokal zu Hilfe: der Dieb hatte jedoch schon das Weite gesucht. Es wurde festgestellt, daß eine goldene Damenuhr mit Kette, ein Gummimantel, je ein Paar neuer Herren- und Damenstiefel und ein Paar Ledergamaschen fehlten. Die Wäsche und die Betten waren umgewühlt und lagen in der Wohnung verstreut. Außer 5 Mark ist dem Einbrecher kein Bargeld in die Hände gefallen. Von dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur.


    Freitag, den 21. November 1924 (Nr. 274), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Ahrensfelde. Auf zum Turnerfest! lautete am Sonnabend die Parole. Der Deutsche Turnverein "Felsing" hatte alle Gönner und Freunde zu seinem Winterfeste eingeladen. Der gefüllte Saal zeugte von dem Interesse, das die Einwohnerschaft an der körperlichen Ausbildung ihrer Jugend hat. Der Festabend wurde mit dem Fahneneinmarsch eröffnet. Kräftige Jünglingsgestalten führten die Vereinsfahne unter den Klängen des "Fridericus Rex" ein. Sodann zeigten in bunter Abwechslung die Männer, Jungmannen, Schüler und Schülerinnen ihre turnerischen Künste. Schöne Walzermelodien begleiteten die strammen Uebungen der Männerabteilung am Barren und Reck, die gut zu gefallen wußten. Reichen Beifall erntete die Schülerabteilung mit ihren Freiübungen, sowie die Schülerinnen mit einem Fahnenreigen unter der Leitung des Turnvaters Willi Jauert. Ein kurzer Einakter "Der Mann seiner Frau" gab dem Festabend sein Ende. Das flottgespielte Stück erregte bei den Zuschauern großen Lacherfolg. Dann spielte die Kapelle Liebisch, Bernau, den Festteilnehmern zum frohen Tanze auf. Hoffentlich hat die Veranstaltung dazu beigetragen, dem Verein Gönner und Freunde zuzuführen; denn unser bedrängtes Vaterland braucht zielbewußte, körperlich sowie geistig gestählte Männer.


    Sonntag, den 23. November 1924 (Nr. 276) , Aus dem Kreise Niederbarnim

    Mehrow. Ein sehr frecher und gemeiner Einbruchdiebstahl wurde trotz Wache in der sehr dunklen Nacht vom Bußtag zum darauffolgenden Tage auf dem hiesigen Rittergut ausgeführt, indem Verbrecher ein großes Loch in die Steinwand des Schweinestalles auf dem Müllerschen Gehöft meißelten und dort zwei ausgewachsene Zuchtsauen abschlachteten und mitnahmen. - Aus demselben Stall wurden vor 1 1/2 Jahren dem jetzigen Gutsgärtner, Herrn Villbrandt, auch zwei Schweine von je 2 Zentner gestohlen; nur gingen die Diebe damals durch die verschlossene Tür, während sie diesmal die Wand erbrachen.
    Die Spur der Diebe wurde jetzt sogleich nach Bekanntwerden des Verbrechens von den zuständigen Landjägern aufgenommen und bis auf die Eicher Feldmark verfolgt, wo man auch einen Teil des Schweinefleisches in einem Haufen Kartoffelkraut versteckt fand. Landjäger Hennig-Eiche und Förster Kunze-Mehrow legten sich am Abend in der Nähe der Fundstelle auf die Lauer.
    Die Verbrecher, die wohl den Wunsch hatten, auch den Rest des so schönen und billigen Schweinefleisches rechtzeitig in ihren Gewahrsam zu bringen, ließen nicht lange auf sich warten. Doch "Zwischen Lipp und Kelches Rand schwebt des Schicksals dunkle Hand." Gerade als einer der Diebe herantreten und "sein Eigentum" einladen wollte, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht und die Mündung eines Armeerevolvers war auf ihn gerichtet. "Ach wie ist's möglich dann usw." dachte Herr Hennig. Leider kam der zweite Strolch, der sich in respektvoller Entfernung gehalten hatte, trotz mehrerer Schüsse des Herrn Kunze in der Dunkelheit fort.
    Der Gefaßte ist, wie üblich, von dem Entwichenen, den er nicht kennt, verführt worden und bei dem Diebstahl selbst nicht dabei gewesen. Trotzdem fand er als erster mit tadelloser Sicherheit das versteckte Fleisch. Er soll jedoch der Polizei schon als Mitglied einer ihr wohlbekannten Sippe in den Akten stehen. Hoffentlich gelingt es der Polizei auch, die Helfershelfer dieses Banditen bald zu fassen.
    Die ganze Ausführung dieses Verbrechens deutet in ihrer auffallenden Aehnlichkeit mit den hier schon mehrfach vorgekommenen Schweinediebstählen darauf hin, daß man es mit denselben Spezialisten auf diesem Gebiet zu tun hat und daß Individien [!] dabei sind, die ganz genaue Ortskenntnis besitzen. Um so größer ist jetzt die Freude im Orte, daß man dieser Schweinemarder endlich habhaft geworden ist, und sie für einige Zeit sicher hinter Schloß und Riegel weiß.
    Was sagen nun die Vertrauensseligen im Orte, die eine Wache nicht mehr für nötig hielten und schon wieder im Zeitalter der absoluten nächtlichen Sicherheit zu leben glaubten? Hoffentlich wird nun der Brunnen zugedeckt, nachdem das Kind hineingefallen ist.


