Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1927 (74. Jahrgang),
gefunden im Zeitungsarchiv der Staatsbibliothek (Westhafen)



Niederbarnimer Kreisblatt, 11. Februar 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Ein schwerer Unfall trug sich auf dem Rittergut zu. Der auf dem Gute beschäftigte 37jährige Arbeiter Fischer, der eine Fuhre Dung auf den Acker gefahren hatte, stürzte aus unbekannter Ursache von seinem Sitz und geriet unter die Räder des Wagens. Der Verunglückte, der schwere innere Verletzungen erlitten hatte, vermochte sich noch eine Strecke weiterzuschleppen, brach dann aber besinnungslos zusammen. Kurze Zeit später fand man T. [!] auf und brachte ihn nach seiner Wohnung auf den Gute, wo er bald darauf verstarb. Der Verstorbene hinterläßt eine Frau und fünf unmündige Kinder.


Niederbarnimer Kreisblatt, 23. März 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Lehrer Wiener [!] verläßt mit dem 1. April unseren Ort, um die Konrektorstelle in Fredersdorf zu übernehmen. Sein Scheiden wird von allen Seiten aufrichtig bedauert, hat er doch durch sein langjähriges Wirken in unserer Gemeinde verstanden, sich überall Sympathien zu erringen. Die besten Wünsche begleiten ihn darum in seinen neuen Wirkungskreis.


Niederbarnimer Kreisblatt, 30. März 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Lehrer Weier verläßt am 1. April unsern Ort, um nach fast 25jähriger Tätigkeit als Konrektor nach Fredersdorf überzusiedeln. Daß er es verstanden hat, in der Zeit sich das Vertrauen und die Liebe seiner Kinder und der Gemeinde zu erwerben, bewiesen die drei Abschiedsfeiern am vergangenen Sonnabend. Um 5 Uhr veranstalteten die Schüler und Schülerinnen im Beisein des Gemeindevorstehers Meißner dem scheidenden Lehrer eine würdige Feier in der Schule. Der Sprecher für die Kleinen war der Kollege und Freund, Lehrer Meyer aus Hönow.
Gesänge und passende Abschiedsgedichte säumten die Schulfeier ein. Die Kinder überreichten einen Haussegen in Brandmalerei. Um 6 Uhr erschien eine Abordnung der Gemeinde und der Vertreter des Rittergutsbesitzers Bothe. Gemeindevorsteher Meißner dankte tiefbewegt dem bisherigen Schöffen der Gemeinde für seine Verdienste um Schule und Gemeinde und überreichte im Auftrage der Gemeinde und des Gutes eine Standuhr zum Andenken. Lehrer Weier dankte für die Überraschung.
Der Abend brachte die dritte Feier. Denn auch die Kameraden des Landwehrvereins wollten dem scheidenden Vorsitzenden, dem Freund und Kameraden, Lebewohl sagen. Der Versammlungsort stand im Festschmuck. Der Festredner, Lehrer Meyer schilderte die Verdienste des ersten Steuermannes des Vereins, der seit 1923 das Vereinsschifflein sicher zu den Zielen des Kyffhäuserbundes geführt habe. Der 2. Vorsitzende, Kamerad Meißner, überreichte zum Andenken ein Hindenburgbild und eine Urkunde mit der Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins.
In Reden unter Gesängen und Vorträgen erlebten der Scheidende und sein Verein Stunden echter deutscher Fröhlichkeit und Kameradschaft. Der Abend zeigte, welch tiefes Band beide umschlingt.


