Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1925 (72. Jahrgang),
gefunden im Zeitungsarchiv der Staatsbibliothek (Westhafen)



Niederbarnimer Kreisblatt, 24. Januar 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Die vereinigten kirchlichen Körperschaften und der Schulvorstand hatten sich am Donnerstag abend zu einer gemeinschaftlichen Sitzung versammelt, um über die Anrechnungswerte und die Neufestsetzung der Stellenzulage (Organistengehalt) bei der hiesigen Lehrerstelle Beschluß zu fassen. Infolge der besseren Einsicht und dank dem Entgegenkommen der versammelten Körperschaften ist es nun endlich doch gelungen, diese seit Jahren viel umstrittene Angelegenheit zu einem für beide Teile befriedigenden Abschluß zu bringen, so daß der Inhaber des Amtes nun auch hoffentlich bald in den Genuß seines noch rückständigen Gehaltes kommt.

Eiche. Schweinediebstahl. Nachdem die Mitglieder der Spezialzunft der Schweinediebe in den umliegenden Ortschaften der Reihe nach sich ihre Opfer geholt hatten, statteten sie in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag dieser Woche dem hiesigen Bauerngutsbesitzer Paul Lindemann auch wieder einmal einen Besuch ab; sie brachen in dessen verschlossenen Schweinestall ein, schlachteten an Ort und Stelle ein etwa 4 Zentner schweres Schwein ab und nahmen es mit. Immerhin muß man dieser Gruppe des gefürchteten Raubgesindels auch eine gewisse Genügsamkeit nachrühmen, weil sie von beiden gleich schweren Schweinen nur eins mitnahmen und dem Herrn Lindemann auch noch eins zum Schlachten zurückließen. Die ganze Ausführung des Diebstahls zeigt wieder deutlich, daß Leute dabei waren, die mit der Oertlichkeit auf dem Grundstücke genau vertraut waren, und daß die Gesellen auch mit schweren Einbruchswerkzeugen versehen waren. Die Spur, die auf dem hartgefrorenen Erdboden schwer zu verfolgen war, führte in die Richtung nach Hohenschönhausen. Leider wird es wohl diesmal nicht gelingen, die Diebe zu fassen, wie vor einigen Wochen jene, die auf dem benachbarten Rittergut Mehrow zwei Zuchtsäue abgeschlachtet und das Fleisch auf unserer Feldmark versteckt hatten.


Niederbarnimer Kreisblatt, 11. Februar 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow-Ahrensfelde. Maskenball bei Bolle-Meißner war die Parole am letzten Sonnabend, denn der hiesige Frauenverein beging in dieser Form sein diesjähriges Wintervergnügen. Daß der Ruf nicht unbeachtet verhallt war, bewies der gute Besuch. Mehr als 30 Typen- und Phantasiekostüme belebten das Parkett des Festsaales. Warum sollten wir uns in unsern bescheidenen Verhältnissen nicht auch mal ein Vergnügen gönnen, das im allgemeinen nur für die Weltstadt bestimmt ist ? Bewiesen doch die Teilnehmer, daß sie es sehr gut verstehen, sich ihren Kostümen in ihren Bewegungen, Scherzen usw. anzupassen. Ein Gaudium für die Zuschauer! Auch hier brachte die Demaskierung manche Ueberraschung und trug wesentlich zu der gehobenen Stimmung bei. Dem jetzt einsetzenden Tanz wurde sehr flott zugesprochen, so daß oft ein beängstigendes Gedränge entstand. Trotzdem haben sich aber alle wie "Bolle" bei Bolle-Meißner amüsiert.


Niederbarnimer Kreisblatt, 10. Mai 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Der Reiterverein Ahrensfelde und Umgebung hat in der letzten Sitzung beschlossen, seine Standartenweihe am Sonntag, den 14. Juni zu vollziehen.


