Mehrow und Umgebung in der in Niederbarnimer Zeitung (Friedrichshagen) von 1918 (34./35. Jahrgang).
Gefunden in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) auf Mikrofilm.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 4. Januar 1918 (Nr. 3), Aus Ort und Land

Kriegsgefangene für Arbeiten. Durch das Oberkommando in den Marken können in beschränktem Umfange Kriegsgefangene für Arbeiten bei Behörden sowie in kriegs- und volkswirtschaftlich wichtigen Betrieben vergeben werden. Anträge sind mündlich bei der Transportzentrale des Ober­kommandos in den Marken, Schöneberger Ufer 10, vorzutragen.


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 8. Januar 1918 (Nr. 6), Aus Ort und Land

Streichungen in Anzeigen. Rücksichten auf die Kriegsverhältnisse und Vorschriften, die alle Zeitungen binden, zwingen dazu, in Anzeigen manchmal Streichungen vorzunehmen. Mancherlei, das in friedlichen Zeiten ruhig veröffentlicht werden kann, darf, wie sich jeder bei einiger Ueberlegung selbst sagen wird, aus hunderterlei Gründen durch eine Zeitung heute nicht gesagt werden. Infolge­dessen müssen sich die Aufgeber damit abfinden, wenn die Anzeigen in etwas geänderter Form zum Abdruck gelangen.

Ablieferung von Gummifahrradbereifungen. Bei Nachprüfungen der Haushalte durch Revisoren des Oberkommandos in den Marken und Beamte der Polizeibehörden sind vielfach Gummirad­bereifungen vorgefunden worden, die bestimmungsgemäß von den Besitzern hätten abgeliefert werden müssen. ... Das Oberkommando bringt zur öffentlichen Kenntnis, daß als letzter Zeitpunkt für die Ablieferung der 10. Januar 1918 festgesetzt wird. Alle nach diesem Tage festgestellten Verstöße werden unnachsichtig strafverfolgt werden.

Die kalten Vorortzüge. Der Eisenbahndirektion Berlin ist von Bewohnern der Vororte die dringende Bitte unterbreitet worden, als Ersatz für die fehlende Heizung der Wagenabteile den Fußboden mit warmen Decken zu belegen. ... Sollte es der Eisenbahndirektion nicht möglich sein, genügende Mengen alter Decken aufzubringen, dann sollte sie mit einfachen Strohmatten einen Versuch machen. Im Interesse der Gesamtheit der frierenden Fahrgäste muß jedenfalls in irgendeiner Form Abhilfe geschaffen werden.

Warum riecht die Zeitung? So werden wir fast täglich gefragt. Wir müssen unsern Lesern zur Antwort geben: weil auch unsere Farbe ein Farben-Ersatz ist. Früher bestand die Farbe aus Leinöl-Firnes und Ruß. Jetzt besteht sie in ihren Hauptbestandteilen aus Abfallölen, Petroleum und auch Asphalt. Da ist es also kein Wunder, daß ihr ein Geruch anhaftet. Wir können das leider nicht ändern.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 10. Januar 1918 (Nr. 8), Aus Ort und Land

Bernau. Eine Gassperre ist von der städtischen Gasanstalt angeordnet. Infolgedessen kann in der Druckerei des „Kreisblattes“ der Maschinenbetrieb nicht aufrecht erhalten werden und die Zeitung nur zweiseitig erscheinen.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 11. Januar 1918 (Nr. 9), Aus Ort und Land

Eingefroren. Nach Berliner Blättern sind große Kohlentransporte, die aus Oberschlesien nach Berlin unterwegs waren, im Ganzen etwa 150000 Tonnen Kohle, eingefroren. Danach dürfte die Kohlen­kalamität bedrohliche Formen annehmen, falls nicht bald wieder gelinderes Wetter eintritt. ...


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 14. Januar 1918 (Nr. 11), Aus Ort und Land

Der Schnee. Ungeheure Schneemengen sind in den letzten Tagen niedergegangen. ... Der Schnee häuft sich fußhoch, und Bäume und Sträucher drohen unter der ungewöhnlichen Last zu brechen. ...


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 16. Januar 1918 (Nr. 13), Aus Ort und Land

Verkehrsstörungen durch Schneefall. Der Betrieb des Elektrizitätswerkes in Cöpenick ist unter­brochen. Infolgedessen fehlt es in unserem Orte an Strom, sodaß alle Betriebe, die elektrischen Anschluß haben, stilliegen. Auch die Straßenbahnen in Friedrichshagen selbst wie nach auswärts verkehren nicht. Groß sind die Störungen im Telegraphen- und Fernsprechverkehr. Unter der schweren Schneelast, die zäh an den Drähten klebt, ist eine große Anzahl von Drähten gerissen. Sowohl im Ortsnetz wie nach den Nachbarorten sind die meisten Verbindungen abgebrochen. Bei dem Mangel an Arbeitskräften sind die Verkehrsstörungen besonders empfindlich und anhaltend.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 19. Januar 1918 (Nr. 16), Aus Ort und Land

Die Eiskeller der Brauereien werden jetzt gefüllt, da unsere Flußläufe augenblicklich ein starkes Eis liefern. Wie jede Außenarbeit, ist das Eisen jetzt eine kostspielige Sache, denn das Fuhrwerk ist sehr teuer und die Arbeitslöhne sind außerordentlich hoch.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 28. Januar 1918 (Nr. 23), Aus Ort und Land

Vorfrühling im Januar. Eine Frühlingswoche liegt hinter uns. Das Wetter wurde seit Sonntag mit jedem Tag schöner. ...


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 7. Februar 1918 (Nr. 32), Aus Ort und Land

Das neueste Kraut für Raucher. das dem Tabak „Ersatzstoffe“ beigemischt werden, hat der Bundesrat bekanntlich schon vor einiger Zeit erlaubt und dabei wohlwollend auf Hopfen und Buchenlaub hingewiesen. Jetzt hat der Finanzminister im Einvernehmen mit dem Reichsschatzamte ein übriges getan. Er gestattet, daß Tabakmischungen noch als Tabak bezeichnet werden, wenn der Tabak mehr als 5 v. H. des Gesamtgewichtes ausmacht. 94½ v. H. können also Unkraut jeder Art sein, wenn 5½ v. H. Tabak dazu kommt.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 13. Februar 1918 (Nr. 37), Aus Ort und Land

Der Verein der Berliner Vorortzeitungen beschloß in seiner in der vergangenen Woche abgehaltenen Versammlung, eine gemeinsame Eingabe an die Gemeindeverwaltungen und Magistrate betreffs Abschaffung der Pauschale und Einführung von 50 v. H. Rabatt für die amtlichen Ankündigungen zu machen.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 24. Februar 1918 (Nr. 47), Aus Ort und Land

Mahlsdorf. Ein seltsamer Unfall fügte dem Landwirt Schmidt in Höhnow [!] großen Schaden zu. Die elektrische Leitung nach dem Kuhstall scheint beschädigt gewesen zu sein, so daß es geschehen konnte, daß der Strom durch die Säule, die das Dach des Kuhstalles trägt, in den Holm fuhr, zwei hochtragende Kühe und ein Kalb tötete.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 15. März 1918 (Nr. 63), Aus Ort und Land

Stichwahl im Niederbarnim. Die gestrige Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen Sozial­demokraten Stadthagen hat, wie vorauszusehen war, zu einem abschließenden Ergebnis noch nicht geführt. Es kommt zwischen Wissell (Soz) und Breitscheid (U.-Soz.) zur Stichwahl, bei der Wissell die meisten Aussichten hat. Die Stimmen verteilen sich wie folgt:
  • Redakteur Wissell (soz. Mehrheit) 28422 Stimmen,
  • Dr. Breitscheid (unabh. Soz.) 18640 Stimmen,
  • Eisenbahnhandwerker Hoffmann (Fortschr.) 6248 Stimmen,
  • Stadtsyndikus Dr. Maretzky (natl.) 7781 Stimmen,
  • Amtsvorsteher Kühn-Birkenwerder (kons.) 3859 Stimmen.
... Die noch ausstehenden Orte dürften an dem Ergebnis nichts mehr ändern. Die Zahl der bisher abgegebenen Stimmen beträgt 65321. Bei der Wahl im Jahre 1912 wurden im ganzem 129178 Stimmen abgegeben. ... Die auffällige Verminderung der Wähler bei der diesmaligen Wahl ist darauf zurückzuführen, daß etwa 45 Prozent der Wahlberechtigten im Felde stehen.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 20. März 1918 (Nr. 67), Aus Ort und Land

Für Zigarren keine Ersatzstoffe! In Rauchkreisen ist vielfach die Meinung verbreitet, daß zur Herstellung von Zigarren auch Ersatzstoffe verwendet dürfen. Dies ist eine irrige Annahme, da nach den Bundesratsvorschriften Hopfen, Buchenblätter, Zichorienblätter und Kirschblätter als Ersatzstoffe für Rauchtabak ... verwendet werden dürfen. Zur Herstellung von Zigarren sind Ersatzstoffe aller Art verboten, so daß zur Zigarrenfabrikation nur Tabak dient. ...