Niederbarnimer Kreisblatt, 6. April 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Der Landwehrverein hielt am Sonnabend seine April-Versammlung bei Kamerad Raetz ab, zu der 32 Kameraden erschienen waren. Den Vorsitz führte der bisherige zweite Vorsitzende, Kamerad E. Meißner. Neu aufgenommen wurde in den Verein der Oberschweizer Richter als aktives Mitglied, so daß die Stärke des Vereins jetzt 45 beträgt. Nachdem die Kassengeschäfte ordnungsgemäß geregelt worden waren, wurde zur Wahl eines neuen 2. Vorsitzenden geschritten. Das Los fiel auf den Kameraden Aug. Lehmann. Unter Punkt Verschiedenes wurde beschlossen, die von Herrn Bothe dem Verein überwiesenen 75 M so zu verteilen, daß 50 M der Sterbekasse und 25 M der Vereinskasse zufließen.
Die Teilnehmerkarten für den "Deutschen Abend" im Clou, veranstaltet vom Kreis-Kriegerverband am Freitag den 29. April, wurden den Kameraden empfohlen. Um 10 Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die Kameradschaft. Nach Schluß des geschäftlichen Teiles der Versammlung hat sich ein Gesangs-Quartett gebildet. Diese kameradschaftlichen Sangesbrüder haben sogar schon ihre Vortragstour im nächsten Sommer festgelegt.


Niederbarnimer Kreisblatt, 9. April 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Die Prüfung und Einsegnung der Konfirmanden von Ahrensfelde und Mehrow findet am Palmsonntag vormittags um 10 Uhr, in der Kirche durch Pfarrer Benecke statt.


Niederbarnimer Kreisblatt, 28. April 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Lehrer Weier, der seit längeren Jahren in unserer Gemeinde gewirkt hat, ist mit dem 1. April als Konrektor nach Fredersdorf versetzt worden. Sein Nachfolger im Lehrer- und Organistenamt ist an unserer Schule vertretungsweise Lehrer Erich Radecke. Der beiderseitige Dienstanfang ist jedoch erst am 25. April erfolgt.


Niederbarnimer Kreisblatt, 13. Mai 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Die Sitzung des Landwehrvereins fand am Sonnabend bei Gastwirt Meißner statt. Zur Aufnahme hat sich ein Kamerad gemeldet. Der 1. Vorsitzende gab einen Bericht über die Kreis-Krieger-Verbandstagung im Clou, an der Mehrow mit 22 Kameraden teilnahm. Im Hinblick auf die Wetterverhältnissse will man nun wieder dem Schießsport fleißig pflegen. Da aber der Schießstand noch unter Wasser steht, muß das Schießen noch verlegt werden., bis das Wasser zurückgetreten ist. Mit einem dreifachen Hoch auf die Ortsgruppe schloß die Sitzung.

Mehrow. Ein Leuchtmast, der den Fliegern, die Mehrow passieren, zur Orientierung dienen soll, wurde am Montag aufgestellt. Solange haben sich die Flieger bei Dunkelheit nach dem roten Licht, das an der Mühle angebracht war, gerichtet.


Niederbarnimer Kreisblatt, 1. Juni 1927, Amtsbezirk Blumberg

Blumberg: Die Schülerzahl an unserer Schule ist in den letzten Jahren erheblich gesunken. Es ist darum ein Abbau einer Lehrerstelle geplant.
Hauptlehrer Siebau hat sich bereits am 1. Februar von den Schülern verabschiedet. Er gedenkt in die Geschäftswelt überzugehen. Seit 1. Februar unterrichten nur noch zwei Lehrer, da Hauptlehrer Siebau beurlaubt ist.