Niederbarnimer Kreisblatt, 24. Mai 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Der hiesige Reiterverein hält, wie im Inserententeil veröffentlicht, am Sonntag, den 14. Juni seine Standartenweihe ab. Das Fest des bereits 1901 gegründeten Vereins verspricht unter Mitwirkung verschiedener auswärtiger Vereine eine würdige nationale Feier zu werden, bei der der alte deutsche Reitergeist unter den Farben Schwarz-Weiß wieder nach außen in Erscheinung treten wird.


Niederbarnimer Kreisblatt, 29. Mai 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Der deutsche Turnverein "Hindenburg" in Mehrow veranstaltet am 2. Pfingstfeiertag von nachmittags 2 Uhr an das Fest seines zweijährigen Bestehens, verbunden mit einem Vereinswettkampf und einem Waldlauf von 5 km. [Die] fremden und einheimischen Vereine, die sich an dem Umzug beteiligen, treten um 2 Uhr mit Fahnen vor dem Vereinslokal an. Während der turnerischen Vorführungen im alten Gutspark findet "unter den Linden" des Turnbruders Gastwirt Meißner ein Gartenkonzert statt. Alle Mitbürger von Mehrow und alle sonst gut deutsch gesinnten Freunde des edlen Turnsports sind zu der Feier herzlichst eingeladen. Wenn der Wettergott gnädig ist, verspricht das geplante Fest bei all den in Aussicht genommenen Volksbelustigungen und interessanten Ueberraschungen ein recht deutsches Volksfest zu werden.


Niederbarnimer Kreisblatt, 5. Juni 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Das Stiftungsfest unseres Turnvereines nahm am 2. Pfingstfeiertag bei schönstem Wetter einen glänzenden Verlauf. Schon am Vormittag hatten die drei Vereine von Ahrensfelde, Blumberg und Mehrow unter sich ein Wetturnen, welches staunenswerte Leistungen zeitigte. Besonders lobend muß anerkannt werden, daß sich unser junger Verein in dieser Beziehung seinen Brudervereinen aus den Nachbarorten ebenbürtig an die Seite stellen kann.
Nachmittags um 2,30 Uhr fand unter den Klängen alter preußischer Armeemärsche ein Umzug durch das Dorf statt, an welchem sich außer den drei Turnvereinen auch der hiesige Landwehrverein und die zufällig anwesende Ortsgruppe vom Sportverein Olympia und vom Stahlhelm Friedrichsfelde beteiligten und der somit einen ansehnlichen Festzug darstellte. Nach dem Einmarsch der Vereine auf dem Festplatz fand unter grünen Linden und riesigen [?] Kastanienbäumen eine echt deutsche Volksfeier statt.
Zunächst begrüßte der Vorsitzende vom Ortsverein, Turnbr. Schwarz, die Vereine und Gäste, wies dann auf die Bedeutung des Festes hin und ermahnte alle Anwesenden, sich der Zeit entsprechend bei dem Feste zu bewegen. Er schloß mit einem dreifachen Gut Heil! auf die deutsche Turnerei.
Darauf sprach Turnbr. Georg Meißner von hier laut und ausdrucksvoll den Wahrspruch: Hoch die edle Turnerei! an welchem sich als gemeinsamer Gesang das Turnerlied "Hast Du dem Lied der alten Eichen" anschloß. In seiner Festrede wies der Vereinsditwart einleitend darauf hin, daß sich die Festversammlung auf altem deutschgeweihtem Boden befindet, nämlich dort, wo die Mehrower seit undenklichen Zeiten ihre Sommer-Volksfeste gefeiert haben. Dann zeigte er die Beziehung unseres Vereins zum jetzigen Reichspräsidenten Hindenburg und die sich aus dieser Namensverwandtschaft ergebenden Forderungen für den Verein.
An das Turngelübte der anwesenden Turner fürs deutsche Volk und Vaterland schloß sich als gemeinsamer Gesang das Deutschlandlied an. Um 6 Uhr nachmittags fand der 5-Kilometer-Waldlauf statt, zu welchem aus jedem Verein die Kanonen vorgeschickt wurden. Den 1. Preis gewann hierbei der Turnbr. Alfred Strewe vom Ortsverein, der die genannte Strecke in 19,6 Minuten durchsauste.
Während des Gartenkonzertes fanden allerlei Volksbelustigungen statt, Preisschießen usw. In einer großartigen Lotterie soll Fontuna auch manch einem ihre Hand gereicht haben. Es soll sogar eine recht respektable Schlackwurst gewonnen und von dem Glücklichen in selbstloser Weise gleich an die Scheelsüchtigen geopfert worden sein. Viele Glücksritter nach einer Staatskarosse, nach Auto oder Motorpflug behaupten, es seien auch Nieten unter den Losen gewesen. -
Einen recht würdigen Abschluß des offiziellen Festaktes bildete eine Turnergruppe mit der Germania (Darstellerin Frida Wegener) in ihrem Vordergrund, welche, farbig beleuchtet, ein wunderbar wirkendes Bild bot. Der um 8 Uhr abends einsetzende Ball zeigte in seinem ganzen Verlauf eine erdrückende Fülle von Tanzlustigen. Es brauchte niemend zu schieben, man wurde eben geschoben. -
Rückblickend kann man sagen, daß das Fest in seiner Anlage, wie auch in seiner Durchführung als recht gelungen bezeichnet werden kann. Möge es allen Teilnehmern noch recht lange als echt deutsches Volksfest in angenehmer Erinnerung bleiben. Für die unermüdliche Tätigkeit für die Veranstaltung und die Durchführung des Festes gebührt in erster Linie dem Vereinsleiter, Herrn Schwarz, sodann aber auch allen seinen willigen Mitarbeitern aus dem Verein der Dank der Turnbrüder und der Bewohner von Mehrow, soweit sie unser Fest besucht haben. Recht angenehm werden unsere Gutsangerhörigen es empfunden haben, daß sie von der Gutsverwaltung die Genehmigung bekamen, mit Rücksicht auf das Turnerfest auch noch einen dritten Pfingsttag feiern zu dürfen.


