Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Oranienburg) von 1939 (86. Jahrgang),
gefunden im Zeitungsarchiv der Staatsbibliothek (Westhafen)



Niederbarnimer Kreisblatt, Montag, den 2. Januar 1939, gekürzt

Pflichtjahr für die ganze weibliche Jugend
Etwa 300000 Mädchen vor dem Berufseinsatz
...

Niederbarnimer Kreisblatt, 12. Januar 1939, gekürzt

"Zwerggemeinden" werden beseitigt
Die Verwaltungskraft ländlicher Gemeinden soll gehoben werden

Durch einen Beschluß des Reichsinnenministers wird geklärt, was seit Jahren den Gegenstand eingehender und umfassender Untersuchungen bildete, nämlich der Hebung der Verwaltungsfreiheit ländlicher Gemeinden.
... Der wesentliche Fortschritt der Neuregelung ist darin zu sehen, daß die zu kleinen, leistungsunfähigen Gemeinden (Zwerggemeinden) beseitigt werden. ... Eine Mindesteinwohnerzahl wird nicht festgesetzt.
Wohl aber besagen die Richtlinien, daß für den Regelfall Gemeinden unter 200 Einwohnern zur Erfüllung der vielen und schwierigen Gegenwartsaufgaben nicht leistungsfähig genug sind. Je nach den gebietlichen Gegebenheiten könne diese lose Begrenzung der Mindesteinwohnerzahl auch bis 300 ausgedehnt werden.


Niederbarnimer Kreisblatt, 16. Januar 1939

Neubauern aus HJ. und SS.
Eine Vereinbarung zwischen dem Reichsführer SS. und dem Reichsjugendführer

München, 16. Januar
Der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, und der Jugendführer der NSDAP. und Jugendführer des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, haben die nachfolgende Vereinbarung geschlossen, die in der NSK. bekanntgegeben wird:

"Um den gemeinsamen Bemühungen der SS. und der HJ. der Landflucht [entgegen] zu steuern, neues Bauerntum zu bilden, den besten Teil unseres Volkes wieder in ein enges Verhältnis zur Heimaterde zu bringen, durch straffe Zusammenarbeit einen vollen Erfolg zu sichern, wird im Anschluß an das Abkommen vom 26.8.1938 folgende Vereinbarung getroffen:

1. Der Landdienst der HJ. ist nach Erziehungsarbeit und Zielsetzung ganz besonders als Nachwuchsorganisation für die Schutzstaffel (allgemeine SS. und ihre unter Waffen stehenden Teile: SS.-Verfügungstruppen und SS.-Totenkopfstandarten) geeignet.

2. In den Landdienst der HJ. werden Jungen, die den besonderen Anforderungen der SS. nach körperlicher Beschaffenheit und charakterlicher Haltung entsprechen, bevorzugt aufgenommen.

3. Dem Landdienst sollen vorallem die Jungen zugeführt werden, die den festen Willen haben, Bauer auf eigener Scholle (Wehrbauer) zu werden. Dieser Wehrbauergedanke wird im Landdienst von HJ. und SS. besonders gepflegt.

4. Die in den bewaffneten Teilen der Schutzstaffel dienenden Landdienstangehörigen werden nach Ableistung ihrer Dienstzeit durch den Reichsführer SS., in Zusammenarbeit mit den hierfür zuständigen Stellen des Reichsbauernführers, auf Neubauernstellen angesetzt. Der Einsatz findet laufend nach Maßgabe der Bereitstellung dieser Stellen statt. Er erfolgt vorzugsweise in solchen Gegenden, in denen das Deutschtum besonders vorgebildete Bauern verlangt.

5. Alle Landdienstangehörigen, die den allgemeinen Aufnahmebestimmungen der SS. genügen, werden nach Ausscheiden aus dem Landdienst in die allgemeine SS. übernommen.

6. Die Ausführungsbestimmungen erläßt der Chef des sozialen Amtes als federführendes Amt der Reichsjugendführung in Zusammenarbeit mit dem Chef des SS.-Hauptamtes als federführendes Amt der SS. und der Chef des Rasse- und Siedlungshauptamtes SS. für die Neubauern- und Siedlungsfragen.

gez. Heinrich Himmler, Reichsführer SS. und Chef der deutschen Polizei
gez. Baldur von Schirach, Reichsjugendführer der NSDAP. und Jugendführer des Deutschen Reiches
* * *
Hierzu schreibt die NSK.:
Seit Bestehen des Landdienstes der Hitler-Jugend, der 1934 aus der nationalsozialistichen Artamanenbewegung hervorging, ist die Zahl derjenigen Landdienstler erheblich angewachsen, die nicht nur den Wunsch, sondern auch die Voraussetzungen für die bäuerliche Siedlung mitbringen. Sie sind heute im allgemeinen als Gruppenführer tätig, haben die Landarbeitsprüfung abgelegt oder landwirtschaftliche Schulen besucht und sich im politischen Einsatz auf dem Lande auf das beste bewährt. Auch unter denen, die erst ein oder zwei Jahre im Landdienst tätig sind, also den im allgemeinen Fünfzehn- bis Siebzehnjährigen, befinden sich viele, die den heißen Wunsch und Willen haben, Bauer auf eigenem Boden zu werden. Der Landdienst der Hitler-Jugend zeichnet sich dadurch besonders aus, daß er nicht nur eine Organisation der politischen Gemeinschaftserziehung darstellt, sondern außerdem eine ordnungsgemäße berufliche Ausbildung vermittelt. ... Die Hitler-Jugend begrüßt die vorstehend Vereinbarung vor allem aus ihrer Erfahrung, daß viele und vornehmlich die bestgeeigneten Anwärter auf Neubauernstellen nicht über die Mittel verfügen, um selbständig eine Bauernsiedlung zu erwerben.


Niederbarnimer Kreisblatt, 16. Januar 1939, gekürzt

Die erste Reichstagung des NSRL.
Die Gemeinschaft nationalsozialistischer Leibeserziehung / Feierliche Verpflichtung der Sudetendeutschen Höhepunkt und Abschluß

Berlin, 16. Januar
Als der Führer mit seinem Erlaß vom 21. Dezember den DRL. sichtbar in die Gemeinschaft der Partei aufnahm und den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen zu einer von der Partei betreuten Organisation erhob, zog Adolf Hitler selbst den Schlußstrich unter eine Entwicklung, die in kaum sechs Jahren aus einem wirren Gegeneinander ein organisches Ganzes geformt hat. Der Führer des deutschen Volkes erkannte damit gleichzeitig die Arbeit der Millionen deutscher Turner und Sportler an, die diese in den letzten Jahren für Volk und Vaterland geleistet haben.
Die erste Reichstagung des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen, die am Sonnabend und Sonntag im Kuppelsaal im Haus des Deutschen Sports auf dem Reichssportfeld stattfand, gab den führenden Männern des deutschen Sports Gelegenheit, dem Führer für diese geschichtliche Tat zu danken.
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Niederbarnimer Kreisblatt, 25. Januar 1939, gekürzt

Der Kampf gegen die Landflucht
Bisher rund 100 Millionen RM. für Landarbeiterwohnungen bewilligt
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Niederbarnimer Kreisblatt, Donnerstag, den 26. Januar 1939, gekürzt

Im Gespräch mit dem Landrat:
Ausbau des Katastrophenschutzes im Kreise Niederbarnim
Volksverbundenheit von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz, Luftschutz und Technischer Nothilfe
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In einem Gespräch mit Landrat Dr. Weiß antwortete dieser auf die Frage, warum er sich in den letzten Jahren so besonders dem Ausbau des Katastrophenschutzes im Kreise gewidmet habe: Weil der Kreis Niederbarnim als Randkreis der Reichshauptstadt in besonderer Weise gefährdet ist. In normalen Zeiten durch die zahlreichen Verkehrsunfälle auf den sechs großen Berliner Ausfallstraßen, die den Kreis durchziehen, und auf den Zubringerstraßen zur Reichsautobahn Berlin-Stettin und Erkner-Frankfurt (Oder), die in den Sommermonaten einen Ausflugsverkehr von 10 bis 12000 Kraftfahrzeugen und 2 bis 3000 Radfahrern aufweisen. Da haben unsere rund
   110 Gendarmerie- und 71 Polizeibeamten
alle Hände voll zu tun, um den Verkehr zu überwachen und Verkehrsunfälle zu verhindern oder, wenn sie geschehen sind, zu beheben. ...

Wir haben, wie schon im Kreisblatt erwähnt, Verkehrsschulungsstellen für Verkehrssünder eingerichtet; in Schönwalde wurde eine zentrale Verkehrsmeldestelle organisiert. Man plant neuerdings die Einteilung der Verkehrsgebiete in Zonen mit einem Zonenführer, der den Unfalldienst zentral regelt und nach Bedarf Polizei, Feuerwehr, und Rotes Kreuz usw. einsetzt. Wir im Kreise Niederbarnim wollen auf Grund unserer Erfahrungen in jeder Gemeinde eine dauernd besetzte Stelle haben, die als Unfallmelde- und -hilfsstelle dient. Diesen Dienst fühlen wir uns verpflichtet, an den Verkehrsteilnehmern und der Bevölkerung zu leisten.

Ebenso wie die Polizei steht im Krise
   die Feuerlöschpolizei,
die Freiwillige Feuerwehr, ausgebaut da. ... Die Organisation der Feuerwehr klappt allerorten. Ihre Ausrüstung ist laut Kreisverwaltungsbericht mit 6 Ueberlandlöschzügen, 7 Lafettenkraftspritzen, 96 Kleinmotorspritzen und 56 Feuerwehrkraftwagen auf der Höhe. In 6 Gemeinden fehlt nur noch eine Kleinmotorspritze, dann ist die Motorisierung des Kreises restlos durchgeführt. In den 44 Ortspolizeibezirken des Kreises leisten 2289 Kameraden in 86 freiwilligen Feuerwehrabteilungen ihren gemeinnützigen Dienst am Volke. ...

Zum Deutschen Roten Kreuz übergehend sagte der Landrat: Wir haben den
   Aufbau und Ausbau des Roten Kreuzes,
sei es der männlichen und weiblichen Bereitschaften, sei es der Ortsgemeinschaften, sei es die Anschaffung von Krankenwagen und Transportgeräten oder die Einrichtung von Unfallhilfsstellen seit der Neuordnung des Roten Kreuzes stark vorwärts getrieben, ... ... Am Stichtage des 31. März vorigen Jahres zählte man 850 DRK.-Männer, 501 DRK.-Frauen und 34 DRK.-Schwestern-Helferinnen, die in sieben männlichen und in sieben weiblichen Bereitschaften zusammengefaßt sind. In den Ortsgemeinschaften vom Roten Kreuz zählte man 6850 Mitglieder. Ortsgemeinschaften sind gebildet in: ... Ahrensfelde, ..., Blumberg, ..., Eiche, ..., Lindenberg, ... Bis April 1939 soll in jeder Gemeinde eine Ortsgemeinschaft bestehen, die so stark ist, daß sie die Unkosten, die durch das Rote Kreuz entstehen, selbst aufbringen kann. 16 Krankenwagen stehen zur Verfügung. ...