Niederbarnimer Kreisblatt, 21. Juni 1927

Blumberg.
8. Bundesfest des Sängerbundes an der Wriezener Bahn.
Blumberg und sein idyllischer Schloßpark waren gestern der Schauplatz des 8. Bundesfestes des Sängerbundes an der Wriezener Bahn, dessen Geburtsstätte Werneuchen ist. Der Vormittag dieses - wenigstens in Blumberg - ziemlich regenreichen Junitages war dem Empfang der auswärtigen Sangesbrüder gewidmet, der Nachmittag dem Festzug und dem Festakt im Schloßgarten, an dem die Gesangvereine "Hoffnung" Blumberg, Frauenchor Werneuchen, "Frohsinn" Lichtenberg, "Edelweiß" Falkenberg, "Frohsinn" Ahrensfelde, "Humor" Seefeld, "Harmonie" Marzahn, "Eintracht" Hohenschönhausen und [der] Männergesangsverein Werneuchen teilnahmen.
Die Wochenendfahrer sahen erstaunt nach den Girlanden und Transparenten, die die Straße zierten und mit denen Sturm und Regen ihr böses Spiel trieben. Festlich war das Kleid des Ortes, obwohl von einem Fest nicht viel zu merken war. Unten im Schloßpark aber, hinter dem Spielzeugschachtel-Schloß des Grafen v. Arnim, bot sich dem Beschauer ein Bild, das ganz reizvoll und eigenartig war. Wie eine Freilichtbühne dehnte sich das Rasenrund, auf dem sich Sänger und Zuhörer ein Stelldichein gaben, das den Himmel so neidisch machte, daß er hin und wieder seine Schauer zur Erde sandte, Männlein und Weiblein unter die Bäume treibend. Trotzdem aber, - vielleicht weil beim Sängerstreit die Sänger auch streitbar sind, wickelte sich das reichhaltige Programm fast lückenlos ab.
Man merkte den einzelnen Chören an, daß gute Arbeit geleistet wurde, daß das vorhandene Stimmaterial von kundiger Hand gepflegt und ausgebaut wird. Da war kaum ein Verein, dessen Leistung hinter denen der anderen zurückstand. Besonderes Lob gebührt dem Frauenchor Werneuchen, dessen Darbietungen eine Reinheit und Beschwingtheit auswiesen, wie sie selten anzutreffen sind. Das Unterschiedliche in der Vortragsfolge gab Gelegenheit zu der Feststellung, daß das deutsche Volkslied noch immer seine Zugkraft bewahrt, und seine Pflege die dankbarste Aufgabe für Sänger und Dirigenten ist.
Dies betonte der Bundesvorsteher Matthes -Werneuchen auch in seiner Ansprache mit entschiedener Deutlichkeit. Der Redner gab nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Sängerbundes einen Abriß der Arbeit, die geleistet wurde und geleistet werden muß, um die Aufgaben zu erfüllen, die sich der Bund gestellt hat: "Das deutsche Lied so wahr und rein, soll allzeit uns're Losung sein, den Männersang aus Herzensgrund stärk' und erhalt' der Sängerbund!" So heißt der Wahlspruch, den der Bundeschormeister dem Bund gewidmet hat.
Hätte nicht das dunkle Gewölk am Himmel dauernde Störungsversuche gemacht, gegen die selbst die zahlreichen Landjäger machtlos waren, dann wäre der Besuch des Festes noch viel besser gewesen. Es saß sich wundervoll in diesem idyllischen Park, dessen Bäume zu den Liedern der Sangesbrüder die Urbegleitmelodie rauschten.
Am Abend vereinigten sich Gastgeber und Gäste bei dem unerläßlichen Tanz, der dem festlichen Tag, obwohl er unter der Mißgunst des Wettergottes zu leiden hatte, doch den richtigen Abschluß gab, von dem man sagt: "Ende gut, alles gut!" Und dieses gute Ende des Blumberger Festes dürfte wohl ein Markstein in der Geschichte des Bundes sein, der einen so schönen und verheißungsvollen Weg genommen hat.


Niederbarnimer Kreisblatt, 28. Juli 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Wegen Ausführung von Neuschüttungsarbeiten wird die Berlin-Schwedter Provinzialchaussee zwischen Ahrensfelde und Blumberg (von Station 14,8 bis Station 16,4) auf etwa drei Wochen gesperrt. Für den Verkehr steht während dieser Zeit der Sommerweg zur Verfügung.