Niederbarnimer Kreisblatt, 19. Juni 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Der weit über seine engere Umgebung hinaus bekannte Reiterverein feierte am letzten Sonntag seine Standartenweihe. Schon einige Wochen vorher konnte man als stiller Beobachter feststellen, daß die Reiterei von Ahrensfelde etwas Großes vor hatte. Wöchentlich ein- und zweimal ritt der bewährte Rittmeister des Vereins mit seiner Schar hinaus in den Wald, um seine Reitersleute und auch die Pferde auf dieses Fest vorzubereiten. Mit aller Energie wurde hier den alten, ganz besonders aber den jungen Mitgliedern die Reitkunst einexerziert.
Ganz besonders in der letzten Woche entwickelten die aktiven und passiven Mitglieder, sowie die Damen und Jungfrauen des Vereins eine emsige Tätigkeit. Galt es doch, am 14. zu zeigen, daß der Reiterverein von Ahrensfelde auf jedem Gebiete auf der Höhe ist. Die Mühe war nicht vergebens, glänzend der Erfolg. Früh schon am vergangenen Sonntag glänzte der an und für sich schon saubere Ort im Festschmuck. Die Jugend hatte die Dorfkirche mit zahlreichen Girlanden geschmückt.
Um 2 Uhr begann der Anmarsch der auswärtigen Reitervereine. Auch die Mitglieder des Krieger-, Gesang-, Turn-, Radfahrer- und Gemüsezüchter-Vereins hatten sich im Lokal von W. Dubick versammelt, um bei der Taufe der neuen Standarte Pate zu stehen.
Mit klingendem Spiel marschierte die stattliche Teilnehmerzahl unter Vorantritt der Ehrenjungfrauen zum Festplatz.
Bevor der eigentliche Festakt begann, legte Kam. B. Wegener im Namen des Reitervereins einen prachtvollen Kranz zu Ehren der gefallenen Kameraden am Denkmal nieder. Mit kurzen Worten begrüßte der 1. Vorsitzende, Kam. W. Hase, die erschienenen Gäste und Nachbarvereine. Frl. H. Albrecht trug den Festprolog vor. Hierauf ergriff Herr Direktor Evers vom Landbund Niederbarnim das Wort zur Fest- und Weiherede. In kernigen Worten erläuterte er die Ziele der Niederbarnimer Landbundreiterei. Dem Wohle des Vaterlandes zu dienen, die alten Ueberlieferungen der brandenburgisch-preußischen Reiterei zu pflegen und mit Hilfe des Reitsports den Körper zu stählen, das seien die höchsten Ziele der Reitervereine, aber auch in wirtschaftlicher Beziehung hätten sie einen großen Zweck zu erfüllen. In ernster Ermahnung zur Treue und Reinheit vollzog er die Weihe der Standarte und schloß nach Uebergabe derselben an den Standartenträger, Kam. K. Schmöker, seine mit Begeisterung aufgenommene Rede mit den Worten: "Wohl auf Kameraden aufs Pferd".
Eine von den Ehrendamen gestiftete Standartenschleife wurde durch Frl. Ella Lehmann überreicht. Die Vertreter der geladenen Vereine brachten ihre Glückwünsche dar. Hierauf formierte sich die Reiterei zum Parademarsch. Es waren beinahe hundert Reiter, welche in zweimaligem Vorbeimarsch, im Schritt und im Trab, den Parademarsch ausführten.
Ein Festzug durch den Ort beschloß den offiziellen Teil. In beiden Sälen war abends den Tanzlustigen Gelegenheit gegeben, das Tanzbein zu schwingen. Manch "Reiterlikör" wurde getrunken und manches Hoch auf den Reitsport ausgebracht. Als die Feier zu Ende ging, war der frische, fröhliche Geist, welcher von Beginn an das Fest beseelte, durch nichts gestört. So kann der Reiterverein von Ahrensfelde mit Genugtuung auf das Fest seiner Standartenweihe zurück blicken.