Einen weiteren Katastrophenschutz, und zwar einen äußerst wichtigen für den Ernstfall stellt
   der Luftschutz
dar. Es ist von maßgeblicher Stelle festgestellt worden, der Luftschutz im Kreise Niederbarnim sei vorbildlich aufgezogen und funktioniere, wie sich bei zahlreichen Luftschutz- und Verdunkelungsübungen gezeigt hat, mustergültig. ...
Der Reichsluftschutzbund im Kreise Niederbarnim gliedert sich in 19 Gemeindegruppen mit etwa 300 Untergruppen und mit ungefähr 900 Blocks. Auf den Dienststellen arbeiten insgesamt ehrenamtlich 3000 Amtsträger, worin die verschiedenen Luftschutzlehrer und -lehrerinnen, wie auch die Frauensachbearbeiterinnen eingeschlossen sind. ... Der derzeitige Mitgliederbestand des RLB. beträgt in Niederbarnim etwa 35000. ...

Die jüngste Organisation des Katastrophenschutzes ist die
   Technische Nothilfe,
kurz Teno genannt. Sie entspricht mit Rücksicht auf die schnell fortschreitende Entwicklung der Industrie im Kreise noch nicht ganz den Anforderungen, die im Ernstfall an sie gestellt werden. ... Es muß erreicht werden, daß alle Stellen des Kreises von den wenigen Ortsgruppen zuverlässig technisch betreut werden können. Wichtig dafür ist eine Motorisierung der Ortsgruppen, die für Oranienburg bereits durchgeführt ist. Eine motorisierte Teno kann mit der erforderlichen Schnelligkeit ihre Kräfte und Geräte dort einsetzen, wo sie gerade gebraucht werden. Diese Einsatzmöglichkeit ist in dem besonders luftgefährdeten Kreise Niederbarnim sehr wichtig. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 31. Januar 1939

Gau Mark Brandenburg der NSDAP.
Eine Verfügung des Führers

Der Führer hat laut NSK. die folgende Verfügung erlassen: Ich verfüge, daß der Gau Kurmark der NSDAP. mit Wirkung vom heutigen Tage die Bezeichnung "Gau Mark Brandenburg der NSDAP." führt.


Niederbarnimer Kreisblatt, 10. Februar 1939, gekürzt

Die Maul- und Klauenseuche
In diesem Jahre muß sie überwunden werden!
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Niederbarnimer Kreisblatt, 16. Februar 1939, gekürzt

In jedem Dorf ein Erntekindergarten
Einsatz und Schutz der Volkskraft / Zum 5. Landesbauerntag in Cottbus
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Niederbarnimer Kreisblatt, 20. Februar 1939, gekürzt

Die Landflucht - ein brennendes Problem
Landesbauernführer Wendt auf der Schlußkundgebung des 5. Landesbauerntages in Cottbus
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Der Landesbauernführer [Martin Wendt] wandte sich dem Problem der Landflucht zu, die diese Aufwärtsentwicklung der Landwirtschaft bedroht. Der Kern des Problems, so führte er aus, liegt nicht darin, die sogen. Arbeitsspitzen zur Zeit der Getreide- und Hackfruchternte zu beseitigen. Diese Arbeitsspitzen können durch den Einsatz von Heer und Arbeitsdienst, durch die freiwillige Mithilfe von Organisationen und Schulen und durch ausländische Wanderarbeiter gemildert werden. So halfen bei der Einbringung der vorjährigen Ernte in der Mark nicht weniger als 14.000 fremdländische Wanderarbeiter, zu denen noch rund 11.000 Arbeitsmänner, Soldaten, Studenten und Angehörige des HJ.-Landdienstjahres kamen. ... Nach den bisherigen Feststellungen fehlen uns in der Mark außer rund 5.000 Mädchen 8.000 ständige männliche Arbeitskräfte und 34.000 Saisonarbeiter für das Jahr 1939. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 22. Februar 1939, gekürzt

Gründliche Auslese der Omnibusfahrer
Wesentliche Änderungen im gewerblichen Personenkraftverkehr / Einführung des Omnibusführerscheins
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Niederbarnimer Kreisblatt, 23. Februar 1939, Oranienburger General-Anzeiger, gekürzt

Der KDF.-Wagen stellt sich vor!
Drei Volkswagen in den Oranienburger Betrieben
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Niederbarnimer Kreisblatt, 23. Februar 1939, gekürzt

Die Bevölkerungsentwicklung um Berlin
297 Gemeinden nahmen um 123.000 Einwohner zu
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Niederbarnimer Kreisblatt, Sonnabend, den 25. Februar 1939

Tolles Banditenstück bei Hönow
Neuenhagener Automobilist überfallen / Jugendliches Brüderpaar als Täter entlarvt und festgenommen / Am Montag bereits Sondergerichtsverhandlung

Neuenhagen, 25. Februar
Ein verwegener Raubüberfall, der an die Banditenstücke der Gebrüder Götze erinnert, wurde in den Donnerstag-Abendstunden auf der Chaussee von Berlin nach Strausberg, zwischen den Ortschaften Marzahn und Hönow, auf einen Automobilisten verübt. Dank der vorbildlichen Arbeit der Polizei konnte der Überfall bereits aufgeklärt werden, und als Täter wurden zwei jugendliche Burschen entlarvt und festgenommen. Es handelt sich um den 16jährigen Heinz G. und seinen 19 Jahre alten Bruder Arthur aus Marzahn, die bei ihrer Vernehmung auf dem Berliner Polizeipräsidium auch schon ein umfassendes Geständnis abgelegt haben.
Ein Automobilist befand sich Donnerstag abend gegen 21 Uhr auf der Heimfahrt von Berlin nach Neuenhagen, als er plötzlich zwischen Marzahn und Hönow mitten auf der Chaussee einen jungen Burschen stehen sah, der ihn durch Zeichen zum Anhalten veranlaßte. Wie der Wagen stand, trat der Bursche an das Auto heran und bat, ihn doch bis zur Wegabzweigung nach Hellersdorf mitzunehmen. Im gleichen Augenblick tauchte aber auf der anderen Wagenseite ein zweiter junger Bursche auf, der, ohne etwas zu sagen, die Tür zum Fahrersitz aufriß. Zu seinem Schrecken sah nun der Autofahrer den Lauf einer Pistole auf sich gerichtet, und unter wüsten Drohungen verlangten die beiden Banditen die Herausgabe seines Geldes. Auf ihre Aufforderung hin mußte der Ueberfallene im Wagen sitzen bleiben und beide Arme hochheben, während die Wegelagerer daran gingen, seine Taschen zu durchsuchen.
Da die Burschen aber zunächst nichts fanden zwangen sie den Mann unter ständiger Drohung mit der Schußwaffe auszusteigen und raubten ihm nun die in der hinteren Hosentasche befindliche Brieftasche, die allerdings nur 10 Mark enthielt. Dann sprangen sie in den Wagen und machten Anstalten, davonzufahren. Der Ausgeplünderte, der sich inzwischen von seinem ersten Schrecken erholt hatte, bat die Banditen, ihn doch wenigstens bis nach Neuenhagen mitzunehmen. Tatsächlich erklärten sich die Burschen auch damit einverstanden, allerdings unter dem Versprechen des Ueberfallenen, erst am nächsten Abend bei der Polizei Anzeige zu erstatten. In sausender Fahrt ging es bis kurz vor Neuenhagen, wo der Automobilist aussteigen mußte, während die beiden Räuber in Richtung Dahlwitz-Hoppegarten davonrasten.
Selbstverständlich eilte der Ueberfallene so schnell wie möglich nach Neuenhagen und machte der dortigen Gendarmerie unverzüglich Mitteilung von dem Vorgefallenen, die sich sofort mit der Berliner Kriminalpolizei in Verbindung setzte. Schon kurze Zeit später waren zahlreiche Beamte zur Fahndung nach den geflüchteten Banditen zur Stelle. Sämtliche umliegenden Polizei- und Gendarmeriestationen wurden alarmiert, alle Strecken mit Streifenbeamten besetzt und durchfahrende Kraftwagen kontrolliert.
Dieses schlagartige Einsetzen aller verfügbaren Polizeikräfte führte dann auch bald zu einem überraschenden Erfolg. Gegen 2 Uhr nachts entdeckte ein Schutzpolizeibeamter, der auf der Chaussee bei Marzahn Posten gefaßt hatte, das von den Räubern zur Flucht benutzte Auto und zwang den Fahrer zum Halten. Es war dies der 19jährige Arthur G., der nur noch allein im Auto saß, da sein jüngerer Bruder vorher schon ausgestiegen war und sich in seine elterliche Wohnung begeben hatte.


