Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1926 (73. Jahrgang),
gefunden im Zeitungsarchiv der Staatsbibliothek (Westhafen)



Niederbarnimer Kreisblatt, 1. Januar 1926, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Der Landwehrverein hält am Sonnabend, den 2. Januar, abends 1/2 8 Uhr, bei dem Kameraden Meißner eine Generalversammlung ab. Als wichtigste Verhandlungsgegenstände sind der Jahresbericht über das Vereinsleben im verflossenen Geschäftsjahr, die Prüfung und Abnahme der Vereins- und Sterbekasse und die Neuwahl des Gesamtvorstandes zu nennen. Ferner wird noch die Besprechung über das bevorstehenden Wintervergnügen einen breiten Raum einnehmen. Wegen der Wichtigkeit der genannten Verhandlungsgegenstände ist es notwendig, daß alle Kameraden pünktlich und vollzählig zur Stelle sind.

Mehrow. Die Einbruchsdiebstähle mehren sich hier und in der Umgebung in erschreckender Weise. Nachdem erst kurz vor den Feiertagen einer Gutsarbeiterfamilie der Hühner- und Gänsestall durch Einbruch leer gemacht war, ist in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch wieder den Viehställen mehrerer Arbeiterfamilien ein nächtlicher Besuch abgestattet worden. Es wurden vier Gänse und neun Hühner abgeschlachtet und mitgenommen.
Diesmal hat der Dieb (jedenfalls ist es derselbe, der vor acht Tagen hier räuberte), nicht so viel Glück, wie das erstemal wo er unerkannt entkommen und ungestört seinen Weihnachtsbraten verzehren konnte. Gerade als er im Morgengrauen schweißtriefend in den Steinmauern Berlins untertauchen wollte, erblickte ihn das Auge des Gesetzes in der Gestalt eines Polizisten. Hilfsbereit und neugierig wie diese Beamten nun einmal sind, brachte er den angeblichen Lichtenberger Bürger auf die Polizeiwache und erkundigte sich nach der heiligen Einkaufsquelle dieses fürsorglichen Familienvaters.
Die Bestohlenen erhielten ihr Eigentum wieder zurück. Schade nur, daß sich der Marder mit seinen Neujahrsbraten erst noch umsonst so weit schleppen mußte. Es wäre sicherlich viel heilsamer für ihn gewesen, wenn er gleich seiner Last entledigt und statt deren mit einem gebührenden Denkzettel heimgeschickt worden wäre.


Niederbarnimer Kreisblatt, 29. Januar 1926, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Sein Wintervergnügen feierte der Landwehrverein am letzten Sonnabend bei Kamerad Meißner. Die starke Beteiligung der Kameraden mit ihren Familienangehörigen und die Zahl der Gäste waren ein Beweis, daß jeder der Festteilnehmer bei der wirtschaftlichen Notlage das Bedürfnis hatte, durch einige frohe und gemütliche Stunden die Lebensgeister wieder aufzufrischen.
Nach einem sinnreichen, durch die Schülerin Edith Pose vorgetragenen Vorspruch, begrüßte der Vereinsleiter, Kamerad Weier, die Versammelten und sprach dann über das Wesen und den Zweck der Kameradschaft. Er zeigte, wie diese alte soldatische Tugend von jeher das ganze Militärleben beeinflußt, wie sie im Felde zur Waffenbrüderschaft wurde und wie sie jetzt durch die Kriegervereine sich zur Volksgemeinschaft auswachsen muß. Die Parole für die Kriegervereinsarbeit in der Zukunft muß lauten: Durch Pflege der wahren und echten Kameradschaft zur Volksgemeinschaft, durch Volksgemeinschaft zur Einigkeit, durch Einigkeit zur Freiheit! Als Spiegelbild für das undeutsche Wesen vieler Volksmassen, auch in jetziger Zeit, trug die Schülerin M. Kunze die Satyre vor: "Michel sei stolz!"
Hierauf ging der Einakter: "Eine Verlobung in der Backstube" über die Bretter. Durch seine vielfachen Verwicklungen und Verwechslungen in der Situation wirkte das Stück so urkomisch, daß bei den Zuschauern öfter stürmische Lachsalven erfolgten. Darauf wurde noch eine Anzahl ernster und heiterer Gesangsstücke vorgetragen, die alle vollen Beifall ernteten. Zum Schluß hatten wir noch das Vergnügen, außerplanmäßig die Leipziger Sänger einmal "auftreten" zu - hören. Jeder der Mitspieler hat bei der ganzen Sache sein bestes hergegeben und darum war der Erfolg auch durchschlagend.
Vergessen darf auch nicht werden die Gruppe: "Der gefallene Krieger vor der Germania", die dargestellt wurde durch Frl. Frida Wegener als Germania, Kamerad Schwarz als gefallener Krieger und die Kameraden Misch und P. Villbrandt als Ehrenwache. Bei den Klängen des Marsches vom "Guten Kameraden" wurde wohl manches Auge feucht.
Das ganze Fest stand vom Anfang bis zum Ende unter dem Zeichen der Einmütigkeit und Gemütlichkeit und darum waren auch die wenigen Freudenstunden im Fluge dahin. Allen Kameraden ist wohl die Wahrheit des Wortes klar geworden: Wie fruchtbar ist der kleine Kreis, wenn man ihn recht zu pflegen weiß.