Niederbarnimer Kreisblatt, 1. Juli 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Nach der letzten Volks-, Berufs- und Betriebszählung hat unser Ort 27 Wohnhäuser; in diesen wohnen ... Familien mit 404 Personen. 2 Gasthäuser und 2 Lebensmittelgeschäfte sorgen für das leibliche Wohl der Bewohner, die bis auf geringe Ausnahmen sämtlich in der Landwirtschaft tätig sind.


Niederbarnimer Kreisblatt, 26. Juli 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Der Reiterverein hat, nachdem die Roggenfelder anfangen sich zu lichten und das Feld so für den Rennsport frei sein wird, seinen Renntag auf Sonntag, den 9. August nachm. 3 Uhr, festgesetzt. Der Verein, welcher bereits auf ein 24jähriges Bestehen zurückblicken kann, ist auch in diesem Jahr wieder dem Wunsch der Gäste nachgekommen und hat von einem Schulreiten usw. an dem betreffenden Tage Abstand genommen, es wird daher ein wirklich spannender Sport in Galopp- und Hindernisrennen gelaufen werden. Außerdem kommen auch wieder einige Trabfahrten zum Ausgleich. Im übrigen verfügt der Verein in letzter Zeit über einen bedeutenden Zuwachs von gutem Pferdematerial, welches nach der letzten Zusammenstellung recht interessante Kämpfe erwarten läßt. Daher auf am Sonntag, den 9. August nach Ahrensfelde zum Galopprennen.


Niederbarnimer Kreisblatt, 29. Juli 1925, Amtlicher Teil

Personalnachweisung
Bestätigt: Der Landarbeiter Christian Vorpahl als Nachtwächter der Gemeinde Blumberg.