Niederbarnimer Kreisblatt, 27. Februar 1939

Sie waren zu allem entschlossen
Weitere Einzelheiten zum Raubüberfall in Hönow

Hönow, 27. Februar
Nachdem die Ermittlungen zur Aufklärung des verwegenen Raubüberfalles auf der Chaussee bei Marzahn soweit zum Abschluß gebracht worden sind, daß inzwischen von der Staatsanwaltschaft gegen die Autobanditen, den 19 Jahre alten Arthur Gose und seinen 16jährigen Bruder Heinz Anklage erhoben werden konnte und ihnen bereits heute vor dem Schwurgericht der Prozeß gemacht wird, werden weitere Einzelheiten über den Hergang des tollen Banditenstücks bekannt, die ein bezeichnendes Licht auf die Persönlichkeit der beiden Täter werfen.
Nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei Arthur G. um einen jungen Burschen, der seinen Eltern schon seit langem viel Kummer bereitet hat. In der Schule kam er nicht recht vorwärts, und auf seinen späteren Arbeitsstellen hat er nirgends längere Zeit ausgehalten. Auch sein jüngerer Bruder Heinz hat wiederholt seine Arbeitsstätte gewechselt und riß eines Tages von seinen Eltern aus, um sich nach Hamburg zu begeben, wo er sich auf einem Schiff anheuern lassen wollte. Da er aber nicht über genügend Geld verfügte, kam er nicht weit und versuchte, sich als Landarbeiter durchzuschlagen, bis ihn sein Vater wieder nach Hause zurückholte.
Arthur G. war zuletzt in der Nähe von Zossen beschäftigt gewesen, hatte aber seine Arbeitsstätte kurzerhand am 21. d. M. verlassen und lebte seitdem bei seinen Eltern. Als er in den frühen Abendstunden des vergangenen Donnerstag mit seinem Bruder Heinz in Marzahn einen Spaziergang machte, kam er darauf zu sprechen, daß man Automobilisten überfallen und die Kraftwagen rauben müßte. Der Sechzehnjährige war mit diesem Plan einverstanden, und man besprach sofort die Einzelheiten eines solchen Ueberfalles, wobei man sich darüber einig war, daß man Kraftfahrer nötigenfalls auch "kalt machen" wollte.
Noch am gleichen Abend beschlossen die beiden, den verbrecherischen Plan zur Ausführung zu bringen. Den ersten Versuch wagten sie auf der Chaussee nach Strausberg zwischen Marzahn und Hönow, in der Höhe der Wegabzweigung nach Eiche. Während Arthur G. sich mit seiner Schreckschußpistole bewaffnet auf die eine Seite der Chaussee stellte und durch Winken einen vorüberkommenden Kraftwagen zum Halten veranlassen sollte, nahm sein Bruder auf der anderen Straßenseite Aufstellung, um im entscheidenden Augenblick einzugreifen. Als nun ein Auto herankam, winkte Arthur G., doch der Fahrer hielt nicht an und sauste vorüber. Kurz darauf kam ein zweiter Kraftwagen angefahren, der tatsächlich hielt. Da darin aber drei Personen saßen, bekam es Arthur G. mit der Angst. Er bat, ihn ein kleines Stück mitzunehmen, und als der Fahrer der Bitte entsprach, stieg er nach einem Kilometer wieder aus und lief zu seinem Bruder zurück. Inzwischen war es etwa 21 Uhr geworden und nun kam es zu jenem Ueberfall auf einen Automobilisten aus Neuenhagen, über den bereits ausführlich berichtet wurde.
Nach der Tat fuhren die beiden jungen Banditen in dem Auto über Mahlsdorf und Köpenick nach Zossen, wo der jüngere ausstieg und sich mit der Bahn nach Hause begab. Arthur G. dagegen fuhr weiter und holte einen in der dortigen Gegend wohnenden Arbeitskameraden, den 19jährigen Georg H., ab.
Ueber Machnow und Neukölln ging dann die Fahrt nach dem Berliner Südosten. Nachdem H. aus seiner elterlichen Wohnung in der Nähe des Kottbusser Ufers etwas Geld geholt hatte, beschlossen die beiden Burschen, auf dem kürzesten Wege nach dem Sudetenland zu fahren. In der Nähe von Marzahn ereilte sie dann aber bereits ihr Schicksal, wo sie von einem Schutzpolizisten angehalten und festgenommen wurden. Arthur G. versuchte, noch ein Messer zu ziehen, doch der Beamte war auf der Hut und hielt ihm die Pistole vor die Brust, so daß der Verbrecher jeden Widerstand aufgab und sich abführen ließ. Am nächsten Morgen wurde dann auch Heinz G. auf dem Wege zu seiner Arbeitsstätte in der Revaler Straße in Berlin O von Kriminalbeamten gestellt und in das Polizeipräsidium eingeliefert.


Niederbarnimer Kreisblatt, 28. Februar 1939

Keine Gnade für Piraten der Landstraße
Donnerstag straffällig geworden - Freitag verhaftet - Montag vor dem Schwurgericht
Dreifaches Todesurteil gegen den Autoräuber

Berlin, 28. Februar
Das Sondergericht II fällte am Montag abend im großen Schwurgerichtssaal in Moabit das Urteil gegen die Autoräuber Gebrüder Gose, die am Donnerstag abend auf der Landstraße von Berlin nach Strausberg nach drei mißlungenen Ueberfallversuchen auf vorbeifahrende Kraftwagen einen Kraftfahrer aus Neuenhagen ausgeplündert hatten. Der 19 Jahre alte Angeklagte Arthur Gose wurde wegen Verbrechens gegen das Gesetz gegen Straßenraub in drei Fällen, in jedem dieser drei Fälle zum Tode verurteilt. Ferner wurde der Angeklagte zu einer Zuchthausstrafe von 10 Jahren verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf Lebenszeit aberkannt. Der 16jährige Bruder Heinz erhielt mit Rücksicht auf seine Jugend eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Gefängnis. Der 19 Jahre alte Angeklagte Georg H. erhielt wegen Hehlerei sechs Monate Gefängnis.
Mit erfreulicher Schnelligkeit findet der Ueberfall auf den Neuenhagener Kraftfahrer, der am Donnerstag abend auf der Chaussee von Marzahn bei Hönow verübt wurde, seine Sühne. Die Schlagfertigkeit der Justiz des Dritten Reiches, die dem Verbrechen die Strafe auf den Fuß folgen läßt, kann nicht wirkungsvoller zum Ausdruck kommen, als in diesem Fall. Die Oeffentlichkeit ersieht daraus, daß die Justiz als Instrument des Staates gewillt ist, die Bevölkerung vor derartigen Elementen mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln nachdrücklich zu schützen. Gegen 10 Uhr werden die drei Angeklagten auf die Anklagebank geführt. In der Verhandlung sind zehn Zeugen geladen, darunter die Ueberfallenen sowie die Eltern der Gebrüder G., die einen vollkommen niedergeschmetterten Eindruck machen. Als Sachverständiger ist Prof. Dr. Müller-Heß geladen worden.

Die Anklage
Der Vorsitzende verliest die Anklage, die gegen die Gebrüder G. lautet auf Straßenraub mittels Autofalle und auf Nötigung, außerdem gegen Arthur G. auf versuchten Mord und Verbrechen gegen § 1 Ziff. 1 des Gesetzes zur Gewährleistung des Rechtsfriedens. Die Anklage wegen versuchten Mordes ist erhoben worden, weil der ältere der Brüder bei seiner Verhaftung in Mahlsdorf durch einen Polizeibeamten auf diesen mit einem Messer losging.
Die Verhandlung wird fortgeführt mit der Vernehmung der Angeklagten über ihre Person.
Der Vorsitzende läßt zunächst den Angeklagten Arthur Gose Angaben über seinen Lebenslauf machen. Arthur Gose hat nach Verlassen der 4. Schulklasse im 14. Lebensjahr im Laufe weniger Jahre eine ganze Anzahl von Stellungen inne gehabt, von denen ihm keine sonderlich zugesagt zu haben scheint. Auch Heinz Gose beantwortet ähnlich wie sein Bruder recht leise und etwas stockend die Fragen des Vorsitzenden. Der wegen Hehlerei angeklagte Georg H., der dann noch kurz über seinen Lebenslauf vernommen wird, hat eine Russin zur Mutter, sein Vater ist aber Reichsdeutscher. Es kommt dann zur Schilderung der Vorgänge am fraglichen Donnerstag. Hervorzuheben ist aus der Erörterung der zwei mißglückten Ueberfallversuche und des in seinen Einzelheiten bekannten Ueberfalls selbst, daß dem Verbrechen ein sonderlich klar durchdachter Plan offenbar nicht zugrunde gelegen hat; bald hatte der eine die Waffe, bald der andere, und auch über die Folgen des Unternehmens und über den weiteren Ablauf der Dinge hat man sich augenscheinlich nicht viel den Kopf zerbrochen.

Noch ein dritter mißglückter Ueberfallversuch
Im Laufe der Vernehmung der beiden Hauptangeklagten stellt sich heraus, daß die Brüder neben den beiden schon bekannten mißglückten Ueberfällen - ein Autofahrer hielt gar nicht erst auf den Anruf, der zweite Wagen war mit drei Personen besetzt, weshalb die Täter sich scheuten, das Verbrechen auszuführen - auch noch um etwa 20.30 Uhr, 800 Meter vor den ersten Häusern von Marzahn, zum drittenmal einen Anschlag versuchten. Arthur G. hatte hier einen Kraftwagen angehalten. Glücklicherweise lehnte der Fahrer es ab, die Burschen mitzunehmen.
Arthur G. schilderte dann, wie er mit dem gestohlenen Wagen in Begleitung des mitangeklagten Georg H. nach Frankfurt a. O. fahren wollte und wie sie in Mahlsdorf von dem Polizeibeamten angehalten wurden. "Jetzt ham se uns" hätte er zu H. gesagt, als der Beamte das Fahrzeug anhielt. "Ich habe mir überlegt, ob ich mich nicht noch wehren kann". Deshalb habe er, wie er zugibt, nach einem Messer gegriffen, das er bei sich führte: Aber da er sich sagte, es habe doch keinen Zweck mehr, habe er diese Waffe nicht mehr gezogen, um so mehr, als er sich nach dem Aussteigen direkt vor der Mündung der Dienstwaffe des Polizisten befunden habe. Der Angeklagte Georg H. betont immer wieder, mehr oder weniger dem Arthur G. nur widerwillig gefolgt zu sein. Große Heiterkeit löst im Verhandlungslokal seine Mitteilung aus, daß das Benzin schon am "Alex", und zwar direkt vor dem Polizeipräsidium, ausgegangen war, so daß man tanken mußte.
Die Beweisaufnahme in der Nachmittagssitzung wendet sich dem überfallenen Zeugen Zorn zu, der einen eingehende Schilderung des Ueberfalls gibt, bei dem er die ernste Befürchtung hatte, daß die Burschen ihm beim geringsten Widerstand niederknallen würden. Nicht uninteressant ist die Bekundung des Polizeiwachtmeisters Werner, der das Auto nachts zum Anhalten zwang, und nach seiner Schilderung ist der Angeklagte Arthur G. offensichtlich mit voller Absicht recht unbeholfen ausgestiegen, um den Wachtmeister in Bedrängnis zu bringen. Er hat auch zu einem Messer greifen wollen, doch hat ihn der Anblick des Revolvers zweifellos eingeschüchtert.

Das Gutachten des Sachverständigen
Der Sachverständige, Prof. Dr. Müller-Heß, kam in seinem Gutachten zu dem Schluß, daß es sich bei Arthur G. um eine erbbelastete psychopathische Person handelt, die in ihrer ganzen Entwicklung um reichlich zwei Jahre zurückgeblieben sei. Er sei ein eigenartig abwegiger Charakter an der Grenze des geistig Gesunden und des geistig Kranken. Jedoch könne von einer Geisteskrankheit oder Geistesschwäche im Sinne desw § 51 StGB. nicht gesprochen werden.

Die Strafanträge der Staatsanwälte
Der Vertreter der Anklagebehörde beantragt dann folgende Strafen: Gegen Arthur Gose wegen dreier Verbrechen gegen das Autofallengesetz dreimal die Todesstrafe und ein weiteres Mal die Todesstrafe wegen Verbrechens gegen § 1 Ziffer 1 des Gesetzes zur Gewährung des Rechtsfriedens und versuchten Mordes. Gleichzeitig beantragte der Staatsanwalt die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Gegen den Angeklagten Heinz G. lautete der Antrag unter Berücksichtigung der Bestimmungen des Jugendgerichtsgesetzes auf eine Gesamtstrafe von zehn Jahren Gefängnis, und zwar zusammengezogen aus Gefängnisstrafen von sechs, acht und zehn Jahren. Bei dem Angeklagten Georg H. hielt der Staatsanwalt die Hehlerei als erwiesen und beantragte ein Jahr Gefängnis.