Mehrow. Geflügeldiebe scheinen seit einiger Zeit unseren Ort als ein besonders günstiges Arbeitsfeld ausersehen zu haben. Kaum sind die Gänse- und Hühnerdiebstähle zu Weihnachten und Neujahr vergessen, so kommt schon wieder die Nachricht von einem neuen Einbruchsdiebstahl. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch dieser Woche sind dem Gutsarbeiter Strehlau zwei Zuchtgänse und fünf Enten gestohlen worden. In der alten guten Zeit vor dem Kriege und auch während desselben hatte unser Ort auch einen ordnungsmäßigen Nachtwächter. Seit einigen Jahren ist es aber bei unseren eigenartigen Ortsverhältnissen nicht mehr möglich, einen öffentlichen Wächter anzustellen. Wir müssen in Zukunft noch zufrieden sein, wenn bei diesem trostlosen Zustand nicht noch größeres Unglück passiert.


Niederbarnimer Kreisblatt, 7. März 1926, Amtsbezirk Ahrensfelde, gekürzt

Ahrensfelde. Die Jagd des Gemeinschaftlichen Jagdbezirks Ahrensfelde wird am Sonnabend den 13. März nachmittags 6 Uhr, Im Lokal von Wilhelm Hase öffentlich meistbietend verpachtet. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 25. März 1926, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Das Rittergut war in der vergangenen Woche und gestern Gegenstand einer eingehenden Besichtigung durch Fürsorgeschwestern vom Oesterreichischen Roten Kreuz und Angehörige des Kaiserin-Augusta-Viktoria-Hauses Charlottenburg, Reichsanstalt zur Bekämpfung der
Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit. Das Interesse der österreichischen Schwestern, die seit etwa 5 Monaten eine Rundreise durch Deutschland zum Studium der sanitären Einrichtungen unternehmen, galt dem mustergültig eingerichteten Milchwirtschaftsbetrieb, der unter Leitung eines Diplom-Landwirtes steht. Verwunderung erregten die Viehställe mit dem hervorragenden Milchviehbestand, das saubere elektrische Melken und die Einrichtung der Sanitätsmeierei, die während des Betriebes besichtigt werden konnte. Von hier aus geht die "Mehrower Kindermilch" ihren Weg auf eigenen Lastwagen in zwei Stunden nach der Reichshauptstadt.
Die Besucher überzeugten sich ferner in der großen mit modernsten Maschinen eingerichteten 20-Tonnen-Mühle, die im Winter das Rückgrat zur Erhaltung des bedeutenden Viehbestandes bildet, von einer tadellosen Mehl- und Futtermittelherstellung. Außer etwa 400 Stück Rindvieh werden hiervon noch etwa 600 Schweine einschließlich 100 Zuchtsauen und 400 Schafe ernährt. Alles in allem nahmen die Besucherinnen [den] Eindruck mit hinweg, daß das Rittergut Mehrow bestrebt ist, Mustergültiges zu leisten. Vor allem aber bedeutet die Herstellung von Kindermilch (zu genießen von jedermann, dem es auf eine hygienisch einwandfreie Milch ankommt) eine außerordentliche Unterstützung der Volksgesundheit.
Im vergangenen Herbst besichtigten Professoren und Angehörige der russischen Regierung die Mehrower milchwirtschaftlichen Anlagen, die als mustergültig und nachahmenswert gepriesen wurden.