Niederbarnimer Kreisblatt, 5. August 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Ein Festtag war für unseren Ort der letzte Sonntag. Wurde doch an diesem Tage durch einen besonderen Festgottesdienst die Gedenktafel für unsere im Weltkrieg gefallenen Söhne des Ortes und zugleich die wieder vervollständigte Orgel eingeweiht. An dem Gottesdienst nahmen der hiesige Landwehrverein und der Turnverein geschlossen mit Fahnen teil. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die ganze Feier, besonders die Festpredigt, war der Würde des Tages entsprechend, tief ernst und feierlich. Allen Teilnehmern wird diese Feierstunde unvergeßlich bleiben. Sowohl die aus Eichenholz geschnitzte kunstvolle Gedenktafel als auch die Verbesserung an der Orgel sind Stiftungen unserer Gutsherrschaft. Der Landwehrverein, den die Denkmalssache für seine gefallenen Kameraden im Ort seit Jahren beschäftigt, dankt Herrn Bothe an dieser Stelle für die glückliche Lösung dieser Frage.

Mehrow. Der Landwehrverein hielt am letzten Sonnabend bei Kamerad Raetz unter reger Beteiligung seiner Mitglieder die August-Versammlung ab. Außer den üblichen Programmpunkten derartiger Versammlungen stand noch besonders die Besprechung und Beschlußfassung über ein Preisschießen im Verein auf der Tagesordnung. Es wurde festgesetzt, am Sonntag den 16. d. Mts. in der Bauernheide im Verein mit den Kameraden vom Stahlhelm ein Preisschießen abzuhalten, wozu der Verein eine Anzahl wertvoller Andenken aus seiner Kasse und mehrere Vereinskameraden solche aus ihren eigenen Mitteln stiften werden. Nach dem Schießen findet Festball bei Kamerad Raetz statt, zu welchem nur die Vereinsmitglieder nebst ihren Familienangehörigen Zutritt haben. Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die hoffentlich recht zahlreich einlaufenden Preise von Mitgliedern bis Sonntag den 9. d. M. beim Vorsitzenden des Vereins abzugeben, bzw. anzumelden sind.