Militärpatrouillen zum Schutze der Sicherheit. Die zunehmende Unsicherheit in Berlin und seinen Vororten hat den Oberbefehlshaber in den Marken, Generaloberst von Kessel, veranlaßt, während der Nacht einen militärischen Patrouillengang einzurichten. Er erwartet von der Bevölkerung, daß sie diese Patrouillen in ihrem schweren und verantwortungsvollen Dienst in jeder Weise unterstützen wird.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 21. März 1918 (Nr. 68), Aus Ort und Land

Das amtliche Wahlergebnis im Kreise Niederbarnim ist von dem Wahlkommissar, Landrat v. Bredow, festgestellt worden. Es ergaben sich für den Arbeitersekretär Rudolf Wissell 28850 Stimmen, für den Stadtverordneten Dr. Rudolf Breitscheid 18892, für den Stadtsyndikus Dr. Maretzky 8001, für den Eisenbahnhandwerker Hoffmann 6409 und für den Amtsvorsteher Kühn-Birkenwerder 5357 Stimmen. Zersplittert waren 12 Stimmen. Insgesamt wurden 67521 Stimmen abgegeben.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 28. März 1918 (Nr. 74), Aus Ort und Land

Pferdebeförderung auf dem Wasserwege. Infolge des Wagenmangels auf der Eisenbahn hat der Magdeburger Rennverein beschlossen, die Hoppegartener und Karlshorster Pferde auf dem Wasser­wege zu seiner Rennbahn zu bringen. Der erste Renntag soll am Sonntag, den 21. April abgehalten werden.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 30. März 1918 (Nr. 75), Aus Ort und Land

Topinambur darf nur zu Ernährungszwecken verbraucht werden. Die Verordnung des Bundesrats vom 12. Mai 1917, betreffend das Verbot der Verarbeitung von Topinambur auf Branntwein, wird nicht mehr überall beachtet. Es wird daher darauf hingewiesen, daß dieses Verbot, welches erlassen wurde, um die Wurzelknollen der Topinamburpflanze ... für die Ernährung zu sichern, noch fortbesteht.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 4. April 1918 (Nr. 78), Aus Ort und Land

Frauenhaar-Ankauf. Das Vaterland braucht zu kriegstechnischen Zwecken alle Sorten Menschen­haare. Nach der am 15. März ... erfolgten amtlichen Beschlagnahme der Haare dürfen nur noch die mit dem Ausweis der Kriegs-Rohstoff-Abteilung versehenen Ankäufer den Erwerb der Haare tätigen. ...

Ein Verwundetentransport traf am Nachmittag des ersten Feiertages auf dem Cöpenicker Bahnhof ein. Von etwa 120 Verwundeten und Kranken wurden 50 den Lazaretten Sadowa und Hirschgarten zugeführt; der Rest der Mannschaften wurde den Anstalten in Oberschöneweide und Wilhelmshagen überwiesen. Der Zug kam aus dem Westen.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 5. April 1918 (Nr. 79), Aus Ort und Land

Wegen Verkehrs mit Kriegsgefangenen wurde die Arbeiterin Hermine Scharmofski aus Ober­schöneweide vom Schöffengericht Cöpenick zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt.

Das endgültige Wahlergebnis im Reichstagswahlkreise Niederbarnim ist jetzt amtlich bekannt­gegeben. Von 27589 abgegebenen Stimmen sind 509 für ungültig, 27071 für gültig erklärt. Davon erhielt Wissell 26783, Breitscheid 288 Stimmen. Wissell ist somit gewählt.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 13. April 1918 (Nr. 86), Aus Ort und Land

Die Sommerzeit wird am 15. April wieder eingeführt. An diesem Tage sind sämtliche Uhren um 2 Uhr vormittags um eine Stunde, d. h. auf 3 Uhr vormittags vorzustellen. ...

Bei einem Fliegerunglück, das sich Donnerstag nachmittag in Adlershof ereignete, fanden mehrere Personen den Tod. Ein großes Passagier-Flugzeug, das einen Probeflug unternahm, fing in etwa 50 Meter Höhe infolge Vergaserbrandes Feuer und stürzte ab. Es fiel dabei in einer Arbeiterkolonne, die beim Ausschachten eines Grabens beschäftigt war. Ein Vorarbeiter aus Neuenhagen, sowie zwei Arbeiterinnen, nämlich eine Kriegerwitwe und ein 26jähries Mädchen, wurden getötet. 10 weitere Personen verletzt. Die Insassen des Apparats büßten gleichfalls ihr Leben ein.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 18. April 1918 (Nr. 90), Aus Ort und Land

Gründung der „Gasanstalt Oberspree“ im Kreise Niederbarnim. Nachdem vor einigen Tagen die „Deutsche Gasgesellschaft A.-G.“ ins Leben getreten ist, die alle in Berlin und im Kreise Teltow gelegenen Werke der früheren Imperial Continental Gas-Association umfaßt, sind nunmehr zur Vorbereitung der Zuschlagserteilung die im Kreise Niederbarnim gelegenen Gaswerke Oberschöne­weide und Weißensee der sogenannten Englischen Gasgesellschaft in der Firma „Gasanstalt Oberspree G. m. b. H.“ vereinigt worden. Zum Geschäftsführer wurde Herr Regierungsbaumeister a. D. Walter Weigel in Berlin befaßt, der schon bisher die Gas- und Wasserwerke des Kreises leitete. Damit sind die Groß-Berliner Anlagen der Englischen Gasgesellschaft in deutschen Besitz übergeführt.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 19. April 1918 (Nr. 91), Aus Ort und Land

Altlandsberg. Kriegsanleihezeichnung. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der hiesigen Geschoßkorb­fabrik von Beckert haben auf Anregung des Inhabers 17000 Mk. zur 8. Kriegsanleihe gezeichnet.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 24. April 1918 (Nr. 95), Aus Ort und Land

Scheuklappen als Sohlleder abliefern! ...

Beschlagnahme der Gummi-Billardbande. ...

Altlandsberg. Erschossen hat sich auf dem hiesigen Friedhof auf dem Grabe seiner Mutter ein junger Mann aus Berlin.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 1. Mai 1918 (Nr. 101), Aus Ort und Land

Das Ende der Englischen Gasgesellschaft. Die vor kurzem gegründete Deutsche Gasgesellschaft (A.-G.) mit dem Sitz in Tempelhof hat aus der Liquidationsmasse die in Berlin, Schöneberg und Mariendorf belegenen Gaswerke der „Imperial Continental Gas Association“ (Englischen Gasgesellschaft) mit Wirkung vom 1. Mai d. Js. ab erworben ...


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 13. Mai 1918 (Nr. 110), Aus Ort und Land

Leichenüberführungen aus dem Felde. Infolge der Transporteinschränkung können Ueberführungen von Leichen gefallener Krieger mit Bahntransporten aus dem Bereiche der österreichisch-ungarischen Armeen und den durch diese besetzten Gebieten erst nach dem allgemeinen Friedensschluß erfolgen. Leichenüberführungen vom westlichen Kriegsschauplatz sind jedoch, sofern es die Betriebslage der Bahnen und die Kampfverhältnisse zulassen, bis zum 31. Mai 1918 widerruflich gestattet. Vom 1. Juni 1918 ab können Leichenüberführungen leider allgemein - aus sanitären Gründen mit Rücksicht auf die Jahreszeit ... nicht zur Ausführung kommen ...


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 16. Mai 1918 (Nr. 113), Aus Ort und Land

Die Einrichtung militärischer Sicherheitspatrouillen ist mit Rücksicht auf die geringe Zahl der noch vorhandenen Polizeibeamten für Groß-Berlin im Gange. Es ist dies nur mit Freuden zu begrüßen, denn es dürfte auf diese Weise gelingen, der nächtlichen Unsicherheit zu steuern.

Die Eingemeindungsverhandlungen Lichtenberg-Friedrichsfelde. Die Lichtenberger Stadtver­ordnetenversammlung beschäftige sich in geheimer Sitzung mit den schwebenden Eingemeindungs­verhandlungen zwischen Lichtenberg und Friedrichsfelde-Karlshorst. ...


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 29. Mai 1918 (Nr.123), Aus Ort und Land

Nachtfröste. In den letzten Nächten, besonders in der Nacht von Sonntag auf Montag, ist das Thermometer auch in unserer Gegend auf den Nullpunkt gefallen. An frei gelegenen Stellen sind Bohnen, Gurken und andere Gemüsepflanzen erfroren. Selbst die Kartoffeln haben vielfach gelitten. ...


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 29. Mai 1918 (Nr. 123)

Generaloberst v. Kessel + ...
Der Oberkommandierende in den Marken Generaloberst v. Kessel ist heute Nacht den Folgen eines Schlaganfalls erlegen.
Im Jahre 1909 hat Generaloberst v. Kessel als Nachfolger des Generalfeldmarschalls v. Hahnke das Oberkommando in den Marken übernommen. ... Der Verstorbene hat eine ungewöhnlich schnelle Karriere gemacht, die ihn ausschließlich bei der Garde hielt. Kurz vor Vollendung des 71. Jahres hat er sich in zweiter Ehe mit der Tochter des Gutsbesitzers W. v. Borstell vermählt. Nun ist der 72jährige plötzlich aus dem Leben geschieden.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 31. Mai 1918 (Nr. 125)

Generaloberst v. Linsingen.
Der neue Oberbefehlshaber in den Marken. ...
Der Kaiser und König haben den Generalobersten v. Linsingen, bisher Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Linsingen, mit dem 1. Juni d. J. für die fernere Dauer des Krieges zum Oberbefehls­haber in den Marken ernannt. ...