Dreifaches Todesurteil
In den Abendstunden fällte das Sondergericht II im Großen Schwurgerichtssaal in Moabit das Urteil. Der 19 Jahre alte Angeklagte Arthur Gose wurde wegen des Verbrechens gegen das Gesetz gegen Straßenraub mittels Autofallen in drei Fällen, von denen einer in Tateinheit mit schwerem Raub begangen wurde, in jedem dieser drei Fälle zum Tode verurteilt. Ferner wurde der Angeklagte des Verbrechens gegen §1 Ziffer 1 des Gesetzes zur Gewährleistung des Rechtsfriedens in Tateinheit mit versuchtem Mord für schuldig befunden und deshalb zu einer Zuchthausstrafe von zehn Jahren verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm auf Lebenszeit aberkannt. Der 16jährige Bruder Heinz wurde ebenfalls wegen des Verbrechens gegen das Gesetz gegen den Straßenraub mittels Autofallen in drei Fällen für schuldig erklärt, in einem Falle in Tateinheit mit schwerem Raub. Er erhielt eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Gefängnis. Der 19 Jahre alte Angeklagte Georg H. erhielt wegen Hehlerei sechs Monate Gefängnis. Die Kosten des Verfahrens fallen den Angeklagten zur Last.

Die Begründung des Urteils
In seiner ausführlichen Begründung betonte der Vorsitzende, eine Autofalle stellen, heiße nicht nur ein Seil ziehen oder einen Baum als Hindernis über die Straße legen, sondern nach dem Wortlaut des Gesetztes stelle jede Situation, die dazu geeignet ist, auf listige Weise den Autofahrer in die Gewalt des Täters zu bringen, eine Autofalle dar. Vollendet waren die Verbrechen in dem Falle, in dem der Angeklagte das erste Mal einem Autofahrer winkte, um ihn zum Halten zu veranlassen. Unerheblich ist, daß das erste Auto nicht anhielt, ebenso unerheblich, daß in dem zweiten Falle angesichts der drei Personen in dem Kraftwagen die Angeklagten von der Vollendung des Verbrechens Abstand nahmen; ausschlaggebend ist in jedem Fall der Wille des Täters zum Verbrechen. Der dritte zur Anklage stehende Fall stelle ein vollendetes Verbrechen dar. Nach dem Wortlaut des Gesetzes mußte das Gericht auf Todesstrafe bei dem Angeklagten Arthur Gose erkennen. In dem Falle des versuchten Widerstandes gegen den Polizeibeamten, der den Hauptangeklagten stellte, habe dieser in der heutigen Verhandlung selbst zugegeben, den Vorsatz gehabt zu haben, sich mit dem Messer zur Wehr zu setzen. Es liege also versuchter Mord vor, wenn auch der Angeklagte später von der Tat Abstand genommen habe. Das Gericht habe geglaubt, hier von einer Todesstrafe absehen zu können und deshalb dieses Verbrechen gegen das Gesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens mit zehn Jahren Zuchthaus gesühnt.
Bei dem jüngeren Bruder Heinz konnte mit Rücksicht auf seine Jugend keine Todesstrafe ausgesprochen werden. Das Gericht habe auch bei diesem Angeklagten in Betracht gezogen, daß er noch außerordentlich jung sei und stark unter dem Einfluß des älteren Bruders gestanden habe.
Der Angeklagte Georg H. sei lediglich wegen Hehlerei zu bestrafen gewesen.


Niederbarnimer Kreisblatt, Donnerstag, den 2. März 1939 Titelseite, gekürzt

Autofallenräuber Gose hingerichtet
Genau eine Woche nach der Tat

Berlin, 2. März
Die Justizpressestelle Berlin teilt mit: Heute ist der am 13. Februar 1920 geborene Artur [!] Gose hingerichtet worden, der am 27. Februar 1939 vom Schwurgericht in Berlin wegen Stellens von Autofallen zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt worden ist.
Gose hatte am Abend des 23. Februar 1939 auf der Landstraße Marzahn-Hönow bei Berlin vier Autofallen gestellt, den Insassen eines Wagens auch ausgeraubt. Durch die wenige Tage nach Begehung des Verbrechens erfolgte Vollstreckung des Todesurteils haben Verbrechen, die in der Oeffentlichkeit großes Aufsehen und Empörung hervorgerufen haben, ihre schnelle und gerechte Strafe gefunden.

Dem Gesetz ist keiner entgangen.
Stellen von Autofallen wird immer mit dem Tode bestraft. Es kostet den Kopf.
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Wer als Autofallensteller oder als Straßenräuber den deutschen Verkehr gefährdet, begeht eine Tat von solcher Gemeinheit, daß er den Kopf verwirkt hat.
Deshalb wurde am 22. Juni 1938 das "Gesetz betreffend Straßenrauben mittels Autofallen" (RGBl. I Seite 651) erlassen. Es sieht die Todesstrafe vor.
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Niederbarnimer Kreisblatt, 15. März 1939

Besuch bei den Arbeitsmaiden in Blumberg
Erziehung für Familie und Haus / Hilfsarbeit bei den Siedlern / Feierabend, Dorffeste und Siedlernachmittage

Das ehemalige Vorwerk Elisenau des früheren Rittergutes Blumberg im Kreise Niederbarnim hat ein Maidenlager erhalten, einen Arbeitsdienst für die weibliche Jugend. In einigen Tagen wird das Lager feierlich eingeweiht, nachdem seine Insassen bereits seit einiger Zeit tüchtige Arbeit geleistet haben. Die Einweihung aber ist zu dem Zeitpunkt angesetzt, da die Lagerräume fertig sind und sich den Gästen in ansprechender Gestaltung darbieten.
Einer Einladung der Lagerführerin Anneliese Cadenbach folgend, besuchte ich das Lager 8/42 des Arbeitsdienstes für die weibliche Jugend in Elisenau, um an Ort und Stelle einen Eindruck vom Leben und Dienst der Arbeitsmaiden zu gewinnen. Beim Betreten des Bauernhofes Elisenau ist man erstaunt, inmitten der alten Vorwerksgebäude, die heute zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gehören, ein schmuckes, von sauberem Zaun umgebenes Haus vorzufinden, dessen äußere Aufmachung samt der im Winde flatternden Fahne das Arbeitsdienstlager verraten.
In einem Plauderstündchen bei einer Tasse Kaffee und auf einem Rundgang durch sämtliche Räume, einschließlich eines Besuches der gerade Zimmersport treibenden Mädel, sagte Anneliese Cadenbach dem Besucher alles Wissenswerte über das Lager und seine Bewohnerinnen und deren Dienst.
Das Lager Elisenau umfaßt zur Zeit "etatsmäßig" 40 Maiden, und zwar 33 Arbeitsmaiden, drei Kameradschaftsälteste, drei Gehilfinnen und die Lagerführerin. Die Gehilfinnen sind hauptamtliche Kräfte des Arbeitsdienstes, die für Küche, Haus und Stall, für Wäsche und Garderobe, für die Verwaltung und als Gehilfin der Führerin je nach Einsatz zu sorgen haben. Sie sind durch Rangabzeichen erkennbar und haben Aufstiegsmöglichkeiten im weiblichen Arbeitsdienst. Die Kameradschaftsältesten sind geeignete Maiden, denen so etwa beim Militär die Stubenältesten entsprechen.
25 von den 33 Arbeitsmaiden des Lagers Elisenau gehen nun täglich "auf Arbeit". Nachdem man frühmorgens um sechs aufgestanden ist, eine Viertelstunde dem Frühsport gehuldigt hat, nach Flaggenhissung und Frühstück, dem sich eine kurze Arbeitsbesprechung oder Gemeinschaftssingen anzuschließen pflegen, geht es zu den Siedlerfamilien, deren Anwesen sich längs der Landstraße zwischen Blumberg und Bernau erstrecken. Es handelt sich hier um Berliner Ansiedler, die trotz ihres Fleißes und guten Willens in höchst bescheidenen Verhältnissen leben, weil diese Kleinsiedlungen, die unter dem alten System entstanden sind, mehr Objekte der Bodenspekulation waren, als Neuland für zusätzliche Existenz. Auch die Siedlerfrauen haben hart zu arbeiten, im Haushalt, im Garten, im Stall. Dabei helfen ihnen nun die Arbeitsmaiden.
Sieben Stunden, einschließlich des Hin- und Rückmarsches, arbeiten die Maiden im Haushalt oder Garten der Siedler und legen überall da Hand an, wo es nottut. Man kann sich denken, wie dankbar die diese Hilfe empfunden wird und wie gern die Siedlerfrau die Maid auch als Tischgast sieht, obwohl sie zur Beköstigung der freiwilligen Arbeitskräfte nicht gehalten ist. Jede Siedlerfamilie zahlt je Arbeitskraft lediglich täglich 30 Pfennig Aufwandsbeitrag an den Träger der Arbeit, der den Arbeitseinsatz des Lagers Elisenau regelt, nämlich an den die Kreisbauernschaft Niederbarnim, der auch das Lagergebäude gehört. Um 8 Uhr haben die Mädel mit der Arbeit begonnen; um 15 Uhr machen Sie Schluß.
Sehr erfreut ist die Lagerführerin über das gute Verhältnis, das sich zwischen den Maiden und den Siedlern herausgebildet hat und das seinen Ausdruck fand in der Einrichtung netter Siedlernachmittage im Lager wobei es außer Kaffee fröhliche Unterhaltung und Darbietungen, durch die Mädel gibt. Hier sei gleich eingeschaltet, daß das gleiche gute Verhältnis zum Dorfe Blumberg besteht, wo das Lager sich an der Gestaltung der Dorffeste beteiligt, die damit das Gepräge der neuen Zeit erhalten und für jung und alt volle Anziehung sind. Der Schulung für solche festlichen Nachmittage und Abende dient die interne Feierabendgestaltung der Arbeitsmaiden in ihrem Lager auf die viel Wert gelegt wird.
Was machen nun die Maiden am Spätnachmittag und Abend daheim? Da gibt es mancherlei zu tun: Leibeserziehung mit Sprungseil, Medizinball, Gymnastikbällen und Turnstäben wird betrieben, staatspolitische Ausbildung, wobei die Themen Bauerntum, Agrargesetze, Rassefragen eine besondere Rolle spielen, darf nicht zu kurz kommen. Außendienst im Garten ist zu leisten und selbstverständlich auch der Ruhe und Freizeit genügend Raum zu gönnen. Eine Lagerbücherei steht zur Verfügung; in der Hauswirtschaft kann man sich umsehen und überall etwas fürs Leben mitnehmen. Da die Maiden auch abwechselnd statt beim Siedler im Lager beschäftigt werden, dient der halbjährige Arbeitsdienst auch der Erziehung für Haus und Familie. Rote-Kreuz-Kurse, abgehalten von dem Bernauer Arzt Dr. v. Sarnowski, sorgen für Ausbildung in der häuslichen Kranken- und Gesundheitspflege.
Alles das sieht, hört und erfährt man bei einem Gange durch das gut hergerichtete und praktisch eingeteilte Haus mit seinen mannigfachen Räumen. Die Einrichtung entspricht ländlichem Stilempfinden. Manche Einrichtungsgegenstände, so die Beleuchtungskörper, verraten Handwerkskunst. Ordnung, blitzblanke Sauberkeit, Licht und Luft machen jeden Raum, den man betritt, wohnlich und anheimelnd. Ein Blick in die Küche, die Waschstube, die Verwaltungs- und Wirtschaftsräume, darunter die "Kammer" - wie man beim Militär sagt - in die Wasch- und Duschräume, in den ansehnlichen Gemeinschaftsraum, der gerade der Leibeserziehung dient, und schließlich auch in die Schlafzimmer mit ihrem kunstvollen Bettenbau "Parterre und erster Stock", wie das in allen Lagern Arbeitsdienst üblich ist.
Und dann die Maiden selbst, die da ihrer Beschäftigung nachgehen, oder sich ausspannen! Sie fühlen sich hier wohl, sehen kräftig und gesund aus und verstehen, hell zu lachen, was immer ein Zeichen guten Befindens ist. Alle Altersklassen zwischen 17 und 25 scheinen vertreten zu sein; ebenso sind die Berufe bunt zusammengesetzt. Die meisten stammen aus unserem Heimatgau Mark Brandenburg. Sie finden hier nun Arbeit und Gemeinschaft, erhalten freie Unterbringung, Verpflegung und Kleidung samt Wäsche, und dazu ein Taschengeld von, wenn ich mich recht erinnere, 25 Pfennig täglich. Sorgen haben sie nicht; die macht sich die Lagerführerin mit ihren Gehilfinnen für den ganzen Betrieb, der eine kleine, aber wichtige Zelle im Aufbauwerk des deutschen Volkes darstellt und von nationalsozialistischem Geiste und nationalsozialistischer Praxis durchdrungen wird.
Wer möchte hier nicht Arbeitsmaid sein? fragt man sich beim Verlassen des Arbeitslagers Elisenau; hier läßt's sich leben und schaffen, hier dient man der Idee und dem Volke. Sicherlich werden diese Gedanken auch die Gäste bewegen, die in einigen Tagen zur Einweihung das Lager im alten Vorwerk Elisenau bei Blumberg besuchen, um es wie ich in lieber Erinnerung zu behalten.
Fritz Zinnecke


