Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1933 (80. Jahrgang),
gefunden im Zeitungsarchiv der Staatsbibliothek (Westhafen)

(Der Zeitraum 1. Oktober - 31. Dezember 1933 ist in der Staatsbibliothek nicht verfügbar.)


Niederbarnimer Kreisblatt, 7. Februar 1933, gekürzt

Auflösung aller kommunalen Parlamente.
Gemeindevertretungen, Städteverordneten-Versammlungen, Kreistage, Prov.-Landtage
Neuwahlen am 12. März


Niederbarnimer Kreisblatt, 7. März 1933, gekürzt

Regierungsmehrheit in Reich u. Preußen
NSDAP und Kampffront Schwarz-Weiß-Rot haben 51,7 Prozent im Reich und 52,5 Prozent in Preußen
Die Ergebnisse im Einzelnen [vorläufige amtliche Ergebnisse, in Klammern die Mandate]
Reichstagswahl Landtagswahl
NSDAP 17 265 823 (288) 10 309 483 (211 mit Hindenburg)
SPD 7 176 505 (120) 3 961 264 (83 inkl. Staatspartei)
KPD 4 845 375 (81) 3 135 936 (63)
Zentrum 4 423 161 (73) 3 368 020 (68)
Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 3 132 585 (52) 2 109 564 (43 inkl. Radikaler Mittelstand)
...
Die Mehrheitsverhältnisse im Reich / in Preußen
Reichstagswahl Landtagswahl
Regierungsblock 341 Mandate 254 Mandate
Opposition 306 Mandate 220 Mandate

647 Mandate 474 Mandate


Niederbarnimer Kreisblatt, 14. März 1933, gekürzt

Rechtsmehrheit im Kreis Niederbarnim
Das vorläufige amtliche Endergebnis der gestrigen Kreistagswahl brachte folgende Ziffern:
1. Nationalsozialisten [Natsoz.] (Heermann - Malz) 46 780(15) [17.Nov.29: 5 448]
2. Sozialdemokraten [Soz.] (Matthes - Herzfelde) 20 647(7)  [17.Nov.29: 25 048]
3. Kommunisten [Kom.] (Eisenberger - Mühlenbeck) 16 927(6) [17.Nov.29: 16 198]
4. Zentrum [Z.] (Theiß - Erkner) 2 112(1) [17.Nov.29: 1 593]
5. Kampffront Schwarz-weiß-rot [Kampf.] (Schnitz - Erkner) 10 250(3) [17.Nov.29: 27 157]
20. Block der Mitte [Mitte] (Raube - Neuenhagen) 296
28. Bürgerliche Einheitsliste [Bgl. Einheit] (Lange - Petershagen) 1 901 (1)
29. Einheitsfront des verarmten Bürgertums [Bürgt.] (Marzahn - Kalkberge) 384
30. Siedlerliste [Siedl.] (Liefländer - Bernau-Süd) 1 136
31. überparteiliche Liste [Uept.] (Dr. Robinsky - Neuenhagen) 295

Einzelergebnisse aus dem Kreise / Für die Kreistagswahl:
Ahrensfelde: Natsoz. 383, Soz. 126, Kom. 39, Z. 3, Kampf. 58, Bgl. Einheit 3, Siedl. 30, Uept. 3
Mehrow: Natsoz. 59, Soz. 54, Kom. 11, Kampf. 36, Bürgt. 1


Niederbarnimer Kreisblatt, 16. März 1933 Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Alle drei Handballmannschaften des DTV. Felsing sollten am Sonntag außerhalb spielen. Die Schülermannschaft fuhr nach Waidmannslust und gewann kampflos. Die 2. Mannschaft sollte auch nach Waidmannslust fahren, um dort gegen Scharnhorst zu spielen. Die Mannschaft verzichtete aber und so wurde das Spiel kampflos gewonnen. Ahrensfelde ist nun Meister der Ostklasse. Ahrensfelde I fuhr nach Grunewald und spielte dort gegen Charlottenburg I. Ahrensfelde gewann mit 14:8 Toren. Da nun in der Meisterklasse Ahrensfelde und Hohenschönhausen punktgleich stehen, finden zwei Ausscheidungsspiele statt. Das erste ist am 23.3. in Ahrensfelde um 3.30 Uhr. Schiedsrichter ist Wotan - Willmersdorf.