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 7. Juni 1918 (Nr. 131), Aus Ort und Land

Die Frostschäden. Der Wettersturz in der Nacht zum Dienstag hat unübersehbare Schäden in der Mark, sowie den angrenzenden Provinzen verursacht. Das Thermometer fiel auf 2-3 Grad, stellenweise auf 4 Grad unter Null, Eis und Reif bildend und alle zarten Pflanzen, Früchte, Insekten, das Laub der Eichen, des Weines und vieler Blumen vernichtend. ... In den Wäldern sind die Eichen am schwersten betroffen. Kahl und vollständig geschwärzt stehen sie da und gewähren einen recht trostlosen Anblick. Das Gute an diesem so plötzlichen und in so später Zeit seit vielen Jahren nicht beobachteten Wettersturzes ist die Nebenerscheinung, daß auch das überhandnehmende Ungeziefer, wie Blattläuse, Raupen und Käfer, zum größten Teil vernichtet wurden. ...


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 12. Juni 1918 (Nr. 135), Aus Ort und Land

Der Mai 1918 war mit seinen 10.0 Mm. Regen nicht nur der trockenste Monat dieses Jahres, sondern überhaupt der trockenste seit 1910. ...


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 15. Juni 1918 (Nr. 138), Aus Ort und Land

Verkaufsverbot alkoholartiger Getränke an Kriegsgefangene. Das Oberkommando in den Marken macht nochmals bekannt, daß der Verkauf von alkoholartigen [!] Getränke aller Art an Kriegsgefangene, sowie die Beschaffung derartiger Getränke für die Kriegsgefangenen verboten ist. Ferner ist den Kriegsgefangenen der Besuch der Schankräume von Wirtschaften, Gartenwirtschaften, sowie der öffentlichen Lustbarkeiten verboten. Zuwiderhandlungen werden streng bestraft.

Eine schamlose Frau. Festgenommen wurde in Oberschöneweide die Arbeiterin G. aus Karlshorst, weil sie mit hier untergebrachten Kriegsgefangenen unerlaubten Verkehr unterhalten hatte.


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 18. Juni 1918 (Nr. 140), Aus Ort und Land

Die Kirschenzeit ist gekommen. Wenn auch zunächst die Quellen spärlich fließen, hoffen wir, bald mit diesem wohlschmeckenden Frühobst reichlicher versehen zu werden. Beim Genießen der Früchte wollen wir aber auch nicht den Schatz mißachten, den sie im Inneren bergen. Jeder Kern ist ölhaltig und muß daher sorgfältig getrocknet und gesammelt werden. ...

Niedriger Wasserstand. Die andauernde Trockenperiode hat auch ein starkes Fallen der Flüsse zur Folge. So ist der Wasserstand des Müggelsees in kurzer Zeit etwa 12 Zentimeter zurückgegangen. Aehnlich sieht es im Oder-Stromgebiet aus. Um die fast zum Erliegen gekommene Schiffahrt wenigstens für eine kürzere Zeit wieder in Gang zu bringen, sind die Staustufen der oberen Oder geöffnet worden.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 19. Juni 1918 (Nr. 141), Aus Ort und Land

Schützt Saat und Ernte 1918. Der Oberbefehlshaber in den Marken weist darauf hin, daß jeder, der bei der Landung eines Flugzeuges auf oder in der Nähe von bestellten Feldern durch deren Betreten Flurschaden verursacht, die für die Volksernährung erforderliche Bereitstellung von Brotgetreide gefährdet und damit das Vaterland schädigt. ...


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 21. Juni 1918 (Nr. 143), Aus Ort und Land

Warnung vor dem Rauchen von Waldmeister. Waldmeister wird jetzt oft zur Streckung des Tabaks für die Pfeife benutzt. Von ärztlicher Seite wird darauf aufmerksam gemacht, daß diese Verwendung des Waldmeisters sehr bedenklich ist, da diese Pflanze ein schädliches Herzgift enthält, das leicht Herzschlag zur Folge haben kann. Auch das Buchenlaub soll schädlich auf den Kehlkopf wirken.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 1. Juli 1918 (Nr. 151), Aus Ort und Land

Herr Regierungsrat v. Burkersroda vom Niederbarnimer Landratsamt ist als Landrat des Kreises Soldin in Aussicht genommen.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 1. Juli 1918 (Nr. 151)

Die „spanische Krankheit“ in Deutschland.
Die vor kurzem in Spanien aufgetretene Massenerkrankung hat überraschenderweise nunmehr auch in Deutschland ihren Einzug gehalten. Sie tritt schon seit längerer Zeit in recht erheblicher Verbreitung in Berlin auf und hat sich neuerdings auch in anderen Teilen des Reichsgebietes, so im Großherzogtum Hessen und in Bayern, hier am stärksten in Nürnberg, gezeigt. Die Krankheit beginnt meist ganz plötzlich mit hohem Fieber, allgemeiner Abgespanntheit, Kreuz- und Gliederschmerzen; daneben machen sich Kopf- und Halsschmerzen bemerkbar. Im allgemeinen ist der Krankheitsprozeß kurz und leicht. Die Krankheit unterscheidet sich also in ihren Anzeichen und ihrem Verlauf nicht wesentlich von der seit Jahrzehnten bekannten Influenza. Ein Mitglied des Kochschen Instituts hat dann auch bereits in mehreren Krankheitsfällen den Influenzabazillus einwandfrei nachgewiesen. Seinen Beobachtungen zufolge werden ältere Personen weniger als junge Personen von der Krankheit befallen. Die Gefahr für die Zivilbevölkerung sei gering, und es sei bisher bei den Erkrankungen noch kein Todesfall vorgekommen. Im übrigen ist die „spanische Grippe“ auch in Paris aufgetaucht. Es wird dort behauptet, daß sie von der Front stamme, schon im Mai nach Paris gekommen sei, von dort sich auf Spanien ausgedehnt habe und nunmehr wieder nach Paris zurückgekehrt sei. Wenn sie sich nicht auf Spanien ausgedehnt hätte, würde die Welt wohl nie von ihr erfahren haben.


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 2. Juli 1918 (Nr. 152), Aus Ort und Land

Die „spanische Grippe“, die sich auch auf Berlin ausgedehnt hat, greift immer mehr um sich. In den Krankenhäusern Groß-Berlins wurde im Laufe des gestrigen Tages eine größere Anzahl von Erkrankten eingeliefert. Das Rudolf-Virchow-Krankenhaus hat gestern etwa 35 an Grippe erkrankte Personen aufgenommen. Auch im Urban-Krankenhaus und im Krankenhaus Moabit fanden zahlreiche Patienten Aufnahme. Wie das Medizinalamt mitteilt, muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Krankheit einen ganz leichten Charakter hat. Es liegt durchaus kein Grund zur Beunruhigung vor.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 3. Juli 1918 (Nr. 153), Aus Ort und Land

Die „Berliner Weiße“ wird verbessert. Durch eine Verordnung über Bier und bierähnliche Getränke vom 24. Januar 1918 ist die Herstellung von Bier mit einem Stammwürzegehalt von mehr als 3 Prozent verboten. Von dieser Vorschrift hat jetzt der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts einige Ausnahmen zugelassen, und zwar ist sowohl für Berliner Weißbier wie für Grätzer Bier die Höchstgrenze für den Stammwürzegehalt auf 4 Prozent erhöht worden. In Verbindung mit diesem Zugeständnis ist der Herstellerhöchstpreis für Berliner Weißbier und Grätzer Bier auf 24 Mk. für den Hektoliter heraufgesetzt worden.

Von der „spanischen“ Krankheit sind in Cöpenick bereits zahlreiche Erwachsene und Kinder befallen, die mit Schwindel, Erbrechen, Fieber und Müdigkeit umgeht.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 8. Juli 1918 (Nr. 157), Aus Ort und Land

Keine Rennen in Hoppegarten. Auch der zweite Teil der diesjährigen Berliner Rennzeit wird sich ausschließlich auf der Grunewaldbahn abspielen, wo übrigens gestern nach 4-wöchiger Pause wieder Rennen stattfanden. Nach dem „B. Tgbl.“ hatten weder die spanische Grippe, noch die Ferien den Rennbahnbesuch irgendwie beeinflussen können.

Schadenfeuer in Altlandsberg. Wie uns berichtet wird, brannte in der verflossenen Nacht die Dampfschneidemühle von Schulz in Altlandsberg vollständig nieder. Es waren mehrere Wehren zur Stelle, doch waren sie gegenüber dem verheerenden Element, das in den Holzbeständen reichlich Nahrung fand, machtlos. Ueber die Entstehungsursache ist nichts bekannt.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 10. Juli 1918 (Nr. 159), Aus Ort und Land

Keine Frauen als Standesbeamte. Der Minister des Innern hat durch einen kürzlich den Regierungspräsidenten mitgeteilten Erlaß dahin entschieden, daß die Ernennung weiblicher Personen zu Standesbeamten und Stellvertretern unzulässig sei. ...