Niederbarnimer Kreisblatt, 31. März 1926, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Das Fest der silbernen Hochzeit feiert heute Herr Gustav Wegener mit seiner Ehefrau Auguste, geb. Salzmann. Wir gratulieren herzlichst!

Mehrow. Die Aprilversammlung des Landwehrvereins findet erst am Sonnabend den 10. April, abends 1/2 9 Uhr, bei Kamerad Raetz statt. Die Tagesordnung wird noch bekanntgegeben. Es sind vom Kreiskriegerverband 15 Eintrittskarten zugestellt worden für die Feier aus Anlaß des 30jährigen Bestehens des Kreisverbandes, die am Freitag, den 30. April abends 7 1/2 Uhr im Konzerthaus Clou - Berlin, Mauerstraße, als "Deutscher Abend" stattfindet. Die Karten stehen beim Vorsitzenden zur Verfügung. Näheres über die Art der Feier wird in der nächsten Vollversammlung bekanntgegeben.
Zwecks Bildung der Kreisgruppe VII, der auch unser Ortsverein angeschlossen werden soll, ist der Vorstand des Vereins zu einer Sitzung am Sonntag, den 11. April, nachmittags 3 Uhr, nach Neuenhagen, Bahnhof, Wartesaal 2. Klasse, eingeladen worden.


Niederbarnimer Kreisblatt, 19. Mai 1926, Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Ein Autounfall mit glimpflichem Ausgang ereignete sich in den Morgenstunden des Himmelfahrtstages auf unserer Dorfstraße zwischen der Schule und dem Kaufmann Jauert. Ein mit 7 Personen besetztes Auto kam in sehr mäßigem Tempo aus der Richtung Blumberg, als mit mächtigem Krach, infolge Bruchs der vorderen Achse, der Wagen sich auf das Straßenpflaster streckte und die Insassen im Bogen auf das Pflaster geschleudert wurden. Dr. Ebeling leistete die erste Hilfe und legte im Schulhause den Verletzten Verbände an. Glücklicherweise waren alle nur mit äußeren Verletzungen davon gekommen. Die Gesellschaft, die von Stettin kommend, zur Mastviehausstellung nach Berlin wollte, konnte nun ihre Reise mit der Bahn fortsetzen, während der Wagen in Ahrensfelde blieb, bis er am letzten Sonnabend durch ein Lastauto von Stettin abgeholt wurde.