Niederbarnimer Kreisblatt, 6. April 1933, Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Der 1. Bezirk im deutschen Turnerbund hielt am Sonntag sein diesjähriges Geräte-Wetturnen in Berlin-Hohenschönhausen ab. Pünktlich 3 Uhr begrüßte Turnwart Blosat die zahlreich erschienenen Wetturnerinnen und Wetturner. Alle Uebungen wurden geturnt. Jeder Wetturner wurde von den Ditwarten ob seines Wissens im Völkischen eingehend geprüft. Zum Schluß des Wetturnens wurde unter Leitung des Turnlehrers Augst Körperschule gezeigt. Bei den Männern errang den 1. Platz Augst - Weißensee; Jungmannen: 1. Günter Maas - Ahrensfelde; Turnerinnen: 1. Potzuweit - Jahn Berlin, Jungmädchen: Eisermann - Weißensee


Niederbarnimer Kreisblatt, 8. April 1933, gekürzt

Das Feuerlöschwesen in Niederbarnim
76 Freiwillige Feuerwehren mit 1987 Mitgliedern
Rückblick auf 1932 ...
Neue Feuerwehrgeräte und Fahrzeuge wurden geprüft und abgenommen:
... b) je eine Kleinmotorspritze in Ahrensfelde, Oranienburg und Werlsee ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 9. April 1933, Aus der Provinz, gekürzt

Geheimnisvoller Leichenfund
pr. Baruth, 8. April
An der Strecke Berlin-Dresden zwischen den Ortschaften Neuhof und Baruth wurde gestern ein merkwürdiger Leichenfund gemacht, mit dem sich die Mordkommission beschäftigt. Man fand dort - etwa 50 Meter von der Chaussee entfernt - im Walde die Leiche eines Mannes auf, der schon längere Zeit dort gelegen haben muß; Sie war bis zur Unkenntlichkeit entstellt. In den Taschen des Toten wurden keine Legitimationspapiere gefunden. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 20. Mai 1933 , Amtsbezirk Blumberg [!]

Ahrensfelde. Das überaus seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern am Sonnabend Wilhelm Hase und seine Ehefrau. Echt deutsch, wie beide erzogen, so sind sie geblieben! Sicher nimmt die ganze Gemeinde herzlichen Anteil an dem Jubelfeste, erfreuen sich doch beide Ehegatten bis ins hohe Alter hinein der uneingeschränkten Liebe und Verehrung aller Volksschichten unserer Bevölkerung. So manches Ehrenamt hat der Jubelbräutigam in jungen Jahren bekleidet, sei es in der Kirchen- oder politischen Gemeinde. Und weit über die Grenzen des Ortes hinaus war "der Gastwirt" bestens bekannt. Selbst Groß-Berlin kannte und kennt ihn durch seinen Reitersport, war er es doch, der im Verein mit seinem Nachbarn Junghans den Reiterverein - den ältesten der Mark - vor 40 Jahren gründete. Noch als 75jähriger stieg er bei der Parade des Vereins gelegentlich einer Jubelfeier in den Sattel. - Und als Waidmann hatte er weite Teile der Mark kennengelernt, und wo Wilhelm war, da war Leben. Noch heute erzählt er mit Genauigkeit, ohne das bekannte "Latein", über seine vielen Jagdtrophäen, um die ihn mancher beneidet. Wir wünschen dem noch rüstigen Jubelpaare weitere gesunde Lebensjahre.


Niederbarnimer Kreisblatt, 25. Mai 1933, gekürzt

Was wird aus der Deutschen Turnerschaft ?
Der Spuk des "Fachverband"-Gedankens ...
Einschränkung des Wettkampfbetriebes in der DT

Der Oberturnwart der DT hat folgende Anordnung getroffen:
1. Der Wettkampfbetrieb in der Deutschen Turnerschaft wird zugunsten allgemeiner Breitenarbeit und des Wehrturnens eingeschränkt. Pflichtspiele dürfen nur einmal im Monat, und zwar am ersten Sonntag des Monats, ausgetragen werden. Daher darf die Zahl der Mannschaften in einer Spielreihe höchstens fünf, im Ausnahmefall sechs Mannschaften betragen...
2. Wir erwarten, daß jeder Turner und jede Turnerin am allgemeinen Uebungsbetrieb teilnimmt. ...
3. Ab 1934 werden Turner im Scharalter (19-21 Jahre) nur dann zu Wettkämpfen und Wettspielen zugelassen, wenn sie den Nachweis erbringen, daß sie sich auch am Wehrturnen beteiligen. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 3. Juni 1933, gekürzt

Die DT. unterstellt sich dem Reichskanzler
Ein Brief Dr. Neuendorffs an den Führer Adolf Hitler
Neben SA und Stahlhelm
...