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 12. Juli 1918 (Nr. 161), Aus Ort und Land

Die Grippe im Abnehmen. Die „Spanische Krankheit“ scheint uns nun endlich verlassen zu wollen. Die Mehrzahl der Berliner Krankenkassen melden, daß die Zahl der Krankmeldungen ihrer Mitglieder zurückgeht. Auch in den Privatbetrieben sind die Grippefälle seltener geworden. Recht stark scheint die Krankheit noch in Leipzig zu herrschen. Von dort wird gemeldet, daß allein bei den Krankenkassen noch über 2000 Erkrankte zu verzeichnen sind.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 13. Juli 1918 (Nr. 162), Aus Ort und Land

Die Influenza-Epidemie geht in Groß-Berlin weiter zurück. Aerzte schreiben dies dem Schulschluß und der Flucht der Bevölkerung aus Groß-Berlin zu. Zugenommen hat die Grippe nur in Lazaretten und Kasernen. Aber auch in diesen scheint der Höhepunkt schon überschritten zu sein, indem bereits viele in der vorigen Woche Erkrankte schon wieder vollständig auf dem Posten sind. Schon nach wenigen Tagen zeigte sich bei der Mehrzahl der Kranken eine merkbare Besserung, die den Schluß zuläßt, daß in wenigen Wochen die Epidemie nicht nur den Höhepunkt überschritten hat, sondern wieder verschwunden sein wird.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 17. Juli 1918 (Nr. 165), Aus Ort und Land

Die Uebersiedlung des Oberpräsidiums nach Charlottenburg ist nunmehr erfolgt. Die Diensträume befinden sich, wie berichtet, im Gebäude des Charlottenburger Polizeipräsidiums, Kaiserdamm 1. Neben den allgemeinen Dienststellen des Oberpräsidiums ist noch die Provinzialkartoffelstelle, die Provinzial-Heu- und Strohstelle und die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen dorthin verlegt worden, während die königliche Regierung für den Regierungsbezirk Potsdam auch fernerhin ihren Amtssitz in Potsdam hat.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 25. Juli 1918 (Nr. 172), Aus Ort und Land

Der verstorbene Landrat v. Burkersroda ist auf Burg Heßler bei Kösen in Thüringen beigesetzt worden. Herr v. Burkersroda, der bis dahin beim Landratsamt des Kreises Niederbarnim tätig war und in seiner Wirksamkeit auf kriegswirtschaftlichem Gebiet auch in Groß-Berliner Kreisen bekannt geworden ist, war, wie berichtet, am 1. Juli d. Js. zum kommissarischen Landrat des Kreises Soldin in der Neumark ernannt worden. Kaum 14 Tage nach Uebernahme seines Amtes ist er an den Folgen der Grippe und einer hinzugezogenen Lungenentzündung einen Tag vor seinem 41. Geburtstag in Soldin gestorben. ...

Ein Verwundeten-Transport von 78 Mann traf auf dem Bahnhof in Cöpenick ein. 70 Mann davon, ausschließlich Leichtverwundete, wurden den beiden Lazaretten Tabbert und Pleger in Hirschgarten zugeteilt. Die Leute kamen aus der Ukraine.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 29. Juli 1918 (Nr. 175), Aus Ort und Land

Würdelose Frauen. Wegen Verkehrs mit Kriegsgefangenen sind vom Cöpenicker Amtsgericht die Arbeiterin Frieds Schmeck ... und die Arbeiterin Martha Eggert ... zu je 50 Mk. Geldstrafe oder 5 Tagen Gefängnis verurteilt.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 31. Juli 1918 (Nr. 177), Aus Ort und Land

Ein russischer Kriegsgefangener als Lebensretter. Beim Angeln fiel in Niederschöneweide ein zehnjähriger Schüler in die Spree. Der Knabe wäre sicher ertrunken, wenn nicht der bei der Firma Kretzer u. Busse tätige russische Kriegsgefangene Michalow ihm nachgesprungen wäre und ihn unter eigener Lebensgefahr an Land gebracht hätte.

Bernau. Von einem Erntewagen überfahren wurde der Tischlermeister Ernst Bahn von hier. Er kam zu Fall und geriet unter den hochbeladenen Wagen. Ein Hinterrad ging dabei dem Gestürzten über den Kopf, wodurch er so schwer verletzt wurde, daß der Tod nach wenigen Augenblicken eintrat.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 3. August 1918 (Nr. 180), Aus Ort und Land

Die Grippe hat in den letzten Tagen in Groß-Berlin einige Opfer gefordert und an Ausdehnung wieder zugenommen, selbst Rückfälle sind zu verzeichnen gewesen, Man hat es bei dieser Epidemie mit einer sehr hartnäckigen und wenn auch keineswegs nicht bösartigen, doch immerhin für ältere Personen recht empfindlich auftretenden Erkrankung zu tun, die oft wochenlang anhält und nicht selten Nachwirkungen im Gefolge hat. Die Krankmeldungen im Juli waren bei den 230 Groß-Berliner Krankenkassen weit höher als im Juni d. Js. und im Juli v. Js. Der Bestand an Kranken erreichte insgesamt die Zahl von über 200000, ist aber trotz der vielen Neuanmeldungen im Rückgang begriffen, wenn auch nur langsam und in unregelmäßigen Kurven. Während z. B. in voriger Woche eine größere Abnahme zu beobachten war, ist in dieser Woche nach den bisherigen Meldungen wieder mit einer Zunahme zu rechnen. ...


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 9. August 1918 (Nr. 185), Aus Ort und Land

Altlandsberg. Tod durch Verbrennung. Das junge Mädchen, das sich vor einiger Zeit beim Herunter­nehmen eines Topfes am Herdfeuer schwer verbrannte, ist jetzt an den erlittenen Brandwunden gestorben.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 10. August 1918 (Nr. 186), Aus Ort und Land

Altlandsberg. Mord. Ein Wächter, der Geflügeldiebe erwischt hatte, wurde erschlagen aufgefunden. Die Verbrecher sind entkommen.


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 13. August 1918 (Nr. 188), Aus Ort und Land

Erlöschen der Grippe. Die gefürchtete Grippe ist allem Anschein nach jetzt endgültig in Groß-Berlin erloschen. In den letzten Tagen kamen nur noch einzelne Fälle zur Meldung. Die 28 Ortskranken­kassen und 280 Betriebskrankenkassen verzeichnen nur einige Neuanmeldungen und Erkrankungen gegenüber zahlreichen Meldungen von Genesenden. Die Gesundheitsverhältnisse von Groß-Berlin sind wesentlich bessere geworden und vor allem nicht nur bedeutend besser als z. B. in 1916, sondern auch trotz des anhaltenden Regens erheblich günstiger als vor einigen Monaten. Nicht nur die Zahl der an der Influenza erkrankten Personen ist in der schnellen Abnahme begriffen, auch die Zahl der an der Ruhr Erkrankten ist so gering, daß keine besonderen Maßnahmen erforderlich erscheinen. ...


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 16. August 1918 (Nr. 191), Aus Ort und Land

Altlandsberg. Die Ermordung eines Nachtwächters. Wie wir berichteten, ist in der Nacht vom 8. zum 9. August gegen 1½ Uhr hier der Nachtwächter Kiesler bei Verfolgung eines Hühnerdiebstahls auf der nach Strausberg und Fredersdorf führenden Straße in der Nähe des Kleinbahnhofs durch einen Schuß ins Herz getötet worden. Von der Polizeiverwaltung wird jedem, der zur Ermittelung des Verbrechers beitragen hilft, eine Belohnung von 200 Mk. zugesichert.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 21. August 1918 (Nr. 195), Aus Ort und Land

Der Mord bei Alt-Landsberg aufgeklärt. Der Nachtwächtermord bei Alt-Landsberg konnte von der Berliner Kriminalpolizei aufgeklärt werden. Unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft wurde von ihr gestern der 70 Jahre alte, aus Prag gebürtige Kellner und Geschäftsführer Wenzel Kirchhof aus der Müncheberger Straße 15 in Berlin verhaftet.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 22. August 1918 (Nr. 196), Aus Ort und Land

Ein Braunkohlenlager bei Berlin. Wie man in Ost- und Westpreußen, in der Altmark wie in der Neumark sich daran gibt, die Torflager, die früher unbeachtet blieben, auszubeuten, so denkt man auch daran, die Braunkohlenlager, die in der Nähe Berlins vorhanden sind, abzubauen. Schon in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es Braunkohlengruben bei Berlin. Sie kamen später zum Erliegen. Nun will, wie aus Industriekreisen verlautet, der Duxer Kohlenverein diese Braunkohlenfelder in der Umgegend der Reichshauptstadt erschließen, um nach Kriegsende mit dem bergmännischen Abbau zu beginnen.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 24. August 1918 (Nr. 198), Aus Ort und Land

Zeitgemäße Diebstähle. In Wandlitz wurde einem Besitzer der ganze aus Eisendraht hergestellte Gartenzaun entwendet, dazu ein großer Kirschbaum gestohlen, den die Diebe ausgruben. - In Schönebeck droschen Diebe den Roggenschnitt von einer Fläche von etwa drei Morgen auf freiem Felde aus. Die ausgedroschenen Garben stellten sie wieder in der üblichen Form auf, so daß der Diebstahl erst später entdeckt wurde.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 26. August 1918 (Nr. 199), Aus Ort und Land

Selbstmord des Altlandsberger Mörders. Der über 70 Jahre alte Kellner Mandel [!] Kirchhof, der unter dem dringenden Verdacht des Mordes an dem Nachtwächter Kiesler in Altlandsberg verhaftet war, hat Selbstmord verübt. Kirchhof, der zwar leugnete, aber doch wohl einsah, daß es für ihn kein Entrinnen mehr gab, erhängte sich im Gewahrsam an seiner Leibbinde, nachdem er durch Aufzeichnung über seinen Nachlaß verfügt hatte.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 30. August 1918 (Nr. 203), Aus Ort und Land

Ehrentafeln in den Ortskirchen. Von den Pfarrämtern werden die Angehörigen Gefallener erneut darauf hingewiesen, daß die Kanzelabkündigung und die Anbringung von Ehrentafeln nur erfolgen kann, wenn den Pfarrern oder Küstern die nötigen Angaben für diesen Zweck gemacht werden.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 2. September 1918 (Nr. 205), Aus Ort und Land

Der Blitz im Fernsprechamt. Während eines kurzen Gewitters wurde die auf dem Fernsprechamt Erkner beschäftigte Telefonistin Fräulein B., als sie eine Verbindung herstellen wollte, von dem in die Leitung gefahrenen elektrischen Schlag so schwer getroffen, daß sie besinnungslos wurde und jetzt noch krank darnieder liegt.