Niederbarnimer Kreisblatt, 24. August 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Ein seltenes Jubiläum begeht der Schmiedemeister Ernst Krause. Am 28. August sind es 45 Jahre, daß Krause auf dem Rittergut in M. als Schmiedemeister tätig ist. Krause der im 72. Lebensjahre steht und sich in Mehrow großer Beliebtheit erfreut, hat in seiner 45jährigen Dienstzeit so manches erlebt, das Gut hat in seiner Dienstzeit viermal seinen Besitzer gewechselt. Vater Krause blieb aber unverdrossen an seinem Amboß. Vor 5 Jahren wurde ihm von der Landwirtschaftskammer die silberne Dienstauszeichnungsmedaille verliehen. Auch wir beglückwünschen ihn zu seinem Jubeltage, möge ihm und seiner Gattin noch ein langer sorgenfreier Lebensabend beschieden sein.


Niederbarnimer Kreisblatt, 7. September 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Sein Dienstjubiläum feierte am 28. August Schmiedemeister Krause. An diesem Tag wurden ihm große Ehrungen zuteil. Verwandte und gute alte Freunde hatten sich zur Beglückwünschung eingefunden. Der Reichspräsident ließ dem Jubilar durch Rittergutsbesitzer Bothe eine Ehrenurkunde mit eigenhändiger Unterschrift überreichen. Rittergutsbesitzer Bothe selbst erfreute Meister Krause u.a. noch durch Überreichung eines namhaften Geldgeschenkes.


Niederbarnimer Kreisblatt, 4. November 1927, Amtsbezirk Blumberg, gekürzt

Blumberg. Nach über 22-jähriger Tätigkeit im Amtsbezirk trat der Amtssekretär Emil Bode am 1. Oktober 1927 in den wohlverdienten Ruhestand. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 11. November 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Das Fest der silbernen Hochzeit feiert heute, Mittwoch, der Schuhmachermeister Wilhelm Lindemann mit seiner Gattin Auguste, geb. Batke. Wir gratulieren herzlichst!

Mehrow. Der Landwehrverein hielt am 3. November bei Meißner eine Versammlung ab. Nach Eröffnung der Sitzung und Verlesung der Mitgliederliste gedachte der Vorsitzende des verstorbenen ersten Präsidenten des deutschen Reichskriegerbundes, Sr. Ex. Generaloberst v. Herringen. Die Kameraden erhoben sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen. Die Niederschrift der letzten Versammlung wurde angenommen. Kam. L. Milch sprach über das Thema "Das deutsche Flugzeugwesen." Ausgehend von den kleinlichen Anfängen unseres Flugwesens vor dem Kriege zeigte er die schnelle Entwicklung und stetige Vervollkommnung des Flugzeugwesens während des Krieges sowie seine vielseitige Verwendung im Kampfe. Die Aussprache über den Vortrag war recht interessant. Für die Kriegsblindenstiftung bewilligte die Versammlung den Betrag von 10 Mark. Um 1/2 12 Uhr wurde die Versammlung geschlossen.


Niederbarnimer Kreisblatt, 13. Dezember 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde, gekürzt

Ahrensfelde: Die Landbundortsgruppen Ahrensfelde und Eiche hielten am 7. Dezember im Gasthaus Dubick eine sehr gut besuchte Mitgliederversammlung ab ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 23. Dezember 1927, Amtsbezirk Ahrensfelde

Mehrow. Die Weihnachtsfeier der Schule fand am 17. Dezember im Gasthaus von Meißner statt. Man kann diese Veranstaltung, in der Lehrer Köppe guten Geschmack und großes Geschick bewies, als gelungen bezeichnen. Sie bedeutete für ganz Mehrow eine große Überraschung, denn in aller Stille und Heimlichkeit waren die Vorbereitungen getroffen worden. Mit welch großem Fleiß gearbeitet worden war, bewiesen sowohl die gut vorgetragenen Gesänge und Gedichte, wie die kleinen Aufführungen, von denen sich besonders "Schneewittchen" und das "Krippenspiel" durch Natürlichkeit in Spiel und Kostümen auszeichneten. Die Darbietungen, die durch Klaviervorträge von Lehrer Bauer - Hönow unterbrochen wurden, fanden ihren Ausklang in einem lustigen Tänzchen für die Kinder. Ihre Freude übertrug sich auf die Erwachsenen, so daß die Feier für alle Beteiligten einen befriedigenden Verlauf nahm.


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