Niederbarnimer Kreisblatt, 7. Juni 1933, Amtsbezirk Blumberg

Blumberg. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich gestern in unserem Ort zugetragen. Ein fünfjähriger Junge aus Berlin, das einzige Kind seiner Eltern, das zu Besuch in Blumberg weilte, wurde durch einen Herzschuß, der sich aus einem Tesching gelöst hatte, getötet. Der unglückliche Schütze ist der 25jährige Sohn eines Maurers. Er hatte mit der Waffe geschossen und sie dann, um irgend etwas an ihr in Ordnung zu bringen, zwischen seine Knie geklemmt. Dabei löste sich ein Schuß und traf den nahebeistehenden Jungen. Es liegt fahrlässige Tötung vor.


Niederbarnimer Kreisblatt, 16. Juni 1933, Amtsbezirk Blumberg

Blumberg. Zum kommissarischen Gemeindevorsteher ist der Schloßgärtner Paul Fischer ernannt worden. Kommissarische Schöffen wurden der Gutsbesitzer Willy Grün, Maurer- und Zimmermeister Georg Weidelt und Landwirt Georg Wenzel II.


Niederbarnimer Kreisblatt, 24. Juni 1933, gekürzt

Neuaufbau des deutschen Sports
Die Reichsführer des Sportes sind ernannt worden
...

Niederbarnimer Kreisblatt, 1. Juli 1933, gekürzt

Das Gesetz über die Reichsautobahnen
Zweigunternehmen der Reichsbahn-Gesellschaft mit dem Sitz in Berlin
...
Berlin, 27.Juni 1933
Der Reichskanzler, gez. Adolf Hitler
Der Reichsverkehrsminister, gez. Freiherr v. Eltz


Niederbarnimer Kreisblatt, 11. Juli 1933, gekürzt

Das vorläufige Ergebnis der Volkszählung
... 39,96 Millionen Menschen leben in Preußen ...
... Zunahme von 4,5 v.H. in 8 Jahren ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 20. August 1933, Amtsbezirk Ahrensfelde

Ahrensfelde. Am kommenden Sonntag, den 20. August, hält der Reiterverein sein traditionelles Bauernwettreiten ab. In diesem Jahre wird die SA. zum ersten Male der Veranstaltung das äußere Gepräge geben, denn der Reiterstu[r]m I der Standarte 208, Hoppegarten, dem auch die Trupps Hönow und Rahnsdorf angegliedert sind, wird sich geschlossen daran beteiligen. Unter den 12 Rennen sind zwei für den Reiterstu[r]m. Außerdem wird ein Rennen in den alten Uniformen geritten. Besonderes Interesse wird die Stafette zwischen Motorrad-Läufer-Pferd erwecken. Der Anfang des Rennens ist auf 3 Uhr festgesetzt.


Niederbarnimer Kreisblatt, 26. September 1933, gekürzt

Stromversorgung und Stromtarife in der Mark Brandenburg
Bewag / MEW / Elektrizitätsgenossenschaft Wandlitzsee
Ein lehrreicher Vergleich

Als Stromversorger in der Mark kommen in Betracht: 1. Die Ueberlandzentralen, 2. Städtische Werke mit eigener Stromerzeugung, 3. Städte und Gemeinden als Großabnehmer, 4. Elektrizitätsgenossenschaften und 5. Lichtgemeinschaften.
...
Die Strom-Tarife in der Mark sind ganz verschieden. Man unterscheidet in der Hauptsache auch heute noch den Kilowattstunden- oder Zählerverbrauchs-Tarif und den Grundgebühren-Tarif.
...
Wie sich der Grundgebühren-Tarif auswirkt, will ich an einigen Beispielen zeigen: Zum Vergleich seien herangezogen die Bewag, das MEW und eine von den 1000 Elektrizitätsgenossen der Mark, die Elektrizitätsgenossenschaft Wandlitzsee, die bereits seit 1922 Strom absetzt. Diese drei Lieferunternehmen verzeichnen neben einer Grundgebühr im Stromtarif eine Arbeitsgebühr von 8 Pf./Kwstd.
...
Der monatliche Grundpreis oder die Grundgebühr [in Mark] ergibt sich bei diesen drei Unternehmen aus folgender Übersicht:

Werk 1 Zimmer 2 Zimmer 3 Zimmer 4 Zimmer 5 Zimmer 6 Zimmer 7 Zimmer
Bewag 3,10 4,00 5,30 7,50 10,00 13,70 17,00
M. E. W. 1,40 2,05 2,70 3,60 5,00 6,65 8,30
Gen. W. 1,50 1,75 2,00 2,50 3,50 4,75 6,00

Hinzu tritt, daß bei der Bewag sich der Abnehmer verpflichten muß, in einem Jahre neben der Grundgebühr eine bestimmte Kilowattstundenmenge abzunehmen bzw. sich in Anrechnung stellen zu lassen, ungeachtet ob diese Strommenge verbraucht ist oder nicht. Diese Strommengen stellen sich jährlich wie folgt: 1 Zimmer = 500 Kwstd., 2 Zimmer = 600 Kwstd., 3 Zimmer = 720 Kwstd., 4 Zimmer = 850 Kwstd., 5 Zimmer = 1025 Kwstd., 6 Zimmer = 1200 Kwstd., 7 Zimmer = 1375 Kwstd. Dieser Abnahmezwang findet bei den beiden oben genannten anderen Lieferanten nicht statt.

Wie stellt sich nun die Auswirkung dieser Tarife bei einem Landhaus von 5 Zimmern und einem Jahresstromverbrauch von 720 Kwstd. ? Die Rechnung ist folgende:



Bewag720 Kwstd. X 8 Pf. ............. 57.60 M
Stromdiff. 305 Kwstd. X 8 Pf. .. 24.40 M
Grundgebühren .................. 120.00 M
Summe: 202.00 M

MEW 720 Kwstd. X 8 Pf. ............. 57.60 M
Grundgebühren .................. 60.00 M
Summe: 117.60 M

Gen. W. 720 Kwstd. X 8 Pf. ............. 57.60 M
Grundgebühren .................. 42.00 M
Summe: 99.60 M

Auch bei den Motorenanlagen differieren diese Grundgebühren wie folgt: Bewag 2.40 M., MEW 2.00 M. und Genossenschaft 1.00 M. für das erste Kilowatt. ...
Aus obigen Zahlen dürfte mancher mit offenen Augen sehen, wie kraß die Gegensätze von nachbarlichen Stromversorgungsgebieten ausfallen.


Niederbarnimer Kreisblatt, 22. September 1933, gekürzt

Presserundfahrt im Kreise Niederbarnim
Berlin und unser Kreis

Der Kreis Niederbarnim, der Berlin im Norden und Osten vorgelagert ist, hatte bis 1920 bekanntlich eine wesentlich andere Gestalt als heute. In jenem Jahre wurde das "Gesetz Groß-Berlin" geschaffen und damit wurden dem landeinwohner- und steuerhungrigen Wasserkopf Groß-Berlin 29 Gemeinden und 15 Gutsbezirke des Kreises Niederbarnim zugeteilt. Die Einwohnerzahl dieses Gebietes betrug 330000 und der Kreis verlor damit drei Viertel seiner gesamten Einwohnerschaft und - noch schlimmer! - fünf Sechstel seiner Steuerkraft. Man hatte nämlich mit dem Blick auf den Steuerertrag gerade die Gemeinden willkürlich mit nach Berlin eingemeindet, von denen höhere Steuerleistungen zu erwarten waren, z. B. Frohnau. Daneben sind aber auch rein ländliche Gemeinden wie Blankenfelde, Buch, Falkenberg und zahlreiche andere, die mit Berlin nun wirklich nichts zu tun hatten, eingemeindet worden, so daß der

Kreis Niederbarnim äußerst empfindliche Verluste

erlitt und zugleich eine geographische Form bekam, die ihresgleichen sucht in ganz Deutschland. 1920 betrug die Einwohnerzahl des Kreises 124600. Diese Ziffer ist in der Hauptsache durch zahlreiche Siedlungen, die von Berlin aus in den Kreis vorgetrieben worden sind, jetzt auf 180000 Einwohner gestiegen, die in 4 Städten, 81 Dörfern und 4 Forstgutbezirken untergebracht sind. In welchem Maße der Kreis unter diesen starken Belastungen von Berlin her, die natürlich nicht von den kapitalkräftigen Elementen vollzogen wird, leidet, ergibt sich aus den Zahlen des Haushaltsplanes. Er schließt in diesem Jahre in der Ausgabe mit 11,13 Millionen Mark ab. Davon sind aber

allein Wohlfahrtsausgaben von 7,78 Millionen Mark.