Niederbarnimer Kreisblatt, 11. August 1925

Rennen des Reitervereins Ahrensfelde
Kürzlich hörte ich die Behauptung, auf den Rennbahnen in Deutschland sei "überhaupt nichts mehr los". Gute Pferde und gutes Reiten könne man nur noch in Maissons Lafitte oder Marseille sehen. Das ist natürlich ein snobistisches Wort. Man braucht gar nicht einmal Karlshorst oder Farmsen, Ruhleben oder Magdeburg zu besuchen, um sich an Pferden und Reitern zu erfreuen und um Ueberraschungen zu erleben.
Damit ist schon eine Kritik des Ahrensfelder Reitens im allgemeinen ausgesprochen und auf Ueberraschungen hingewiesen. Doch etwas spezialisiert; Man vergaß oft, daß man einem Bauern-Reiten beiwohnte. Wenn Albrechts "Matador" oder Hases "Pluto" über die Bahn ging oder die Pferde des Stalles Bothe an den Start gebracht wurden, konnte man oft glauben, daß es sich um Tiere handle, die niemals zu etwas anderem als zu Bahnrennen gebraucht werden. Nicht anders war es mit manchem der Reiter, von denen die Herren Albrecht jun., Gebrüder Vilbrandt, Brülke, P. Haase und Posener besonders auffielen.
Oben wurde schon von einer Ueberraschung gesprochen, die es am Sonntag in Ahrensfelde gegeben hat. Sie kam im Isolderennen. H. Wegeners fünfjährige Stute "Mulle" unter E. Meißner und R. Müllers "Pipel" unter R. Jauert nahmen sofort die Spitze und behielten sie in weitem Abstand von dem Feld bis - ja bis zum 798. Meter. 800 Meter war die Strecke aber lang. Da die beiden ausbrachen, siegte R. Meißners "Drolli" zur größten Verwunderung des Reiters E. Meißner - und wohl auch des Besitzers. Um ein Haar wäre es dahin gekommen, daß Jauerts "Moritz", der als letzter im Felde lag, das Rennen gemacht hätte, denn als "Drolli" die beiden Ausbrecher sah, zeigte auch er Lust, von der Bahn hinunterzugehen. Meißner erfaßte aber noch die sich bietende gute Gelegenheit, zu einem Kranze zu kommen und half mit der Peitsche nach, so daß der neunjährige Wallach noch vor Albrechts vierjährigen "Baldur" durchs Ziel ging.
Eine besondere Erscheinung war es, daß in den offenen Rennen zum Teil besseres geleistet wurde, als in den regulären. Doch darüber später.
Die Einleitung bildete ein Trabfahren, das von 01 Schusters "Liselotte", die in der Mitte der Bahn R. Wegeners "Linke" hinter sich lies, glänzend gewonnen wurde. Ebenso spielend wurde das Eröffnungsrennen von P. Haases 9jährigem Wallach "Benno" unter dem Besitzer nach Hause gebracht, während E. Baals "Anna" (Primer) und A. Wolffs "Goldhahn" (Adler) sich mit Plätzen begnügen mußten. G. Albrechts "Matador" (Albrecht jun.) nahm im Preis von Eiche sofort die Führung und ging mit etwa sechs Längen vor A. Pelz' "Frl. Lotte" (Grude) durchs Ziel, während die übrigen in noch größerem Abstand hinter "Frl. Lotte" folgten. In kaum weniger flotter Weise brachte Herr Vilbrandt 11 M. Bothes 10jährige Stute "Parabella" im Goßen Preis von Ahrensfelde durchs Ziel, eine Nasenlänge vor H. Riesch's 7jähriger Stute "Isabella" unter Albrecht jun. Im Matadorenrennen siegte E. Zinn's "Tante Lotte" unter dem Besitzer in einem außerordentlich scharfen Endspurt vor F. Adlers "Fanni", obwohl die 7jährige Stute der 6jährigen "Fanni" viel Gewicht vorgeben mußte.
Ebenso kritisch war die Entscheidung im Fürstenwalder Erinnerungsrennen. Da eine Rennung nicht erfüllt wurde, liefen nur drei Pferde. M. Bothes "Kondor" brach bald nach dem Start aus, so daß P. Haases "Falada" unter dem Besitzer und F. Brederecks "Moritz" (Posener) das Rennen allein bestritten. Daß "Falada" den 10jährigen Wallach hinter sich ließ, ist hier besonders hoch zu bewerten, da die auch nicht jüngere Stute durch Drängen Poseners böse verletzt worden war, so daß sie nach dem Rennen lahm von der Bahn gebracht werden mußte.
Das Isolderennen ist schon oben näher besprochen. Abermals eine scharfe Konkurrenz stellte das Niederbarnimer Landbundgenossenschaftsrennen über 1200 Meter dar. Infolge einer Bodenwelle, die unmittelbar hinter dem Startplatz lag, blieben W. Haases "Pluto" und P. Haases "Benno" (Besitzer) hinter dem Felde zurück. Zum Ueberfluß lagen sie auch noch in der Außenbahn. Pferde und Reiter müssen also Außerordentliches geleistet haben, wenn "Pluto" als Erster und dicht hinter ihm "Benno" durchs Ziel gehen konnten. - Beim offenen Trabfahren fielen die Teilnehmer des ersten Rennens gänzlich ab, während ein auswärtiger schwarzer Hengst eine wunderbare Gangart sehen ließ.
Was dem Ahrensfelder Reiterverein dringend anzuraten ist, ist eine bessere Planierung der Bahn. Wenn natürlich auch der Stoppelacker keine Grasnarbe haben kann, so sollten doch derartige Hügel, wie einer der schlimmsten an der linken Ecke lag, beseitigt werden.