Mehrow. Zur Gründung einer Feuerwehr war die feuerlöschpflichtige Einwohnerschaft unseres Ortes am letzten Sonntag nachm. 3 Uhr in den Gasthof Meißner eingeladen. Kreisbrandinspektor Graß war mit noch zwei Feuerwehrkameraden aus Karlshorst persönlich zu der Versammlung erschienen, um als erster Fachmann des Kreises uns in dieser Angelegenheit mit gutem Rat zur Seite zu stehen.
Nach der Eröffnung der Versammlung durch Gemeindevorsteher Meißner hielt Inspektor Graß einen eingehenden, interessanten Vortrag über "Brandgefahr und Feuerlöschwesen". Der Vortragende zeigte zunächst die verschiedenartigen Ursache für Zimmer- und Gebäudebrände und sprach dann von der Bekämpfung des Feuers und vom Feuerlöschwesen. Der Vortrag wurde mit großem Interesse angehört.
Da sich die Vertreter von der Gemeinde und vom Rittergut auf eine Freiwillige Feuerwehr nicht einigen konnten, wurde die Gründung einer organisierten Pflichtfeuerwehr, bestehend aus einem Führer, einem Stellvertreter und 6 Mann, ins Auge gefaßt. In dieser Richtung konnten die nötigen Beschlüsse zwischen Gut und Gemeinde, die einen gemeinschaftlichen Feuerlöschbezirk bilden, bald gefaßt werden. Die Kosten für eine erstmalige Ausrüstung der kleinen Wehr wurde auf etwa 700 Mark veranschlagt, die vom Gut und der Gemeinde anteilig getragen werden müssen.
Von dem Feuerwehrmann Kegler - Karlshorst, Vertreter für die Firma Ewald - Küstrin, wurden sogleich zwei angehende Feuerwehrmänner aus der Versammlung probeweise in die neue Uniform eingepuppt und den Anwesenden vorgestellt. Als Instrukteur für die zu bildende Wehr wurde uns Herr Langmann - Führer der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensfelde - der persönlich anwesend war, warm empfohlen.
Nun wollen wir hoffen, daß die Anregungen des Kreisausschusses und die Bemühungen des Kreisbrandinspektors in dieser wichtigen Angelegenheit nicht im Stadium der Erwägungen stecken bleiben, sondern daß bei unserm feuergefährlichen Betriebe im Orte bald etwas unerläßlich Notwendiges geschaffen wird.


Niederbarnimer Kreisblatt, 14. Oktober 1926, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Ein frecher Diebstahl. Auf dem Vorwerk Trappenfelde wurde in der Nacht zum Dienstag entweder von der Weide oder aus einer Feldscheune eine Färse gestohlen. Sie ist 3/4 Jahr alt, schwarz-bunt und mit einer Ohrmarke versehen, deren Nummer nicht bekannt ist. Sachdienliche Angaben erbittet Gutsbesitzer Bothe - Mehrow oder das Oberlandjägeramt Ahrensfelde. Der Bestohlene hat eine Belohnung ausgesetzt.


Niederbarnimer Kreisblatt, 14. Oktober 1926, Bernau

Ein orkanartiger Sturm ging am Dienstag über Bernau und dessen Umgebung dahin. Die Chausseen waren vielfach gesperrt durch Äste, die der Sturm herabgerissen hatte. Der Sturm nahm zeitweise derartigen Umfang an, daß die Passanten insbesondere an den Straßenecken alle Mühe hatten, sich aufrecht zu erhalten. Wenn auch die Stürme der letzten Tage zu den Herbsterscheinungen zu rechnen sind, so kann man doch mit Recht sagen, daß sie weit über das bei uns übliche hinausgehen. Die Ursache zu dieser abnormen Erscheinung, die ja bekanntlich an der Ostsee- und Nordseeküste ganz beträchtlichen Schaden hervorgerufen hat, sind zwei Zyklone, die von Finnland und den Shetland-Inseln zu uns gekommen sind. Wenn die Sonnenfleckentheorie, die ja im Sommer wahre Triumphe feiern konnte, Wahrheit ist, so können wir uns in diesem Herbst und auch wohl noch im Vorwinter auf außerordentliche Ueberraschungen in der Gestaltung des Wetters gefaßt machen. Bekanntlich sind erst in den letzten Tagen Sonnenflecken von ganz enormer Größe gesichtet worden, so daß man gut daran tut, vorläufig trotz entgegengesetzter Wetterprophezeiungen größere Landpartien zu unterlassen.

In Schutzhaft genommen wurde der Arbeiter Daniel H., da er am 12. Oktober sinnlos betrunken angetroffen wurde. Da H. bereits auf der Säuferliste steht, auch bereits einmal in der Anstalt zu Eberswalde gewesen ist, ist anzunehmen, daß er wiederum dorthin überführt wird.


Niederbarnimer Kreisblatt, 30. Dezember 1926, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Das Fest der silbernen Hochzeit feiert heute, Mittwoch, Herr Karl Krause mit seiner Gattin Amalie, geb. Wiedenhöft. Wie gratulieren recht herzlich.


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