Wir sind in der Champagne unterwegs - auf der Suche nach Gefallenen des Ersten Weltkrieges, die aus unserer Gegend stammen. Wir waren gerade in Loive, ein paar Kilometer nördlich von Reims, wo wir auf einem Soldatenfriedhof einen Gefreiten besucht haben, den wir mit gleichen Namen und Dienstgrad in einer Verlustliste gefunden haben, in der „Blumberg, Kreis Niederbarnim“ als sein Geburtsort ausgewiesen ist. Mehr wissen wir nicht - da bleiben Zweifel.
Jetzt sind wir auf dem Weg nach Alsfeld, etwa zwanzig Kilometer weiter nördlich gelegen, wo wir das Grab eines anderen Blumbergers besuchen wollen, das des Musketiers Richard Rosenbaum. Dessen Namen und Sterbedatum haben wir auf dem Kriegerdenkmal in Blumberg gefunden.
Mit dem gleichen Sterbedatum findet er sich in der Daten­bank des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge wieder. Hier gibt es keinen Zweifel, dass wir den „Richtigen“ verfolgen.
Der deutsche Soldatenfriedhof von Asfeld liegt fast mitten im Dorf, gegenüber den kommunalen Friedhof, auf dem Ende Oktober emsiges Trieben herrscht. Vermutlich gedenkt man auch hier wie in katholischen Gegenden Deutschlands zu „Allerheiligen“ (1. November) ganz besonders der Toten.
Die Tafel am Eingang besagt, dass hier 5376 deutsche Soldaten des Krieges 1914-1918 ruhen. Das vorgefundene Namenbuch bestätigt die uns bekannten Angaben:
Die Grabstelle im Block 3 ist schnell gefunden. Hier steht wie auf fast allen Grabstellen ein schwarzes, gusseisernes Kreuz mit je einem Namen auf Vorder- und Rückseite jedes Armes. Vier Soldaten teilen sich als also ein solches Kreuz, das langsam durch Korrosion und Aufblühungen an Substanz verliert. Aber die erhabene Schrift ist noch gut zu erkennen.
Dem Sterbedatum (18.5.17) nach ist „unser“ Musketier Richard Rosenbaum während der 1. Schlacht an der Aisne (16.4. bis 27.5.1917) gefallen.
Die Franzosen versuchten da die dt. Stellungen am Chemin-des-Dames durchbrechen.
In der Mitte des Soldatenfriedhof befindet sich ein fast quadratisches Gemeinschaftsgrab, in dem 870 Soldaten ruhen, von denen nur gut vierzig namentlich bekannt sind. Ihre Namen sind auf einer Bronzetafel am Rand des Grabes vermerkt.
In der Mitte des Gemeinschaftsgrabes thront ein steinernes Etwas mit aufgesetztem Kreuz, gekreuzten Schwertern und der Jahreszahl 1918. Das kann man durchgehen lassen, auch wenn es nicht dem heutigen Geschmack entspricht. Anderswo haben wir auf Friedhöfen solche Denkmäler mit recht fragwürdigen Inschriften gesehen.
Gegenüber liegt wie gesagt der kommunale Friedhof in ganz typischer französischer Ausführung. Keine Gräber auf grünen Wiesen verteilt, sondern aus oft kostbarem Stein gemauerte Grabstellen mit senkrechtem Grabstein und einer Deckplatte, die mit Spruch- und Bildtafeln vollgestellt ist. Dazu eine Vase und manchmal auch ein Blumenkasten.
Das sieht sehr aufgeräumt und meist sehr ordentlich aus, hat aber nicht den Parkcharakter vieler unserer Friedhöfe.
Im Ort, der natürlich über ein Kriegerdenkmal und ein eindrucksvolles Rathaus (Mairie) verfügt, sticht an einem viel zu groß geratenen Platz eine Kirche ins Auge, die man vom Baustil her eher in Oberitalien erwarten würde. Was frühere Generationen bewogen hat, das eigene Dorf mit einem für die Gegend völlig untypischen Bauwerk zu schmücken, bleibt uns als Fremden leider verborgen - auch, warum man hier nur noch so selten eine kleine Kneipe findet, in der man mal auf die Schnelle einen Espresso trinken kann ...
Wir fahren durch die leicht hügelige und ziemlich menschenleere Gegend weiter in Richtung der Schlachtfelder bei Verdun. Unser nächstes Etappenziel ist Mont-St.-Remy.