Die Fürsorgeaufwendungen im Monat August betrugen 661600 Mark. Wie stark weitere öffentliche Lasten auf dem Kreise liegen, ergibt sich u. a. auch daraus, daß der Kreis Niederbarnim 420 Kilometer Chausseen zählt, von denen nur 60 als große Ausfallstraßen von der Provinz versorgt werden. 360 Kilometer, auf denen sich aber bei der Nähe der Großstadt auch ein guter Teil Berliner Lastwagenverkehr abspielt, muß der Kreis aus eigener Tasche unterhalten.

Diese interessanten und vielleicht auch manchem Niederbarnimer wohl unbekannten Tatsachen gab Landrat Dr. Weiß am Mittwoch einer Anzahl von Niederbarnimer und Berliner Pressevertretern bekannt, die die Kreisverwaltung zu einer Rundfahrt durch den Kreis Niederbarnim eingeladen hatte.
...
Das ... Bestreben, die schlimmen Spuren der Vergangenheit auszulöschen und

Neues und Besseres aus der Gegenwart für die Zukunft

zu schaffen, erkannte man beim Besuche der Siedlungen um Blumberg. Die berüchtigte Siedlungsfirma Dyk-Salomon, die auch an anderen Orten Spuren ihrer unseligen Tätigkeit hinterlassen hat, hat hier Siedlungen zurechtgeschnitten, auf denen die Leute nicht leben und nicht sterben können. Der Kreis und insbesondere der Kreisausschuß hat nun seine liebe Not damit, hier Ordnung zu schaffen. Aber wenn es den Leuten mit ihren zwei Morgen nicht gelingen kann, so scheinen doch die anderen, die etwas größere Siedlungsstellen erhalten haben, etwas besser zu stehen und man hofft, daß die Siedler mit 28 bis 30 Morgen durchkommen. Die Domäne Blumberg war früher ein Mustergut, das einen Reinertrag von 130000 Mark brachte. Jetzt ist sie bis auf ein kleines Restgut zerschlagen und der Steuerausfall, der dadurch eintritt, beträgt allein 12000 Mark. Dazu muß aber die Gemeinde an Wohlfahrtsunterstützungen allein 6300 Mark zahlen. Der an sich wundervolle Siedlungsgedanke ist hier zur Karikatur verzerrt und mit Recht kann man sagen: "Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage".

Nun soll aber den Siedlern wirklich geholfen werden. Die Möglichkeit dazu bietet eine

Spende von 102 Morgen Land,

die Gutsbesitzer Mendelson-Bartholdy, dem das benachbarte Rittergut Börnicke gehört, auf Anregung von Landrat Dr. Weiß dem Oberpräsidenten Gauleiter Kube kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Dieses Gebiet soll zur Abrundung der Siedlung Blumberg benutzt werden, so daß die einzelnen Siedlerstellen dadurch lebensfähiger werden.

Der herrliche in englischem Stiel gehaltene

Park des Blumberger Schlosses,

der wahrscheinlich vom Fürsten Pückler-Muskau selbst angelegt ist, sollte zum Teil ebenfalls der Siedlung zum Opfer fallen. Der Kreisausschuß wird sich aber höchst energisch und mit vollem Recht gegen einen solchen Naturfrevel - der Park steht unter Baumschutz! - wehren. Daß Gemeindvorsteher Fischer, der mit jedem einzelnen Baum dieses Parkes verwachsen ist, sich darüber freut, bedarf keiner besonderen Betonung.
...

Niederbarnimer Kreisblatt, 29. September 1933, Amtsbezirk Blumberg

Blumberg. Wegen Betruges hatte sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Bernau der 20 jährige Tischler B. aus Blumberg zu verantworten. B. bezog vom Arbeitsamt Unterstützung, während er in der Zeit nebenher arbeitete und davon natürlich dem Arbeitsamt nichts meldete; solange nicht, bis es von selbst dahinter kam. Die Folge war die Betrugsanzeige. Vor Gericht gab er zu, 70.50 Mark überhoben zu haben und wurde zu 100 Mark Geldstrafe oder im Nichtbetreibungsfalle zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Richter sagte in der Urteilsbegründung, daß der Angeklagte noch gut weggekommen sei, heute würden derartige Fälle nicht ohne Gefängnis abgeurteilt. Dem Angeklagten seien noch einmal mildernde Umstände zugebilligt worden. In monatlichen Raten von 10 RM muß er tilgen. Das Urteil wurde rechtskräftig.


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