Niederbarnimer Kreisblatt, 18./19. März 1939, gekürzt

Der Verkehr auf den Reichsautobahnen
187.000 [!] Kraftfahrzeuge in 24 Stunden auf einer Autostraße
...
Im Reichsmittel übersteigt die Verkehrsbelastung der Reichsautobahnen im Sommer bereits 2.400 Kraftfahrzeuge in 24 Stunden. Höchste Tagesbelastungen einzelner Autobahnstrecken von 15.000 bis 18.000 Fahrzeugen sind keine Seltenheit. Der letzte Höchstverkehr lag im September 1938 bei München-Ramersdorf mit mehr als 18.700 Fahrzeugen [!] in 24 Stunden. Die gesamte Verkehrsleistung auf den Reichsautobahnen, die 1937 bei 750 Millionen Fahrzeugkilometern lag, erreichte 1938 bereits rund 1,3 Milliarden Fahrzeugkilometer. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 18. März 1939, Amtl. Bekanntmachungen des Kreises Niederbarnim, gekürzt

Bekanntmachung
Musterung der Dienstpflichtigen der Geburtsjahrgänge 1906/1907
zugleich Gestellungsaufforderung
...
Musterungsbezirk 1
Musterungsort: Dahlwitz-Hoppegarten, Waage, Rennbahn
... am 29. März 1939, 8 Uhr vorm.: Münchehofe, Schöneiche, Vogelsdorf, Kienbaum, Mehrow


Niederbarnimer Kreisblatt, 22. März 1939, Notiz, gekürzt

Statistik der deutschen Erbhöfe
22 Prozent der Betriebe sind Erbhöfe

Im Deutschen Reich ohne Oesterreich und Sudentenland ...
Mitte 1938 685.000 Erbhöfe mit einer Bodenfläche von 15,56 Millionen Hektar. ...
Die obere Grenze für den Betriebsumfang eines Erbhofes ist mit 125 Hektar festgelegt. 1938 bei 1.086 Betrieben Ausnahmen ... bei diesen Betrieben Durchschnittsfläche von 196 Hektar ...
Rund 20.000 Erbhöfe mit Fläche von weniger als 7,5 ha ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 25. März 1939

Landwirtschaftliche Siedlungen im Niederbarnim
Ueber der Klein- und Eigenheimsiedlung im Kreise Niederbarnim wird häufig die landwirtschaftliche Siedlung im Kreise übersehen. Sie bezweckt die Ansetzung von Neubauern und die Seßbarmachung des Landarbeiters. Sie stellt also ein Mittel dar im Kampf gegen die Landflucht, der jetzt allerorts in ländlichen Gegenden geführt wird. Ländliche Siedlungen sind in unserem Kreise beispielsweise in Mühlenbeck-Summt entstanden, dann durch Aufteilung früherer Gutsbezirke, so durch Aufsiedlung der Güter Zehlendorf, Blumberg und später Mehrow. Hier sind keine städtischen Eigenheimbewohner oder Kleinsiedler angesetzt worden, sondern Bauern und Halbbauern, Landarbeiter und ländliche Handwerker.

Die Beurteilung, die solche Siedlungen im Kreise finde, ist verschieden. Die in der Systemzeit entstandenen kranken an der ständigen Aenderung der Vorschriften, die für den Bau und die Finanzierung der landwirtschaftlichen Siedlungen maßgeblich waren. Größenbeschränkungen der Siedlerstellen, Bildung zu kleiner Gärtnersiedlungen, unangenehme Typenhäuser haben den angesetzten Menschen wenig Freude gebracht. Ein Beispiel für diese Art Besiedlung ist die ländliche Siedlung bei Blumberg auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes.

Vorbildlich ist dagegen die im vorigen Jahre begonnene SS-Siedlung in Mehrow geplant, die von der "Eigenen Scholle" in Frankfurt errichtet wird. Sie bietet ein Bild echter Bauernsiedlung, ist wirtschaftlich gesund und zeigt heimische Bauweise. In das Kapitel der ländlichen Siedlung im Kreise Niederbarnim fällt auch noch der Bau von Werkswohnungen für landwirtschaftliche Arbeiter. Von der Möglichkeit, billige Werkwohnungen zu bauen, ist, wie auch der Kreisverwaltungsbericht feststellt, von der Landwirtschaft des Kreises bisher nur in beschränktem Maße Gebrauch gemacht worden. Kapitalmangel wird die Ursache sein. Dennoch muß man der ländlichen Werkwohnung in Form der Landarbeitersiedlung mehr Aufmerksamkeit schenken, will man gerade vor den Toren Berlins der Landflucht wirksam steuern, wie ja auch auf dem Kreisbauerntag Niederbarnim jüngst hervorgehoben wurde.

Vergleichen wir die Aufteilung der Güter Blumberg und Mehrow, jenes in der Systemzeit, dieses in unseren Tagen: Rund 1170 Hektar wurden aus dem Rittergut Blumberg besiedelt und daraus 136 Siedlerstellen geschaffen. Als Siedlungstypen kamen in Betracht: zwei Restgüter in Größe von 47 Hektar und 35 Hektar, 26 größere Bauernstellen mit einer Durchschnittsgröße von 14,3 Hektar, drei kleinere Bauernstellen mit einer Durchschnittsgröße von 7,2 Hektar und 77 Gärtnerstellen im Durchschnitt von 1,7 Hektar. Unter den Siedlern befindet sich erfreulicherweise eine größere Anzahl ehemaliger Gutsarbeiter, sonst aber großstädtische Aussiedler; 125 Hektar Wald werden gemeinschaftlich genutzt.

Das Rittergut Mehrow umfaßt eine Fläche von 790 Hektar. Ein Restgut ist verkauft worden, so daß im Rahmen der Besiedlung drei Restgüter in Größe von 95, 50 und 40 Hektar, 12 Vollbauernstellen von einer Durchschnittsgröße von 20,7 Hektar und drei Handwerkerstellen bei 3,5 Hektar Größe entstehen. Für die Restgüter wurden die bestehenden Gebäude verwertet, die Bauernstellen erhalten durchweg neue Siedlungsgebäude, die geräumig und zweckvoll eingerichtet werden und sich auch in das Bild eines echten märkischen Siedlerdorfes eingliedern. Alle erforderlichen Gemeinschaftsanlagen werden geschaffen. Auf die Auswahl der Bauernsiedler wird in Verbindung mit den dafür zuständigen Stellen der Bewegung größte Sorgfalt verwendet. Während also die Besiedlung von Blumberg geradezu abschreckend wirken könnte, reizt die von Mehrow zur weiteren Inangriffnahme derartiger landwirtschaftlicher Siedlungen im Kreise Niederbarnim.


Niederbarnimer Kreisblatt, 23. März 1939, gekürzt

Nun wird auch in Prag rechts gefahren
Am Sonntag fand die Umstellung statt und ging reibungslos vor sich
...

Niederbarnimer Kreisblatt, 28. März 1939, Oranienburger General-Anzeiger, gekürzt

Kreiskriegerführer Ewig 25 Jahre an der Spitze des Kreiskriegerverbandes Niederbarnim
Jubiläumsfeier beim Kameradschaftsführer-Appell

Der vorgestrige Kameradschaftsführer-Appell des Kreisverbandes Niederbarnim im NS.-Reichskriegerbund Kyffhäuser erhielt dadurch seine Bedeutung, daß Kreiskriegerführer Ewig, Berlin-Weißensee, die Feier seines 25jährigen Jubiläums als Kreiskriegerführer beging. So war dann der Konzertsaal des Kriegervereinshauses in Berlin bis auf den letzten Platz gefüllt, während an der Gästetafel leitende Kameraden des Landeskriegerverbandes, Landrat Dr. Weiß und als Vertreter des auf Burg Sonthofen weilenden Kreisleiters, die Kreishauptstellenleiter Stahl und Laude Platz genommen hatten. Einstimmigen Beifall fand die erhebende und packende Musik des Trompeterkorps der SA.-Reiterstandarte 29, Berlin.
...
Landrat Dr. Weiß überreichte dem Jubilar das Buch "Fünf Jahre Aufbauarbeit im Kreise Niederbarnim" als Dank des Kreises für den Kameraden Ewig, der die Aufbauarbeit in Niederbarnim gefördert hat. Diesem Buch soll im Sommer, sobald es erschienen ist, als Geschenk ein zweites folgen: Das Heimatbuch des Kreises Niederbarnim "Von der Schorfheide bis zur Spree". Kreishauptstellenleiter Stahl, Vertreter der NSKOV. Niederbarnim sprach dem Jubilar namens des Kreisleiters Fritz Heermann die besten Wünsche für sein ferneres Wohlergehen aus. Kam. Dr. Neumann, Erkner, feierte namens der der Niederbarnimer Kameradschaften den Kreiskriegerführer als den Inbegriff treuer Kameradschaft und steter Einsatzbereitschaft, und wünschte ihm einen angenehmen Lebensabend, und eine befriedigende Tätigkeit. Auch einige Berliner Kreiskriegerführer nahmen kurz das Wort und frischten gemeinsame Erinnerungen mit Kam. Ewig auf. Da bildete der Marsch "Alte Kameraden" einen passenden Abschluß. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 31. März 1939, gekürzt

Wie das deutsche Volk gezählt wird
Ueber 80 Millionen Lochkarten / Technisches von der Riesenstatistik
...