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 3. September 1918 (Nr. 206), Aus Ort und Land

Schulausflüge wurden gestern aus Anlaß des Sedantages, der den Kindern einen von schönstem Wetter begünstigten unterrichtsfreien Tag brachte, vielfach veranstaltet. Namentlich Berliner Schulklassen zogen schon vormittags durch unsere Straßen, um nach dem Müggelsee und den Müggelbergen zu wandern.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 4. September 1918 (Nr. 207), Aus Ort und Land

Kriegstrauungen nur noch in Ausnahmefällen. Zahlreiche Sonderfälle geben Veranlassung, erneut darauf hinzuweisen, daß Eheschließungen ohne Aufgebot, sogenannte Kriegstrauungen, nur noch in ganz außergewöhnlichen Fällen zugelassen sind. Die Anwesenheit des Bräutigams im Feld ist ein solcher Grund nicht, da ja die Braut das Aufgebot drei Wochen vorher bestellen kann, das dann sechs Monate Gültigkeit hat.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 6. September 1918 (Nr. 209), Aus Ort und Land

Die Eingemeindung Friedrichsfeldes in Lichtenberg. Die von den städtischen und Gemeinde­körperschaften Lichtenbergs und Friedrichsfeldes eingesetzten Eingemeindungsausschüsse haben ihre Arbeit beendet, die Eingemeindungsverträge liegen fertig vor, so daß sich demnächst die beider­seitigen Gemeindekörperschaften über die Annahme dieser Verträge zu entscheiden haben werden. ...

Das Ende des Dutzends. Die Reichsregierung beabsichtigt, in dem neuen Zolltarif die Maßeinheit des „Dutzends“ durch das „Zehnt“ zu ersetzen, um der Unstimmigkeit, die der Zwölferrechnung in unseren Dekadensystem darstellt, den Garaus zu machen. Schon die gegenwärtig stattfindende Leipziger Messe soll mit dem Ersatz des Dutzends durch das Zehnt praktisch beginnen und vorbildlich wirken.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 7. September 1918 (Nr. 210), Aus Ort und Land

Bernau. Tod in der Strohpresse. Auf dem Felde des Ackerbürgers Wilhelm Lange ereignete sich ein schwerer Unfall, bei welchem der Maurer Gustav Hoppe von hier sein Leben einbüßte. Lange ließ Roggen mittels Dampfmaschine dreschen, wobei H. behilflich war. H. hatte den Auftrag, das Stroh von einer angestellten Leiter aus mit der Strohgabel nachzuschieben, da infolge Fehlens eines Strohhakens das zu pressende Stroh schräg in die Presse gelangte. Entgegen den Bestimmungen betrat H. den Preßkasten, wobei er durch die Strohhaken zu Boden geworfen wurde. Durch den Preßhammer erhielt H. zwei Schläge, sodaß der Schädel vollständig zertrümmert und beide Beine mehrfach gebrochen wurden. Nur als Leiche konnte der Verunglückte aus dem Preßkasten entfernt werden.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 14. September 1918 (Nr. 216), Aus Ort und Land

Das Ende der Sommerzeit. Die Sommerzeit endet in der Nacht vom Sonntag zum Montag früh um 3 Uhr. Dann sind alle Uhren wieder um eine Stunde zurückzustellen. ...


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 18. September 1918 (Nr. 219), Aus Ort und Land

Altlandsberg. Die Grippe tritt gegenwärtig hier sehr heftig auf und hat auch bereits einige Todesopfer gefordert. Unter den Verstorbenen befindet sich auch die Krankenhausschwester Magdalene.


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 24. September 1918 (Nr. 224), Aus Ort und Land

Die Uebernahme des Verbandskrankenhauses in Rüdersdorf durch den Kreis stand auf der Tagesordnung der letzten Sitzung der Gemeindevertretung von Kalkberge. Der Kreis hat sich bereit erklärt, das Krankenhaus am 1. Oktober d. Js. zu übernehmen und an der Kalkberger Kranken­hausverband die Baukosten in Höhe von 155900 Mk. zu zahlen. ...


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 25. September 1918 (Nr. 222), Aus Ort und Land

Erhöhung des Preises für Brennesseln. Der Preis für 10 Kilogramm trockene Nesselstengel ist auf 4 Mk. erhöht. In der wildwachsenden Brennessel haben wir einen guten Rohstoff für Wäsche, Kleidung und Nähfäden im Lande. Bei Ablieferung erfolgt sofortige Zahlung. Außerdem wird für je 10 Kilogramm ... ein Sternchen Nähfäden umsonst gewährt.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 30. September 1918 (Nr. 229), Aus Ort und Land

Wiederauftreten der Grippe. Die Grippe tritt jetzt wieder stellenweise häufiger in Berlin und den Vororten auf. In Alt-Landsberg und einigen anderen märkischen Städten tritt diese Krankheit gegenwärtig so heftig auf, daß schon mehrere Todesfälle zu verzeichnen waren. Die Ruhr hat dagegen nachgelassen; es kommen nur noch einzelne Fälle zur Meldung.

Der Kienspan kommt wieder zu Ehren. Der Landrat des Kreises Lübben fordert in einer Bekannt­machung auf, sich rechtzeitig mit Kien zu versehen, da im kommenden Winter der Mangel an Petroleum noch größer wie bisher sein wird. Die Forstverwaltungen des Kreises sind gebeten worden, das Sammeln von Kien durch Roden von Stubben nach Möglichkeit zu gestatten.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 2. Oktober 1918 (Nr. 231), Aus Ort und Land

Die Eingemeindung Friedrichsfeldes nach Lichtenberg beschlossen. Die Friedrichsfelder Gemeindevertretung stimmte dem Eingemeindungsvertrag mit Lichtenberg mit 14 gegen 7 Stimmen zu. ...

Altlandsberg. Sein 25jähriges Amtsjubiläum beging am 1. Oktober Superintendent Bäthge als Oberpfarrer an der hiesigen Stadtkirche.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 9. Oktober 1918 (Nr. 237), Aus Ort und Land

Die Grippe zeigt sich von neuem wieder in unserem Orte [Friedrichshagen] und tritt auch diesmal vielfach in schwerer Form auf. In manchen Häusern sind in mehreren Familien zugleich Erkrankungen zu verzeichnen. Die neuen Krankheitsfälle sind in erster Linie auf den Witterungswechsel und die Wärmeschwankungen der letzten Tage zurückzuführen, wie ja auch sonst in dieser herbstlichen Ueber­gangszeit die Influenzaerkrankungen sich mehrten. Als Vorbeugungsmittel sind von ärztlicher Seite u. a. Spülungen der Nase und Gurgelungen - besonders mit Kochsalzlösungen - empfohlen worden.

Der Eingemeindung von Karlshorst-Friedrichsfelde hat auch das Lichtenberger Stadtparlament in außerordentlicher Sitzung zugestimmt. Der bisherige Friedrichsfelder Gemeindevorsteher Bürger­meister Ungewitter wird pensioniert, der Gemeindeschöffe Regierungsbaumeister Hoyer als Stadt­baumeister übernommen werden.

Eine neue städtische Sparkasse mit Bankbetrieb ist in Bernau eröffnet worden. Bei dieser Stadtsparkasse handelt es sich nicht um eine Einrichtung für die sparende Bevölkerung allein, sondern auch um eine Finanzstelle, die namentlich den Kaufleuten und Handwerkern in weitgehendem Maße entgegenkommen wird durch Scheck-, Giro-, Depositen-, Kontokorrentverkehr und durch Gewährung von Darlehen. Die neue Einrichtung ist also, ähnlich wie die Kommunalbank in Friedrichshagen, zugleich Sparkasse und Bank.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 11. Oktober 1918 (Nr. 239), Aus Ort und Land

Die Grippe-Epidemie. Das Auftreten der Grippe nimmt in Schlesien in den letzten Tagen einen epidemischen Charakter an. Besonders wird der oberschlesische Industriebezirk davon betroffen. In Katowitz mußten sämtliche Schulen geschlossen werden. Auch in den industriellen Werken und in den kaufmännischen Büros machen sich die Grippe-Erkrankungen ungünstig bemerkbar. Im Waldenburger Gebirge treten mit den Grippe-Erkrankungen zugleich Lungen- und Rippenfellentzündungen auf. Infolge des heftigen Auftretens der Grippe in verschiedenen Bezirken Oldenburgs und Königsbergs wurden die Schulferien verlängert. Mehrere Fälle mit hinzugezogener Lungenentzündung verliefen tödlich. In Hamburg traten durch Massenerkrankungen des Postpersonals Unregelmäßigkeiten im Fernsprechbetrieb und der Postbestellung ein.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 12. Oktober 1918 (Nr. 240), Aus Ort und Land

Die Grippe tritt auch in Groß-Berlin wieder stärker auf, so daß zu großer Vorsicht und zur Verhütung von Erkältungen geraten werden muß. Viele Erkrankte mußten in die Krankenhäuser eingeliefert werden. Bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Berlin sind in den letzten Tagen rund 2000 Fälle gemeldet worden. Einzelne Betriebe haben durch Erkrankungen ihrer Angestellten bereits erhebliche Störungen erlitten. Bei den Berliner Postämtern sind die Grippe und ihre Folgeerscheinungen besonders stark aufgetreten. Unter den Beamten, Aushilfsangestellten und Telegraphenarbeitern sind sehr viel Grippe-Erkrankungen gemeldet, so daß mit Schwierigkeiten im Betriebe gerechnet werden muß. Auch in Friedrichsfelde sind die Erkrankungsfälle sehr zahlreich. Die erhöhte Sterblichkeit in unserem Orte [Friedrichshagen] dürfte zum Teil auf die „spanische Krankheit“ und ihre Folge­erscheinungen zurückzuführen sein.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 14. Oktober 1918 (Nr. 241), Aus Ort und Land

Russischen Kriegsgefangenen, Unteroffizieren und Mannschaften, kann die Erlaubnis zur Verheiratung durch die stellvertretenden Generalkommandos nach Anhörung der beteiligten Zivilbehörden erteilt werden. Kommen reichsdeutsche Frauen und Mädchen in Betracht, so wird die Erlaubnis nur erteilt, wenn es sich um Gefangene handelt, deren dauerndes Verbleiben im Deutschen Reich angängig und sicher erscheint. ...