Niederbarnimer Kreisblatt, 9. Oktober 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Der Landwehrverein hielt Sonnabend den 3. Oktober bei Kamerad Raetz seine Monatsversammlung ab, zu der 25 Kameraden erschienen waren. Der Vorsitzende gedachte zunächst unseres Reichspräsidenten v. Hindenburg zu seinem 78. Geburtstage und ließ die Wünsche der Versammelten für den Gefeierten in ein dreifaches Hoch ausklingen. Die Niederschrift über die letzte Versammlung konnte nicht verlesen werden, da der Schriftführer, Kamerad Schwarz, leider schon längere Zeit bettlägerig ist.
Nach Erledigung der Kassengeschäfte wurde in langer und eingehender Aussprache über eine Sterbegeldversicherung der Kameraden verhandelt. Die Versammelten kamen schließlich zu dem Beschluß, vom 1. Oktober ab eine eigene freiwillige Sterbegeldversicherung auf Gegenseitigkeit im Verein zu gründen. Im Todesfall eines Kameraden erhält die hinterbliebene Familie 100 Mark ausgezahlt. Als Grundstock zu dieser Versicherung wurden aus der Vereinskasse sogleich der Sterbekasse 50 Mark überwiesen. Der Rest wird durch monatliche Beiträge in vorläufiger Höhe von 25 Pfennnig für jedes Mitglied ergänzt. Es haben sich sogleich 25 Kameraden zum Eintritt in die Kasse gemeldet.
Wir wollen hoffen, daß die Kasse nicht sobald in Anspruch genommen werden muß; aber immerhin bedeutet ihre Einrichtung bei unseren örtlichen Verhältnissen eine segensreiche Tat. - Die Vertretung unseres Vereins auf dem deutschen Kriegertag in Leipzig hat Kamerad H. Meißner freiwillig übernommen.


Niederbarnimer Kreisblatt, 13. November 1925, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Sein Wintervergnügen beging der Turnverein "Hindenburg" am letzten Sonntag im Vereinslokal. Um 8 Uhr zogen die Turner unter Gesang mit der Fahne in den Festsaal. Der Vorsitzende, Turnbruder Schwarz, begrüßte die Gäste und Vereinsmitglieder mit kurzen, kerndeutschen Worten und schloß mit einem Hoch auf die deutsche Turnerei, worauf das Lied "Ich hab' mich ergeben" gesungen wurde. Nun folgten turnerische Vorführungen am Barren und Reck, die den vollen Beifall der Anwesenden hervorriefen.
Freiübungen und eine anmutige Gruppe der Schülerriege bildeten den Schluß dieses Festaktes, der mit dem Deutschlandliede würdig abgeschlossen wurde.
Der dann einsetzende Tanz zeigte das bekannte Bild. Recht unangenehm wirkte es aber, als sich die deutsche Jugend, trotz der Mahnung des Vorsitzenden, in den Tanzpausen übermäßig lärmend und gröhlend an der Bierbank zusammendrängte und auf andere Gäste, nicht einmal auf ältere Leute, die geringste Rücksicht nahm. Es soll der gesunden Fröhlichkeit der Jugend durchaus kein Stein in den Weg geworfen werden, aber sie darf nicht in Uebermut und Rücksichtslosigkeiten ausarten.

Mehrow. Ein Jagdereignis seltener Art, das eher einer Münchhausiade, als einer wirklichen Begebenheit gleicht, geschah vor kurzem auf dem Jagdgebiet Trappenfelde. Ging da eines Tages der Förster Kunze mit seinem Jagdgenossen Meißner aus, um das edle Weidwerk auszuüben. Als der Hund eine Waldecke nach Hasen und Fasanen abstöberte, kam statt dieser ein Reh aus dem Gehölz und nahm seine Flucht gerade in der Richtung auf Meißner.
Die Gefahr erkennend, wollten beide gegenseitig ausweichen, sprangen sich dabei aber wieder in den Weg, und nun gab es einen so wuchtigen Anprall, daß der Schütze durch den Stoß der Ricke glatt zu Boden geworfen und letztere mit gebrochenem Genick auf der Stelle tot liegen blieb.
Der gefallene Nimrod hat anscheinend keinen äußeren Schaden davongetragen. Der Nervenschock und der augenblickliche Scherz an sehr empfindlicher Körperstelle sind durch das angenehme Magenpflaster aus Rehleber auch bald behoben werden.


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