Niederbarnimer Kreisblatt, 15. April 1939, Amtl. Bekanntmachungen des Kreises Niederbarnim, gekürzt

Bekanntmachung
Vormusterung von Pferden und Bespannfahrzeugen

Auf Veranlassung der Wehrersatz-Inspektion Potsdam wird hiermit für die nachstehend aufgeführten Gemeinden die Vormusterung von Pferden und Bespannfahrzeugen angeordnet:
...
Berlin, den 14. April 1939
Der Landrat


Niederbarnimer Kreisblatt, 25. April 1939, gekürzt

Bezirkstagung in Ahrensfelde
Kreisleiter Heermann berichtete von der Hitler-Geburtstagsfeier in Berlin

Ahrensfelde, 25. April
Zu einer Bezirkstagung der NSDAP. des Kreises Niederbarnim hatte am Sonntag Kreisleiter Heermann alle Bürgermeister, Gemeinderäte und Amtsträger des Kreises nach Ahrensfelde berufen. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 2. Mai 1939, Amtl. Bekanntmachungen des Kreises Niederbarnim, gekürzt

Bekanntmachung
Vormusterung von Pferden und Bespannfahrzeugen

Auf Veranlassung der Wehrersatz-Inspektion Potsdam wird hiermit für die nachstehend aufgeführten Gemeinden die Vormusterung von Pferden und Bespannfahrzeugen angeordnet:

Freitag, den 12. Mai 1939:
Seeberg 8.00 Uhr
Hönow 9.45 Uhr
Mehrow 13.00 Uhr
Eiche 15.15 Uhr

Gestellungspflichtig sind sämtliche Pferde, die vier Jahre alt sind oder im Kalenderjahr 1939 alt werden und sämtliche älteren Pferde. Die Pferde sind frisch geputzt, ohne Geschirr und ohne Decke, mit Zaumzeug mit langen Zügeln oder Stricken - nicht mit Halfter ohne Zügel - zu stellen.
Die Hufe sollen sauber, aber nicht gefettet oder geteert sein. Auf Beißer oder Schläger ist aufmerksam zu machen. Bei gedeckten oder tragenden Stuten ist der Deckschein mitzubringen und ohne Aufforderung dem Pferdevormusterungsoffizier vorzuzeigen.
...
Gestellungspflichtig sind von den Bespannfahrzeugen:
a) Leichte Kastenwagen (2 bis 2 1/2 Zöller, 25 Zentner Tragfähigkeit), ungefedert
b) Schwere Kastenwagen (3 bis 4-Zöller, 30 bis 50 Zentner Tragfähigkeit), ungefedert
c) Leichte Kastenwagen, gefedert (wie zu a)
d) Plattenwagen, ungefedert, mit oder ohne Gummibereifung
e) Plattenwagen, gefedert (wie zu d)
f) Sonderfahrzeuge (Feldküchen, Wasserwagen, Kutschwagen, Einfahrwagen, Omnibusse, offene Möbelwagen)
Von jedem Besitzer ist aus jeder Klasse das beste Fahrzeug vorzuführen.
Anträge auf Befreiung von der Gestellungspflicht sind unter Beifügung der Beweismittel rechtzeitig bei der Ortsbehörde vorzulegen.
...
Berlin, den 28. April 1939
Der Landrat


Niederbarnimer Kreisblatt, 6./7. Mai 1939, gekürzt

Höchstgeschwindigkeit für Autos
60 km/std. in Orten, 100 km/std. außerhalb / Gleiche Bestimmungen für Krafträder / Lastkraftwagen müssen langsamer fahren
...

Niederbarnimer Kreisblatt, 6./7. Mai 1939, gekürzt

Das Verkehrsnetz im Kreise Niederbarnim
Es liegt in der geographischen Bedingtheit des Berliner Rand- und Vorortkreises Niederbarnim, daß er ein sehr engmaschiges und bedeutendes Verkehrsnetz besitzt, da der Nord- und Ostverkehr der Reichshauptstadt durch das Kreisgebiet führt. Die Eigenart des Niederbarnimer Verkehrsnetzes besteht nun darin, daß alle Verkehrslinien den Kreis auf Berlin zu oder von Berlin her durchschneiden, da es sich um
   Ausfallstrecken der Riesenstadt
handelt. Eine Querverbindung innerhalb des Kreises, die also die größeren Ortschaften miteinander verbände, gibt es nicht. Daraus hat sich im Laufe der Entwicklung ergeben, daß alle Behörden des Kreises ihren Sitz in Berlin haben; denn nur dort sind sie bequem für die Kreisbevölkerung zu erreichen. Daraus resultiert weiterhin die Erscheinung, daß die großen Tagungen der Organisationen Niederbarnims vielfach in Berlin vor sich gehen; sei es in den Sälen des Landratsamtes, sei es in privaten Saallokalen. Dieser Umstand, der im Kreise auch als Uebelstand empfunden wird, wäre nur zu beheben durch den Bau einer Querverbindung durch den Kreis, durch die sogenannte Umgehungsbahn Berlins, über die schon viel geschrieben und geplant worden ist, die aber jetzt durch den Autobahnring hinfällig geworden sein dürfte.
Durch den Kreis Niederbarnim führt die große Autobahnstrecke Berlin-Stettin mit mehreren Auffahrten innerhalb des Kreisgebietes. Dazu kommt ein Teil des Berliner Ringes, der ebenfalls Kreisgebiet berührt und Einfahrt in dasselbe ermöglicht. Verkehrsmäßig bedeuten demnach die Reichsautobahn und ihr geplanter weiterer Ausbau durch Zubringerstrecken eine Verkehrsbelebung für weite Teile des Kreises, wenn sie auch in der Hauptsache nur eine Durchgangslinie durch den Kreis darstellt. Den Hauptverkehr in den Kreis bringen die
   Vorortbahnlinien
und unter ihnen wieder an erster Stelle die elektrifizierten, auf denen also die S-Bahn fährt: Berlin-Oranienburg, Berlin-Bernau, Berlin-Strausberg, die nur bis Mahlsdorf elektrisch betrieben wird, und Berlin-Erkner, von wo aus die Vorortstrecke weiter bis Fürstenwalde durch Dampfzüge betrieben ist. Längs dieser Schnellbahnlinien haben die Gemeinden des Kreises eine stürmische Aufwärtsentwicklung erlebt; haben sie doch seit 1910 ihre Einwohnerzahlen um 130 Prozent erhöht.
... Die Altlandsberger Kleinbahn, die in ein Idyll aus vergangenen Jahrzehnten paßt, verbindet Dahlwitz-Hoppegarten an der Strausberger Vorortstrecke mit Altlandsberg über die Großsiedlungsgemeinde Neuenhagen.
Das Verkehrsnetz Niederbarnim wird erweitert durch Autobus- und einige
   Kraftpostlinien,
die, sowohl der Bevölkerung wie den Ausflügler lieb und wert sind; vermag man doch mittels der Autobusse auch in das Binnenland seitlich der Bahnlinien zu gelangen. Nennen wir die Kraftpostlinien Altlandsberg-Herzfelde, Bernau-Lanke-Prenden, Bernau-Wandlitz, Birkenwerder-Bergfelde-Hohen Neuendorf, Birkenwerder-Summt-Zühlsdorf, die vier von Erkner ausgehenden Linien und die vier von Oranienburg ausgehenden, die auch den Werksverkehr dieser aufblühenden Industriestadt dienen. ... Je mehr solcher Linien, desto nachhaltiger die Erschließung des Kreises.
Den Automobilisten wird ein Blick auf das
   Straßennetz
Niederbarnims interessieren. Ähnlich wie die Eisenbahnlinien verlaufen auch die großen Straßenzüge radial von Berlin aus durch den Kreis. Da ist die Fernverkehrsstraße 1, die Dahlwitz-Hoppegarten berührt und nach Frankfurt a. O. führt, die Fernverkehrsstraße 2 über Lindenberg und Bernau nach Stettin und überhaupt zur Ostsee, und die Fernverkehrsstraße 96, an der Oranienburg liegt und die ebenfalls an die Ostsee führt. Dazu die Provinzialstrecken mit starkem Verkehr Berlin-Wandlitz-Prenzlau, Berlin-Blumberg-Werneuchen, Berlin-Strausberg u.a.m. Unter den eigentlichen Kreisstraßen ist die Kreisdurchgangsstraße Marienwerder-Liebenwalde ein Teil der Fernverkehrsstraße 5. Alle diese Straßen, insbesondere aber die großen Reichsstraßen bringen einen ungeheuren Kraftfahrzeugverkehr in und durch den Kreis, der an schönen Sonn- und Feiertagen oft beängstigende Ausmaße annimmt. Gern werden diese Straßen nämlich wegen ihrer durchweg guten Befestigungsverhältnisse vom Wochenendverkehr benutzt. Die Regelung und Ueberwachung dieses riesigen Verkehrs von Personen- und Lastkraftwagen, werktags und sonntags, Tag und Nacht, erfordert großzügige Maßnahmen der Kreisverwaltung, die sich auch auf die Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen erstrecken. Im Punkte der Straßenüberwachung und der Hilfseinrichtungen bei Verkehrszwischenfällen ist der Kreis Niederbarnim auf der Höhe und wird sogar von berufenen Stellen in dieser Hinsicht als Musterkreis angesprochen.
Die Uebersicht über das Verkehrsnetz Niederbarnims wäre nicht abgeschlossen ohne die Erwähnung der
   Wasserstraßen
der künstlichen wie natürlichen, die das Kreisgebiet durchziehen, für seine Wirtschaft allerdings weniger bedeuten, für den Ausflugsverkehr jedoch in Betracht kommen. ...
Der Vollständigkeit halber seien noch
   die Fluglinien
erwähnt, die über unsern Kreis dahinziehen, ohne allerdings irgendwelche sonstigen Verbindungen mit ihm zu haben. Diese Fluglinien verkehren zwischen Berlin und den nördlich und östlich gelegenen Staaten. Eine davon führt in fünf Stunden über Kopenhagen und Göteborg nach Oslo, der Hauptstadt Norwegens, eine andere direkt nach Stockholm binnen vier Stunden, eine dritte über Danzig-Königsberg - die baltischen Staaten nach Finnland, wieder eine andere innerhalb 2 1/2 Stunden über Polen nach Warschau. Etwa 15 Verkehrsflugzeuge überfliegen täglich fahrplanmäßig unseren Kreis, ungezählt die vielen anderen Flugzeuge, die in den Lüften über dem Kreisgebiet das donnernde Geräusch ihrer Motoren hören lassen. Unter ihrem Schutze - und mit diesem Gedanken sei der Artikel abgeschlossen - werden wir in Niederbarnim auch in einem Ernstfalle ruhig und gesichert unserer Arbeit nachgehen können und werden auf unseren Verkehrslinien die Verkehrsmittel ihre dann doppelt wichtigen Aufgaben erfüllen. Z.