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 16. Oktober 1918 (Nr. 243), Aus Ort und Land

Schließung der Schulen infolge der Grippe. In Groß-Berlin zeigt der Verlauf der Grippe eine aufsteigende Richtung, doch bleibt, wie die Nachrichten aus anderen Städten des Reiches beweisen, die Verbreitung hier immer noch in vergleichsweise mäßigen Grenzen. Immerhin ist die Zahl der Erkrankungsfälle eine beträchtliche. Auch Friedrichshagen ist von der Krankheit stark heimgesucht. Besonders die Schulen sind hier sehr in Mitleidenschaft gezogen. In den letzten Tagen traten die Erkrankungen unter den Schülern derart zahlreich auf, daß ein geordneter Schulbetrieb nicht mehr möglich war. Infolgedessen mußten heute die I. und II. Gemeindeschule - die der Knaben und Mädchen - bis auf weiteres geschlossen werden. In Berlin greift die Grippe ebenfalls weiter um sich. Der Post- und Telegraphenverkehr ist unregelmäßig geworden. Bei der Ortskrankenkasse Berlin wurden gestern 1778 neue Erkrankungen gemeldet, davon an Grippe 1727, worunter sich 24 Fälle an Lungenentzündung befanden. In Potsdam ist die Grippe so stark aufgetreten, daß das städtische Gaswerk nicht in der Lage ist, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der Magistrat sieht sich daher gezwungen, an verschiedenen Tagen den Gasverbrauch auf einige Stunden zu beschränken. Wie festgestellt werden kann, artet die Grippe in Groß-Berlin nicht entfernt so häufig in Lungenentzündung und damit in die Gefahr des tödlichen Ausganges aus, als vielfach angenommen wird. Grund zur Beunruhigung ist auch jetzt noch nicht gegeben, doch es ist andererseits natürlich durchaus ratsam, die Vorsichtsmaßregeln nicht außer Acht zu lassen.

Borsigs zehntausendste Lokomotive. Die berühmten Lokomotivwerkstätten von A. Borsig haben jetzt die zehntausendste Lokomotive fertiggestellt. ...


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 17. Oktober 1918 (Nr. 244), Aus Ort und Land

Weitere Schulschließungen in Friedrichshagen. Infolge Umsichgreifens der Grippe unter den Schülerinnen mußten auch im Lyzeum vier Klassen - vorläufig bis zum Montag - geschlossen werden. In der König Friedrich-Schule ist ebenfalls der Unterricht in vier Klassen bis zum Montag ausgesetzt.

Grippe-Erkrankungen im Betriebe der Gasanstalt. Wie wir erfahren, ist auch das Gemeinde-Gaswerk durch die herrschende Grippe in eine schwierige Lage gebracht. Der größte Teil der Belegschaft ist erkrankt, davon einige Personen schwer, und seit Montag kann der Betrieb nur unter Zuhilfenahme von Soldaten notdürftig aufrecht erhalten werden. ...

Verlegung des Kunstgemeinde-Konzerts. Da Herr Kammermusiker Max Saal, der in der nächsten Darbietung als Harfenist und Pianist mitwirkt, an Grippe erkrankt ist, mußte das Konzert auf Dienstag, den 22. Oktober verlegt werden. Bereits gelöste Karten behalten Gültigkeit.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 18. Oktober 1918 (Nr. 245), Aus Ort und Land

Die Grippe. Bisher ist Friedrichshagen bei der Grippe-Epidemie noch verhältnismäßig glimpflich fortgekommen, doch ist in den letzten Tagen auch hier eine starke Zunahme zu verzeichnen. Die weitere Ausbreitung dieser tückischen Krankheit zeigt sich in unserem Ort nicht nur in neuen Erkrankungen, sondern auch in Todesfällen. ... Da die Verhältnisse fast überall gleich ungünstig liegen, hat das Kgl. Provinzial-Schulkollegium an die höheren Schulen Berlins und der Provinz Brandenburg eine Verfügung erlassen, wodurch die Direktoren ermächtigt werden, im Notfalle einzelne Klassen oder auch die ganze Schule zu schließen. Dieselbe Vorsorge ist für die Gemeindeschulen getroffen worden, und eine Anzahl Schulleiter hat auch in anderen Orten Groß-Berlins bereits von der Befugnis Gebrauch gemacht. So mußten allein in Berlin selbst elf Gemeindeschulen ganz oder teilweise geschlossen werden. ... Diese Maßnahmen dürften dazu beitragen, ein weiteres Ausbreiten der Seuche durch Ansteckung in der Schule zu verhindern.
Seit einigen Tagen ist besonders das Gemeindegaswerk in Friedrichshagen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Von 19 hier beschäftigten russischen Gefangenen sind nicht weniger als 17 krank, davon die meisten schwer; bei dreien stellte sich Lungenentzündung ein, sodaß sie nach dem Lazarett überführt werden mußten. Auch von den übrigen Gaswerksarbeitern erkrankten drei, ebenso zwei Büroangestellte. ... Seit Dienstag sind auf Veranlassung des Generalkommandos Soldaten vom Cöpenicker Ersatzbataillon im Werk beschäftigt. ...
Auch im Verkehrsleben macht sich das Anwachsen der Grippe stärker bemerkbar. Die Große Berliner Straßenbahn sieht sich zu Einschränkungen in den verkehrsschwächeren Stunden gezwungen, um genügend Personal für die Hauptverkehrszeiten zur Verfügung zu haben. Beim Berliner Haupt­telegraphenamt sind mehrere hundert Beamte und Beamtinnen von der Grippe befallen. ... Bei den Groß-Berliner Krankenkassen sind im Durchschnitt in den letzten acht Tagen täglich 500 neue Grippefälle zu verzeichnen gewesen, bei täglich etwa 100 Gesundmeldungen. Lungenentzündung als Folge der Grippe-Erkrankungen wird in gesteigerter Anzahl gemeldet. ...


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 19. Oktober 1918 (Nr. 246), Aus Ort und Land

Infolge der vielen Erkrankungen an Grippe ist den Veranstaltern von Theater- und Kinovorstellungen und Konzerten zu Verhütung der Uebertragung durch die zur Zeit besonders gefährdete Jugend bis auf weiteres verboten, Kinder bis zum vollendeten 16. Lebensjahre zu diesen Veranstaltungen zuzulassen.

Vierzehntägige Urlaubssperre. Von amtlicher Seite wird mitgeteilt: Für den Westen ist auf 14 Tage Urlaubssperre angeordnet worden. erster Sperrtag war der 14. Oktober. Offiziere und höhere Beamte kehren nach Ablauf ihres planmäßigen Urlaubs zurück. Der Rücklauf der zurzeit beurlaubten Mannschaften beginnt am 28. Oktober.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 21. Oktober 1918 (Nr. 247), Aus Ort und Land

Zunahme der Grippe. Die Hoffnung, daß die Epidemie ihren Höhepunkt überschritten habe und im Rückgang begriffen sei, scheint sich leider nicht zu bestätigen. Bei den Krankenkassen rechnet man im Gegenteil noch mit einer weiteren Ausdehnung. Auch die Abwickelung des Post-, Telegraphen- und Fernsprechverkehrs in Berlin leidet stark unter den Massenerkrankungen des Personals an Grippe.

Schließung sämtlicher Lichtenberger Schulen. In Lichtenberg sind sämtliche Volksschulen, mittlere und höhere Schulen wegen der immer zahlreicher auftretenden Grippe bei Lehrpersonen und Kindern geschlossen. Wiederbeginn des Schulunterrichts Freitag, den 1. November.


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 22. Oktober 1918 (Nr. 248), Aus Ort und Land

Schulschließungen wegen Grippe. In den Schulen Friedrichshagens haben die Erkrankungen an Grippe weiter zugenommen. Gestern mußte sowohl im Gymnasium wie im Lyzeum der Unterricht in einigen weiteren Klassen eingestellt werden. ... Im Kreise Teltow haben die Erkrankungen an Grippe einen besonders großen Umfang angenommen, sodaß allgemeine, durchgreifende Maßnahmen getroffen werden mußten. Der Regierungspräsident in Potsdam hat daher die Schließung sämtlicher Schulen des Kreises auf vorläufig zwei Wochen angeordnet.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 23. Oktober 1918 (Nr. 259), Aus Ort und Land

Gegen die Grippe. Von ärztlicher Seite wird mitgeteilt, daß sich als praktisches Vorbeugemittel gegen die gefährliche Krankheit tägliches Gurgeln und Nasenspülen mit lauem Wasser, in dem eine Messerspitze Kochsalz gelöst ist, empfiehlt. Auch eine Mischung von Wasser und zwei Teelöffeln Wasserstoffsuperoxyd oder essigsaurer Tonerde wird empfohlen. ...