    Sonntag, den 7. Dezember 1924 (Nr. 288), Amtlicher Teil, gekürzt

    Personalnachweisung.
    Bestätigt: ... der Landwirt Georg Kirschbaum als Gemeindevorsteher der Landgemeinde Lindenberg.


    Sonntag, den 7. Dezember 1924 (Nr. 288), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Blumberg. Der Landwirtschaftliche Verein Blumberg und Umgegend hielt ... seine Versammlung ab. ...


    Freitag, den 19. Dezember 1924 (Nr. 298), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Blumberg. Ein Weihnachtskrippenspiel, ein altdeutsches Christgeburtspiel wurde am letzten Sonntag, abends um 8 Uhr in der hiesigen Kirche aufgeführt. Darsteller waren 28 Mitglieder der Pankower Jugendbewegung, die vielseitig vertreten war durch stattliche Gestalten, auch mancherlei Mittelgrößen und einigen noch Jüngeren, sowie einer Reihe Mädchen mit heller Stimme. Auf dem freien Platz unter der Kanzel, in der Mitte der Kirche, wo der 12 Meter lange Altarraum in das Kirchenschiff übergeht, entwickelten sich die vielen anschaulichen Bilder: ...
    Zwischendurch klangen auch öfter kraftvoll Orgel und Gemeindelied bei schnell aufstrahlendem Licht der elektrischen Kronen, um alsbald dem Kerzenglanz von Bethlehem zu weichen, der in der wieder verdunkelten Kirche von unsichtbar aufgestellten Lichtreihen auf die wuchtigen Gewölbe fiel. Der Blumberger Reiterverein mit Herrn Töpffer an der Spitze hatte im Sommer die Aufführung von Schillers Wallenstein zu Berlin-Pankow durch sein Erscheinen mit Mann und Roß verschönt. Jetzt ernteten wir im Krippenspiel den Dank der lieben fleißigen Pankower Jugend. Die 50 Pf. Eintritt zur Deckung der Unkosten werden niemand zu teuer gewesen sein, sonst wären nicht zum Schluß noch Gaben gespendet [worden] für Arme und Alte in Berlin-Pankow, die diese brave Jugend ihnen zum Fest bescheren möchte. - Hoffentlich gelingt ihr auch zu eigener Freude ihr Christspiel am 4. Advent, 21.12.24, in der Hoffnungskirche in Pankow.


    Sonntag, den 28. Dezember 1924 (Nr. 304), Aus dem Kreise Niederbarnim

    Lindenberg. Einen tödlichen Motorradunfall erlitt am ersten Feiertag der Kaufmann Bruno Stege aus Lichtenberg. Er fuhr mit einem geliehenen Motorrad von Buch nach Lindenberg. Auf dem Rücksitz des Rades hatte eine Mitfahrerin Platz genommen. Kurz vor Lindenberg stieß das Rad gegen eine Bordschwelle. Stege und seine Begleiterin wurden auf die Straße geschleudert und mußten schwer verletzt in das Genesungsheim Buch gebracht werden. Dort ist Stege kurze Zeit darauf gestorben. An dem Aufkommen seiner Begleiterin, deren Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte, wird gezweifelt.


    Dienstag, den 30. Dezember 1924 (Nr. 305), Aus dem Kreise Niederbarnim, gekürzt

    Ahrensfelde. Die hiesigen Armen und Bedürftigen sind von unserer Gemeinde zum Weihnachtsfeste ebenfalls reich bedacht worden. Auch der Frauenhilfsverein hat sich der Armen in herzlicher Weise angenommen. Es wurde den Bedürftigen alles mögliche für den täglichen Bedarf geschenkt. Von der Gemeinde hatte es sich Gemeindevertreter Döring angelegen sein lassen, die zur Verfügung stehenden Waren nach der Bedürftigkeit zu verteilen, währen die Geschenke des Frauenhilfsvereins durch Frau Pastor Benicke zur Verteilung gelangten. ...


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