Niederbarnimer Kreisblatt, 10. Juni 1939

Wie der Berliner Ring ausgestaltet wird
Für den gesamten Autoverkehr von großer Wichtigkeit

Berlin, 10. Juni
Ueber den weiteren Ausbau des Berliner Ringes der Reichsautobahn, insbesondere auch über die Webweisung bringt die "Straße", das Organ des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen, offizielle Mitteilungen, die für den gesamten Autoverkehr von großer Wichtigkeit sind. Der Berliner Ring ist 185 Kilometer lang, 125 Kilometer sind geschlossen seit dem Dezember im Verkehr. Am 21. Oktober 1939 kommen am Westring weitere 21 Kilometer hinzu. Von den nach Berlin führenden Autostrecken sind alle bis auf die Linie Berlin-Hamburg im Verkehr. Durchgehende Fernverbindungen bestehen bereits nach Stettin, Frankfurt a. O., Halle-Leipzig, Nürnberg-München und Hannover. Im Laufe des Jahres 1939 kommen hinzu die geschlossenen Strecken nach Breslau, nach Dresden und nach dem Ruhrgebiet. Der Avus-Zubringer wird ebenfalls 1939 fertiggestellt werden.

Ueber die Wegweisung wird mitgeteilt, daß der Berliner Ring durchlaufend im Uhrzeigersinn kilometriert wird. Die vom Berliner Ring nach außen hin abzweigenden Reichsautobahnlinien werden vom Berliner Ring aus kilometriert. Die einzelnen Abschnitte des Ringes werden des einfachen sprachlichen Ausdrucks wegen mit Nordring, Ostring, Südring und Westring bezeichnet. Der Verkehr zwischen der Reichsautobahn und dem übrigen Straßennetz wird über 21 Anschlüsse am Ring und drei Anschlüsse am Avus-Zubringer vermittelt. Diese werden nach einem nahegelegenen Ort mit einprägsamen Namen bezeichnet. Die Wegweisung erfolgt nur durch Beschilderung. Um dem Fahrer die Unterrichtung zu erleichtern, wird bei allen Abzweigen auf Parkplätzen ein Plan aufgestellt. Die Kennzeichnung dieser Parkplätze erfolgt durch ein zusätzliches Schild "Streckenauskunft". Der Verkehr nach Berlin wird durch die Beschilderung zunächst nur auf den Berliner Ring gelenkt, am Ring selbst erfolgt dann die Weiterleitung nach Berlin-Mitte. Der Verkehr von Berlin wird ebenfalls zunächst auf den Ring gewiesen, und von hier auf die anderen Ziele. Alle auf den Ring verweisenden Richtungsschilder tragen als Kopfseite die Bezeichnung "Berliner Ring", damit der Fahrer immer daran erinnert wird, daß er sich noch auf dem Berliner Ring befindet. Besonders hervorragende Punkte, wie gekreuzte Täler, Flußläufe oder Seen, sind durch Hinweisschilder im Mittelstreifen gekennzeichnet.


Niederbarnimer Kreisblatt, 10. Juni 1939, Amtl. Bekanntmachungen des Kreises Niederbarnim

Unfall-Fernsprech-Verzeichnis für Ahrensfelde, Eiche, Mehrow.

Notruf ___ 50 47 93

Polizei:
Amtsvorsteher, Ahrensfelde, Dorfstr. 32 ___ Ruf 50 48 97
Stellvertreter, Ahrensfelde, Bahnstr. 3

Gendarmerie:
Gend.-Abt.-Kommandant:
Gen.-Obermstr. Michalski, Bernau, Hohesteinstr. 14, Ruf Bernau 465
Sonstige Polizeibeamte:
Gen.-Hauptw. Wolter, Ahrensfelde, Dorfstraße 60, Ruf 50 47 93
Gen.-Hauptw. Hirsch, Blumberg, Ruf Blumberg 221
Gen.-Oberw. Maimann, Blumberg, Ruf Blumberg 270

Unfallhilfsstellen:
Zonenführer:
Oberscharführer Max Köcher, Bad Freienwalde, Frankfurter Str. 31, Ruf Freienwalde 388

Krankenwagen:
Kreiskrankenhaus Altlandsberg, Ruf Altlandsberg 5132
Rettungsamt Berlin, Ruf 53 69 11

Aerzte:
Dr. Boergen, Ahrensfelde, Ulmenallee 41, Ruf 50 46 98
Dr. Wedel, Blumberg, Ruf Blumberg 253

Krankenhäuser:
Kreiskrankenhaus Bernau, Ruf Bernau 476
Kreiskrankenhaus Altlandsberg, Ruf Altlandsberg 313
Rettungsamt Berlin (nur wenn Bernau besetzt), Ruf 53 69 11

Feuerlöschpolizei:
Gemeindebezirk Ahrensfelde, Dorfstr., Ruf 50 48 97, 50 48 77, 50 47 93
Gemeindebezirk Eiche, Dorfstr., Ruf 50 44 49, 50 41 42, 50 88 86
Gemeindebezirk Mehrow, Dorfstr., Ruf Neuenhagen 20 13 und 26 50

Ahrensfelde, den 7. Juni 1939
Der Amtsvorsteher als Ortspolizeibehörde.


Niederbarnimer Kreisblatt, 21. Juli 1939

Mit brennendem Streichholz in die Scheune
Zwei jugendliche Ausreißer verursachen Scheunen- und Wohnhausbrand

Blumberg, 21. Juli
In enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Gendarmerie ist von der Berliner Kriminalpolizei nunmehr ein Scheunen- und Wohnhausbrand aufgeklärt worden, der in der Nacht zum 3. d. M. in Blumberg, Kreis Niederbarnim ausgebrochen war. Als Verursacher dieses Brandes, bei dem ein Schaden von etwa 33 000 RM entstanden ist, wurden zwei junge Burschen, der 17jährige Heinz S. und der 16 Jahre alte Hans T. aus einem Orte nahe bei Berlin festgenommen.

Heinz S. war vor kurzem von seiner Berliner Lehrstelle ausgerückt und hatte sich zu seinen Eltern begeben. Bevor er zur Lehrstelle zurückgebracht worden war, war er mit dem im gleichen Ort wohnenden Hans T. übereingekommen, von dort zu verschwinden. Am 24. v. M. hatten sie sich heimlich davongemacht und sich einige Tage in der Gegend von Strausberg, Müncheberg und Altlandsberg herumgetrieben. Da aber nach fünf Tagen ihre Barmittel schon erschöpft waren, versuchten sie bei Bauern in Blumberg Beschäftigung zu erhalten. Als glaubwürdigen Grund ihrer Anwesenheit hatten sie erzählt, daß sie sich auf einer Ferienfahrt befinden. Angeblich wollten sie wegen ihres eingetretenen Geldmangels noch nicht nach Hause, sondern bis zu ihrem Urlaubsende auf dem Lande arbeiten.
Unter dieser Vorspiegelung war es ihnen gelungen, bei dem brandgeschädigten Erbhofbauern am 29. Juni, einem Donnerstag, aufgenommen und beschäftigt zu werden, In der Nacht des darauffolgenden Sonntags zum Montag war dann auf dem gleichen Grundstück die Scheune in Brand geraten, die völlig niederbrannte; auch ein danebenstehendes Wirtschaftsgebäude, in dem sich fünf Wohnungen und zwei Werkstätten befanden, war eingeäschert worden. Die beiden Werkstätteninhaber, ein Stellmacher und ein Autoschlosser, sind infolge des Brandes um ihre Existenz gekommen. Da Brandstiftung vermutet wurde, wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft ein Berliner Kriminalbeamter nach Blumberg entsandt.

Im Verlauf der Ermittlungen verdichtete sich der Verdacht, daß die beiden Ausreißer, die am Montag nach dem Brand schon von ihren Eltern abgeholt worden waren, bei dem Brand ihre Hand im Spiel gehabt haben. Sie wurden beide festgenommen und legten schließlich ein Geständnis ab. Danach hatten Sie während ihrer Anwesenheit auf dem Erbhof Hühnereier gestohlen und diese in der Scheune versteckt. In der Brandnacht waren sie heimlich aus ihrem Zimmer gegangen, um die Eier aus der Scheune zu holen. Hierbei leuchteten sie leichtfertigerweise mit Streichhölzern in der Scheune umher, in der sich außer landwirtschaftlichen Maschinen auch Stroh und Getreide befand, und warfen die abgebrannten Streichhölzer fort. Angeblich wollen sie vom Entstehen des Feuers nichts bemerkt haben, sondern wieder in ihr Zimmer gegangen sein und sich zu Bett gelegt haben. Sie seien auf den Brand erst aufmerksam gemacht worden, als sie der Erbhofbauer weckte. Die jugendlichen Täter werden dem Jugendgericht zugeführt.


Niederbarnimer Kreisblatt, 30. August 1939 (Nr. 202), Oranienburger General-Anzeiger

Neue Niederbarnimer Erbhöfe
Fortschritte in der Siedlungspolitik der Mark Brandenburg

Wer aus Berlin ostwärts den Gau Brandenburg durchfährt, kommt durch schmuck aussehende Dörfer und Siedlungen, die erst in jüngster Zeit entstanden sind. Es sind Neubauernhöfe in Mehrow, Kreis Niederbarnim, in Wittstock, Kreis Königsberg (Nm.) und in Hohenwalde, Marwitz und Kladow, Kreis Landsberg. Diese Neubauernhöfe legen Zeugnis ab von der erfolgreichen Siedlungspolitik, die hier betrieben wurde.

Seit 1933 ist eine ungeheure Arbeit auf dem Siedlungsgebiet geleistet worden. Die größtenteils im ostelbischen Raum, aber auch in den übrigen Reichsteilen im Siedlungsverfahren neugegründeten Bauernhöfe und die große Zahl der durch Landzulage vergrößerten und wirtschaftlich wesentlich gestärkten landwirtschaftlichen Kleinbetriebe haben die Abwanderung des Landvolkes in die Stadt beträchtlich eingeschränkt.

Im gesamten Reichsgebiet wurden im Januar 1933 nicht weniger als 20664 Höfe auf 330521 Hektar Land neugegründet, 66493 landwirtschaftliche Betriebe durch 132-975 Hektar Land auf Erbhofgröße erweitert. Damit kann aber die Siedlungsfrage durchaus nicht als gelöst gelten. Man hat deshalb schon weitere 190000 Hektar Land angekauft, die in den Jahren 1939 bis 1940 mit Neubauern besetzt werden sollen.

Die neuen Bauernhöfe werden nach ganz bestimmten Gesichtspunkten besetzt. Ueber 30 v. H. der Höfe sind an Landarbeiter, landwirtschaftliche Beamte und ländliche Handwerker vergeben worden. Fas alle übrigen Höfe haben Jungbauern bekommen. Dabei wurden auf Weisung des Reichsernährungsministers 23 v. H. Höfe mit Bewerbern aus westdeutschen Gauen besetzt.