Die Schulschließungen wegen der Grippe-Erkrankungen haben in Friedrichshagen weiteren Umfang angenommen. Am Gymnasium sind heute die letzten beiden Klassen geschlossen worden. ...


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 24. Oktober 1918 (Nr. 250), Aus Ort und Land

Weiteres Steigen der Grippe. Die Zahl der Grippekranken bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Berlin, die ein Gradmesser für die Lage in Groß-Berlin sein dürfte, ist am Dienstag wieder gestiegen. Es wurden 1786 neue Fälle gemeldet gegen 1591 am Tage zuvor. Todesfälle an Grippe waren 19, an Lungenentzündung 12 zu verzeichnen. ...

Die Grippeferien. Die durch die Grippe-Erkrankungen in den Schulen von Friedrichshagen geschaffene Lage hat sich, soweit die höheren Lehranstalten in Betracht kommen, erheblich gebessert. ... Dagegen bleiben die beiden Gemeindeschulen noch weiter geschlossen. Deren Schließung ist auf Anordnung des Landrates bis auf weiteres erfolgt, und eine nähere Bestimmung über die Wiederaufnahme des Unterrichts liegt bisher nicht vor.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 25. Oktober 1918 (Nr. 251), Aus Ort und Land

Die Grippe geht scheinbar zurück, vielleicht unter dem Einfluß des schönen Wetters und der getroffenen vorbeugenden Maßnahmen. Fast alle Stellen melden eine Abnahme der Erkrankungs- und Sterbefälle. Auch die Mitteilungen von Aerzte lassen die Annahme zu, als ob die Grippe ihren Höhepunkt überschritten habe. Aus einzelnen Gegenden wird aber noch von einem Umsichgreifen der Krankheit berichtet. Vorsicht ist natürlich nach wie vor am Platze. ... Im Kriese Niederbarnim sind ferner die Schulen von Friedrichsfelde-Karlshorst, Hohenschönhausen, Bernau usw. geschlossen. In Berlin betrug die Zahl der geschlossenen Schulen am Mittwoch insgesamt 160 von mehr als 400; sie sollen sämtlich am nächsten Montag wieder eröffnet werden.

Ueber die Behandlung der Grippe wird von ärztlicher Seite geschrieben: ... Beim Wahrnehmen der ersten Krankheitssymptome, wie Müdigkeit, Frösteln, Kopfschmerz, Schnupfen, Husten usw. lege man sich ins Bett. ...


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 26. Oktober 1918 (Nr. 252), Aus Ort und Land

Schulschließungen wegen Grippe. Das stark gehäufte und zum Teil sehr bösartige Auftreten der Grippe (Influenza) macht in zahlreichen Ortschaften die sofortige Schließung der Schulen notwendig. Der Regierungspräsident hat daher den Landrat des Kreises Niederbarnim ermächtigt, derartige Schul­schließungen wegen Erkrankungen an Gruppe im Einvernehmen mit dem Kreisarzt bis zu zwei Wochen anzuordnen. Die Gemeindevorsteher werden vom Landrat ersucht, die Schließung der Schulen bei ihm nachzusuchen, wenn mindestens 25 Prozent der Schulkinder an der Grippe erkrankt sind.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 28. Oktober 1918 (Nr. 253), Aus Ort und Land

Die Grippe im Fernsprechamt. Auch das Fernsprechamt Friedrichshagen ist von der Grippe stark heimgesucht. Mehr als die Hälfte der Beamten und Beamtinnen ist erkrankt. Die Leitung hofft, den Betrieb ohne Einschränkung der Dienststunden aufrecht erhalten zu können, während viele Aemter in Groß-Berlin genötigt sind, die Dienstzeit morgens und abends abzukürzen. ...


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 29. Oktober 1918 (Nr. 254), Aus Ort und Land

Keine Schließung der Theater und Kinos. Die Besprechung über die Grippe, die im Ministerium des Innern stattfand, hat das Ergebnis gehabt, daß man von einer Schließung der Theater, Kinos, Konzerte usw. noch absehen zu können glaubt, desgleichen von einer allgemeinen Schließung der Schulen.

Beschränkter Fernsprechdienst wegen der Grippe. Das Cöpenicker Postamt hat seinen Fernsprech­betrieb infolge zahlreicher Grippeerkrankungen eingeschränkt. Die Dienstzeit ist von 8 bis 8 Uhr. In Friedrichsagen wird der Dienst, trotzdem mehr als die Hälfte des Personals erkrankt ist, noch von 7 bis 10 Uhr wahrgenommen.

Verlängerung der Grippe-Schulferien in Cöpenick. der Unterricht in der Körner- und Dorotheen­schule, sowie den Gemeindeschulen wird erst am Montag, den 4. November, wieder aufgenommen, sofern inzwischen nichts anderes bestimmt wird. An den Fortbildungsschulen wird der Unterricht ebenfalls erst am 4. November beginnen.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 30. Oktober 1918 (Nr. 255), Aus Ort und Land

In unseren Schulen herrscht seit Montag wieder voller Betrieb. Die Grippe ist nahezu überwunden. Am Gymnasium ist der Unterricht nur noch in einzelnen Klassen ausgesetzt, während im Lyzeum bereits in allen Klassen unterrichtet wird. Die Zahl der in den wiedereröffneten Klassen fehlenden Schüler wird mit jedem Tage geringer. Die Gemeindeschulen konnten am Montag den Unterricht gleich in sämtlichen Klassen wieder aufnehmen. Zur Zeit gibt es dort nur vereinzelte Grippekranke.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 31. Oktober 1918 (Nr. 256), Aus Ort und Land

Die vorübergehende Aufhebung weiterer Züge, insbesondere auch von Personenzügen, ist infolge des Personalmangels angeordnet. Rund 45000 Bahnbeamte sind an der Grippe erkrankt. Im Berliner Stadt-, Ringbahn- und Vorortverkehr soll zunächst noch von Einschränkungen abgesehen werden.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 1. November 1918 (Nr. 257), Aus Ort und Land

Mit der Grippe geht es nun täglich in Großberlin bergab. Nach den vorliegenden Meldungen von über 300 Krankenkassen ist ein erheblicher Rückgang bei den Neuerkrankungen und den Sterbefällen zu verzeichnen. Bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Berlin ist die Zahl der täglichen Krank­meldungen jetzt auf 940 zurückgegangen. Auch in Friedrichshagen hat sich die Lage weiter gebessert, obwohl noch immer zahlreiche Erkrankungsfälle, darunter vereinzelte mit tödlichem Ausgang, zu verzeichnen sind. ...


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 2. November 1918 (Nr. 258), Aus Ort und Land

Aufgehobenes Verbot. Nachdem die Erkrankungen an Grippe erheblich zurückgegangen sind, ist das Verbot vom 17. Oktober d. Js., wonach Kindern bis zum 16. Jahre der Besuch von Theater- und Kinovorstellungen und von Konzerten ec. untersagt war, wieder aufgehoben worden.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 4. November 1918 (Nr. 259), Aus Ort und Land

Ueber Grippe und Lungenentzündung hielt Herr Direktor Max Canitz aus Berlin am Dienstag einen Vortrag im hiesigen Naturheilverein. ... Er stellte einleitend fest, daß es sich bei der jetzigen Grippe um nichts anderes handelt, als bei der Influenza der früheren Seuchenjahre. ...

Eine Aerztenot infolge der Grippe herrscht in Niederschöneweide. Der Sanitätsrat Dr. Thomsen und sein Vertreter sind beide an der Grippe erkrankt. Die Aerztin Frl. Dr. Ruben ist deswegen zurzeit die einzige ärztliche Kraft am Orte.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 6. November 1918 (Nr. 261), Titelseite

Vor dem Abschluss des Waffenstillstandes
Abreise der deutschen Delegation zu den Abschlußverhandlungen.
Bevorstehende Friedensverhandlungen
Die deutsche Delegation ist zum Abschluß des Waffenstillstandes und zur Aufnahme von Friedens­verhandlungen nach dem Westen abgereist.


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 6. November 1918 (Nr. 261), Aus Ort und Land

Langsame Abnahme der Grippe. Die Grippe geht zwar weiter zurück, aber doch nicht mit der Schnelligkeit, die man nach den Zahlen der letzten Oktoberwoche vorausgesetzt hatte. Bei der Berliner Allgemeinen Ortskrankenkasse waren gestern 664 neue Grippefälle und 21 Fälle von Lungen­entzündung gemeldet. Am Sonnabend und Sonntag vergangener Woche waren die Zahlen 687 und 688. Todesfälle waren gestern an Grippe 13 und an Lungenentzündung 11 gemeldet. Auch in den Vororten ist ein dauernder Rückgang zu beobachten. ...

Die im Krieg üblich gewordene Verlängerung gewisser Verjährungsfristen ist nun auch für das nächste Jahr erfolgt.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 7. November 1918 (Nr. 262), Titelseite

Gegen Arbeiter- und Soldatenräte
In gewissen Kreisen besteht die Absicht, unter Mißachtung gesetzlicher Bestimmungen Arbeiter- und Soldatenräte nach russischem Muster zu bilden.
Derartige Einrichtungen stehen mit der bestehenden Staatsordnung im Widerspruch und gefährden die öffentliche Sicherheit. Ich verbiete auf Grund des § 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand jede Bildung solcher Vereinigungen und die Teilnahme daran.
Der Oberbefehlshaber in den Marken. von Linsingen, Generaloberst.


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 8. November 1918 (Nr. 263), Titelseite

Demission des Reichskanzlers
Dem Kaiser ist gestern abend telegraphisch über die gesamte politische Lage Bericht erstattet worden. Eine Antwort des Kaises steht noch aus. Der Reichskanzler hat seine Demission eingereicht.

Die Sozialisten fordern die Abdankung des Kaisers.
Die Parteileitung der sozialdemokratischen Partei hat gestern noch einmal die Gesamtlage besprochen und ... fordert, daß ... [u.a.] die Abdankung des Kaisers und der Thronverzicht des Kronprinzen bis heute Mittag bewirkt werden. ...


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 9. November 1918 (Nr. 264), Titelseite

Die Waffenstillstands-Verhandlungen.
Eine 72stündige Frist.
Die Waffenstillstandsbedingungen sind unseren Unterhändlern mitgeteilt worden. Ihre Annahme in ihrer Gesamtheit wird bis Montag verlangt. der Inhalt ist im Hauptquartier und in Berlin noch nicht eingetroffen.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 9. November 1918 (Nr. 264)

Generaloberst Linsingen zurückgetreten.
Wie halbamtlich mitgeteilt wird. hat der Oberbefehlshaber in den Marken, Generaloberst von Linsingen, seinen Abschied eingereicht.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 11. November 1918 (Nr. 265)

Die Regierungsbildung vollzogen ...
Einigung der beiden sozialdemokratischen Richtungen ...
Die Verhandlungen der Sozialdemokratischen Partei und der Unabhängigen Sozialdemokratie zwecks Bildung einer gemeinsamen Regierung sind soeben zum Abschluß gelangt. ...

Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages. ...
Infolge des Waffenstillstandsvertrages wurden heute mittag an allen Fronten die Feindseligkeiten eingestellt.

Die Oberste Heeresleitung für die Soldatenräte.
Aus dem Hauptquartier ist die telegraphische Nachricht eingetroffen, daß die Oberste Heeresleitung die Autorität der Arbeiter- und Soldatenräte anerkennt. Ferner wird amtlich berichtet: Der Kriegs­minister hat sich der neuen Regierung zur Verfügung gestellt, um die weitere Ernährung des Heeres und die Lösung der Demobilmachungsaufgaben sicherzustellen.


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 12. November 1918 (Nr. 266)

Der Waffenstillstand in Kraft.
Außer sonstigen wenig belangreichen Ereignissen verzeichnet der heutige Heeresbericht die Tatsache, daß der Waffenstillstand heute mittag 12 Uhr an allen Fronten in Kraft getreten ist.

Der Regierungskurs.
Proklamation des Arbeiter- und Soldatenrates.
In der gestrigen Versammlung im Zirkus Busch, in der die Regierung und der Arbeiter- und Soldatenrat sich konstituierten, wurde zum Schluß eine Proklamation gutgeheißen, deren Leitsätze man als Programm für den Kurs der sozialistischen Regierung auffassen kann. Die Proklamation verwirft die Weiterexistenz der Dynastien, stellt fest, daß Deutschland eine sozialistische Republik geworden, fordert Bauernräte auf dem Lande, sofortigen Frieden, Vergesellschaftung der kapitalistischen Produktionsmittel. ... Die Proklamation verwirft die Weiterexistenz der Dynastien, stellt fest, daß Deutschland eine sozialistische Republik geworden, fordert Bauernräte auf dem Lande, sofortigen Frieden, Vergesellschaftung der kapitalistischen Produktionsmittel. ...


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 13. November 1918 (Nr. 267), Aus Ort und Land

Der achtstündige Arbeitstag vom 1. Januar 1919 ab. Unter den sozialpolitischen Verordnungen der neuen Volksregierung befindet sich auch die Bestimmung, daß spätestens am 1. Januar 1919 der achtstündige Maximalarbeitstag in Kraft tritt.

Das Landratsamt Niederbarnim besetzt. Amtlich wird gemeldet: Das Landratsamt Niederbarnim ist gestern von Beauftragten des Arbeiter- und Soldatenrates besetzt worden. Der Landrat bleibt in Funktion, doch bedürfen alle seine Verfügungen der Gegenzeichnung der beiden Kommissare Albert Baumeister und Hermann Müller.

Die Umwälzung hat sich auch in unseren [Friedrichshagener] Nachbarorten ohne Störung der Ordnung und völlig unblutig vollzogen. In Cöpenick führt der Arbeiter- und Soldatenrat, der mit dem Magistrat zusammenarbeitet, die Aufsicht über die städtische Verwaltung. ...


Niederbarnimer Zeitung, Freitag, den 15. November 1918 (Nr. 269), Aus Ort und Land

Die Behörden bleiben in Tätigkeit. Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrates in Berlin hat für Groß-Berlin das Folgende angeordnet:
„Alle kommunalen, Landes-, Reichs- und Militärbehörden setzen ihre Tätigkeit fort. Alle Anordnungen dieser Behörden erfolgen im Auftrage des Vollzugsrates des Arbeiter- und Soldatenrates. Jedermann hat den Anordnungen dieser Behörden Folge zu leisten. ...“

Bevorstehende Einstellung des Personenfernverkehrs. Wie die Staatsbahndirektion Berlin mitteilt, kann zur Durchführung der Demobilisierung nur noch ein geringer Teil der bisherigen Züge für den öffentlichen Verkehr gefahren werden. ...


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 18. November 1918 (Nr. 271), Aus Ort und Land

Winter. Die letzten Tage der verflossenen Woche brachten zunehmende Kälte, die in der Nacht zum Sonnabend auf 8 Grad und darüber stieg. Nachdem die Temperatur gestern sich um ein Weniges gemildert hatte, ist über Nacht Schneefall eingetreten, und die Landschaft zeigt sich heute zum ersten Male in diesem Winter im weißen Kleide.


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 21. November 1918 (Nr. 273), Aus Ort und Land

Die für den 4. Dezember angesetzte Volkszählung im Deutschen Reiche ist auf später verschoben worden.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 23. November 1918 (Nr. 275), Aus Ort und Land

Einschränkungen auch im Vorortverkehr. Die Demobilisierung beansprucht einen so großen Teil des Lokomotivparks der Eisenbahn, daß vorübergehend auch vor dem Stadt-, Ring- und Vorortverkehr nicht Halt gemacht werden kann, obwohl die Eisenbahnverwaltung sich bewußt ist, daß gerade hier eine Einschränkung besonders hart empfunden werden wird. ...


Niederbarnimer Zeitung, Mittwoch, den 27. November 1918 (Nr. 279), Aus Ort und Land

Schneefall. Der Winter hat in diesem Jahre früh und mit Nachdruck eingesetzt. Bereits seit Mitte November haben wir anhaltenden strengen Frost. Die Kälte stieg in manchen Nächten bis auf 8 Grad, und selbst in den Mittagsstunden vermochte die Sonne den Gefrierpunkt nicht zu überwinden. ...


Niederbarnimer Zeitung, Donnerstag, den 5. Dezember 1918 (Nr. 285), Aus Ort und Land

Die Grippe, die nach übereinstimmenden Meldungen in Groß-Berlin als nahezu erloschen betrachtet werden konnte, tritt wieder in stärkerem Umfange auf. Auch Fälle von Lungenentzündung infolge von Grippe werden wieder in größerer Zahl beobachtet.


Niederbarnimer Zeitung, Sonnabend, den 7. Dezember 1918 (Nr. 287), Aus Ort und Land

Wohnungskündigungen und A.- und S.-Räte. Die A.- und S.-Räte der Provinz Brandenburg haben mit sofortiger Wirkung beschlossen: Kündigungen von Wohn- und Geschäftsräumen unterliegen der Genehmigungspflicht der Arbeiter- und Soldatenräte. ...

Rückgabe der Kirchenglocken. Die seinerzeit zwecks Verwendung als Rüstungsmaterial abgelieferten Kirchenlocken sollen, soweit sie nicht bereits an die Zentralen zur Einschmelzung abgeführt worden sind, den Gemeinden wieder zugestellt werden.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 9. Dezember 1918 (Nr. 288), Aus Ort und Land

Die Veranstaltung von Tanzlustbarkeiten und anderen Vergnügungen, die zur Zeit in großer Zahl stattfinden, bedarf der polizeilichen Erlaubnis. Auch die Entrichtung der Lustbarkeitssteuer ist nach wie vor erforderlich. Zuwiderhandlungen werden bestraft.


Niederbarnimer Zeitung, Montag, den 16. Dezember 1918 (Nr. 294), Aus Ort und Land

Die Frau als Staatsbürgerin. Durch die staatliche Neugestaltung hat die deutsche Frau von ihrem 20. Lebensjahre an volles Staatsbürgerrecht und damit die Gleichberechtigung mit dem Manne erlangt. Dazu gehört insbesondere das Wahlrecht zu den gesetzlichen Körperschaften des Reiches und Staates sowie zu den Vertretungen in den Gemeinden. ...


Niederbarnimer Zeitung, Dienstag, den 24. Dezember 1918 (Nr. 301), Aus Ort und Land

Der Winter hat am Sonntag kalendermäßig seinen Einzug gehalten. Pünktlich stellte sich in der Nacht darauf strenger Frost ein, dem am Montag morgen Schneetreiben folgte. Weitere Schneefälle sind zu erwarten. ...

Als Weihnachtsgabe für die heimkehrenden Truppen werden in allen Soldatenheimen, die in der Nähe der Berliner Fernbahnhöfe errichtet sind, am Weihnachtsheiligabend und am Silvesterabend kostenlos warme Getränke und kleine nützliche Gaben verabreicht.


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