Die Neubauernfamilien werden einem Ausleseverfahren unterworfen, das sich sowohl auf das rein landwirtschaftliche Können wie auf die Gesundheit und Rassenreinheit bezieht. Der Reichsnährstand übernimmt diese eingehende Prüfung der Bewerber, die zum Abschluß den Neubauernschein erhalten. Auch Altbauern mußte man umsiedeln, die sich bald auf dem modernen Hof wohl fühlen.

Etwa 140 Ortschaften wurden ganz und 225 Ortschaften teilweise umgesiedelt. 5600 landwirtschaftliche und andere Anwesen wurden davon betroffen, so daß über 120000 Hektar allein für die Ersatzansprüche von Bauern und Landwirten zur Verfügung gestellt wurden.
Die durch Kauf bzw. Vorkaufsrecht erworbenen Güter gehören überwiegend zur Klasse solcher Großbetriebe, die durch Ueberschuldung oder schlechte Wirtschaftsweise nicht mehr rentabel waren. Man hat endlich einmal mit dem alten Vorurteil aufgeräumt, daß es die großen Güter und nicht der kleine Bauer sei, der die Stadt ernähre. Vielmehr ist das Gegenteil richtig. In aller Stille wurden in unserem Gaugebiet kurzfristig und ohne große Reibungen gewaltige Siedlungsarbeiten vorgenommen, die trotz der beträchtlichen Schwierigkeiten bei der Zuleitung geeigneter Arbeitskräfte zu Ende gebracht werden konnten. Welche Bedeutung einer engen Besiedlung mit Erbhöfen nahe der Grenzen im Interesse der Erhaltung des Volkstums zukommt, braucht heute kaum noch besonders betont zu werden.


Niederbarnimer Kreisblatt, 9. September 1939, gekürzt

Kontrolle des Kraftwagenverkehrs
Das Autofahren ist auf die unbedingt notwendigen Fälle zu beschränken
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Niederbarnimer Kreisblatt, 12. September 1939, gekürzt

Freigegebene Fahrzeuge werden gekennzeichnet
Nur ein öffentliches Interesse berechtigt zur Weiternutzung von Kraftfahrzeugen
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Niederbarnimer Kreisblatt, 13. September 1939, gekürzt

Fahrzeugreisen sind anmeldepflichtig
Ablieferungs- und Bezugsscheinregelung für Kraftfahrzeug-Kautschuk-Bereifungen
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Niederbarnimer Kreisblatt, 14. September 1939, Amtl. Bekanntmachungen des Kreises Niederbarnim, gekürzt

An die Herren Bürgermeister und Amtsvorsteher des Kreises
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Hiernach hat der Herr Reichsverkehrsminister angeordnet, daß nach dem 20.9.1939 nur die Kraftfahrzeuge weiter benutzt werden dürfen, die von der zuständigen Zulassungsstelle besonders gekennzeichnet sind.
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Mit der Kennzeichnung habe ich folgende Ortspolizeibehörden beauftragt:
a) Liebenwalde b) Wandlitz, c) Bernau, d) Oranienburg, e) Altlandsberg, f) Erkner, g) Neuenhagen, h) Rüdersdorf, i) Hohen Neuendorf

Zu der Abstempelungsstelle Bernau gehören die Gemeinden
Lanke, Prenden, Zepernick, Schönerlinde, Schönwalde, Schönow, Schwanebeck, Birkholz, Löhme, Seefeld, Blumberg, Börnicke, Lindenberg, Ahrensfelde, Eiche, Lobetal
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Zu der Abstempelungsstelle Neuenhagen gehören die Gemeinden Hönow, Seeberg, Münchehofe, Schöneiche, Dahlwitz-Hoppegarten, Mehrow
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Niederbarnimer Kreisblatt, 22. September 1939, gekürzt

Was bei der Stillegung eines Kraftwagens zu beachten ist
Eine bestimmte Pflege ist notwendig, auch wenn der Wagen nicht benutzt wird
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Niederbarnimer Kreisblatt, 7. Oktober 1939, gekürzt

Unsere Jugend hilft in der Landwirtschaft
500 Jungen und Mädel im Einsatz
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In Zusammenarbeit mit der Kreisbauernschaft und dem Arbeitsamt Niederbarnim regelt der Bann 372 den Einsatz der Jungen und Mädel, ... Auf diese Weise wurden bisher in den verschiedensten Orten unseres Kreises Jungen - entweder als Einzelhelfer oder in Gruppen von 6 bis 15 Mann - eingesetzt, so in Bernau, Börnicke, Elisenau, Blumberg, Zehlendorf und Liebenwalde, insgesamt rund 450 Kameraden. Bei den Mädchen, die auch nicht für andere Aufgaben sehr stark eingespannt sind, sind naturgemäß die Anforderungen zum Helfen bei der Hackfruchternte nicht so erheblich ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 22. November 1939, gekürzt

In Zukunft noch mehr Radwegebau
Der Krieg bedingt eine Umstellung auch auf dem Gebiete des Straßenverkehrs. ... Es zeigte sich wieder einmal, daß das Fahrrad keineswegs überholt ist, sondern gerade auch in Kriegszeiten als billigstes, jederzeit startbereites und gesundheitsförderndes Beförderungsmittel von allen Kreisen unseres Volkes benutzt wird. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 29. November 1939, gekürzt

Der Schleppereinsatz in der Landwirtschaft
Er darf nur dort eingesetzt werden, wo er durch andere Kraftquellen nicht zu ersetzen ist
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Niederbarnimer Kreisblatt, 1. Dezember 1939, gekürzt

Die "Avus" wird Reichsautobahn
Ihre Bedeutung reicht weit über den Rahmen ihrer ursprünglichen Bestimmung hinaus
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Niederbarnimer Kreisblatt, 2. Dezember 1939

Ausgerissene Kriegsgefangene
Jedermann ist zur Festnahme verpflichtet und berechtigt

Das Vorhandensein einer großen Zahl von Kriegsgefangenen ist durchaus anders zu beurteilen, als das gemeinhin geschieht. Die Erfahrungen des Weltkrieges haben nämlich gezeigt, wie Kriegsgerichtsrat der Luftwaffe Dr. Walhog in der Zeitschrift der Akademie für deutsches Recht ausführt, daß die in deutscher Hand befindlichen Kriegsgefangenen von den Feindstaaten zu Spionage, Sabotage und Arbeitsverweigerung angestiftet wurden und in großer Zahl der Weisungen ihrer Heimatstaaten nachkamen, um uns großen Schaden zuzufügen. Aus der Zahl der gelungenen Fluchten im Weltkrieg, die bis zum 10. Oktober 1918 die Ziffer von 107376 Offizieren, Mannschaften und internierten Zivilgefangenen erreicht hatte, ergibt sich, daß die Gefahr der erfolgreichen Nachrichtenübermittlungen durch entwichene Kriegsgefangene besonders groß ist.

Um so notwendiger ist ihre Ergreifung. Daß die Militärbehörden und die Polizei alles daransetzen, entwichener Kriegsgefangener wieder habhaft zu werden, ist selbstverständlich. Die Frage ist nun, inwieweit die Mithilfe der Zivilbevölkerung hierbei erwünscht und erlaubt ist. Diese Frage ist dahin zu beantworten, daß sogar eine Pflicht zur Mithilfe vorliegt, die sich aus der allgemeinen Pflicht der Bevölkerung, der Verteidigung des Vaterlandes zu dienen, ergibt. Hieraus entspringt auch, wie in dem Aufsatz festgestellt wird, die Befugnis für jeden Volksgenossen zur Festnahme entwichener Kriegsgefangener. Es ist jedoch ein Unterschied zu machen zwischen der Festnahme eines Kriegsgefangenen durch Soldaten oder Polizei und Zivilpersonen. Der Soldat und der Polizist kann einen eventuellen Widerstand des Gefangenen mit allen Mitteln brechen und darf Flucht durch Waffengebrauch verhindern. Die Zivilbevölkerung dagegen, die nur die Befugnis zur Festnahme hat, darf nicht von der Waffe Gebrauch machen, sie darf auch nicht auf einen flüchtenden Kriegsgefangenen schießen. Anders ist es dagegen, wenn die Zivilperson bei der Festnahme von dem Kriegsgefangenen angegriffen werden sollte, und sich ein Fall der Notwehr oder des Notstandes ergibt. Hier kann die Verteidigung, soweit sie erforderlich ist, um den Angriff abzuwenden, eventuell, soweit das eben notwendig ist, mit der Waffe erfolgen. Hier greifen also die allgemeinen Regeln des Strafrechts ein.


Niederbarnimer Kreisblatt, 4. Dezember 1939, gekürzt

HJ.-Bann Niederbarnim in Kriegsfront
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[Zu Vorführungen aus der HJ.- und BDM.-Arbeit im Kreis Niederbarnim] hatten K. Bannführer Weckend und Untergauführerin K. Jack führende Männer und die Presse des Heimatkreises eingeladen.
Eine besondere Ueberraschung bot Kreisleiter Heermann zum Schluß durch Besichtigung des Lagers Elisenau des Reichsarbeitsdienstes der weiblichen Jugend. Er kennzeichnete die Wichtigkeit der Maidenarbeit bei den Siedlerfamilien und war, wie alle übrigen Fahrtteilnehmer, über die Sauberkeit, die Zweckmäßigkeit der Anordnungen und nicht zuletzt über die gute Kameradschaft im Lager sichtlich erfreut.


Niederbarnimer Kreisblatt, 6. Dezember 1939, gekürzt

"Ihren Ausweis bitte"
Kleines Kapitel über die Kennkarte

... Jeder über 15 Jahre alte Reichsdeutsche ist verpflichtet, sich jederzeit durch einen amtlichen Lichtbildausweis [Reisepass, Führerschein oder anderer von einer Behörde oder einer parteiamtlichen Dienststelle ausgesteller Lichtbildausweises] über seine Person ausweisen zu können. Nicht jeder ist aber im Besitz eines Lichtbildausweises amtlichen Charakters.
Da greift die polizeiliche Kennkarte ein, ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 7. Dezember 1939, Amtl. Bekanntmachungen des Kreises Niederbarnim

Bekanntmachung
Die Schweinepest unter dem Schweinebestande des Neubauern Albert Papst in Mehrow ist erloschen. Die Sperrmaßnahmen sind aufgehoben.
Ahrensfelde, den 4. Dezember 1939
Der Amtsvorsteher der O.P.B.


Niederbarnimer Kreisblatt, 16. Dezember 1939, gekürzt

Feind bleibt Feind
Das Verhalten gegenüber Kriegsgefangenen

... Es ist verboten. Kriegsgefangenen bei der Beschaffung von Kleidungsstücken, Genußmitteln und Geld behilflich zu sein, ihnen Streichhölzer, Feuerzeuge, Waffen und Werkzeuge zu besorgen, gemeinsam mit ihnen Lokale zu betreten oder Geschenke und Nahrungsmittel von ihnen anzunehmen. Jede Hilfeleistung zur Flucht ist Landesverrat. ...


Niederbarnimer Kreisblatt, 30. Dezember 1939, Anzeigen Bernau und Umgebung

Frischmilchende, reelle junge KUH verkauft Fritz Lindenberg, Eiche bei Ahrensfelde


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